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Spielsucht

von Skillz
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Felix Seo Changbin
15.04.2020
20.12.2020
49
124.501
16
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.12.2020 3.030
 
Hallöchen c:


Kurzes Vorwort, weil ich Bescheid geben wollte, dass ich ab jetzt wieder einmal in der Woche updaten werde. Und zwar so wie vorher immer sonntags. Das hat zwei Gründe:

Ich habe noch ein anderes Projekt, dass seit vier Jahren hier einfach nur herumchillt und mal fertig geschrieben werden sollte ups.

Und es lesen sowieso nicht so viele derartig aktiv mit, sodass sie mit zwei Updates in der Woche zurechtkommen. Das Tempo war für eine Zeit ganz gut für mich, aber jetzt kann es wieder etwas heruntergeschraubt werden.

Wie immer halte ich die Uploadpläne auf meinem Profil möglichst auf neuestem Stand. Also könnt ihr auch ab und an dort vorbeischauen.

Dann viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße
Sindy
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Eigentlich hat Felix überhaupt keinen Hunger, aber er will Changbins Angebot nicht ausschlagen. Außerdem kann er vielleicht ein bisschen klarer denken, wenn er etwas im Magen hat.

Die Schüssel Tteokbokki dampft einladend vor ihm, aber er hat den Blick fest auf seinen Gegenüber gerichtet, der seine Nudeln isst.

Er kaut nahezu konzentriert und scheint nachzudenken. Hörbar schluckt er und blickt dann zu Felix. ,,Also …”

,,Es tut mir leid”, sagt Felix plötzlich, ,,Dass ich dich mit Cola geduscht habe.”

Changbin muss fast lachen. Ist er wirklich nicht mehr sauer? Wäre Felix an seiner Stelle, würde er sich selbst den Kopf abreißen. ,,War etwas schwierig, das heraus zu waschen. Aber ist schon okay. Ich war auch nicht wirklich sensibel.”

Felix pickt nun einen Reiskuchen und stopft ihn in seinen Mund. Er weicht Changbins Blick aus und starrt auf die Tischplatte. Ihm ist ziemlich elend zumute, während er hier hilflos sitzt. Egal, wie er es wendet und dreht: Er gewinnt keine Kontrolle über seine Emotionen.

,,Doch, du bist sensibel”, sagt Felix schließlich, ,,Und du passt ständig auf mich auf.” Langsam hebt er den Blick an. ,,Danke für den Song.”

,,Ich dachte, du hasst meinen Auftritt”, murmelt Changbin.

Vehement schüttelt Felix den Kopf. ,,Nein … Nein. Ich war nur überfordert.” So sicher ist er sich bezüglich der Aussage auch nicht. Zögerlich isst er weiter und berührt mit seinen Füßen immer wieder die von Changbin.

Die kleine Geste bringt den anderen sogar ein bisschen zum Schmunzeln. ,,Ich habe letztes Jahr angefangen, den Song zu schreiben.”

,,Oh”, macht Felix peinlich berührt und runzelt leicht die Stirn. Dann schiebt er den Teller von sich. ,,Ich möchte Kuchen.

“Du hast nicht einmal die Hälfte gegessen”, stellt Changbin stirnrunzelnd fest.

,,Ja, ich hätte trotzdem gerne Kuchen.”

Also bestellt Changbin Kuchen für ihn. Er ist wirklich süß; das hat Felix nie verneinen können.

,,Warst du jemals verliebt in Sungjin?”, fragt Changbin vorsichtig.

Felix teilt den Kuchen erst in der Hälfte, ehe er kleinere Bissen nimmt. ,,Nein”, antwortet er schlicht und genießt den süßen Geschmack auf der Zunge.

,,Wieso warst du mit ihm zusammen?”

Es klirrt, als Felix die Gabel niederlegt. ,,Ich dachte mir: Es gibt endlich jemanden, der mich mag.”

Changbin zieht die Augenbrauen zusammen und verzieht den Mund als hätte er starke Schmerzen. Wahrscheinlich hat er die auch. ,,Felix … Die Sache am Valentinstag ist so blöd gelaufen.” Er greift nach der Hand von Felix und hält sie in einem erstaunlich festen Griff. ,,Ich wollte dir sagen, dass ich genauso für dich empfinde. Wäre Sungjin nicht aufgetaucht, dann …”

Felix entzieht seine Hand.

,,Du musst mir glauben.”

,,Das tue ich.” Felix isst weiter und schweigt, bis er fertig ist.

Changbin kriegt wohl keine Nudeln mehr herunter und starrt die ganze Zeit aus dem
Fenster.

Schließlich kippt Felix in einem Zug sein Getränk herunter. ,,Doch, ich glaube dir”, wiederholt er und stellt das Glas ein Ticken zu heftig ab, ,,Deswegen … ja, keine Ahnung.” Er stützt das Kinn auf seiner offenen Handfläche ab. ,,Lass es uns versuchen.”

,,Hm?” Changbin sieht ihn unentschlossen an.

,,Ich will dein fester Freund sein”, stellt Felix klar.

Changbins Kinnlade klappt quasi bis zum Boden herunter. ,,Jetzt im Ernst?!”

Felix nickt vorsichtig.

,,Aber ich dachte, dass Sungjin-”

,,Ich habe keine Lust mehr, einem Vollidioten nachzutrauern”, nuschelt Felix. Er hat das Gefühl, dass das hier ein großer Fehler ist. Diese Beziehung könnte ein einziger Albtraum werden.

Aber er will sie. Er will sie schon die ganze Zeit und hat gegen diesen Drang gekämpft. Jetzt hat er keine Lust mehr darauf, zu widerstehen, und will den Rest der Welt dafür anschreien, dass sie für sein Leiden sorgt. Changbin ist einer der Wenigen, die ihn nicht für dumm verkaufen.

Changbin atmet lange aus und lächelt dann. ,,Ich … ja, doch. Dann machen wir das eben.”

Also verlassen sie Händchen haltend das kleine Restaurant.

Felix merkt, wie stark seine Knie zittern und er kann das Übelkeitsgefühl nicht unterdrücken. Wird das eine weitere Tirade, bei der er ständig lügen wird? Nur, damit Changbin ihn für keine schlechte Person hält? Er hat Angst. Unfassbare Angst. Er wird diese Beziehung so was von vermasseln, dabei hält sie gerade mal seit knapp 15 Minuten.

,,Felix … Du bist ganz blass”, merkt Changbin an, ,,Dir geht’s nicht gut, oder?”

Tief atmet Felix durch und löst die Hand von Changbins.

,,Willst du doch nicht? Felix, du musst nicht mit mir zusammen sein. Wenn du mehr Zeit brauchst, dann-”

Vehement schüttelt Felix den Kopf und bringt ein halbes Lächeln zustande. ,,Nein, ich will. Weil ich dich liebe.” Dass er die Worte so direkt wählt, trifft Changbin wie ein Schlag in den Magen.

,,Lieben? Wow, ich … Felix, das ist eine krasse Aussage.”

Sogleich verfinstert sich Felix Miene. ,,Willst du einen Rückzieher machen?.” Er geht an Changbin vorbei und ballt die Hände zu Fäusten. Alle machen nämlich einen Rückzieher, wenn es ernst wird!

Changbin holt ihn schnell ein. ,,Felix, stopp!” Er hält ihn an. ,,Du bist komisch”, sagt er und sieht ihn undefinierbar an, ,,Was auch immer für Probleme du hast: Sprich’ mit mir darüber. Du sollst dich nicht in irgendwelche Sachen hineinsteigern. Ich will mit dir zusammen sein, aber ich will nicht direkt durch die Gegend posaunen, dass ich dich liebe.” Seine Augen fungieren wie Anker, die Felix’ Aufmerksamkeit anketten. ,,Guck’ dir das doch an. Du bist noch so jung. Wir  sind noch so jung. Ich habe keine Erwartungen an dich. Ich will nur bei dir sein. Ist das zu viel verlangt?”

Felix sieht ihn unberührt an. Seine Augen wirken quasi tot.

,,Felix?”

Angesprochener senkt den Blick. ,,Entschuldige”, haucht er.

Seine Stimmungsschwankungen sind besonders heute verrückt und Changbin hat keine Ahnung, wie er damit umgehen soll. Aber es muss einen Weg geben.  

,,Komm’ mit zu mir nach Hause”, bittet Changbin ihn, ,,Dann können wir in Ruhe reden.”

Nach kurzem Zögern gibt Felix nach und nickt.

Ruhe.

Das könnte er wirklich gebrauchen.





Bis dato hat Felix nicht wirklich erraten können, wie wohlhabend Changbin ist. Er ist davon ausgegangen, dass er schon ein kleines Geldpolster haben muss, wenn er sich das ganze Musikequipment leisen kann, aber dass er so  reich ist - damit hat er wirklich nicht gerechnet.

Er starrt wie versteinert die Villa an, während Changbin nach seinen Schlüsseln kramt. Sobald er die Tür aufgeschlossen hat, dreht er sich zu Felix um. ,,Na komm’ schon. Meine Eltern sind nicht da.”

Ehrfürchtig betritt Felix das Haus und sieht sich staunend um. ,,Das … wow.” Wenn er daran denkt, dass er Changbin selbst in seine kleine Wohnung eingeladen hat, wird ihm ganz mulmig zumute. Nicht, dass er zwangsweise arm ist, aber so ein Luxus scheint ihm ferner denn je.

,,Ein Kronleuchter? Im Ernst?”

,,Meine Eltern haben eine Schwäche für schöne Einrichtung”, murmelt Changbin und nimmt Felix die Jacke ab, ,,Na komm’ schon.” Er dirigiert den Jüngeren die Treppen hinauf in sein großes Zimmer.

Ein Doppelbett, Regale voller Alben und quasi ein Abteil mit Studio Equipment: ein PC, ein ellenlanges Audio Interface, ein kunterbuntes Mischpult, ein verdammt teuer aussehendes Kondensatormikrofon, das Launchpad, ein Akustikschirm, ein Keyboard und so viel Kabbelwirrwarr, dass es Felix schwindelig wird. Dagegen sieht Jisungs Ausrüstung mehr als jämmerlich aus.

,,Fuck, das ist so … wow.”

,,Du kannst ja auch mal daran herumspielen, wenn du willst”, meint Changbin schmunzelnd und wirft die Tasche neben seinen breiten Schreibtisch.

,,Spielen? Am Ende mach’ ich noch irgendetwas kaputt.” Zögerlich setzt sich Felix auf sein Bett. Er ist deutlich angespannt. Sein Herz klopft bis zu seiner Kehle und ihm wird etwas schlecht.

,,Man sieht dir gar nicht an, dass du so reich bist.”

,,Ja, meine Eltern mögen es auch nicht, wenn ich wie eine Bonze durch die Gegend laufe. Damit sollte man auch nicht angeben.”

Es ist ziemlich verrückt. Changbin könnte mit dem finanziellen Stand locker zu den Top Fünf beliebtesten Schülern der gesamten Schule gehören. Er könnte all diese Vorteile nutzen und die Leute damit manipulieren. Aber natürlich macht er das nicht. Ganz im Gegensatz zu gewissen anderen  Menschen.

Changbin hockt sich auf seinen Drehstuhl und wendet sich an Felix. ,,Also.”

,,Also”, wiederholt Felix.

,,Magst du mir erzählen, was los ist?”

Felix ist sich da absolut nicht sicher. Er weiß aber, dass er der Thematik nicht ewig ausweichen kann. Vor allem, wenn er mit Changbin zusammen sein will. Das will er doch. Oder nicht? Leicht verwirrt schüttelt er den Kopf. Aber gut, wenn er jetzt sein Geständnis abliefert und Changbin ihn abserviert, könnte er es ihm nicht einmal übelnehmen. Obwohl … er sollte es ihm nicht übelnehmen, allerdings täte er wahrscheinlich genau das.

,,Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll”, gibt er zu.

,,Von vorne?”, schlägt Changbin sanft vor.

Und genau das macht Felix. Ganz von vorne, ganz langsam. Er gräbt die Erinnerungen an seine Suspendierung hervor und wie er sich zunächst in der Schule geschlagen hat. Wie Sungjin ihn immer regelmäßiger angesprochen hat. Wie alles immer komplizierter wurde wegen Jung. Wie Akumo ihn immer wieder belästigt hat.

Irgendwann stoppt er.

,,Das ist sehr viel”, gibt Changbin mit kratziger Stimme von sich. Offensichtlich ist er selbst ziemlich geschockt von den Erzählungen.

,,Das ist erst der Anfang”, entgegnet Felix und lässt sich mit dem Rücken auf die Matratze fallen. Jetzt gibt es ohnehin kein Zurück mehr. Was soll Changbin schon tun? Wenn er ihn verpfeifen will, hat er sowieso keine Beweise. ,,Das mit Sungjin … Ich habe ihm Bilder auf Snapchat geschickt.”

,,Bilder.”


,,Ja. Bilder halt.”

Schwer schluckt Changbin und verzieht das Gesicht. ,,Oh. ” Er krallt die Finger in seine eigene Handfläche Ist er sauer auf Felix?

,,Also, ich war nicht nackt oder so”, murmelt Felix, ,,Aber es war halt … ja.”

,,Schon verstanden.”

,,Jedenfalls hat er sie durch die Gegend geschickt.”

Changbin schnappt erschrocken nach Luft. ,,Im Ernst?!”

,,Ja, die Bilder sind in kleineren Kreisen im Umlauf. Ich wollte die entsprechenden Handys cracken und sie zurückgewinnen, aber ich hab ja keine Ahnung, wer genau die Bilder hat”, erklärt Felix.

Changbin schnaubt. ,,So ein Arschloch. Zum Glück ist er von der Schule geflogen.”

,,Ja, was das angeht …” Langsam setzt sich Felix auf. Er senkt den Kopf und betrachtet die Matratze als wäre sie das Spannendste auf der gesamten Welt.

Abwartend wippt Changbin hin und her, während er ihn gespannt ansieht.

,,Dass er von der Schule geflogen ist, ist meine Schuld”, platzt es aus Felix heraus.

Totenstille.

,,Was?”

,,Ich hab alles inszeniert. Ich bin auch der Grund, wieso Jung überhaupt aus dem Fenster gesprungen ist. Und ich bin auch derjenige, der dafür gesorgt hat, dass Akumo suspendiert wurde. Ich bin derjenige, der die Basketballmannschaft ausgetrickst hat und ja, ich bin Schuld daran, dass Heeyeon ihre hässlichen Nägel heruntergerissen hat.” Tief schnappt er nach Luft und schlägt die Hände übers Gesicht.

Changbin ist zu geschockt, um sich nur irgendwie zu bewegen. ,,Aber wie-”

,,Ich will nicht darüber reden, wie ich es angestellt habe. Ich will es vergessen.”

,,Kann man denn mit so viel Schuld überhaupt leben?”

Verdattert blickt Felix auf. ,,Schuld? Diese Leute haben es alle verdient! Ich hatte es satt, ständig durch die Gegend geschubst zu werden. Niemand wird auch nur darauf kommen, dass dieses Gesicht …” Demonstrativ deutet er auf sich selbst. ,,... eigentlich das Hässlichste überhaupt ist.” Er zieht die Beine an. ,,Ich kann verstehen, wenn du mich jetzt hasst, aber ich dachte, ich warne dich.”

,,Vor was?”

,,Vor einer Beziehung mit mir.”

Erneut tritt Schweigen ein.

Unerträglich ist diese Stille. Felix spürt, dass er wieder kurz davor ist, zu weinen, aber er hält die Tränen tapfer zurück. Ganz bestimmt wird Changbin ihn nun abservieren, weil ihm bewusst wird, dass Felix einen absoluten Schaden hat.

,,Felix, das … Wir müssen das erzählen. Du brauchst Hilfe.”

Wütend schaut Felix ihn an. ,,Hilfe? Ich brauche keine Hilfe. Ich brauche ein neues Leben. Ohne all den Mist.” Er steht auf und geht mit großen Schritten auf Changbin zu, bevor er ihn an der Schulter packt. ,,Gib’s zu: Du hast Schiss. Du dachtest, dass ich so naiv und dumm bin. Eigentlich ganz nett als fester Freund. Aber Überraschung: Du hast dich verdammt nochmal getäuscht.”

Changbin sieht ihn fast bedauernd an. ,,Nein, habe ich nicht.” Er nimmt Felix’ Hand. ,,Also ja, ich bin überfordert, aber in dir getäuscht habe ich mich nicht.” Nach wie vor wird er feindselig angestarrt, aber davon lässte er sich nicht verunsichern. ,,Beruhig’ dich. Was auch immer du für Probleme hast: Du musst sie nicht alleine lösen.”

Felix zittert vor Zorn.

Etwas hilflos sieht sich Changbin um, bevor er in eine kleine Box mit Bonbons langt. ,,Hier, iss einen Center Shock.”

,,Was?”

,,Das beruhigt mich manchmal, wenn ich aufgewühlt bin.”

Da Felix sich nicht bewegt, reißt Changbin die Packung auf und steckt die kleine, saure Bombe zwischen die Lippen des anderen.

Fest beißt Felix darauf und schüttelt sich heftig. Es bringt ihn ein bisschen zurück auf den Boden der Tatsachen, auch wenn das Adrenalin nach wie vor wild durch seinen Körper zirkuliert.

,,Besser?”

,,Besser”, flüstert Felix und lehnt sich nach vorne, um Changbin unmittelbar zu küssen. Er weiß nicht, woher dieses plötzliche Bedürfnis kommt, aber es fühlt sich richtig an. Seufzend vergräbt er die Hände in den schwarzen Haaren und saugt an der Unterlippe.

Changbin entkommt ein überraschtes Keuchen. Er kann Spuren von dem Center Shock schmecken, aber das spornt ihn auf seltsame Weise an. Er erwidert den Kuss ein Ticken zu stürmisch, sodass Felix etwas nach hinten rutscht. Er wird allerdings sicher festgehalten.

Irgendwann steht Changbin auf und legt die Arme um die schmale Taille, während Felix die Arme auf den breiten Schultern ablegt. Dass der Ältere etwas kleiner ist, macht die Position extrem komfortabel - bei Sungjin hat sich Felix immer halb den Hals verrenkt.

Mit einem unzufriedenem Laut zieht er die Augenbrauen zusammen. Wieso denkt er an Sungjin? Er sollte diesen Kerl einfach vergessen. Changbin kann ohnehin besser küssen, besser umarmen, besser … eigentlich kann er alles besser. Changbin ist perfekt. Oder fast perfekt. Felix muss das genauer untersuchen.

,,Woran denkst du?”, nuschelt Changbin, während er die weichen Wangen des anderen küsst.

,,An dich.”

Sie tauschen ein paar weitere unbeschwerte Küsse aus, bis Changbin ihn aufs Bett drückt und sich über ihn lehnt. ,,Was für ein Zufall. Ich denke nämlich auch an dich.” Er lächelt etwas keck und reibt die Nasenspitze an die von Felix.

,,Du bist ein ziemlicher Romantiker, kann das sein?”

,,Wahrscheinlich. Ich weiß es nicht.”

Felix streicht mit seinen Fingern über Changbins Gesicht und runzelt die Stirn. ,,Sorry, das ist nur so seltsam.”

,,Was?”

,,Hier zu sein. Alles ist so surreal.” Er schließt die Augen.

Etwas verwirrt legt Changbin den Kopf schief. ,,Ahja? Also fühlst sich das nicht real an?” Er haucht einen Kuss auf Felix Hals, was den anderen zum Kichern bringt. ,,Oder das?” Er wiederholt die Prozedur.

,,Doch … natürlich. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll.”

,,Dann erkläre es mir.”


Felix winkt ab. ,,Es ist nicht wichtig.” Alles, was er sagt, endet in Schall und Rauch. Zumindest hat Sungjin ihm immer genau dieses Gefühl übermittelt.

Argh, schon wieder.

Dieser blöde Sungjin.

,,Ich dachte immer, dass ich sterben würde, wenn ich dich küssen würde ”, gibt Felix verlegen zu und atmet lange aus, bevor er ihn wieder ansieht.

,,Du kannst dich ruhig daran gewöhnen. Mich wirst du nicht so schnell los.” Changbin streicht eine blonde Strähne aus dem Weg. ,,Ich hoffe nur, dass du glücklich wirst.”

,,Mit dir bestimmt.”


,,Aber ich kann dir leider auch deine Probleme abnehmen. So gerne ich auch würde.”


Felix stützt sich auf die Unterarme ab und platziert einen Kuss auf sein Kinn. ,,Schon okay.” Zögerlich legt er sich wieder auf die Matratze. ,,Aber versprich’ mir, dass du niemandem erzählst, was ich getan habe.”

Zwiegespalten sieht Changbin ihn an. ,,Okay”, antwortet er, ,,Unter einer Bedingung.”

,,Hm?”

,,Du suchst dir Hilfe. Red’ doch mal mit deinen Eltern. So kann das jedenfalls nicht weitergehen.” Scharf sieht Changbin ihn an. ,,Ich meine, du weißt doch hoffentlich, dass es nicht gut ist, was du tust.”

,,Es fühlt sich gut an”, erwidert Felix spitz und erwidert Changbins Blick. Lange kann er dem jedoch nicht standhalten und zieht die Schultern hoch.

,,Wenn du nicht mit dir zurecht kommst, dann kann ich das bestimmt auch nicht”, argumentiert Changbin, ,,Ich bin nicht dazu da, um dich zu fixen. Das kann ich auch gar nicht.”

Eigentlich will Felix ihn gerade einfach nur in den Arm nehmen, um den Finger wickeln udn küssen. Aber das kann er wohl nicht, wenn der andere ihn so abwehrend anschaut. ,,Gut … meinetwegen. Ich versuche es”, meint er etwas widerwillig. Er spielt an Changbins Haaren und küsst ihn erneut, weil es ihn süchtig macht. Er mag den warmen, weichen Kontakt.

Und scheinbar hat Changbin ebenso Spaß daran, weswegen er sich gerne auf das Angebot einlässt.

Das muss erst einmal verarbeitet werden. Changbin ist tatsächlich Felix’ fester Freund.

Fester. Freund.

Etwas gierig wandert Felix’ Zunge die Lippen entlang, bevor sie dazwischen gleitet und sogleich das neue Territorium auskundschaftet.

Überrascht seufzt Changbin auf und stützt die Hand unmittelbar neben Felix’ Kopf ab. Er hält sich im Bettlaken fest und erwidert den Austausch eher zögerlich als wüsste er nicht genau, was er tun dürfte. Obwohl er über Felix kniet, fühlt er sich ziemlich unterlegen. Besonders als der andere seine Hand unter Changbins T-Shirt schiebt.

,,Warte, warte”, hält Changbin ihn auf und hält sein Handgelenk fest.

,,Was?” Felix runzelt die Stirn. ,,Hab’ ich was falsch gemacht?”

Changbin schüttelt den Kopf. ,,Nein, alles gut. Mir geht’s nur etwas zu schnell.”

Verblüfft blickt Felix ihn an. ,,Für dich?” Er runzelt die Stirn.

,,Ein bisschen.” Changbin drückt den Zeigefinger gegen Felix’ Stirn. ,,Für dich vielleicht auch. Lass uns erst einmal klare Gedanken bekommen.”

,,Und wie?”

Changbin steht auf und grinst. ,,Natürlich mit Musik.”
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