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Spielsucht

von Skillz
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Felix Seo Changbin
15.04.2020
20.12.2020
49
124.501
16
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Dieses Kapitel
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25.11.2020 2.865
 
Es wird Zeit, dass Felix wieder ein bisschen mehr mit Chan unternimmt. Er hat das Gefühl, ihn etwas vernachlässigt zu haben, sonst hätte er eher gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt.

Chan hat den Abschied von Woojin mehr oder weniger verdaut. Zumindest kehrt er allmählich wieder zu seinem etwas fröhlicheren Selbst zurück, auch wenn er manchmal Momente hat, in denen er ein wenig neben der Spur wirkt. Bisher hat Felix ihn nicht darauf angesprochen, weil er überhaupt nicht einschätzen kann, wie der andere reagieren würde.

Felix muss Einiges an Schulutensilien kaufen, da er das für eine ganze Weile nicht mehr erledigt hat. Daher stapelt er Blöcke, Hefte und neue Ordner im Einkaufswagen. Er überlegt, ob er noch ein paar Stifte holen soll, als sein Blick auf eine Packung Sekundenkleber im Sonderangebot fällt. Soweit er weiß, braucht Changbin noch welche für sein Projekt. Ein wenig zögert er, bevor er die Packung zum Rest seines Einkaufs legt.

Er ist nur wieder ein bisschen nett. Ein bisschen erträglich. Ein bisschen … menschlich. Genau. Er kommt Changbin nur ein bisschen entgegen, um sein Vertrauen zu gewinnen. Später könnte er es ja eventuell missbrauchen.

Seufzend schaut Felix seine Hände um den Griff am Wagen an. Was ist denn eigentlich falsch mit ihm? All seine Gedanken ergeben überhaupt keinen Sinn. Langsam sollte er verstehen, dass diese ,,Aorta-Schmerzen” für seine noch vorhandenen Gefühle sprechen. Das zuzugeben ist nicht leicht, aber er kann sich auch nicht ewig davor drücken.

,,Ist alles in Ordnung?”, erkundigt sich Chan. Er hält in den Händen eine neue Packung an Metallic-Stiften. Letztens hat er erst eine kleine Leidenschaft dafür gefunden, sein Lyricsbuch kalligrafisch zu verschönern. Aber gut, seine Handschrift ist auch wirklich hübsch (da sind einige Mädchen mit Sicherheit neidisch).

Etwas verwirrt blinzelt Felix, ehe er sanft lächelt. ,,Ja, ich bin nur …”

,,... etwas in Gedanken. Ich seh’s.” Chan legt den Arm um ihn. ,,Wenn ich dir helfen kann, dann sag’ Bescheid.”

Kurz zögert Felix, ehe er dann leicht nickt. ,,Woher wusstest du, dass du in Woojin verliebt bist? Ich meine, du hast es so lange verneint.”

Die Frage erwischt Chan eiskalt. Er verkrampft kurz, aber lässt nicht von Felix ab, was schon einmal ziemlich beruhigend ist. Die Rotfärbung auf seinen blassen Wangen ist kaum zu übersehen. ,,Hat dir Jisung was erzählt?”

,,Ich meine, er hat dir erzählt, dass wir miteinander rumgemacht haben”, kontert Felix, ,,Das spricht für Fairness.”

Das wiederum bringt Chan zum Lachen. Er senkt seinen Arm und legt die Sachen in den Einkaufswagen. ,,Gut, ja, das stimmt.” Nachdenklich tippt er sich ans Kinn. ,,Ich denke, ich wusste es, als Woojin den ersten Schritt gemacht hat.”

,,Wieso?”, hakt Felix vorsichtig nach.

,,Weil mein erster Impuls war, sein Geständnis zu erwidern.” Chan zuckt leicht mit den Schultern und lächelt verlegen. ,,Das war das erste Mal, dass ich im Punkt Liebe nicht nachdenken musste. Es ist ganz natürlich passiert. Und so kitschig es klingt: Ich habe auf mein Herz gehört.” Peinlich berührt beißt er sich auf die Unterlippe. ,,Ich wünschte nur, ich hätte es früher erkannt.”

,,Vielleicht hätte dann die Trennung mehr wehgetan”, wirft Felix ein.

Leicht schüttelt Chan den Kopf. ,,Glaub’ mir, Reue ist um einiges stärker als Dankbarkeit. Was glaubst du, wieso wir Toten häufiger Blumen bringen als den Lebenden?”

Die Aussage versetzt Felix in Denkerstimmung. Auch zu Hause muss er über Chans Worte brüten.

Hat er impulsiv Changbins Geständnis erwidern wollen? Naja, er hat ihn auf jeden Fall direkt zurück geküsst. Das muss irgendwo ein Zeichen sein. Gleichzeitig hat er das Gefühl, dass er viel zu viel analysiert. Er verliert sich jedes Mal selbst, sobald er versucht, sein eigenes Verhalten zu untersuchen.

Hoffentlich kann er sich heute Abend ein bisschen ablenken, denn sie haben geplant, endlich mal etwas mit den Mädchen zu unternehmen. Bowling scheint da eine ganz witzige Idee zu sein.

Obwohl Felix Changbin somit sehen wird, glaubt er noch immer, dass ihm ein kleiner Tapetenwechsel ganz gut täte. Nach Regel Nummer Drei kann man nämlich gar nicht genug von denen haben.

Dieses Mal entscheidet er sich für ein schlichtes Outfit. Zerrissene Jeans, ein weißes T-Shirt. Kein Make-Up. Er hat es satt, immer Schicht für Schicht aufzutragen. Außerdem muss er sich keiner breiten Masse präsentieren, sondern trifft sich lediglich mit ein paar Freunden. Ja, mit Leuten, die er tatsächlich mag. Der Gedanke stimmt ihn ein bisschen positiver, weswegen er pünktlich das Haus verlässt und sich auf den Weg macht.

Er ist nicht der Erste, aber zumindest auch nicht der Letzte, der auftaucht. Seine Freunde warten bereits in der Schlange. Da die Gruppe so groß ist, hat Felix nicht sonderlich Probleme, sie ausfindig zu machen. Sogleich gesellt er sich zu ihnen und grüßt erst einmal Jisung.

,,Wir müssen uns auf drei Bahnen verteilen”, erklärt Jisung, ,,Wenn wir Glück haben, dann erwischen wir welche nebeneinander.”

Und tatsächlich haben sie Glück. Wobei Felix bemerkt, dass Yeji besonders häufig mit den Wimpern geklimpert hat, wenn sie mit dem Ticketverkäufer spricht. (Aber es ist zu ihren Gunsten, also kann er das wohl kaum verurteilen.)

Sie holen sich die passenden Schuhe und machen sich schlussendlich auf den Weg zu den Bowlingbahnen. Bereits auf dem Weg dorthin wird viel geredet und gelacht. Es scheint sofort zwischen ihnen zu funken, was wiederum die Frage aufwirft, wieso sie nicht schon eher etwas alle gemeinsam unternommen haben (immerhin hat die Verbindung gewissermaßen schon immer über Hyunjin und Yeji beziehungsweise Ryujin und Changbin bestanden).

,,Die Kugeln haben so wunderschöne Farben”, schwärmt Lia und streicht über eine lilafarbene Kugel.

,,Unterschiedliche Farben bedeuten unterschiedliche Gewichtsklassen”, erklärt Felix und nimmt sich die Bowlingkugeln, um sie probeweise in den Händen zu wiegen. Nachdenklich schaut er sie an. ,,Die Roten sind schwerer als die Blauen.”

,,Wusste ich gar nicht, dass die Farben eine Bedeutung haben”, kommentiert Chan, ,,Gut, dann hab’ ich heute auch wieder was Neues dazu gelernt.”

,,Also, jeder gegen jeden? Oder sollen wir in Teams spielen?”, fragt Ryujin, während sie ebenso eine Kugel in die Hand nimmt.

,,In Teams”, antwortet Seungmin, ,,Wir sind so viele. Da ist Eins vs. Eins nicht wirklich spaßig.” Er geht hinüber zur Tafel, die an der Wand hängt, und nimmt Kreide. ,,Es gibt eine Variante des Spiels, die ich ganz interessant finde.” Er malt eine Pyramide auf und schreibt auf die Mauersteine verschiedene Zahlen. Ganz unten stehen die Einser und je höher die Pyramide wird, desto höher werden auch die Ziffern. Sobald er den Prozess zweimal wiederholt hat, legt er die Kreide nieder. ,,Wir teilen uns in drei Teams auf mit je vier oder fünf Personen. Das Ziel ist, jeden Stein der Pyramide zu eliminieren, indem die angegebene Zahl an Pins umwirft.”

,,Ahh, das ist viel interessanter als nur die ganze Zeit auf Strikes abzuzielen”, meint Jeongin, ,,Also ich wäre dafür.”

Auch die anderen scheinen die Idee zu mögen. Daher losen sie die Teams aus. Am Ende steckt Felix mit Minho, Yuna und Jeongin im Team Eins. Team Zwei bilden Ryujin, Changbin, Lia und Chan. Dementsprechend treten in Team Drei Yeji, Hyunjin, Jisung, Seungmin und Chaeryeong an.

,,Das ist so unfair”, beschwert sich Lia, ,,Yeji und Hyunjin sind immer unschlagbar zusammen.”

,,Darauf würde ich nicht wetten”, meint Yuna frech und nimmt entschlossen eine Bowlingkugel.

Felix schmunzelt. ,,Mir gefällt dein Kampfgeist.”

Und so beginnen sie zu spielen. Eigentlich geht es niemandem darum, zu gewinnen. Sie genießen nur die Zeit zusammen, reißen dumme Witze, feuern sich gegenseitig an oder buhen sich sogar aus, wenn irgendein Held es schafft, die Kugel in die Rille neben der Bahn zu katapultieren.

Mit jeder Minute steigert sich Felix’ Laune. Einfach mal aus Jux zu spielen tut ihm unbeschreiblich gut und er kann ein wenig seine Sorgen vergessen. Für eine Weile kann er sich vorstellen, dass es nichts Wichtigeres gibt als diese Pyramide auseinanderzulegen.

,,Auf geht’s, Haengbok!”, feuert Minho ihn an.

Felix konzentriert sich auf die Bahn, lässt jedoch die Kugel vor Schreck fallen, als ihm eine Person in die Quere kommt.

,,Sag’ mal, spinnst d-” Er hält inne, als Heeyeon unmittelbar vor ihm steht.
Was zur Hölle sucht die denn hier? Verfolgen ihn in letzter Zeit seine schlimmen Alpträume?

Sogleich verzieht er das Gesicht und tritt einen Schritt zurück als könnte er sich etwas von seinem Gegenüber einfangen.

,,Was macht denn Ungeziefer hier?”, meint Heeyeon abfällig und rümpft die Nase. Sie kommt näher und fängt an zu lachen.

Irritiert schaut Felix sie an.

,,Heute kein Make-Up? Ich sehe schon, warum du es so dringend nötig hast. Gott, diese Sommersprossen sind ja so unfassbar hässlich.” Sie schnalzt mit der Zunge und verdreht ihre Augen. ,,Und jetzt geh’ mir aus dem Weg.”

,,Du bist mir doch auf die Füße getreten”, beschwert sich Felix prompt. Er lässt sich ganz bestimmt nichts von dieser Tusse sagen.

,,Oh, buhu. Heul dich doch bei deinen zigtausend Affären aus.” Sie rollt mit ihren Augen und stakst weiter, direkt auf ihre Gruppe zu, die sich schon an einem Tisch in der Nähe der Bahn breit gemacht hat.

Unbewusst fasst sich Felix ans Gesicht und ärgert sich bereits darüber, dass ihm kein besserer Konter eingefallen ist. Er hat das Gefühl, dass ihm vor Wut gleich die Tränen in die Augen schießen, weswegen er die Bowlingkugel nimmt, sie zurück in die Halterung stellt und zornig Richtung Jungstoiletten stapft.

Dort starrt er in sein Gesicht und betrachtet all die Flecken auf seinem Gesicht. Eine Zeit lang hat er seine Sommersprossen wirklich gehasst, aber er hat gelernt, sie zu akzeptieren. Trotzdem reißt es alte Wunden auf, wenn sich jemand darüber lustig macht.

Er spritzt sich etwas Wasser ins Gesicht, fast als würde er hoffen, dass er die Sommersprossen somit einfach fort waschen könnte. Frustriert grollt er und stützt sich auf dem Waschbeckenrand ab.

Die Tür öffnet sich und er dreht sich ruckartig um.

,,Ryujin?!”, entkommt es ihm, ,,Das ist die Jungstoilette!”

Das Mädchen schließt hinter ihm die Tür und zuckt mit den Schultern. ,,Glaubst du, das interessiert mich? Ich wollte nur schauen, ob es dir gut geht.”

Felix seufzt und schaut in den Spiegel. ,,Das ist nett, danke”, murmelt er und lächelt leicht. Nach wie vor ist es ein bisschen verrückt, dass sich die beiden nun so viel besser verstehen.

,,Du weißt, dass diese Heeyeon-Tusse nur Scheiße labert.”

Er nickt. ,,Ja. Es ist nur … Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, wieso mich das gerade so getriggert hat.” In Gedanken versunken nimmt er ein paar Papiertücher und trocknet damit seine Hände.

Ryujin hat die Arme verschränkt und schaut ihn über den Spiegel hinweg an. ,,Eigentlich sollte es dich nicht interessieren, aber ich finde, dass du sehr hübsch bist.”

Unweigerlich wird Felix rot und wendet den Blick von seinem eigenen Spiegelbild ab. ,,Danke”, nuschelt er, ,,Du auch.”

Das Mädchen grinst breit. ,,Wollen wir wieder raus? Ich muss dich immerhin noch beim Spiel fertigmachen.”

Das wiederum lässt Felix vermeintlich genervt die Arme in die Hüfte stemmen. ,,Das werden wir ja sehen.” Bevor er jedoch die Tür öffnet, hält er nochmals inne. Er weiß nicht, ob er seine Gedanken laut aussprechen soll, daher zögert er noch ein paar Sekunden. Schlussendlich entscheidet er sich dazu, alles auf eine Karte zu setzen.

,,Es ist schon verrückt. Anfangs konnte ich dich nämlich überhaupt nicht leiden”, meint er, ,,Und jetzt …”

,,... sind wir Freunde”, führt Ryujin den Satz zu Ende und grinst, ,,Nicht?”

Ihre Offenheit überrascht Felix, aber er kann nicht anders, als zu nicken.

Sie kehren zurück zu den anderen, die bereits weiterspielen. Leider sind Heeyeon und ihre Tratschtanten ganz in der Nähe. Es bringt Felix’ Blut schlichtweg zum Kochen. Die Art, wie ihm das Mädchen auch ständig provozierende Blicke liefert, treibt ihn wirklich an die Grenzen seiner Beherrschung.

Nachdenklich schaut er hinüber zu den Bowlingkugeln und starrt sie einfach nur an. Dann kommt ihm ein Geistesblitz. Möglichst unauffällig nimmt er eine dieser Kugeln und nimmt sie mit zu seinem Rucksack. Da seine Freunde weiter vorne stehen, um das Spiel zu verfolgen, bleibt er relativ unbeobachtet.

Geschickt öffnet er die Packung an Sekundenkleber in seinem Rucksack und schmiert etwas von der zähen Flüssigkeit in die drei Löcher der Kugel. Schließlich räumt er alles fein säuberlich zurück und geht hinüber zu Heeyeons Bahn. Dort greift er ganz offensichtlich an die ganzen Kugeln.

Eine ihrer Freundinnen wird darauf aufmerksam und zeigt auf ihn.

,,Lee-Loser, was tatscht du da die ganzen Sachen an?”, ruft Heeyeon und kommt zu ihm.

,,Ich wollte diese Kugel mitnehmen”, meint Felix ohne mit der Wimper zu zucken.

,,Spinnst du? Die gehört mir”, zischt sie, ,,Hör auf, Sachen zu klauen und verpiss dich.”

Feindselig schaut Felix zurück. ,,Ich nehme mir, was ich will. Du hast den Platz immerhin nicht gepachtet.”

,,Vergiss es!”, faucht Heeyeon und schubst ihn zurück, ,,Jetzt leg’ diese verdammte Kugel zurück oder du wirst es bereuen.”

Widerwillig legt Felix die Kugel ab und hebt die Hände. ,,Okay, okay. Kein Stress.” Er wendet sich ab und geht zurück zu seiner Gruppe.

,,Was war denn das?”, fragt Jisung verwirrt.

,,Ich wollte nur nochmal mit ihr reden”, flunkert Felix, ,,Um zu sehen, ob noch ein Fünkchen Menschlichkeit in ihr steckt.”

Kurz darauf hört man einen Aufschrei. Einige andere Leute drehen sich zu der Quelle um.

Heeyeon steht vor der Bahn und hält ihre Hand. Daran läuft Blut herab und Felix ist erst verwirrt, bis ihm einfällt, dass sie meistens Fake-Nägel trägt. Scheinbar haben die nun etwas von ihren tatsächlichen Nägeln abgerissen.

Felix will sich für einen kurzen Moment schlecht fühlen, aber kann den Triumph nicht ignorieren. Eigentlich weiß er, dass er sich nicht darüber freuen sollte. Eine Heeyeon in unerträglichem Schmerz zu sehen, stellt jedoch etwas Verworrenes mit seinem Gehirn an.
Er freut sich über den Anblick.

Wie oft hat ihm Heeyeon schon Schmerzen zugefügt? Endlich bekommt sie das, was sie verdient hat.

,,Ach du Scheiße, was ist denn da los?”, entkommt es Chan geschockt, ,,Ob sie Hilfe braucht?”

,,Naja, ich denke nicht, dass sie Hilfe von uns will”, entgegnet Ryujin nüchtern.

,,Auch wieder wahr”, pflichtet Yuna ihr bei, ,,Aber sie tut mir schon leid. Das sieht echt schmerzhaft aus.”

Felix will hier nicht zwischen seinen Freunden stehen und anfangen, wie verrückt über diese Situation zu lachen. Daher räuspert er sich. ,,Ich hole uns was zu trinken. Irgendwelche Wünsche?”


Nachdem er diese entgegen genommen hat, macht er sich auf den Weg. Kurz darauf spürt er, dass jemand ihn versucht einzuholen.

Es ist Changbin. ,,Ich helfe dir beim Tragen.”

Also gehen sie gemeinsam zur Bar und bestellen. Während sie warten, linst Changbin immer wieder hinüber zu Heeyeon. ,,Darf ich dich etwas fragen?”

,,Hast du doch schon”, meint Felix latent amüsiert. In letzter Zeit fällt es ihm leichter, gegenüber dem Älteren aufzutauen. Eigentlich ist Changbin nämlich toll. Wirklich toll. Fast perfekt. Glatt zum Verlieben.

Changbin schüttelt den Kopf. ,,Warst du das?”

Okay, nein, Irrtum. Changbin ist so ein fucking Arschloch.

Sogleich rutscht Felix das Herz in die Hose und Spannung baut sich in seinem Kopf auf. ,,Ich habe keine Ahnung, was du meinst.”

Scharf sieht Changbin ihn an. ,,Du warst doch gerade eben noch bei Heeyeon. Hast du irgendetwas gemacht?”

,,Sie hat wahrscheinlich einfach beim Werfen nicht aufgepasst”, verteidigt sich Felix erstaunlich kühl. Und da schwindet sein aufgebautes Vertrauen zum anderen dahin. So ein Dreckskerl. Wieso sagt er solche dummen Dinge? Die plötzliche Abneigung kommt Felix glatt den Hals hoch.

Das scheint auch Changbin zu merken, der versucht, zurückzurudern. ,,Entschuldigung. Ich wollte dich nicht einfach beschuldigen.”

,,Hast du aber”, giftet Felix zurück. Wütend wendet er den Kopf ab. Changbin hat zwar Recht, aber trotzdem fühlt er sich betrogen. Wie kann der andere in ihn verliebt sein, wenn er ständig alles hinterfragt? Was ist, wenn er versucht, ihn zu manipulieren? Am Ende stimmt doch eh alles, was er sagt, kein bisschen und er wird Felix zurücklassen! So, wie es Sungjin getan hat.

,,Ich-” Changbin bricht ab und sucht nach neuen Worten. ,,Ich wollte eigentlich einfach nur fragen, ob es dir gut geht.”

Was sollte jetzt diese Aussage bedeuten?

Felix hebt das Tablett an. ,,Mir geht’s super”, zischt er, ,,Aber vielleicht muss man bei dir mal was abchecken!”

,,Yongbok, ich-”

,,Nenn’ mich nicht so!”

Changbin ist sichtlich verwirrt von Felix’ plötzlichem Aggressionsanfall. Natürlich ist der Jüngere über die Zeit etwas harscher geworden, aber aggressiv hat er sich nie wirklich vor Personen gezeigt. Ihn nun so zu sehen, ist ein bisschen beängstigend. Scheinbar hat er es bis dato immer ziemlich gut unterdrücken können.

,,Es tut mir leid!”, versucht Changbin, ihn zu beruhigen, ,,Du bist nur manchmal etwas neben der Spur. Ich weiß, dass du es nicht magst, unter Druck zu stehen. Aber du bist ohne Grund kalt zu mir, obwohl alles eigentlich gut läuft. Hast du eine Ahnung, wie sich das für mich anfühlt?”

Felix zieht die Augenbraue hoch und schnaubt. ,,Aha, du findest mich also kalt?” Hörbar knirscht er mit den Zähnen. ,,Weißt du, was sich wirklich kalt   anfühlt?” Er nimmt ein Coca-Cola-Glas mit Eiswürfeln und schüttet es geradewegs über Changbins Kopf.

Sein Gegenüber zuckt heftig zusammen und hebt die Schultern schockiert an, bevor er Felix mit offenem Mund anstarrt. Die braune Flüssigkeit läuft über sein Gesicht und saugt sich im Shirt fest. Er sieht absolut lächerlich aus. ,,Felix!”

,,Du kannst mich mal, Changbin!” Und damit knallt Felix das Glas auf den Tresen und lässt den anderen wortwörtlich wie einen begossenen Pudel dastehen.

Er hasst Gefühle.

Mehr als alles andere.
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