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Spielsucht

von Skillz
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Felix Seo Changbin
15.04.2020
20.12.2020
49
124.501
16
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Dieses Kapitel
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11.11.2020 2.811
 
Es ist ein schöner und trauriger Tag.

Heute absolviert Felix sein letztes Päckchen an Sozialstunden. Aber heute ist auch die Abschiedsfeier für Woojin. Es fühlt sich komisch an, von seinem jahrelangen Freund Abschied nehmen zu müssen, aber natürlich fahren alle zu den höchsten Touren auf, um eine unvergessliche Party zu schmeißen.

,,Danke für deinen Dienst!”, bedankt sich die Leiterin, während sie noch immer Schmutz vom Boden aufgabelt. ,,Wir haben fast den kompletten Park gereinigt! Ich dachte, dass wir das niemals schaffen.”

,,Habe ich gerne gemacht.” Und das ist nicht einmal gelogen. Seine Strafe für das, was das Übel, das er angerichtet hat, ist gar nicht so übel gewesen. Er hofft nur, dass es das letzte Mal ist. Nochmal erwischt zu werden klingt nicht sonderlich prickelnd für ihn.

Überrascht sieht er Jisung auf dem Weg zum Eingang. ,,Was suchst du denn hier?”

,,Ich dachte, ich hole dich ab. Wir können Snacks kaufen, damit wir heute Abend bei der Party nicht verhungern”, erklärt sein bester Freund und legt den Arm um seine Schultern.

,,Ich dachte, du unternimmst was mit Chan.”

,,Der ist bei Woojin”, antwortet Jisung.

Felix runzelt die Stirn. ,,Schon wieder? Die beiden kleben in letzter Zeit ständig aneinander.”

Jisung seufzt. ,,Ich meine, die Zwei sind gemeinsam in einer Krabbelgruppe gewesen und jetzt sollen sie sich innerhalb der nächsten 24 Stunden voneinander verabschieden. Klar hocken die da aufeinander.” Er knuddelt Felix ordentlich durch. ,,Und hey, du bist noch immer meine Nummer Eins, also entscheide ich mich auch lieber für dich.”

Theatralisch verdreht Felix die Augen und steuert dann mit ihm die Bahnstation an, damit sie weiter in die Innenstadt fahren können. Die beiden arbeiten schon seit Jahren mit Telepathie, daher müssen sie sich nur sporadisch austauschen, wenn es darum geht, die Snacks auszuwählen.

Nur spaßhaft fragt Felix nach: ,,Cracker oder Popcorn?”

,,Du weißt, dass ich eine Schwäche für Süßes habe!”, kommt es von der anderen Seite des Regals.

,,Okay, süßes Popcorn soll es sein”, bestätigt Felix und greift nach der riesigen Packung.

Mit der Eleganz eines Elefanten geleiten sie den vollen Einkaufswagen durch die Gänge und lachen dabei unbeschwert. Felix fühlt sich wieder dumm und frei wie ein kleines Kind.

Doch, das könnte ein ziemlich schöner Tag werden.

Die beiden teilen draußen die Snacks auf und stopfen sie in ihre Rucksäcke auf, bevor sie den Nachhauseweg anzutreten.

,,Danke, dass du mit mir einkaufen warst”, sagt Jisung plötzlich, ,,Ich habe die Ablenkung gebraucht.”

Verwirrt dreht sich Felix vom Fenster der Bahn weg, um den anderen anzusehen. ,,Ablenkung?” Irgendetwas stimmt hier gewaltig nicht. ,,Ist es Chan?”

Jisung zögert kurz. ,,Ja, ich denke schon?”, murmelt er, ,,Es ist ein bisschen komisch zwischen uns. Aber vielleicht legt sich das.”

Felix hält es für unklug, weiter nachzuhaken, daher nimmt er Jisung einfach in den Arm. ,,Was auch immer es ist: Wir kriegen das hin.”

Sie verabschieden sich, nachdem sie ausgestiegen sind, da Jisungs zu Hause näher an der Station liegt.

Felix joggt nach Hause, da die beiden ein bisschen getrödelt haben und er bereits in einer Stunde bei Woojin sein muss. In gewohnten Bewegungsabläufen fischt er den Schlüssel heraus und öffnet die Tür, ehe er quasi durch die Wohnung schlittert und alle nötigen Sachen mit ins Bad nimmt. Flott duscht er und hört dabei Musik, bevor er sich darüber Gedanken macht, was er anzieht. Nicht, weil es ihm wichtig ist. Es ist nur eine Angewohnheit geworden, dass er sich ein bisschen mehr Mühe bei seiner Klamottenwahl gibt als früher. Solange er sich souverän fühlt, verhält er sich nämlich genauso.

Zum Schluss föhnt er seine Haare und lässt sie ohne großes Tamtam in sein Gesicht fallen. Auf Make-Up verzichtet er. Immerhin ist der heutige Abend nur eine Runde mit Freunden. Da kann er ruhig ein wenig gelassener sein. Seine Mutter weiß schon Bescheid, dass er weg sein wird, aber er hinterlässt trotzdem zur Sicherheit einen Zettel. Bei dem ganzen Arbeitsstress vergisst sie manchmal Dinge.

Felix erscheint wohl zeitig, da er zwar nicht der Erste, aber zumindest auch nicht der Letzte ist.

Es ist Minho, der schwungvoll die Tür öffnet und eine dramatische Verbeugung vollzieht. ,,Es ehrt mich, dass Sie uns heute mit unserer Anwesenheit beglücken”, begrüßt er den anderen und winkt ihn mit einer feierlichen Geste hinein.

Die Lichter sind etwas gedimmt und es tönt Musik durch den Raum (anhand der Wahl lässt sich recht schnell feststellen, dass wohl Chan den DJ spielt).

Felix öffnet seinen Rucksack und holt die Snacks heraus, ehe er sie auf dem Tisch platziert. ,,Jisung hat noch die andere Hälfte”, erklärt er und hockt sich auf die Couch neben Jeongin, der gerade auf seinem Handy durch das Netz surft.

Die beiden fangen eine unbefangene Konversation an, bevor es erneut klingelt.

Genau in dem Moment kommt Woojin die Treppe herunter. Er trägt ein weißes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln und eine rote Krawatte baumelt um seinen Hals. In seinen Händen trägt er einen ganzen Stapel an Spielen. Schwungvoll öffnet er die Tür und lässt Jisung herein.

,,Bin ich schon wieder der Letzte?”, stöhnt er genervt auf.

,,Ne, Seungmin und Hyunjin lassen noch auf sich warten”, antwortet Jeongin.

Irritiert runzelt Jisung die Stirn. ,,Dabei ist Seungmin doch immer pünktlich.”

,,Tja, Liebe macht blind. Hyunjin ist ein schlechter Einfluss”, meint Minho fast frohlockend, als würde ihn die Situation anheitern.

Woojin kniet sich hin und grinst. ,,Schaut mal, was ich alles gefunden habe.”

,,Das sind alle Spiele, die wir früher gespielt haben!”, stellt Chan fest und greift über seine Schulter, ,,Oh, ich will unbedingt Twister spielen!”

,,Da gewinnt doch eh immer Minho, so gelenkig wie der ist”, beschwert sich Jeongin.

,,Wer weiß, vielleicht macht ihm da noch jemand Konkurrenz”, erwidert Felix verschwörerisch.

Ein Raunen geht durch die Reihe.

Auf einmal hören sie ein Räuspern aus Richtung Küche. Es ist Changbin, der dort im Türrahmen steht. ,,Woojin, ich verstehe eure fucking Mikrowelle nicht”, beschwert er sich und schnalzt etwas genervt mit der Zunge.

Felix muss zugeben, dass er ziemlich gut aussieht mit dem schwarzen Rollkragenpullover. Aber den Gedanken verscheucht er schleunigst. Auch wenn er in letzter Zeit wieder mehr mit dem Älteren unternimmt, muss er sich nicht seinen alten Verhaltensmustern hingeben.

,,Ja, ich komme”, erwidert der Hausherr und erhebt sich wieder, ,,Seid übrigens nicht zu laut. Meine Eltern sind oben und packen noch. Und sie diskutieren seit Ewigkeiten, was sie noch weggeben sollen.” Die letzte Aussage lässt wieder etwas beklemmende Stimmung aufkommen, aber niemand kommentiert sie.

Zum Glück wird sie abrupt unterbrochen dank der brausenden Klingel.

,,Na endlich!”, gibt Minho von sich und öffnet die Tür.

Seungmin tritt ohne Begrüßung an ihm vorbei, während Hyunjin ihm grinsend hinterher schaut.

,,Was ist denn mit euch beiden los?”, erkundigt sich Jeongin.

,,Der Herr ist sauer auf mich, weil wir die Bahn verpasst haben”, erklärt Hyunjin, ,,Zum Glück ist er unfassbar niedlich, wenn er mich wütend anschaut.”

Demonstrativ blickt Seungmin zurück und fletscht nahezu die Zähne.

,,Gruselig”, kommentiert Jisung flüsternd, wofür er zustimmendes Nicken erhält.

Allerdings mildert sich Seungmins Blick, als er die ganzen Spiele entdeckt. ,,Schach!”, freut er sich und nimmt die entsprechende Kiste.

,,Und natürlich entscheidet er sich für das Langweiligste”, moderiert Jisung weiter, was Minho ein leises Lachen entlockt.

,,Ihr könnt mich alle mal”, murrt Seungmin und öffnet die Kiste, ehe er das Brett aufbaut, ,,Felix, spielen wir?”

,,Können wir machen”, erwidert Felix, ,,Speed Chess?”

,,Jup.”

In der Zwischenzeit ist das Mikrowellenproblem gelöst worden, weswegen nun das Popcorn fröhlich vor sich aufplatzt, während die Jungs sich rund um die Spiele organisieren.

Die Partie zwischen Felix und Seungmin ist zum Zerreißen gespannt, aber letzten Endes gewinnt Seungmin. Felix hat zwar gute Instinkte, aber Seungmin ist einem in diesem Spiel immer doch ein oder zwei Schritte voraus (und außerdem hat Felix auch schon eine Weile nicht mehr gespielt).

,,Ein bisschen eingerostet”, sagt Seungmin, ,,Aber dich kriegen wir schon wieder auf Vordermann.”

Belustigt rollt Felix mit den Augen. ,,Ich kann es kaum erwarten.”

Sie widmen sich den anderen Spielen wie Uno, Mensch Ärgere Dich Nicht, Halligalli, Monopoly und das Magische Labyrinth, wobei sie immer wieder wechseln. Immerhin wäre es zu neunt das reinste Chaos (und auch so werden die Spielrunden schon katastrophal).

,,Okay, ich will Twister spielen!”, drängt Chan nun wie ein kleines Kind und öffnet die Box, bevor er den weißen Teppich mit den farbigen Punkten auslegt.

,,Ich will drehen”, verlangt Jeongin, ,,Ich kann das Spiel nämlich nicht leiden.”

Minho meldet sich als Mitspieler und Jisung sowie Felix ziehen gleich mit. Mehr Platz ist ohnehin nicht, daher belassen sie es bei dieser Anzahl. Die anderen futtern in der Zwischenzeit Snacks und feuern die Spieler an. Es dauert nicht lange und es entsteht ein menschliches Wollknäul aus Armen und Beinen.

,,Rechte Hand auf … Rot!”, verkündet Jeongin.

Genervt muss Felix feststellen, dass Rot hinter ihm ist. Er hebt die Hand von Grün und lenkt sie über sein Gesicht nach hinten, sodass er in einer Brücke über Jisung steht.

,,Whoa, du bist aber flexibel geworden!”, entkommt es Hyunjin.

,,Tja, Taekwondo muss doch wohl irgendetwas gebracht haben”, erwidert Felix etwas atemlos, ,,Oh mein Gott, dreh’ bitte endlich!”

Jeongin kommt der Aufforderung nach. ,,Linke Hand auf Rot.”

Das nutzt Felix, um sich umzudrehen. Erleichtert atmet er aus.

Minho dagegen verfehlt das Feld und fällt hin.

,,Und der König wurde wortwörtlich gestürzt”, sagt Jisung an, woraufhin die kleine Menge jubelt. Scheinbar haben alle vergessen, den Lautstärke-Pegel gesenkt zu halten.

Als Woojins Eltern die Treppen herunter kommen, lächeln sie jedoch nur, also scheint ihnen das Chaos hier nicht wirklich etwas auszumachen.

,,Und? Habt ihr Spaß?”, fragt die Mutter, ,,Ich habe Pizza bestellt. Ich hoffe, das ist okay.”

Die Jungen stimmen ihr durcheinander zu, woraufhin sie lacht. ,,Alles klar. Wir gehen noch rüber zu unseren Nachbarn, um uns zu verabschieden. Ihr kommt doch zurecht, nicht?”

,,Ja, Ma. Lasst euch nicht aufhalten”, beruhigt Woojin sie, woraufhin seine Eltern verschwinden.

,,Ich finde, auf einer Party muss getanzt werden”, verkündet Hyunjin euphorisch und steht auf, ehe er wie wild anfängt, zu freestylen.

Schulterzuckend tritt Minho dazu, bevor mit einsteigt.

Die anderen bewegen sich daraufhin wahllos zum Beat, bis sie sich gegenseitig ein bisschen durch die Gegend schubsen. Schlussendlich jagen sich alle durchs Wohnzimmer, bis sie aus der Puste sind.

,,Wie wäre es mit Filme schauen?”, schlägt Woojin vor, ,,Wozu haben wir sonst das Popcorn gemacht?”

Also verteilen sich alle auf die Sofas und Sessel. Sie entscheiden sich für Kinderfilme, die vor allem Woojin und Chan zusammen in der Grundschule gesehen haben. Hin und wieder fallen unbrauchbare Kommentare, bis sie schließlich die Filme rezensieren und sich zum Teil fragen, warum sie die früher überhaupt gemocht haben.

Sie gucken gerade Karate Kid, in der die Kussszene nun auf dem Bildschirm flimmert.

Ein ,,Ewww!”, ertönt von Jeongin, bei dem Jisung einstimmt (das wiederum findet Felix mehr als ironisch).

,,Wieso eww?”, erwidert Hyunjin, ,,Liebe ist was Tolles.” Demonstrativ legt er den Arm um Seungmins Schultern und zieht den Jüngeren an sich.

,,Oh ja, ihr seid die Verkörperung des klischeehaften Paares”, meint Minho sarkastisch.

Seungmin schießt Giftpfeile aus seinen Augen. Dann lehnt er sich hinüber zu Hyunjin und zieht diesen in einen Kuss. Zeitgleich zum Film fangen die beiden an, miteinander zu knutschen, was Felix unweigerlich zum Lachen bringt. Hauptsächlich, weil er sich an den verdatterten Gesichtsausdrücken der anderen nicht sattsehen kann.

,,Okay, ich habe genug von Filmen!”, entscheidet Jeongin und macht mittendrin den Fernseher aus, ,,Lasst uns lieber die Pizza essen, bevor sie kalt wird.”

Also essen sie gemeinsam im Wohnzimmer und reden durcheinander. Normalerweise erübrigt sich das nicht beim Essen, aber gerade könnte es sie nicht weniger kümmern. Ein wenig seltsam ist es schon. Gerade wirkt das alles wie ein ewiger Nostalgie-Trip. Und er wäre schon bald vorbei.

Der Gedanke stimmt Felix ein bisschen traurig. Er weiß, dass die Gruppe nie wieder dieselbe ohne Woojin sein wird. Er hat sich nie vorstellen können, dass irgendjemand geht. Sie gehören doch immerhin alle zusammen.

Sein Gesichtsausdruck wird von Jisung wahrgenommen, der ihn tröstend an die Schulter fasst und aufmunternd ansieht.

Nickend nimmt Felix die Hand herunter und isst weiter. Trübsal blasen bringt ja eh nichts. Er sollte die letzten Stunden hier mit den anderen genießen.

,,Sollen wir Wahrheit oder Pflicht spielen?”, fragt Minho, ,,Ist immerhin so ein Klischee.”

,,Und weil es ein Klischee ist, machen wir es nicht”, entgegnet Seungmin, ,,Können wir nicht stattdessen was Witziges machen? Tabu?”

Darauf einigt sich die Mehrheit, daher gehen sie wieder zum Spielen über und eifern um den Sieg.

Gerade ist Jisung mit Erklären dran. Normalerweise spielen er und Felix in einem Team, aber das ist aufgrund ihrer telepathischen Verbindung als unfair befunden worden. Daher sind sie nun getrennt.

Aber eigentlich macht es keinen großen Unterschied, da es nicht viel an Worten braucht, damit Minho dahinter kommt, was gemeint ist. Nach und nach stauben die beiden Karten ab, bis die Zeit abläuft.

,,Ich wusste gar nicht, dass ihr so gut miteinander harmoniert.” Verblüfft schaut Chan auf den hohen Kartenstapel.

,,Tja, da herrscht dann wohl eine andere Art von Chemie”, meint Woojin und grinst.

,,Na toll, und was soll das jetzt heißen?”, brummt Minho und lehnt sich mit verschränkten Armen zurück.

Die Jungen hacken ein bisschen aufeinander um und ärgern sich gegenseitig.

Chan unterbricht das Ganze, indem er eine neue, ruhigere Playlist auswählt, woraufhin sich die Stimmung hier deutlich entspannt. ,,Ich hole Kerzen”, gibt er Bescheid.

,,Warte, Decken und Kissen könnten wir auch gebrauchen”, fällt Minho auf.

,,Stimmt”, bestätigt Woojin, ,,Ich komme mit hoch. Dann können wir die Sachen runter tragen.”

Die beiden Ältesten verschwinden nach oben.

,,Schon verrückt”, murmelt Jeongin, ,,Dass das nun alles ein Ende haben soll.”

,,Ganz enden wird es nicht. Es wird anders sein. Aber wir verabschieden uns nicht für immer”, tröstet Hyunjin ihn.

Trotzdem erzielen Jeongins Worte ihre Wirkung. Allen ist bewusst, dass auch dieser Abend vorbeigehen wird und diesen Gedanken hasst Felix einfach.

Im nächsten Moment spielt die Box ,,Thinking out loud”.

,,Ah, das ist Chans Ed Sheeran Playlist”, stellt Changbin mit einem Blick auf den Handybildschirm fest.

,,Perfekt, um langsam, zu tanzen”, meint Minho und steht auf, ehe er Felix die Hand hinhält, ,,Wenn ich bitten darf.”

,,Was für eine Ehre”, erwidert Felix süffisant und greift nach der Hand, macht einen lächerlichen Knicks und legt dann beide Arme um Minhos Nacken. Dass sein Gegenüber regelmäßig tanzt wird schon deutlich anhand der Art, wie er geschickt seine Füße über den Boden zieht und Felix dabei führt.

Felix lässt sich darauf ein und denkt an nichts. Er versinkt in der Musik und schaut am anderen vorbei zur Wand. Das macht er so lange, bis er Changbins Blick begegnet.

Changbin steht ans Sofa gelehnt und hat die Arme verschränkt, während er ihn mit undefinierbarem Blick ansieht.

Etwas schuldbewusst senkt Felix den Kopf. Moment. Schuld? Wieso Schuld? Er ist dem anderen immerhin nicht verpflichtet. Und dennoch merkt er, dass etwas nicht stimmt. Daher unterbricht er diesen Tanz und lässt von Minho ab. ,,Danke für den Tanz. Ich muss jetzt aber auf die Toilette.” Er schaut sich umher. ,,Vielleicht will ja Jisung tanzen. Mit seinen zwei linken Füßen.”

,,Sag’ das nochmal!”, fordert der andere empört.

Kichernd steigt Felix die Treppen hoch.

,,Dann kannst du direkt gucken, wo Woojin und Chan abbleiben”, erwähnt Jeongin.

,,Stimmt, was machen die überhaupt so lange?” Skeptisch runzelt Seungmin die Stirn.

,,Wie wild miteinander rummachen”, kräht Minho und tanzt mittlerweile mit Jisung durchs Wohnzimmer.

Kopfschüttelnd begibt sich Felix auf das obere Stockwerk. Nachdem er im Bad war, will er schnurstracks zurück, weil er sich darauf verlässt, dass Woojin und Chan schon unten sind.
Jedoch bleibt er an der Tür stehen, als er merkt, dass aus Woojins Zimmer nach wie vor Licht auf den Flur scheint. Lauschen ist wirklich unmoralisch, aber als er die beiden tuscheln hört, nähert er sich doch vorsichtig an. Zuerst drückt er sich an die Wand, entscheidet sich jedoch schließlich, vorsichtig ins Zimmer zu lugen.

Die beiden beziehen die Decken und Kissen und reden ruhig miteinander. Aha. Deswegen brauchen sie also so lange. Kerzen haben sie wohl auch schon gefunden, aber die müssen noch ins Glas gestellt werden.

Felix will gerade anbieten, zu helfen, als Woojin innehält und unzufrieden vor sich hin brummt.

,,Was ist, mein großer Bär?”, fragt Chan stichelnd.

Woojin schüttelt mit einem amüsierten Gesichtsausdruck den Kopf, ehe er etwas ernster wird. ,,Ich will wirklich nicht weg von hier.”

Chan summt. ,,Ich weiß. Denkst du, mir macht das Spaß?” Er verschließt die Knöpfe des Bezuges und faltet anschließend die Decke.

,,Es tut mir leid.”

,,Muss es nicht. Du hast keine Wahl und wir müssen das akzeptieren. Du willst auch nur, dass dein Vater glücklich wird.”

Woojin nimmt die Packung an Kerzen und mustert sie beinahe argwöhnisch als würde er eine Antwort in ihr suchen. ,,Es gibt noch etwas, das ich dir sagen muss.”

Überrascht sieht Chan ihn an. Er versucht, im Gesichtsausdruck des anderen zu lesen, was das wohl zu bedeuten hat, aber Woojin hat den Kopf gesenkt.  ,,Ja, klar. Schieß los.”

Das wäre der Moment, in dem Felix weitergehen sollte.

Aber er tut es nicht.
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