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Spielsucht

von Skillz
GeschichteSuspense, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Felix Seo Changbin
15.04.2020
20.12.2020
49
124.501
16
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Dieses Kapitel
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04.11.2020 2.944
 
Der heutige Schultag vergeht unendlich langsam. Es ist kaum zum Aushalten. Ständig blickt Felix auf die Uhr und muss daran denken, dass Changbin später bei ihm vorbeikommt. Seiner Mutter hat er nichts gesagt. Immerhin geht er davon aus, dass der Ältere früh genug gehen wird. Er kann sich nahezu ausmalen, wie seine Mutter ihn angesehen hätte, wenn er beim Abendessen doch von dem Treffen erzählt hätte.

Am Morgen hat er peinlich lange damit verbracht, Jisungs Knutschfleck zu überschminken. Der Fleck ist jedoch so dunkel, dass er sich letzten Endes mit einem Halstuch begnügen muss. Eigentlich mag er es nicht wirklich, so etwas zu tragen, weil es ziemlich unpraktisch ist, aber was bleibt ihm großartig anderes übrig?

Im Unterricht scherzt er wie immer mit Jisung und es ist großartig. Wieso kann nicht jeder Mensch auf dieser gottverdammten Erde so unkompliziert wie sein bester Freund sein?
Natürlich scheint heute die Sonne so wunderschön, dass es ihm wirklich warm mit dem Tuch wird.

,,Alles okay? Du bist ziemlich rot”, fällt Jeongin auf.

Felix nickt. ,,Hmh, hab’ Halsschmerzen”, schwindelt er, ,,Deswegen … ja.” Zur Unterstreichung hustet er (vielleicht einen Ticken übertrieben), bevor er den anderen breit anlächelt. ,,Aber das wird schon! Bestimmt nur diese hässliche, kleine Sommererkältung.” Aus dem Augenwinkel nimmt er wahr, wie Jisung ein Lachen unterdrücken muss. Er ist kurz davor, ihm auf den Fuß zu treten, unterdrückt diesen Drang jedoch.

,,Changbin Oppa!”

Er horcht auf und entdeckt Chanmi, die sich vor Changbin stellt. Der hat sich bis gerade eben noch mit Chan über Lyrics den Kopf zerbrochen, aber schaut von seinem Notizbuch auf. ,,Oh, hey.”

,,Ich wollte dir nur nochmal sagen, wie sehr es mich freut, dass wir für das Projekt wieder zusammenarbeiten! Wir geben ein tolles Team ab. Das ist schon das Zweite!” Gegen Ende spricht sie immer lauter, was ein derartiges Fremdschamgefühl in Felix auslöst. Er ist immerhin nicht taub. Dass sie sich dermaßen an Changbin heranschmeißt, hat er schon kapiert.

Sollte er zurückspielen?

Nein. Lieber nicht. Er will nicht so peinlich sein. Seine Aktion beim Kochclub ist schon hart an der Grenze gewesen. Außerdem ist er nicht sonderlich erpicht darauf, direkt auf dem Schulhof eine Szene zu veranstalten.

,,Ähm, ja. Ich freue mich auch.” Changbin lächelt sie an und Felix fragt sich erneut, warum er so scheiße freundlich sein muss.

,,Ich hab’ dir Hotteok mitgebracht! Du konntest ja letztens meine nicht probieren.” Sie schmollt ein wenig und hält ihm die Dose unter die Nase.

Changbin schaut darauf. ,,Danke, aber ich habe keinen Hunger”, lehnt er höflich ab, ,,Felix hat mir Hotteok gegeben. Ich habe noch genug auf Lager. Aber echt nett von dir.”

Kurz entgleisen Chanmi jegliche Gesichtszüge, was wiederum Triumph in Felix auslöst. Er muss ja nicht einmal etwas machen und gewinnt trotzdem locker. Er unterdrückt ein Grinsen und schlägt die Beine übereinander. Anschließend lässt er die Augenlider sinken, um die Sonnenstrahlen zu genießen.

,,Lee-Loser, dein Klamottengeschmack ist echt zum Kotzen.”

Genervt öffnet er die Augen und sieht Heeyeon an. ,,Was willst du?”

,,Ich bin die Mode-Polizei. Die Schule hat das dringend nötig.” Ohne zu zögern lehnt sie sich nach vorne und reißt das Tuch von seinem Hals.

Sofort legt Felix die Hand an die Haut, aber es ist schon zu spät: Stolz prangt der Knutschfleck auf der soeben enthüllten Stelle.

,,Das gibt’s ja nicht.” Heeyeon lacht auf. ,,Hast du dich nicht erst von Sungjin getrennt? Und dann hurst du so durch die Gegend?”

,,Ich …”

Sie pfiff einmal laut. ,,Hey, Leute, schaut euch das mal an! Lee ist eine Schlampe!” Sie verschränkt die Arme. ,,Muss ja erleichternd für dich sein, dass Sungjin eventuell in den Knast kommt.”

,,Wie kannst du so etwas sagen?!”, schreitet Jisung ein, ,,Wenn du keine Ahnung hast, dann kannst du den verdammten Mund halten!”

Auch der Rest der Schüler wird auf das Geschehen aufmerksam, mitunter Felix’ Freunde. Er will am liebsten sofort im Erdboden versinken. Natürlich muss das passieren. Natürlich muss ihm das Schicksal mal wieder eins auf die Mütze geben. Und natürlich schaut Changbin ihn mit einem Ausdruck an, der ihm das Herz quetscht.

Zum Glück kommt die Pausenaufsicht und schreitet dazwischen. ,,Heeyeon, mir gefällt es nicht, dass du hier Unruhe stiftest.”

Das Mädchen verzieht das Gesicht. ,,Aber ich-”

,,Nichts aber. Ich glaube, dir täte ein Besuch bei dem Rektor ganz gut.”

Und mal wieder ist Felix froh, nicht zu offensiv vorgegangen zu sein. Manchmal ist es klüger, nichts zu tun. Schweigen ist immerhin auch eine Option (wie bei dem Telltale Game The Walking Dead - ganz wichtige Lektion).

Nach kurzer Zeit widmen sich die Schüler wieder ihren eigenen Beschäftigungen, aber Felix kann bereits spüren, wie die Gerüchteküche brodelt.

,,Felix, hast du uns etwas zu sagen?”, fragt Chan vorsichtig.

Angesprochener schaut auf, guckt aber nicht Chan, sondern Changbin an, der ihn nun ein wenig enttäuscht ansieht.

Na schöner Mist. Ganz großartig.

,,Ich …” Ihm fehlen die Worte, deswegen würgt er ab.

Seungmin räuspert sich. ,,Naja, wir müssen nicht darauf herumhacken. Felix kann machen, was er will”, meint er und nickt.

Dankbarkeit breitet sich in Felix aus.

,,Ich meine, er ist niemandem verpflichtet.”

,,Richtig”, stimmt Hyunjin ihm zu und nimmt seine Hand, ,,Und manche Dinge bleiben lieber privat.” Er schmunzelt und küsst Seungmins Wange, was Jeongin Würgegeräusche entlockt.

Okay, der Schultag hat schon einmal ziemlich beschissen angefangen.

Wie soll Felix sich noch später mit Changbin treffen? Sein Plan hat somit schon mal ziemlichen Schaden davongetragen.

Erst einmal steckt er im Unterricht fest und er kann schon das Geflüster ausmachen, allerdings ignoriert er es. In seinem Kopf dreht sich alles nur um Changbin. Er muss ihn nach Schulschluss unbedingt finden. Was er sagen will, weiß er zwar noch nicht, aber er sieht keine andere Möglichkeit als das hier und jetzt zu klären.

Daher stürmt er nach dem Klingeln nahezu auf den Gang und eilt in die Aula, in der Hoffnung, den anderen abzufangen. Tatsächlich entdeckt er ihn kurzerhand und quetscht sich durch den Schülerstrom, um ihn noch zu erwischen.

,,Hyung!”

,,Oh.” Überrascht sieht Changbin ihn an. ,,Alles klar?”

,,Ich …” Felix muss sich kurz fassen, um sich daran zu erinnern, was er sagen will. ,,Kommst du heute noch zu mir?”

Changbin hebt die Augenbraue und röntgt ihn. ,,Ich meine … wenn du willst?”

Augenblicklich nickt Felix. ,,Wir haben es ja ausgemacht.”

Die Reaktion seines Gegenübers verblüfft ihn, denn Changbin lächelt daraufhin warm. ,,Okay, dann bis später.”

Ganz versteht Felix die Situation nicht, aber er ist froh, dass das Gespräch nicht so schlimm verlaufen ist, wie er es sich vorgestellt hat. Zwar merkt er die nun etwas seltsame Stimmung zwischen ihnen, allerdings hat er auch die ehrliche Freude in Changbins Augen erkannt.

Es ist seltsam. Seltsam schön.





Dieses Mal ist Felix unfassbar schnell mit seinen Hausaufgaben, obwohl er nicht seine Gedanken davon abbringen kann, verloren durch den Kopf zu strudeln. Seine Finger zittern sogar ziemlich, was sich auch auf seinem Block bemerkbar macht.

Um Dampf abzulassen, absolviert er ein paar Workouts und duscht sich anschließend schnell ab. Er hat mit Changbin nur ein Zeitfenster festgelegt, daher wappnet er sich für jegliche Überraschungen.

Da seine Haut noch nicht ganz trocken ist, hat er keine Lust, lange Sachen anzuziehen. Deswegen schlüpft er in Shorts und ein Tanktop. Gerade trocknet er seine Haare, als er das Klingeln der Tür vernimmt.

Tief atmet er durch und betrachtet sich im Spiegel. Den Knutschfleck verdeckt er dieses Mal nicht - immerhin hat Changbin ihn ohnehin gesehen. Er glaubt auch nicht, dass er darauf angesprochen wird. Daher verschwendet er nicht noch mehr Zeit, sondern eilt zur Tür, um sie zu öffnen.

,,He-” Der Rest der Begrüßung bleibt in Changbins Hals stecken. Seine Augen weiten sich leicht, als er Felix’ Outfit betrachtet. ,,Ist dir nicht kalt?”, fragt er langsam.

Felix lehnt sich gegen den Türrahmen. ,,Die Sonne scheint doch draußen”, erwidert er und spürt ein Kribbeln, als er merkt, dass Changbin ihn weiterhin anstarrt. ,,Willst du nicht reinkommen?”

Changbin schüttelt leicht den Kopf als wäre er gerade erst wieder erwacht. Leicht nickt er und tritt ein. ,,Sorry, dass es länger gedauert hat. Ich war mit Chan noch in der Stadt.”

,,Macht nichts. Was wolltet ihr dort?” Es ist verrückt, wie stark Felix’ Herz gegen seinen Brustkorb hämmert. Wie oft hat er sich vorgestellt, etwas alleine mit Changbin zu unternehmen? Und jetzt geschieht es unter so komischen Umständen, dass er es kaum fassen kann. Vor ein paar Monaten wäre er nun sicher an einem Herzinfarkt gestorben.

,,Wir haben ein Launchpad gekauft. Das wollten wir uns schon ewig zulegen”, erzählt Changbin und hängt seine Jacke auf, ehe er seine Schuhe sorgsam ins Regal einsortiert.

,,Ein Launchpad? Cool!” Interessiert sieht Felix ihn an. ,,Wie sieht’s aus?”

,,Ich hab’s sogar dabei. Bin direkt hergefahren. Ich kann’s dir zeigen”, bietet Changbin an.

Enthusiastisch nickt Felix und öffnet seine Zimmertür. Und einmal mehr ist er froh, seinen ganzen Nerd-Kram los zu sein. Sein Zimmer ist nun ziemlich neutral, aber nicht vollkommen langweilig. Man kann nach wir vor die Reihe an Videospielen bewundern und seine Pflanzen gestalten den Raum auch ein wenig gemütlicher.

Changbin schaut sich ein bisschen um, ehe er sich dazu entscheidet, sich auf sein Bett zu setzen. Er holt das Launchpad aus seiner Tasche und zeigt Felix all die bunten Tasten.

,,Das ist so cool”, murmelt Felix und setzt sich neben ihn, bevor er mit den Fingern darüber fährt.

,,Willst du es mal ausprobieren?”

Überrascht sieht Felix ihn an. ,,Ähm, ja klar, wenn ich darf.”

Changbin holt seinen Laptop hervor und schließt das Launchpad an. Er setzt sich anschließend hinter Felix und nimmt seine Hände. ,,Ganz locker bleiben. Hände nicht ablegen. Du brauchst die Bewegungsfreiheit.” Langsam lässt er los. ,,Also, da unten ist die Bass Drum. Da drüben sind die Snares und da kannst du Hi Hats einbauen. Du-”

Felix wartet nicht ab, sondern beginnt sogleich damit, einen simplen Rhythmus zu klopfen.

Verblüfft starrt Changbin das Launchpad an. ,,Ähm, das war gut. Wenn du willst, kannst du Extra-Laute einbauen. Wie wäre es, wenn du zuer-”

Auch dieses Mal kommt Felix ihm zuvor und betätigt die Tasten. Seine Finger tanzen darüber, während er mit dem Kopf leicht mitwippt. Irgendwann versucht er komplizierte Rhythmen einzubauen, sodass die Lichter nur so über das Pad fliegen.

,,Wow”, bringt Changbin hervor, ,,Hast du so etwas schon mal gemacht?”

Felix schüttelt den Kopf. ,,Aber ich beatboxe.” Zur Unterstreichung der Aussage beginnt er, zu beatboxen und trommelt synchron dazu den Rhythmus.

Amüsiert lacht Changbin auf. ,,Okay, da hast du mich jetzt ziemlich vorgeführt.”

Felix dreht das Gesicht zu ihm, sodass er dem anderen nun recht nahe ist. ,,Oder vielleicht bist du ein guter Lehrer.” Neckend streckt er die Zunge aus. Er blinzelt leicht und wendet dann den Blick ab, sobald er merkt, dass Changbin rot wird. ,,Aber lass mich mal einen Profi sehen.”

Changbin schmunzelt und legt die Arme locker um Felix, um an das Launchpad zu gelangen. Er sucht sich ein Tempo aus, bevor er damit beginnt, einen Rhythmus einzuspielen.

Fasziniert beobachtet Felix, wie geschickt Changbins Finger über die Fläche wandern. Unbewusst lehnt er sich gegen ihn und bewundert die blinkenden Lichter (sie haben nun mal etwas sehr Hypnotisierendes).

Rhythmusgefühl liegt Changbin im Blut. Es wirkt so natürlich, wie er seine Hände koordiniert und somit ,,volle” Musik kreieren kann.

Sobald er fertig ist, klatscht Felix. ,,Das war voll gut!”

,,Ja, das Teil ist der Wahnsinn. Ich wollte es mir schon ewig holen. Bisher konnte ich immer nur bei Freunden damit spielen, aber jetzt habe ich endlich ein eigenes.” Changbin lässt seine Arme, wo sie sind.

Felix atmet lange aus. Langsam dreht er sich zum anderen um. ,,Also … Wollen wir mit deinem Projekt anfangen?”

Als wäre Changbin aus einem Traum erwacht, zuckt er zusammen. ,,Ja, klar.”

Daraufhin steht Felix auf und kramt in seinem Regal, um DIN A3 Papier hervorzuholen. Zum Glück hat er seinen Schreibtisch etwas frei geräumt, sodass er alles ablegen kann.

,,Dein Schreibtisch ist echt groß.”

,,Tja, man braucht eben Platz, wenn man hier viel Zeit verbringt.” Felix streckt die Arme und setzt sich hin. ,,Komm her. Wir müssen erstmal Entwürfe machen.”

Changbin gesellt sich zu ihm und sie diskutieren anschließend verschiedene Ideen und Vorstellungen. Dann zwingt Felix ihn dazu, die ersten Entwürfe zu zeichnen. Er macht hier und da Anmerkungen, aber größtenteils arbeitet der Ältere eigenständig.

,,Du musst dir schon mal Gedanken über die Maße machen. Skizzen kann man immer ändern, aber wenn du schon mal angefangen hast, zu schleifen und zu sägen, wird es schwierig. Skizzen zu überarbeiten spart Zeit. Mehr als wenn du ständig an deinem Modell herumfuchtelst”, erklärt Felix und legt das Lineal an, ,,Gut, also sagen wir, dass ein Zentimeter in echt fünf Zentimeter entspricht, okay? Schreib’ dir das irgendwo auf.”

Die Zeit vergeht erstaunlich schnell, aber zum Schluss hat Changbin ein paar Skizzen, die ihm gefallen. ,,Gut. Morgen fangen wir dann mit dem Bauen an”, erklärt er, ,,Ich denke, dass mir das echt geholfen hat.” Kurz zögert er. ,,Könnten wir uns dann diese oder nächste Woche nochmal treffen? Falls eben Fragen aufkommen …” Schlussendlich sieht er etwas verlegen auf die Tischplatte.

Felix weiß nicht, was mit ihm los ist, aber instinktiv hebt er sein Kinn an. ,,Wenn du mich einfach so sehen willst, dann kannst du mir das auch sagen.”

Okay, okay, okay.

Ganz ruhig.

Er hätte sich die Aussage eventuell einen Tick besser formulieren können. Aber jetzt zu kneifen, würde alles nur noch peinlicher machen.

Changbin blinzelt verwirrt. ,,Das … sollte offensichtlich sein. Ich mag dich immerhin. Sehr.” Er schluckt schwer und Felix kann erahnen, wie trocken sein Hals vor lauter Aufregung sein muss.

Felix erkennt nun seine Chance und legt beide Arme um Changbins Nacken. Sein Herz schlägt so schnell, dass er sich gefühlt übergeben muss. Er schiebt die Empfindung beiseite und rutscht von seinem Stuhl in einer Bewegung, die so geschmeidig wie Raubkatzenfell ist, auf Changbins Schoß. ,,Ist das so?”, fragt er rhetorisch und streicht eine Strähne aus dem Gesicht des anderen.

,,Ähm …” Changbin wird rot und hält Felix’ Hände fest. ,,Ich dachte, das wäre mittlerweile klar.”

Felix summt und neigt den Kopf leicht zur Seite, während er immer weiter auf Changbins Oberschenkeln nach oben rutscht. Wenn er es nur halbwegs geschickt anstellt, kann er den anderen ohne Probleme unter Kontrolle bringen. Sein Herz zerquetschen und sein Leben zerstören.

So wie Changbin es indirekt mit Felix getan hat.

,,Worte sagen nichts. Du schwafelst mir zu viel”, entgegnet er und legt die Hand an Changbins Wange.

Schlussendlich lehnt er sich nach vorne, verfehlt jedoch Changbins Mund, da sich sein Gegenüber zur Seite dreht.

,,Felix, lass das.”

Etwas irritiert lässt Felix die Hände auf seinem Brustkorb ruhen. ,,Wieso? Ich dachte, du willst.”

,,Nein … also doch, schon. Ja, ich will”, gibt Changbin zu, ,,Aber nicht so. Nicht jetzt.”

Etwas pikiert lehnt sich Felix zurück. ,,Und wieso nicht?”

,,Das mit Sungjin ist noch gar nicht so lange her. Ich will nicht, dass du dich in irgendwelche Sachen steigerst. So wie … das da.” Er tippt leicht auf den Knutschfleck. ,,Ich bin einfach nur froh, dass wir wieder miteinander reden.”

Felix presst die Lippen zusammen und sucht nach einer anderen Option. Schnell handeln, Schwachpunkt treffen. Jetzt. Sofort. ,,Ich steigere mich nirgendwo hinein. Ich bin auch noch immer in dich verliebt”, schwindelt (?) er und krallt die Hände leicht in Changbins Schultern fest, ,,Das mit Sungjin war ein großer Fehler.”

,,Und ich bin froh, dass du diesen Vollidioten los bist. Aber ich … kann nicht. Du bist so labil. Ich will dir nicht wehtun.”

Felix zieht die Arme enger um ihn und schaut ihm unmittelbar in die Augen. ,,Du tust mir nicht weh. Versprochen”, flüstert er. Seine Stimme zerfließt wie Honig in Changbins Ohren und das weiß er auch. Er spielt mit den Haaren in Changbins Nacken und formt einen kleinen Schmollmund, ehe er breit lächelt. So breit wie schon lange nicht mehr. Und für eine Sekunde fühlt es sich ein bisschen ehrlich an.

,,Felix …” Zögerlich legt Changbin die Arme um die schmale Taille des anderen. Er ist nahezu hypnotisiert von den Sommersprossen, die so nahe vor seinen Augen fast wie Sterne auf der Haut tanzen.

Vorsichtig hebt Felix die Hand und fährt mit ihr über den Brustkorb des anderen. ,,Sei einfach froh, dass ich endlich wieder klaren Kopf habe.”

,,Hast du das?”

,,Ja. Bei dir zu sein ist besser als bei jedem anderen.” Die Worte rollen nahezu von seiner Zunge, obwohl er sich zuvor nicht einmal ansatzweise Gedanken darüber gemacht hat, was er sagen wird. Der gewünschte Effekt wird jedenfalls locker erzielt.

Changbin zögert. ,,Und der Knutschfleck?”

,,Unwichtig.”

,,Sicher? Ich …”

Felix sah ihn ernst an. ,,Ich schlafe nicht durch die Gegend, falls du das sagen willst. Es ist … schwierig, zu erklären.”

,,Aber keine Betrugsgeschichten?”, sagt Changbin ganz langsam, fast als hofft er, die Bedeutung der Worte abbremsen zu können.

Felix nickt. ,,Kein Betrug. Ich will dich.” Sein Brustkorb zieht sich zusammen. Was zur Hölle sagt er da? Okay, das ist alles irgendwo Teil von seinem Plan. Aber nicht so extrem. So eine dicke Schicht hätte er nicht auftragen müssen. Trotzdem strafft er die Schultern und küsst Changbins Wange entlang, während seine Hände zögerlich über seine Seiten gleitet.

Es ist anders als bei Jisung. Voller Nervosität, Ungewissheit, ein bisschen Angst, aber vor allem Sehnsucht, die von Adrenalin angetrieben wird.

Changbin seufzt leise, ehe er Felix von sich drückt. ,,Können wir … nicht einfach reden?”

Prüfend schaut Felix ihn an. ,,Willst du mich nicht küssen?” Er pausiert kurz. ,,Du darfst.”

Changbin zögert erneut.  ,,Danke. Aber nicht jetzt”, erwidert er, ,,Ich will lieber mit dir reden.”

Reden? Sungjin hat nie geredet. Zumindest nicht für lange Zeit. Es hat ihn nie großartig interessiert, was Felix denkt.

Prüfend sieht Felix ihn an, merkt jedoch schnell, dass er wohl kaum weiterkommt. Seufzend rutscht er von Changbins Schoß und hockt sich auf sein Bett. ,,Gut, dann fang’ an zu reden.”
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