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Das Leben ist voller Schmerz und doch geht es weiter

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
15.04.2020
07.04.2021
3
2.250
 
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08.07.2020 583
 
Papa weckte mich am nächsten Morgen. Vorsichtig strich er mir über die Wange. Etwas überrascht sah ich ihn an. "Komm, mach dich tagesfertig! Ich sattel Lightning für dich!" "Oh, ähm... danke." "Nicht dafür!" Papa behandelte mich schon immer wie sein ein und alles, aber heute war es extrem. Früher war er zwar liebevoll, aber auch streng. Er legte auf eine gute Erziehung und meine Selbstständigkeit wert. Ich stand auf und ging verschlafen in die Küche, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Ich schenkte mir den frischgekochten Kaffee ein und nahm einen Schluck. Er war nicht so wässrig, wie wenn ich ihn ansetzte...Nein! Er war äußerst stark. Mit größter Vorsicht probierte ich ihn noch einmal. Tatsächlich wurde er mit jedem Schluck besser. Nur für einen Moment hörte ich der See zu. Das Rauschen war angenehm und gleichmäßig. Ich machte kurz die Augen zu. Dann ging ich Zähneputzen und zog mir die Schuluniform an. Diese bestand aus einem dunkelblauen Blazer mit dem Wappen Mary Wards auf der linken Brust, einer weißen Bluse und einer blauen Krawatte. Dazu kam eine schwarze Reithose. Schnell ging ich noch zu Mama. "Guten Morgen, Darling!", lächelte sie schwach. "Morgen!" "Gehst du jetzt?" "Ja, ich glaub ich muss langsam los..." "Ah..." Sie nickte verständnisvoll. Ich sah auf die Uhr. "Du, Papa und Lightning warten! Bis später!" Sie nickte wieder. Ich ging und holte meine Tasche. Papa stand vor der Tür und hatte das gesattelte Pferd am Zügel. Der Schecke sah mich gutmütig an. Ich strich ihm über die Nüstern. Er hatte klare blaue Augen. "Bis nachher!" Papa drückte mir die Zügel in die Hand und ich schwang mich in den Sattel. "Tschüss!" Ich ritt an. Die Northfield Street hinunter. Ich trabte querfeldein durch die Dünen in den Ort. Vor der Mary Ward School of Stonevernechinul hielt ich. Meine beste Freundin Eleanor Gregory kam auf ihrem Pony die Strasse entlang geritten. Gemeinsam stellten wir die Pferde in den Schulstall und betraten das Klassenzimmer. Die Stunden zogen sich. "Wie geht es deiner Mutter?", fragte meine Freundin im Matheunterricht. "Eleanor!", ermahnte Mrs Griefound sie. "Der Arzt sagte am Freitag, dass... Sie...ähm... Wir wissen nicht, wie lange sie noch leiden muss..." "Was?" "Eleanor!" "Elli, lass uns später reden!" Zögernd legte sie ihren Kugelschreiber einer Handwerksfirma weg, welchen sie an einem Informationsstand der Berufsberatung in der Schule mitgingen ließ. Der Gong kündete die Pause an. Wir verzogen uns in eine ungestörte Ecke des Schulhofes. "Also, es ist eine Lungenentzündung und man kann nichts mehr machen..." "Und dein Vater?", fragte sie erschrocken. "Er kam gestern zurück. Du hättest ihn nicht wieder erkannt!", stöhnte ich. "Und wie geht es dir jetzt?" "Ich kann nicht mehr!" "Versteh ich! Danke, dass du mit mir geredet hast!" "Nein, danke, dass ich mit dir reden durfte!" Wir umarmten uns. Nach einigen Stunden durften wir gehen. Ich sattelte Lightning, ritt aus der Schule und hatte den kleinen Küstenort schon fast verlassen. "Elna! Warte!" Elli trabte hinter mir her. "Wohin so schnell?" "Ich muss zu meinen Eltern!" "Stimmt, grüß sie von mir!" "Mach ich!" "Bis Morgen!" "Ja, tschüss!" Ich nahm die Zügel auf und galoppierte auf Lightning nach Hause.
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