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Kann man seinem Schicksal entfliehen?

GeschichteAbenteuer, Drama / P16
OC (Own Character) Old Shatterhand Winnetou
13.04.2020
21.11.2020
9
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21.11.2020 1.875
 
Wir ritten einige Stunden und machten auch eine kleine Pause. Am nächsten Morgen waren wir in den Bergen angekommen.
Vor uns baute sich der mächtige Nuget-tsil auf, der Ort an dem die Apachen ihre letzte Zuflucht finden würden, der Ort an dem ich mit allen Mitteln den Tod meines geliebten Bruders und Mannes verhindern musste. Egal wie, ich musste es verhindern.
„Nissi was hast du denn? Seit wir aufgebrochen sind, bist du so still…“, sagte eben Genannter neben mir. Ich schaute zu ihm, wieso fühlte es sich bereits so an, als würde ich ihn verlieren? Was, wenn ich es nicht verhindern konnte? Was wenn ich nie wieder in diese klaren blauen Augen schauen konnte? Diese Augen, die immer so viel Liebe ausstrahlten, seine Küsse, seine starken Arme die mich immer so schützend festhielten, was wenn ich das alles verlor?
„Ich hab wahnsinnige Angst… um dich!“ Er nahm sofort meine Hand und drückte sie sanft.
„Warst du deswegen gestern Abend auch so panisch?“, fragte er und ich nickte. „Hab keine Angst, am Ende wird alles so kommen, wie es kommen muss!“
„Du redest so, als wüsstest du schon längst, was kommen wird!“, murmelte ich und schaute ihn ängstlich an. „Du kannst mich doch nicht verlassen… bitte nicht auch noch du…“, schluchzte ich.
Er lenkte Iltschi näher zu mir heran, dann küsste er sanft meine Wange.
„Alles wird gut mein Engel!“, hauchte er leise. „Ich verlasse dich nicht, niemals!“ Ich nickte traurig, da sah ich schon von weitem Charlie und Lilly auf uns zu reiten. Lilly sah mich bemitleidend an, wir wussten beide wie es kommen würde, zu viel war bereits schief gegangen.
„Mein Herz ist froh, den Bruder wiederzusehen!“, sagte Charlie, sichtlich erleichtert, dass er seinen Bruder nach dem Kampf gestern, der nicht wirklich ein Kampf gewesen war, wieder sah.
„Ach wenn er seinen Bruder sieht, kennt der niemanden mehr!“, murmelte Sam, der die ganze Zeit neben uns her geritten war. Ich ließ die beiden Männer erst mal allein und ging zu meiner Schwester, die gerade abstieg.
„Denkst du Winnetou wird hier sterben?“, fragte sie mich leise.
„Ich hoffe nicht… Ich werde alles versuchen um ihn zu retten, und wenn ich mich vor Charlie werfe..“
„Hier wirft überhaupt niemand! Ich stelle mich neben Charlie und du neben Winnetou damit du Rollins im Blick hast ja?“ Ich nickte. „Sobald du ihn siehst, drückst du ab!“ Wieder nickte ich, es hörte sich alles so einfach an, hoffentlich lief es auch reibungslos ab. Ein wenig Hoffnung hatte ich noch, Apanatschka war ja auch da. Der junge Häuptling kam jetzt zu mir und legte tröstend seinen Arm um mich.
„Ich beschütze ihn, ich verspreche es dir.“ Ich nickte und legte kurz meine Hand auf seine Schulter, als kleine dankbar Geste, dann folgte ich den Anderen hoch in die Berge. Gott ich hasse Klettern.
Als wir sicher waren, dass die Frauen, Kinder und Alten sicher waren, begaben wir uns langsam auf unsere Plätze und mir wurde von Sekunde zu Sekunde übler. Lilly stellte sich neben Charlie, Winnetou neben Lilly und ich stellte mich neben ihn. Apanatschka stand auf einer Erhöhung hinter uns und schien alles recht gut im Blick zu haben.
Winnetou drehte sich auf einmal zu mir, zog mich in seine Arme und gab mir den wohl innigsten Kuss, den wir je miteinander geteilt hatten. Ich war atemlos, als wir uns langsam voneinander lösten. Er lehnte seine Stirn und meine und strich liebevoll über meinen Rücken.
„Es wird alles gut mein Engel.“, flüsterte er. „Es wird alles gut.“ Ich nickte schwach und kuschelte mich an ihn um seine Wärme noch einmal spüren zu können. „Ich liebe dich über alles, vergiss das nie.“
„Ich dich auch. Für immer.“, hauchte ich und küsste ihn noch einmal bevor ich mich wirklich schweren Herzens von ihm löste. Vielleicht für immer.
Plötzlich hörten wie Hufgetrappel und gingen sofort in Deckung. Leider waren die Jicarillas noch da. Naja, dann würde sie gleich wieder merken, dass meine Vorraussagung geschehen würde.
Jede Panikattacke, die ich in meinem Leben gehabt hatte, schien nichts im Vergleich zu dem zu sein, was ich gerade fühlte. Es war pure, eiskalte Angst. Charlie stand jetzt auf und hielt seine Rede. Lilly warf mir einen schnellen Blick zu und ich richtete meine Augen zu meiner rechten Seite. Ich sah wie Rollins hochgeklettert kam, wollte ihn allerdings erst rankommen lassen, ich durfte nicht scheitern. Ich durfte auch nicht zulassen, dass mich die Angst lähmte, denn genau das passierte gerade. Ich sah wie Rollins immer näher kam und erschrak fast zu Tode, als unten die ersten Schüsse krachten. Dann ging alles so verdammt schnell. Nicht nur krachten die Schüsse, sondern man hörte die Trompeten der Soldaten.
„Die reiten genau in die Gewehre der Banditen.“, murmelte Charlie und Winnetou gab den Warnschuss. Lilly geriet in Panik, als sie merkte, dass ich mich nicht bewegen konnte.
„NISSI UM GOTTES WILLEN SCHIESS!“, hörte ich sie über den Krach schreien und ich wurde endlich in die Realität zurück gerissen. So schnell ich konnte legte ich an, Winnetou fuhr erschrocken herum, als er im Augenwinkel sah, dass Rollins aus seiner Deckung schoss. Hinter mir brach das Chaos aus, wie mir Apanatschka später erzählte. Winnetou wollte seinen Bruder schützen, wurde aber von dem Häuptling zu Boden gerissen, während Lilly ihren Mann aus der Schusslinie schubste. All das geschah in einem Wimpernschlag, dann drückte ich auch schon ab. Rollins stoppte seine Bewegung, er war getroffen, ob tödlich oder nicht, wusste ich nicht und stürzte wie erstarrt die Felswand hinunter. Dass er das überlebte, war fast unmöglich. Ich starrte immer noch auf den Ort des Geschehens. Das war‘s. Winnetou war in Sicherheit. Apanatschka lief zu dem Abgrund und schaute hinunter.
„Er ist tot!“, rief er und Lilly fiel mir jubelnd um den Hals, während ich vor Erleichterung auf die Knie sank. Ich begann hemmungslos zu weinen, als die ganze Anspannung von mir abfiel.
„Nissi… meine Schwester, mein Engel.“, hörte ich da die Stimme meines Bruders und schaute zu ihm. Er lebte, er war okay. Er war nicht mal verletzt. Er lächelte mich so unendlich liebevoll an und schloss mich fest in seine Arme. „Danke.“, hauchte er und küsste meine Stirn sanft, während ich immer noch weinte. Ich wäre dann bereit für das Irrenhaus. Winnetou wog mich sanft hin und her, bis ich mich beruhigt hatte und ganz ruhig in seinen Armen lag. „Ich bin da.“, flüsterte er leise. „Danke dir, ich bin da.“ Ich schaute zu ihm hoch und seufzte erleichtert. Es war alles okay. Wir hatten gesiegt.

„Ich glaub man kann mich jetzt ins Irrenhaus einliefern.“, murmelte ich, als mir Winnetou und Apanatschka wieder auf die Beine geholfen hatten und mein Mann mich nun in seinen Armen hielt und meinen Rücken streichelte. Unten wurde der Lärm langsam weniger, die Banditen und Jicarillas waren entweder tot oder hatten sich ergeben.
„Nein… bleib mal lieber hier.“, grinste mein Mann und ich kuschelte mich leise kichernd an ihn.
„Du bist am Leben.“, hauchte ich überglücklich. „Gott du bist am Leben.“ Er drückte mich eng an sich und küsste meinen Kopf liebevoll.
„Was passiert denn jetzt? Ihr habt das Pueblo in die Luft gejagt, die können doch alle unmöglich in den Bergen leben, wenn ich mich nicht irre.“, meldete Sam sich da.
„Ich glaub ich hab eine Idee.“, meldete ich mich. „Meine Eltern haben Beziehungen und Tobi kann Leute vergessen lassen. Wir können das Pueblo schnell wieder aufbauen.“ Lilly grinste und nickte.
„Und das soll wie funktionieren?“, fragte Charlie.
„Ja lass uns mal machen. Bleibt hier in den Bergen, bis wir euch sagen, ihr könnt wieder zurück kommen.“, grinste meine Schwester, öffnete neben sich ein Portal und verschwand mit mir dadurch, nachdem ich mich noch von Apanatschka verabschiedet hatte, der für mich mittlerweile mein allerbester Freund geworden war.

Lilly und ich reisten also zurück zu unseren Eltern und erzählten ihnen, was passiert war. Wie stolz sie waren, als sie hörten, dass wir Winnetous Tod verhindern konnten, kann man sich denken.
Dann wurden Freunde angerufen, die Handwerker, Architekten und Bauarbeiter waren und sogar Tobi ließ sich blicken, um ein wenig seine Magie wirken zu lassen, denn die ganzen Leute mussten durch ein Portal, in den Wilden Westen und dabei möglichst nichts hinterfragen.
Wir halfen alle mit und so stand innerhalb von kurzer Zeit das Pueblo wieder da, wo es vorher gestanden hatte, in seiner Originalform. Wir sahen uns zufrieden an, dankten unseren Freunden und verabschiedeten uns. Als wir dann allein mit Tobi waren, fragte er uns, ob wir jetzt für immer hier bleiben würden. Lilly zuckte mit den Schultern.
„Sicherlich nicht. Ich werde so oft ich kann nach Hause gehen, weil ich unsere Eltern vermisse und die moderne Welt ist halt auch nicht so scheiße. Vielleicht kommt Charlie irgendwann mal mit. Ich weiß nicht. Ich lass es einfach auf mich zukommen.“
„Was sie gesagt hat.“, nickte ich. „Aber natürlich stehen wir noch zur Verfügung. Du tust ja gerade so, als hast du keine anderen Idioten, die für dich arbeiten.“
„Hab ich schon.“, sagte er. „Aber ihr beiden seid halt die besten. Ihr seid respektvoll, vorsichtig und hinterlasst das wenigste Chaos. Und eure Erfolgsquote ist höher.“
„Rutsch mal nicht auf deiner Schleimspur aus.“, murmelte Lilly und ich lachte leise.
„Ich mein ja nur. Wie auch immer, ich werde jetzt gehen. Stay sexy, don’t get murdered und so weiter. Bye.“ Wir schauten verwirrt zu ihm, während er verschwand und schüttelten mit dem Kopf.
„Jesus Christ…“, sagte Lilly kopfschüttelnd und schwang sich dann auf Astors Rücken, ich kletterte auf Livi und wir machten uns auf den Weg zum Nugget-tsil um die anderen zu holen.

Ich habe meinen Mann wirklich selten sprachlos erlebt, doch als wir zwei Tage später wieder am Pueblo waren, stand ihm fast der Mund offen. Ich lachte leise und stupste ihn sanft an, um ihn aus seiner Starre zu befreien. Er schaute zu mir, immer noch reichlich verwundert.
„Ich liebe dich.“, platzte es aus ihm heraus, bevor er mich in eine enge Umarmung zog. Ich kicherte und schlang meine Arme um ihn.
„Ich dich auch mein Engel.“, grinste ich und küsste ihn sanft. „Und jetzt kann ich endlich meine Karriere als Nissi die Schamanin angehen. Solang irgendwas passiert, von dem ich weiß, wie es ausgeht.“ Winnetou schmunzelte.
„Irgendwann wird niemand mehr die Apachen angreifen, weil sie alle Angst vor dir haben.“ Ich lachte und nickte.
„Ja man! Ziel erreicht.“ Kichernd gingen wir schließlich Arm in Arm zu den Kriegern und Frauen, um ihnen zu helfen die ganzen Sachen abzuladen und einzuräumen, wir öffneten das Portal aus dem meine Eltern sofort mit schon ein paar Sachen auf den Armen herausspazierten. Meine Mama schloss meinen Mann sofort fest in ihre Arme und sagte ihm, wie sehr sie sich freute, dass er noch am Leben war. Sie war schon immer eine sehr herzliche Frau gewesen. Mama ist toll. Gegen Abend saß ich, in den Armen meines Mannes, an einer Klippe und der Sonnenuntergang tauchte alles in ein orange-rötliches Licht. Ich war so glücklich und von einem tiefen inneren Frieden erfüllt. Ich nahm Winnetous Hand, verschränkte unsere Finger miteinander und küsste seinen Handrücken.
„Ich bin froh, dass du hier bist.“, flüsterte er und küsste meine Stirn. Ich lächelte. Ja das war ich auch. Und ich würde weiterhin hier bleiben. Das war sicherlich nicht unser letztes Abenteuer.
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