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Kann man seinem Schicksal entfliehen?

GeschichteAbenteuer, Drama / P16
OC (Own Character) Old Shatterhand Winnetou
13.04.2020
21.11.2020
9
16.748
6
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
13.04.2020 1.428
 
Hallo ihr Lieben. Ich wünsche euch noch frohe Ostern und hoffe es geht euch allen gut und ihr seid gesund.
Seid ihr wie ich schon ein wenig wahnsinnig geworden, aufgrund von social distancing?
Wie auch immer, es dauerte so lang, bis ich mit einer neuen Geschichte zurück komme, weil ich sie erst beenden wollte, bevor ich beginne sie hochzuladen.  Hier ist also das erste Kapitel von der neuen Geschichte. Please enjoy und lasst ein Review da, wenn ihr wollt :)

xx Nissi


Im höchsten Tempo flogen Lou und ich über die Prärie und sprangen über den ein oder anderen Baumstamm und Graben. In dieser Geschwindigkeit konnte ich für einen kurzen Moment alles vergessen. Konnte ich zu Hause schon gut prokrastinieren, war ich hier in Amerika ein wahrer Weltmeister darin geworden.
Ein paar Wochen war es nun schon her, dass wir die Information von Apanatschka bekommen hatten, dass das Land der Apatschen quasi schon vergeben war, obwohl diese weißen Arschlöcher dazu kein Recht hatten.
Jedoch, noch war alles ruhig und ich konnte diese Wochen mit meinem Blutsbruder genießen. Wir waren auf der Jagd gewesen, er hatte mich weiter ausgebildet und wir hatten unsere Zeit zusammen und allein einfach nur genossen, unsere Beziehung war noch inniger geworden. Das hatte vielleicht durchaus auch mit der Zeremonie zu tun, die vor wenigen Wochen stattgefunden hatte. Zuerst hatte man mich in den Kreis der Krieger aufgenommen, versucht mal ruhig zu bleiben, während ein Pfeil nach dem anderen neben euch in diesen Pfahl einschlägt. Nicht einfach. Danach hatte eine weitere Zeremonie stattgefunden, eine die mir wahrscheinlich ewig ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde. In unserer Welt hätte man es mit einer Hochzeit gleichstellen können, jedoch hätte der Ablauf unterschiedlicher nicht sein können. Ich kann mich kaum erinnern jemals so nervös gewesen zu sein. Zum Glück hatte Winnetou es irgendwie geschafft, mich auf dem Boden der Tatsachen zu halten. Wie? Keine Ahnung. Ich hatte durch die Nervosität nicht viel mitbekommen, wusste nur, dass man Winnetou und mich jetzt als Mann und Frau bezeichnen konnte. Irgendwie surreal. Sehr, sehr surreal.
Die kleine 8 jährige Nissi hatte immer davon geträumt, zusammen mit Winnetou über die weite Prärie zu reiten und war vor Freude beinah aus der Haut gefahren, als sie Pierre Brice getroffen hatte. Allerdings hatte sie nie davon geträumt, ihn zu heiraten.
Trotzdem hatte Winnetou auf ewig meinen Männer - und Frauengeschmack beeinflusst. Lange schwarze Haare und blaue Augen und ich war hin und weg. Ich lachte leise, als ich darüber nachdachte.
Und jetzt 12 Jahre später, war die 20-jährige Nissi mit dem Held ihrer Kindheit verheiratet. Wieder lachte ich. Wie bitte hatte es so weit kommen können? Noch nie hatte ich mich auf einer Mission dermaßen verloren und so sehr verliebt. Verliebt hatte ich mich bei sowas generell noch nie.
Aber ich war froh, dass es so gekommen war. So verdammt froh.
Hoppla, wo zum Kuckuck war ich denn jetzt auf einmal? Ich schaute mich verwirrt um, ich war mal wieder viel weiter geritten, als ich beabsichtigt hatte. Wie schon gesagt, im prokrastinieren war ich mittlerweile Weltmeister.
„Na dann Süße, ab nach Hause.“, sagte ich und drehte um, als ich Schüsse hörte. Mein Herz schlug schneller, die Apachen schossen nicht so oft, wenn sie auf der Jagd waren. Generell jagten sie mit Pfeil und Bogen, um die Tiere im Umkreis nicht aufzuscheuchen, und keine Feinde anzulocken. Also entweder wurden sie angegriffen, oder die Büffelherde wurde von Weißen gejagt. Oder beides. Fuck.
„Lass es bitte nicht die Gruppe sein, die ich denke.“, betete ich leise und trieb Lou erneut in den Galopp, in die Richtung der Schüsse. Kaum war ich dort angekommen, wurden meine schlimmsten Vermutungen war. Es war die Gruppe, die Vermeulen geschickt hatte, um einen Konflikt anzuzetteln. Scheiße.
Ich galoppierte zu den Kriegern und half ihnen, die Banditen einzufangen und zu fesseln. Am liebsten hätte ich allesamt von ihnen erschossen, außer den großen Blonden, der arme Kerl wusste ja nicht, in was er da hinein geraten war. Allerdings hätte das auch nichts gebracht, sondern die Sache nur beschleunigt. Aber Rollins. Sobald ich Rollins traf, würde ich Hackfleisch aus ihm machen.

Als wir im Lager angekommen waren, traf ich dort einige Häuptlinge anderer Stämme an, darunter Apanatschka, der immer noch bei uns war, und meinen Bruder, der wütend zu den Banditen schaute. Ich stellte mich zu ihm und erstattete Bericht. Dass sie die Büffel gejagt hatten, einfach nur zum Spaß.
„Bist du in Ordnung?“, fragte er leise und ich nickte. Er strich kurz über meinen Arm und wandte sich dann den Banditen zu. Die folgende Szene kannte man ja. Der Anführer würde aufmüpfig, der Blonde beteuerte sein Bedauern und letztendlich schickte Winnetou alle wieder weg. Die Waffen würden wir behalten.
Die Männer rannten so schnell sie konnten zu ihren Pferden und verdünnisierten sich. Als der große Blonde, wie ich später erfuhr war sein Name Tom, gehen wollte, hielt ich ihn allerdings zurück.
„Wartet noch eine Weile. Ich hab eine ungute Vorahnung. Bleibt noch eine Weile im Pueblo. Reitet morgen weiter.“ Er nickte zwar etwas verwirrt, aber stellte keine weiteren Fragen.
Ich ging zu einer Klippe und setzte mich dort hin. Nun half also all das prokrastinieren nichts mehr. Es war so weit. Der Anfang vom Ende, wenn ich es nicht irgendwie verhindern konnte. Die Alpträume kamen wieder in meine Erinnerung, die Filme, der Schrecken, den ich hier schon gesehen hatte und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten und fing vor lauter Angst an heftig zu schluchzen und zu weinen. Kennt ihr das, wenn man das Gefühl hat, alles gleitet einem aus der Hand und knallt dann ungebremst gegen die nächste Wand? Genauso empfand ich gerade, ich fühlte mich hilflos. Loki, der kleine Wolf, der mittlerweile nicht mehr ganz so klein war, kam zu mir, winselte leise und leckte meine Tränen liebevoll auf. Ich lächelte leicht und streichelte sanft über seinen Kopf.
„Liebling?“ Ich hörte Winnetous besorgte Stimme neben mir und wischte mir schnell die restlichen Tränen weg. Als ob das was bringen würde, so verzweifelt wie ich gerade geheult hatte. „Was ist geschehen? Warum weinst du?“ Er setzte sich neben mich und zog mich tröstend in seine Arme. Ich klammerte mich an ihn, wollte ihn nie wieder gehen lassen. Könnte ich doch nur die Zeit anhalten. Ich spürte, wie er vorsichtig durch meine, mittlerweile schulterlangen roten Haare strich - ich hatte irgendwann die Nase voll von dem blond und den langen Haaren gehabt- und meinen Kopf küsste.
„Ich hab Angst.“, flüsterte ich. „Um dich. Ich hab solche Angst.“ Ich weiß eigentlich sollte ich nicht über das sprechen, was passieren würde, aber ich hatte keine andere plausible Erklärung, die meinen Zusammenbruch erklären konnte. Und er konnte mich so gut durchschauen wie kein anderer. Er würde merken, dass ich ihn anlog.
„Es wird alles gut, Nissi. Winnetou wird dich niemals verlassen. Niemals. Du hast schon so viel verhindert. Du wirst auch das verhindern.“, flüsterte er leise. Ich seufzte traurig und schaute zu ihm hoch.
„Ich hab aber gerade das Gefühl, alles fährt ungebremst gegen die Wand und ich kann nur dastehen und zuschauen.“, hauchte ich.
„Manchmal müssen manche Dinge passieren. Wenn der große Geist es so will, können wir uns nicht dagegen stellen.“
„Aber ich will nicht, dass das passiert!“, rief ich trotzig. „Winnetou ich liebe dich, ich kann nicht ohne dich!“ Er nahm mein Gesicht vorsichtig in seine Hände und küsste mich innig. Ich vergrub meine Hände in seinen Haaren und drückte meinen Körper, falls das überhaupt noch möglich war, enger an seinen. Ich brauchte diese Nähe, sie spendete mir Trost.
„Ich liebe dich auch.“, flüsterte er leise und küsste meine Wange. „Mach dir keine Sorgen. Es wird alles gut.“
„Du weißt, dass ich dir das so gar nicht abnehme, ne?“, murmelte ich, während ich mein Gesicht an seinem Hals vergrub.
„Ja. Macht aber nichts, einen Versuch war es wert.“ Ich lachte leise und küsste seinen Hals liebevoll. „Charlie wird heute wieder im Gebiet der Apachen sein, zusammen mit Lilly. Ich wollte ihnen entgegen reiten. Kommst du mit?“ Ich knurrte leise und schaute empört zu ihm hoch.
„Manchmal kannst du ein richtiger Liebestöter sein, weißt du das?“ Er lachte und ich schmollte. „Find ich gar nicht lustig. Deine Nähe tröstet mich. Und ein bisschen Trost wäre jetzt wirklich nicht schlecht.“ Er lächelte mich liebevoll an und küsste mich erneut, diesmal so innig, dass ich ihn an dem Vorhaben, jetzt irgendwo hinzureiten mit allen Mitteln hindern würde.
„Wie könnte Winnetou dir den jemals einen Wunsch abschlagen hm?“, flüsterte er, nahm mich hoch und trug mich zurück zum Pueblo.
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