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100 Filmzitate - 100 Geschichten zu Elisabeth

von Lilliam
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Der Tod Erzherzogin Sophie Kaiser Franz Joseph Kaiserin Elisabeth Kronprinz Rudolf Lucheni
12.04.2020
14.11.2020
27
34.589
1
Alle Kapitel
27 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
12.04.2020 1.068
 
Hallo,
das hier wird das erste Kapitel von (hoffentlich) vielen in diesem Projekt
Wie schon in der Kurzbeschreibung erwähnt, ich werde mehr oder weniger 100 Oneshots schreiben. Auf jeden Fall will ich die 100 Zitate vorkommen lassen.
Ich freue mich über Reviews, aber ich freue mich auch über die stillen Leser*innen.
Ich werde es so machen, dass ich am Anfang jedes Kapitels ein extra Altersrating und Inhaltswarnungen, manchmal auch einen Satz zur ungefähren zeitlichen/räumlichen und Erzählperspektive da lassen.
[EDIT: ich habe das Altersrating der gesamten Geschichte jetzt auf P18 Slash gesetzt, weil hier doch ziemlich viel Slash vorkommen wird]
Edit: Ich halte mich schon ans Musical, bau aber auch Personen/Erlebnisse etc aus dem und rund um das Leben der historischen Elisabeth ein. Auch OC's können vorkommen. In einigen Oneshots verschiebe ich wenn es sein muss auch mal ein paar Fakten, aber ich versuch möglichst originalgetreu zu schreiben :D
Nun will ich euch aber nicht weiter zuschreiben, ich denke es ist alles gesagt.
Viel Spaß!
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1.„Am meisten hasse ich, dass ich dich nicht hassen kann.“ 10 Dinge, die ich an dir hasse

In diesem Kapitel:
Altersrating: P12
Inhaltswarnungen: Tod, Selbstverletzung
Situation: Erzählt aus Elisabeth's Perspektive, kurz nachdem der Tod ihre Tochter Sophie holte.
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Ich stand am offenen Fenster und atmete die kühle Nachtluft ein. Der Mond schien hell und die Sterne leuchteten so kräftig, als versuchten sie die Nacht zum Tag zu machen. Doch in mir leuchtete gar nichts.
Das Feuer, welches mich so lange begleitete, war ausgebrannt.
Ein leichtes Schaudern ging durch meinen Körper, doch mir war es gleich. Dann sollte ich eben krank werden, es interessierte mich nicht. Umso besser, wenigstens dann könnte ich mich in meinem Zimmer einschließen und müsste niemandem mehr begegnen.
Mein Mann verstand mich nicht. Wie so oft. Er wollte, dass ich weiterhin funktionierte und die würdevolle Kaiserin spielte. Ich spürte ein Brennen in den Augen, doch alle meine Tränen waren bereits versiegt.
Morgen war es soweit. Morgen würde die Beerdigung stattfinden. Die Beisetzung meines kleinen Engels. „Sophie...mein goldenes Kind.Ich vermisse dich so sehr.“ Es war kaum ein Flüstern, das ich über die Lippen brachte. Ich krallte die Finger in den Stoff meines Nachthemdes und ließ mich auf den Boden sinken.
Warum musste es sie sein, warum mein Kind? Warum nicht ein anderes?
Ich wusste nicht genau wie viel Zeit verging, wie lange ich schon an die Wand gelehnt auf dem Boden saß. Es spielte keine Rolle. Schlafen konnte ich eh nicht. Ich versuchte es nicht einmal mehr, es war sowieso jede Nacht dasselbe Spiel. Und wenn ich es doch für einen kurzen Moment schaffte, die Augen zu schließen, wurde ich von Alpträumen aus dem Schlaf gerissen. Nein, eigentlich war es  jedes Mal der selbe Alptraum. Wenn ich die Augen schloss, sah ich ihn. Wie er meine Tochter in den Armen hielt und mir zulächelte, bevor er sie küsste. Bevor er ihr den Todeskuss gab, der sie mir für immer entreißen würde.
Ich wollte schreien, ihn von ihr wegzerren. Doch kein Laut verließ meine Kehle. Nicht bevor er sie küsste. Sie tötete.
Ich biss mir auf die Unterlippe, als ich mir seinen Gesichtsausdruck in Erinnerung rief. Sein Lächeln. Es war ein kaltes Lächeln, doch gleichzeitig drückte  Vertrauen aus. Ein Gefühl davon, dass alles gut werden würde. Er war wie ein schwarzer Engel, der mir erst einen Eimer Wasser brachte, kurz bevor er eine Fackel nahm und mich in Brand setzte.
Ich vergrub meine Fingernägel in meinen Oberschenkeln und atmete aus, als ich das Brennen spürte.
Dies war etwas, was ich in der letzten Zeit öfter tat. Nur so spürte ich meinen Herzschlag und das Adrenalin, welches durch meine Adern strömte. Nur so spürte ich, dass ich noch lebte.
Leben, das wollte ich. Ich klammerte mich regelrecht daran. Am Tag ihres Todes hatte ich mit Gedanken gespielt, ihr zu folgen. Doch sterben, das hätte bedeutet ihn zu sehen. Von ihm den Todeskuss zu empfangen. Ein Teil von mir wünschte, ich würde ihn niemals wieder sehen. Ein Teil, der zurzeit den größten Raum einnahm.
Das Brennen in meinen Oberschenkeln ließ nach. Dafür breitete es sich in meinem Körper aus und das Feuer kehrte für einen Moment zurück.
Alles in mir spannte sich plötzlich an.Ich sprang auf und ging in meinem Zimmer auf und ab. Ab und zu blieb ich stehen, schlug mit den Fäusten gegen ein Kissen oder ein Möbelstück. Ich sah ihr Gesicht vor meinen Augen, so klar. Und ich wollte es nicht sehen. Ich hatte es nicht verdient, es zu sehen.
Ja, ich gab auch mir die Schuld an ihrem Tod. Ich war es, die unbedingt die Kinder mitnehmen wollte. Ich hasste mich dafür und schwor, mir diese Entscheidung nie zu verzeihen. Doch mein Hass wuchs über mich selbst hinaus. Ich hasste die Erzherzogin aus ganzer Seele. Sie war es, die mir mein Kind zuerst nahm. Die verhinderte, dass ich sie aufzog. Hätte ich diese zwei Jahre mit meiner Tochter verbringen dürfen, dann hätte ich vielleicht positive Erinnerungen mit ihr, an die ich mich morgen klammern könnte. Hätte ich die Rolle ihrer Mutter voll erfüllen können, und nicht nur die Rolle der distanzierten Kaiserin, die ein Kind gebar. Weil es ihre Pflicht war.
Ich hasste auch meinen Mann, der mich immer im Stich gelassen hatte, wenn ich Streit mit seiner Mutter hatte. Der sie verteidigte und meine Meinung nur zu oft belächelte.
Doch was ich am allermeisten hasste, mehr als mich und alle anderen, war eine Erkenntnis die mich nun einholte.
Ich hasste es, dass ich ihn nicht hassen konnte. Mein Gewissen schrie mir zu, dass es falsch war und ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Doch es war nun mal so. Ich war wütend auf ihn, doch fernab von Hass. Ich brauchte ihn. Und ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis mein Herz wieder nach ihm rief. Und ich verabscheute mich dafür.
Ich ging zum Fenster und schloss es, doch die Kälte blieb im Raum. Für einen Moment glaubte ich, eisblaue Augen in einer Ecke des Raumes aufblitzen zu sehen. Doch ich drehte mich weg. Ich wollte ihn nicht sehen. Es ging nicht. Ich beschloss, mich nun doch hinzulegen. Kurz bevor mir meine Augen ganz zufielen, spürte ich einen Lufthauch, der mir übers Haar strich. Und ich schlief die ganze Nacht, ohne schweißgebadet aufzuschrecken. Ich fühlte mich beschützt.
Und ich liebte ihn dafür.
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