Da steh' ich nun, ich Amthor, und bin so klug als wie zuvor!

GeschichteParodie / P18 Slash
Friedrich Merz
11.04.2020
17.04.2020
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Ueckermünde bei Tag. Herrlich. Hier konnte man noch spazieren gehen, ohne über den Saum von fremden Burkas zu stolpern oder eigenartigen Sprachen lauschen zu müssen. Hier sprach beim Bäcker höchstens mal jemand Mecklenburger Platt oder irgendetwas anderes, das zumindest im Entferntesten mit Deutsch zu tun hatte. Fröhlich spazierte Philipp Amthor durch seinen Wahlkreis. Es war schon ein geiles Gefühl, für den ganzen Bereich Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II zuständig zu sein. Die Deutschlandfahnen-Anstecknadel glänzte in der Mittagssonne und ein paar Omas grüßten ihn winkend mit ihren Stofftaschentüchern. Hier war die Welt noch in Ordnung.

Auf dem letzten CDU-Parteitag im November hatte Friedrich Merz ihn dazu eingeladen, von dort an ebenfalls seinen berüchtigten Parties beizuwohnen. Persönlichkeiten aus der Werteunion, Merkel-und Kramp-Karrenbauer Kritiker oder, um es kurz zu sagen: alle Herrschaften, die beim Wort "wertekonservativ" einen Steifen bekamen, tummelten sich auf diesen Parties, die in einem angemieteten Berliner Penthouse mit einem riesigen Pool auf der Dachterrasse stattfanden. Im Grunde genommen liefen dort haufenweise dieser berühmten alten, weißen Männer herum. Rein habituell und rhetorisch konnte Philipp Amthor mit denen schon mithalten, außer eben, es ging darum, welcher Frau man zuletzt an den Po gegriffen hatte, ohne dass es von ihr selbst bemerkt wurde. Lauschend und wach stand er bei diesen Gesprächen immer daneben, nippte mit der spitzen Lippe am Champagner und sah sich auf der Penthouse Terrasse um. Besonders geschmeichelt und wunderbar fühlte er sich, wenn der große Friedrich Merz auf seinen Rücken klopfte, ihm für die letzte Rede lobte und "Philipp, auf Sie kann ich zählen" rief. Während die anderen Männer, die um sie herum standen, anerkennend nickten.

Auch heute Abend würde es wieder soweit sein. Philipp musste sich beeilen. Schnell wollte er seiner Mutter noch den guten Kartoffelsalat vom EDEKA Berndt besorgen, bevor es mit dem Zug in die Hauptstadt ging. Wie immer war er ziemlich aufgeregt. In den letzten Wochen hatte er sich oft mit Friedrich Merz getroffen und ebenso ein wenig seines Vertrauens gewinnen können. Wenn Friedrich Merz Kanzler wurde, dann könnte er womöglich in seinem Kabinett Minister werden! Das wäre einfach hervorragend. Aber dafür musste er weiterhin alles daran setzen, ein gutes Bild abzugeben. Er durfte sich keine Patzer erlauben. Wenn er irgendetwas tat, was dem großen Meister Merz nicht gefiel, dann konnte er ganz schnell wieder von ihm fallen gelassen werden...
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