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Made My Insides Turn To Jelly (Absolutely Smitten)

OneshotAngst, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Bram Greenfeld Simon Spier
11.04.2020
11.04.2020
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4.538
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11.04.2020 4.538
 
Hey!

Dieses Fandom ist einfach immer noch viel, viel, viel zu inaktiv. Also habe ich noch eine Geschichte übersetzt (natürlich mit Erlaubnis des Originalautors). Vielleicht wächst das Fandom ja langsam (das ist zumindest schon die 8. Geschichte hier und die erste Geschichte, die ich hier hochgeladen habe war noch die 4.). Hoffentlich, die Bücher sind einfach viel zu gut um ignoriert zu werden (den Film finde ich an sich nicht schlecht, aber die Oreo-Szene fehlt, was einen RIESEN Minuspunkt bedeutet, meiner Meinung nach - schon, oder?!).

Ja. Jedenfalls, das ist eine Übersetzung. Bedeutet: Mir gehört gar nichts. Wenn ihr die Originalgeschichte lesen wollt, ich verlinke sie euch gleich. Ansonsten ... habt viel Spaß mit der Geschichte!
LG

Link zum Originalautor

Link zur Originalgeschichte





Made My Insides Turn To Jelly (Absolutely Smitten)


Ich bin erbärmlich.

Da ist sie: die Wahrheit über mich.

Ich bin erbärmlich, weil es noch genau eine Woche bis zum Abschlussball ist und ich kein Date habe und ich kein Date will. Und es Samstagnacht und ich sitze auf meinem Bett und aktualisiere meine Emails alle zwei Sekunden.

Okay, ich habe gerade gelogen. Was echt lächerlich ist, weil ich einfach die einzige Person hier bin.

Ich will ein Date für den Ball. Ein sehr spezifisches Date, um ehrlich zu sein.

Jacques.

Ich bin aber immer noch erbärmlich. Das war keine Lüge.

Ich, Bram Greenfield, bin so schrecklich erbärmlich, weil ich Samstagnachts in meinem Bett liege und über einen gesichtslosen Jungen nachdenke, von dem ich mir so sehr wünsche, dass er gerade hier wäre, der es aber nicht ist. Ich wünsche mir, dass Jacques neben mir wäre. Ich wünsche es mir so sehr, dass ich sogar Schmerzen in meinem Bauch empfinde – das könnte aber auch am Abendessen meiner Mutter liegen. Ich kann Rindsfleisch-Tacos wirklich nicht ausstehen. Das sollte ich Jacques erzählen. Nur dass er mir noch nicht geantwortet hat und ich doppelndes Emailen sogar noch weniger leiden kann als die Rindsfleisch-Tacos meiner Mutter.

Ich lege mein Handy tatsächlich zur Seite und denke einfach mal nur nach. Wenn Jacques hier wäre, was würden wir dann tun? Wahrscheinlich über den Ball reden, weil wir natürlich zusammen gehen würden. Oder, ich meine, würden wir das? Ich kann nicht einmal daran denken, ihn zu treffen, ohne dass ich gleich das Gefühl bekomme, mich übergeben zu müssen. Würde ich es wirklich schaffen zu einem so öffentlichen Event, wie der Abschlussball es ist, zu gehen – mit ihm zusammen?

Ich mag es zu denken, dass ich es würde. Das wäre nett. Vielleicht sollte ich mir einfach all meine Sorgen sonst wohin stecken und ihn treffen.

Nur dass der Gedanke daran – mich so offen mit einem anderen Jungen zu zeigen – jedes Mal dazu führt, dass sich mein Bauch ganz unangenehm verkrampft. Jacques hat die Idee, sich endlich einmal zu treffen, während der eineinhalb Jahre, die wir nun schon miteinander schreiben, bereits ein paar Mal angesprochen, doch ich habe jedes Mal abgelehnt. Es ist nicht so, als würde ich ihn nicht treffen wollen – denn das will ich, ich will es so sehr, dass es schmerzt – nur gibt es immer irgendetwas, das mich daran hindert.

Mein Handy vibriert und ich zucke zusammen, schnappe es mir. Jacques.

Nur dass es nicht Jacques ist. Es ist Garrett.

Bramalama, wo willst du denn vorm Ball Essen gehen?

Ich rolle die Augen über seinen blöden Spitznamen, tippe jedoch schnell eine Antwort.

Ich habe dir doch bereits gesagt, dass ich nicht auf den Ball gehen werde.

Garret versucht schon seit drei Wochen mich dazu zu bringen, auf den Ball zu gehen und er gibt nicht auf, egal wie oft ich ihm sage, dass das nicht geschehen wird. Nicht, bis ich nicht den Mut aufbringe, Jacques zu fragen, ob er mit mir hingehen will.

Gerade als auf Senden klicke, vibriert mein Handy erneut und mein Herz bleibt beinahe stehen. Dieses Mal ist es wirklich Jacques.



         VON: hourtohour.notetonote@gmail.com

         AN: bluegreen118@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:23

         BETREFF: AW: Abschlussball?

Blue,

Wtf?!

Wie kannst du es wagen, nicht auf deinen eigenen Abschlussball zu gehen? Meine Freunde sind allesamt Idioten, was bedeutet, dass ich schon viele blöde Ideen gehört habe, aber das hier? Das schießt den Vogel ab! Ich meine, ich kann verstehen, dass du nicht alleine hingehen willst, aber – find dich damit ab und geh. Das ist ein einmaliges Ereignis. Ich gehe auch allein.

Natürlich musst du nicht alleine gehen …

Ich weiß bereits, dass du Nein sagen wirst, also werde ich einfach mal nicht die ganz offensichtliche Lösung für dein Problem vorschlagen.

Aber … Blue, du bist ein Dummkopf. Geh auf den Ball. Geh mit deinen Freunden. Geh alleine.

Verdammt, such dir meinetwegen irgendjemand anders – ich werde nicht sauer auf dich sein oder so, versprochen.

Nur geh einfach.

Alles Liebe,

Jacques.



Ich warte drei Minuten lang, bevor ich beginne meine Antwort zu schreiben. Ich will nicht, dass er denkt, dass ich die ganze Zeit nur auf seine Antwort gewartet habe, auch wenn das stimmt. Ich weiß, wir sollten das ganze eigentlich schon hinter uns gelassen haben, aber irgendwie macht es mich nervös, allzu begierig hinüberzukommen.

Alles an Jacques macht mich nervös.



         VON: bluegreen118@gmail.com

         AN: hourtohour.notetonote@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:28

         BETREFF: AW: Abschlussball?

Jacques,

okay, ja, es ist ein einmaliges Ereignis. Das weiß ich ja. Und ich weiß auch, dass ich einfach mit meinen Freunden hingehen könnte, aber irgendwie erscheint mir das etwas erbärmlich. Meine besten Freunde haben allesamt ein Date für den Ball, also wäre ich den ganzen Abend lang einfach nur das fünfte Rad am Wagen. Nur einer in meiner Freundesgruppe hat kein Date und während er zwar ziemlich süß ist, ist er dennoch nicht du, Jacques.

Wenn ich irgendjemanden fragen würde, mit mir auf den Ball zu gehen, warum sollte ich dann nicht gleich dich fragen? Ich würde nämlich einen Jungen fragen, kein Mädchen. Wenn ich tatsächlich jemanden fragen würde.

Nein, ich werde mich nicht hinter einer weiblichen Begleitperson verstecken, Jacques.

Alles Liebe,

Blue



Ich drücke auf Senden und nach nur zwei Minuten bekomme ich schon wieder eine Antwort. Mein Herz ist ganz zittrig.



         VON: hourtohour.notetonote@gmail.com

         AN: bluegreen118@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:30

         BETREFF: AW: Abschlussball?

Dann was um alles in der Welt hindert dich daran, mich zu fragen, ob ich mit dir auf den Ball gehe?! Du fragst, ich sage ja. Problem gelöst. Wir sind in unserem letzten Jahr, Blue. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir uns nach diesem Jahr niemals mehr wiedersehen. Wir sollten einfach sagen Scheiß drauf und uns endlich einmal treffen!



Ich drücke auf antworten, doch eine zweite Email kommt noch bevor ich überhaupt zu tippen begonnen habe.



         VON: hourtohour.notetonote@gmail.com

         AN: bluegreen118@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:31

         BETREFF: AW: Abschlussball?

Oh, fuck. Das war jetzt etwas zu direkt und auch nicht besonders freundlich. Blue, ich weiß, dass du dich nicht so outen willst, aber ich liebe dich wirklich, wirklich.

Ich habe Angst, dass ich dich verliere, sobald wir nicht mehr in die gleiche Schule gehen.

Alles Liebe,

Jacques.



Genau das. Das ist es, was mich so erbärmlich macht. Ich bin erbärmlich, weil jedes Mal, jedes einzelne Mal, wenn Jacques so etwas sagt, meine Knie zu Butter werden.

Und er hat recht. Ich hasse es, aber er hat rech.

Ich will ihn auch nicht verlieren. Wir haben nur noch wenige Wochen Schule vor uns, bevor ich nach New York studieren gehe. Da werde ich es doch wohl schaffen, für die wenigen Tage, die mir hier noch bleiben, Atlantas Homophobie zu überleben.

Bevor ich Jacques antworte, schreibe ich noch ganz schnell eine Nachricht an Garrett.

Planänderung – ich komme doch zum Abschlussball. Und es ist mir egal, such du dir einen Ort zum Essen gehen aus.

Da meldet sich mein Bauch wieder zu Wort und ich füge noch schnell hinzu Nur bitte, bitte keine Rindsfleisch-Tacos.

Dann öffne ich wieder meine Gmail App und schreibe eine ganz neue Email, mit einem neuen Betreff und alledem.



         VON: bluegreen118@gmail.com

         AN: hourtohour.notetonote@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:35

         BETREFF: ABSCHLUSSBALL?

Jacques,

Ich würde mich sehr geehrt fühlen, wenn du zusammen mit mir nächste Woche auf den Abschlussball gehen würdest. Das bedeutet, dass wir uns dort treffen, von Angesicht zu Angesicht. Ja, das weiß ich. Wir können uns dort treffen. Ich werde der unglaublich süße Typ ohne Date sein.

Alles Liebe,

Blue



Mit angehaltenem Atem drücke ich auf Senden.

Oh Mein Gott. Ich habe es geschickt. Sofort bereue ich wieder, dass ich es getan habe, aber ich versuche das Gefühl zu ignorieren, während ich meinen Posteingang immer und immer wieder aktualisiere.

Endlich erscheint eine Mail von Jacques und ich öffne sie, meine Nerven wie Drahtseile gespannt.



         VON: hourtohour.notetonote@gmail.com

         AN: bluegreen118@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:37

         BETREFF: AW: ABSCHLUSSBALL?

xcndgkvneiongioerdnvoikmvmecmedkvmeiocmwoiscnsioncaCBNasnmsdvrelev



         VON: bluegreen118@gmail.com

         AN: hourtohour.notetonote@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:37

         BETREFF: AW: ABSCHLUSSBALL?

Ist das ein Ja?



         VON: hourtohour.notetonote@gmail.com

         AN: bluegreen118@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:37

         BETREFF: AW: ABSCHLUSSBALL?

JA JA JA JA JA JA JA JA ICH MUSS MIR EINEN ANZUG BESORGEN



         VON: bluegreen118@gmail.com

         AN: hourtohour.notetonote@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:37

         BETREFF: AW: ABSCHLUSSBALL?

Jacques,

Ich habe das Gefühl, mich gleich übergeben zu müssen. Ist das normal? Soll sich das so anfühlen? Ich glaube, ich übergebe mich gleich aufgrund von Aufregung. Ist so etwas möglich?

Gott, ich zittere so.

Alles Liebe,

Blue



         VON: hourtohour.notetonote@gmail.com

         AN: bluegreen118@gmail.com

         DATUM: 13. Mai 21:38

         BETREFF: AW: ABSCHLUSSBALL?

ICH KANN NICHT REDEN ICH MUSS EINEN ANZUG FINDEN WEIL ICH DICH TREFFEN WERDE UND OKAY ICH MUSS AUFHÖREN WIR HÖREN UNS BIS DANN TSCHÜSS AAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHH



Ich kann spüren, wie sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitet, während ich mein Handy abdrehe und zur Seite lege.

Okay, also jetzt liege ich an einem Samstagabend auf meinem Bett und bin in Gedanken bei einer Person, die ich nicht einmal kenne, die ich aber trotzdem so gerne küssen würde. Ich bin wohl immer noch erbärmlich.

Vielleicht werde ich weniger erbärmlich sein, wenn ich Jacques endlich getroffen habe.







„Also, Bramalama, ich habe gehört, dass du dich endlich dazu entschlossen hast, auch auf den Ball zu gehen.“

Ich blicke von meinem Essen auf und sehe, dass Simon Spier mich anstarrt.

Oh, Simon.

Ich hasse ihn.

Okay, das ist absoluter Blödsinn. Ich hasse ihn nicht wirklich, es ist mehr ein Gefühl von … Eifersucht.

Er ist schwul und er ist geoutet und es kümmert wirklich niemanden. Er hat sich letztes Jahr geoutet und ich bewundere das so sehr. Ich wünschte, ich hätte ebenfalls so viel Mut.

Und dann fällt mir ein, dass ich mich bald outen werde – und zwar schon ziemlich bald.

Ahhhhhh!

„Ja“, antworte ich Simon und schenke ihm ein Lächeln. „Aber nenne mich bitte nicht Bramalama.“

Ein weiterer Grund, um Simon Spier zu hassen, ist dass er so furchtbar süß ist. Und ich hasse es. Er hat zerzaustes blondes Haar und eine Brille und graue Augen und ich liebe sein Aussehen einfach und ich hasse es, dass ich sein Aussehen einfach liebe.

„Aber Bramalama ist süß“, meint Simon und streckt die Zunge heraus. Versucht er eigentlich absichtlich mir einen Herzinfarkt zu verpassen? Ich schwöre bei Gott …

Nein, er denkt wahrscheinlich, dass ich hetero bin. Ich habe ihm schließlich auch keinen Grund gegeben, etwas anderes anzunehmen. Ich blicke unseren ausgesprochen leeren Mittagstisch entlang und wende mich dann wieder Simon zu.

„Wo sind denn alle?“, frage ich. Es gibt noch sechs weitere Leute, die eigentlich an unserem Tisch sitzen sollten. Heute allerdings, sind nur Simon und ich hier.

„Morgan, Anna und Leah üben mit der Band“, informiert mich Simon und zählt dabei an seinen Fingern ab. „Abby und Nick holen sich ihr Mittagessen irgendwo nicht im Schulgebäude und Garrett sollte eigentlich gleich hier sein.“

Irgendwie verspüre ich ein wenig Enttäuschung, als Simon erwähnt, dass Garrett noch kommt. Garrett ist mein bester Freund, ja klar, aber ich glaube, ich habe in all den Jahren noch nie einfach nur mit Simon geredet. Also, alleine. Nur wir zwei. Es wäre sicherlich schön, mit ihm zu sprechen, um herauszufinden, ob das hübsche Gesicht auch ein hübsches Gehirn besitzt.

Und ach je! Das hat gerade ziemlich merkwürdig geklungen.

„Baramalama!“, grüßt mich eine Stimme hinter mir. Ich mache mir nicht die Mühe, mich umzudrehen; es ist Garretts Stimme und nur er, Nick und Simon nennen mich bei diesem seltsamen Spitznamen.

Den ich übrigens hasse.

Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht einmal warum sie mich so nennen. Ich weiß nur, dass Garrett irgendwann Anfang des Schuljahres damit angefangen hat und sich stur weigert, damit aufzuhören.

„Garrett“, sage ich und die Enttäuschung wächst, doch ich versuche es nicht zu zeigen.

„Und, bist du schon aufgeregt wegen des Abschlussballs?“, fragt er, während er sein Essen auf dem Tisch abstellt und beginnt Pommes in seinen Mund zu stopfen.

„Ja“, sage ich und das entspricht tatsächlich der Wahrheit. Der Gedanke Jacques zu treffen ist einer, bei dem ich tatsächlich eine ziemliche Aufregung verspüre, ganz gleich wie wenig ich mich auf den Rest des Balles freue.

„Gehst du mir jemandem hin, Simon?“, frage ich. Er sieht etwas überrascht drein, dass ich ihn einfach so angesprochen habe und um ehrlich zu sein bin ich es selbst, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass es einfach keine anderen Gespräche an diesem Tisch gibt – Nick, der dafür wohl die größte Verantwortung trägt ist heute schließlich nicht da. Also fällt es heute mir zu, Gespräche zu initiieren.

„Nein“, meinte er und schnalzte mit der Zunge. „Ich gehe alleine.“

Okay, vielleicht war es ein wenig weit hergeholt, anzunehmen, dass Simon Jacques sein könnte, aber man darf doch hoffen, oder nicht? Nur dass Jacques für seinen Abschlussball ein Date hat. Und außerdem bin ich mir auch nicht sicher, ob Jacques bei irgendjemandem außer seinen Eltern geoutet ist, genauso wie ich. Simon aber ist vor der ganzen Welt geoutet.

Und trotzdem, Simon ist wirklich süß. Ich hätte ganz sicher nichts dagegen, wenn sich herausstellen sollte, dass er Jacques ist.

Nur dass die Hinweise alle dagegen sprechen.







Jacques schickt mir den Amazon-Link zu einer roten Krawatte mit dem Hintergedanken, dass wenn wir sie beide am Abschlussball tragen, wir einander erkennen werden. Es leuchtet mir ein, denn es klingt nach einem narrensicheren Plan, einzig der Gedanke bereitet mir Sorgen, dass die Krawatte nicht rechtzeitig geliefert werden könnte. Also überzeuge ich meine Mutter, sich für eine kostenlose Probezeit bei Amazon Prime anzumelden, sodass die Krawatte bereits nach zwei Tagen zugestellt wird. Dennoch lässt mich die Angst, dass irgendetwas schiefgehen wird, nicht los.

„Du siehst besorgt aus, Bram“; meint meine Mutter beim Essen. Woran sie das nur bemerkt hat? Daran, dass ich, schon seit ich mich an diesem Tisch niedergelassen habe, mit meinen Fingern einen Rhythmus auf dem Teller trommle? Oder dass mein Fuß auf und ab springt, weil ich nicht stillsitzen kann? Oder habe ich schon wieder mein „Sorgengesicht“ aufgesetzt? Meine Mutter behauptet, dass ich meine Augenbrauen zusammenzöge und eine kleine Falte auf der Stirn bekäme, wann immer mir etwas Sorgen bereitet. Selbst habe ich das jedoch noch nie gesehen.

„Ich mache mir nur Sorgen über den Abschlussball, schätze ich“, erzähle ich ihr und schiebe den Salat auf meinem Teller hin und her. Mein Blick bleibt am Teller hängen, ich sehe sie nicht an.

Ich erzähle meiner Mutter für gewöhnlich nichts von meinen Problemen. Wir stehen uns nahe, aber dann doch nicht so nahe. Es ist immer so seltsam, wenn ich mich dazu zwinge, mich ihr gegenüber zu öffnen.

Sie streckt ihren Arm quer über den Tisch aus und legt die Hand unter mein Kinn. Mit sanftem Druck zwingt sie mich dazu, sie anzusehen.

„Hör zu, Bram“, meint sie und lächelt mich an. „Der Ball wird großartig werden, das verspreche ich dir.“

Ich habe ihr nichts von Jacques erzählt, doch ich hoffe doch sehr, dass er den Ball großartig machen wird.

Ich schätze, ich fürchte mich vor dem Gedanken, dass das nicht passieren wird.

„Okay?“, fragt sie und lächelt mich noch einmal mütterlich an – was Sinn ergibt, sie ist schließlich meine Mutter, aber es führt dazu, dass ich mich wieder wie ein kleines Kind fühle, so als würde sie mir gleich etwas vorsingen, so dass ich einschlafen könnte. Ich kann mich nicht an viel aus meiner Kindheit erinnern. An dieses Lächeln jedoch, an das kann ich mich erinnern. Ich habe es schon lange nicht mehr gesehen.

Vielleicht sollte ich wieder mehr Zeit mit meiner Mutter verbringen.

„Okay“, antworte ich und lächle zurück.







Der Abschlussball.

Ball.

Das kommt aus dem Französischen, „bal“ oder „baller“, also tanzen, und hat daher nichts mit dem runden Spielzeug zu tun, das wir alle kennen.

Ja, ich habe das vorher noch schnell nachgeschaut. Das ist nicht seltsam, ich suche eben gerne Worte im Wörterbuch, wenn ich nervös bin. So bin ich nun mal.

Mein Herz spielt verrückt. Ich werde gleich Jacques treffen. Ich kann kaum glauben, dass dieser Tag tatsächlich gekommen ist. Ich kann nicht einmal mehr richtig denken, meine Gedanken überschlagen sich.

Ich stecke die Krawatte in meine Tasche. Ich weiß nicht einmal genau warum, ich glaube einfach, dass ich gerne wissen würde, wer Jacques ist, ohne dass er schon weiß, wer ich bin. Ist das egoistisch? Wahrscheinlich …

Es wird schon gut gehen, denke ich und starre mich selbst im Spiegel an. Alles wird in Ordnung sein.

Ich höre, wie eine Hupe vor meinem Haus betätigt wird und zucke zusammen – es muss sich um die Limo handeln, die meine Freundesgruppe und mich zum Restaurant bringen wird.

Ja, ja, der Abschlussball.







Ich übergebe mich gleich.

Ich bin der letzte, den die Limo abholt, was bedeutet, dass nur noch ein Sitz frei ist, direkt neben Simon.

Simon sieht herausgeputzt beeindruckend gut aus – als ob er nicht schon gut genug aussieht, ohne sich für den Ball zurecht gemacht zu haben. Er trägt einen einfachen Anzug und seine Krawatte – nun, seine Krawatte ist der Grund, aus dem ich mich gleich übergeben werde.

Ich habe genau die gleiche in meiner Tasche.

Was bedeuten muss, dass Simon Jacques ist.

Und ich habe das Gefühl, dass ich mich gleich übergeben muss.

Sofort, sollte ich auch nur meinen Mund öffnen.

„Trägst du keine Krawatte?“, fragt Simon mich. Sein Lächeln ist entspannt und sein Haar verharrt ausnahmsweise einmal dort, wohin Simon es frisiert hat. Ich zucke als Antwort nur mit den Schultern. Ich sollte meinen Mund jetzt wirklich nicht öffnen.

Nur dass ich es ihm sagen muss.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das anstellen soll.







Ich überstehe das Abendessen ohne mich auch nur einmal zu übergeben, was durchaus als Leistung betrachtet werden kann. Ich esse jedoch nichts von meinem Essen, sondern verbringe die ganze Zeit damit, Simon anzustarren und darüber nachzudenken, wie gerne ich jetzt Zuhause wäre und was für eine schlechte Idee das alles war.

Sobald wir das Chattahoochee Nature Center erreichen, murmle ich etwas von wegen mir gehe es nicht gut und laufe in Richtung der Toiletten. Zumindest hoffe ich, dass sich dort die Toiletten befinden, wenn ich das den Wegweisern richtig entnommen habe.

Es ist wahr, dass es mir gerade nicht sonderlich gut geht – ich übergebe mich schließlich gleich.

Denn ich liebe Simon Spier.

Würde sich da nicht jeder übergeben müssen?

Das soll jetzt nicht heißen, dass Simon schlecht ist. Simon ist sogar gut. Simon ist sehr gut. Aber irgendein Teil meines Körpers schreit die ganze Zeit über nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, ganz so als würde er bei mir eine allergische Reaktion auslösen.

Oh Gott, das wäre vielleicht unglückselig.

Ich ziehe mein Handy aus der Tasche, während ich die Toiletten betrete und lehne mich gegen das nächste Wachbecken.

Mein Spiegelbild sieht schrecklich aus. Simon würde mich nicht einmal mögen, wenn er es wüsste.

Ich sollte ihm einfach eine Email schreiben, dass ich mich dagegen entschlossen hätte zu kommen. Wäre das nicht ohnehin besser? Ich könnte als Bram wieder zu den anderen stoßen, nicht als Blue, und Simon würde es nie wissen und mir würde es wieder besser gehen.

Nur dass es mir nicht besser gehen würde, weil jetzt weiß ich, dass Jacques Simon ist und mein Gehirn explodiert.

Außerdem ist es auch nicht besonders gerecht, wenn ich weiß, wer er ist, er allerdings nicht, wer ich bin.

Ich verbringe ganze fünfzehn Minuten damit, gegen das Waschbecken gelehnt darüber zu debattieren. Mittlerweile ist wahrscheinlich bereits der gesamte Abschlussjahrgang eingetroffen und es grenzt nur an ein Wunder, dass noch niemand anders in die Toiletten gekommen ist.

Endlich entschließe ich mich, Simon keine Email zu schreiben und stecke das Handy zurück in die Tasche. Stattdessen versuche ich gerade herauszufinden, was ich tun soll, wenn ich ihm nicht eine Email schreibe – Soll ich einfach hingehen und es ihm sagen? –, als der Ursprung meiner Probleme höchstpersönlich hereinkommt. Simon.

„Hey“, grüße ich und bemühe mich, ruhig zu bleiben. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass meine Stimme bricht.

„Hey“, antwortet er und hebt eine Augenbraue. Er sieht um einiges weniger glücklich aus als noch zuvor.

Oh. Das ist wohl, weil er mich nicht finden konnte. Sein Date. Blue. Oh.

„Hey“, wiederhole ich. Anscheinend gelingt es meinem Mund nicht, irgendein anderes Wort auszuspucken. Ich versuche den Augenkontakt mit ihm zu alten, aber mein Blick wandert jedes Mal wieder zu seiner Krawatte. Seine Krawatte. Ja, das ist definitiv die gleiche, die auch ich gekauft habe.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Simon nur rein zufällig genau die gleiche Krawatte trägt?

Nein, so etwas geschieht nur in Filmen.

„Ist bei dir alles in Ordnung?“, fragt er und sieht auf einmal nicht mehr so traurig aus. Stattdessen wirkt er besorgt. Besorgt um mich, wird mir klar. Einen Freund.

Ah!

„Jah. Ich schätze, ich genieße den Ball nur gerade nicht so sehr wie alle anderen“, entgegne ich. Es klingt beinahe wie ein Witz in meinen Ohren, denn ich habe die anderen ja noch gar nicht getroffen. Doch mit der Erkenntnis, dass Simon verdammt noch einmal Spier Jacques ist, um meiner darauffolgenden Panikattacke, zählt der heutige Tag definitiv nicht zu den besseren.

Nur … das ist meine eigene Schuld. Er könnte ganz leicht zum besten Tag meines Lebens werden.

Simon ist großartig. Alles was ich tun muss, ist ihm zu sagen, dass ich Blue bin.

Doch es fehlt mir der Mut.

„Geht mir genauso“, meint Simon und schnaubt. Er rutscht an die Wand gelehnt zu Boden und ich gehe langsam zu ihm.

„Was ist passiert?“, frage ich und setzt mich neben ihn. Die Beine ziehe ich an meinen Körper und umarme sie, um meine Anspannung zu verbergen.

Ich bin es. Ich weiß. Ich bin passiert.

Gott.

„Ich habe letztens gelogen. Ich habe ein Date für den Ball“, erzählt Simon und ich nicke nur, als würde ich das alles nicht schon wissen. In meinem Magen rumort es. „Nur dass er mich sitzengelassen hat.“

Der Satz hängt zwischen uns in der Luft, fühlt sich beinahe greifbar an. Ich habe ein so schlechtes Gewissen. Ich sollte es ihm sagen. Jetzt.

Ich muss einfach nur meinen Mund öffnen und die Worte sagen.

Ich bin Blue.

Blue, ja. Das bin ich.

Oh, nein, ich habe dich nicht versetzt. Ich bin hier. Ich bin Blue.

Ich schaffe es nicht.

„Es ist nicht schlimm, alleine auf den Ball zu gehen“, versuche ich ihn leise zu trösten.

„Ich weiß das, aber –“ Simon zuckt mit den Schultern. „Es ist einfach eine ziemliche Enttäuschung. Ich hatte mich darauf gefreut.“

„Ja“, sage ich, so als wüsste ich, wie er sich fühlt. Ich weiß es nicht. Ich kann es mir nicht einmal vorstellen. „Ich meine, ich bin alleine gekommen“, lüge ich. Ich muss mein Date endlich sehen. Nein, Verbesserung: Ich bin bei meinem Date. Ich muss ihm nur sagen, dass ich sein Date bin. „Es ist nicht so schlimm, alleine zu sein“, wiederhole ich. Und es ist wahr – eine Menge Leute sind ohne Date gekommen.

„Vielleicht kannst du ja mein Date ersetzen“, meint er und lächelt ein wenig.

„Vielleicht“, sage ich und zwinge mich zu lachen.

DAS WÄRE NUR MÖGLICH, WENN ICH NICHT SCHON VON ANFANG AN DEIN DATE WÄRE, dröhnt es in meinem Kopf in unmöglicher Lautstärke. Ich versuche es zu ignorieren.

Simon steht auf und blickt mich freundlich an. „Danke, Bram“, meint er mit einem kleinen Lächeln, das mich mitten im Herzen trifft. „Ich gehe jetzt wohl wieder zu den anderen. Kommst du mit?“

„Vielleicht in ein paar Minuten“, antworte ich.

Er nickt und dreht sich um.

Doch ich kann ihn nicht alleine da hinausgehen lassen.

„Warte, Simon“, rufe ich ihm hinterher, noch immer auf dem Boden sitzend. Er dreht sich noch einmal um, blickt mir in die Augen. „Dein Date hat dich nicht versetzt“, sage ich.

„Woher weißt du das?“, fragt er und seine Stirn legt sich in Falten. „Du weißt doch gar nicht, wer mein Date ist.“

Ich nehme einen tiefen Atemzug und greife in meine Sakkotasche. Ich ziehe die Krawatte hervor, strecke meine Hand aus. Die Krawatte, die der seinen bis aufs letzte Detail gleicht.

Simon starrt eine volle Minute lang auf die Krawatte, dann zu mir und dann wieder auf die Krawatte.

„Blue?“, fragt er schließlich und dieses Mal ist es seine Stimme, die bricht.

„Jacques“, sage ich und stehe auf.

Sein Mund ist leicht geöffnet, beinahe ungläubig kommt er zu mir und greift nach der Hand, die noch immer die Krawatte hält, und drückt sie. Er lacht leise und seine Augen leuchten wieder, als ich aufstehe.

„Blue“, wiederholt er, vollkommen verdutzt. „Du bist es. Du warst die ganze Zeit über direkt da. Die ganze Zeit. Und heute Nacht …“ Er verstummt, aber ich glaube ich weiß, auf was er hinaus will.

Ich habe Simon jeden Tag in der Schule gesehen, die ganze Zeit, während ich ihm auch Emails geschrieben und gewünscht habe, dass er es sei. Und nun ist Simon Spier, mit dem ich seit Anfang der Oberstufe befreundet bin, mein Date für den Abschlussball.

„Ja“, sage ich etwas in meiner Brust löst sich auf. Ich komme mir auf einmal zehnmal leichter vor. Jacques. Simon.

Er hält noch immer meine Hand und es das ist ein sehr angenehmes Gefühl.

Dann drücke auch ich seine Hand.
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