Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

elysium - the golden city

MitmachgeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
B.A.P EXID EXO Mamamoo Monsta X Red Velvet
10.04.2020
26.08.2020
5
22.125
12
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
10.04.2020 4.795
 





shining gold


Jahr 746 nach der Gründung
1. September


„Warum müssen wir überhaupt hier sein? Die empfinden uns doch auch alle nur als störend“, beschwerte sich Sumi bei Taeyong. Ihre Stimme, die sie sowieso schon gesenkt hatte, wurde noch weiter durch die Maske, die ihr halbes Gesicht verdeckte, gedämpft. „Keine Ahnung“, nuschelte Taeyong nur als Antwort. Seine Stimme wurde ebenfalls von seiner Maske gedämpft, man konnte aber trotzdem deutlich hören, wie genervt er war.
Man konnte es ihm aber nicht verübeln. Heute war das alljährliche Initiationsritual, bei dem die Kinder ihren Gruppen zugeteilt wurden. Das Ritual an sich war schon eine Weile zu Ende und die Kinder zu Hause, um den letzten Abend mit ihren Eltern zu genießen. Allerdings wurden die Neuzugänge wie üblich von den Mitgliedern der verschiedenen Gruppen gefeiert. Die Harpyien hingegen waren nur hier, weil sie die Aufgabe hatten, für Ordnung zu sorgen.
Sumi fühlte sich fehl am Platz, so wie jedes Jahr. Nicht nur, dass sie sich neben den Mädchen aus dem Elysium wie der letzte Dreck fühlte, da sie weder Make Up hatte, noch eines der wunderschönen Kleider, eine perfekt gestylte Frisur oder manikürte Fingernägel. Nein, die Hälfte ihrer Fingernägel war abgebrochen und unter allen klebte Dreck. Auch der Ort allgemein kam ihr viel zu schön vor, als das sie sich hier aufhalten sollte. Die Halle war aus Marmor und wurde von großen Säulen  gestützt, alles war mit Gold verziert und die großen Fenster wurden von roten Vorhängen aus den edelsten Stoffen verdeckt. Aber nichts davon würde sie jemals zugeben.

„Könnte auch daran liegen, dass ihr es mal wieder nicht lassen könnt, alle zu provozieren“, merkte eine tiefe Stimme an. Sumi und Taeyong wandten sich Kris zu, der plötzlich neben ihnen stand. „Du weißt, dass du auf dieser Seite des Saals nichts verloren hast“, wandte er sich dann direkt an Sumi. „Ich bin es so leid es zu verstecken, dass ich ein gutes Verhältnis zu euch habe. Was wollen sie denn machen? Mich ausstoßen?“, erwiderte Sumi trotzig und verschränkte die Arme vor der Brust. Taeyong nickte nur leicht. Es gab nicht mehr viel, was man ihnen nehmen konnte. Sie hatten noch ihr kurzes Leben und sie hatten sich, dass war alles. Offiziell waren sie ja kein Teil der Gesellschaft mehr, warum mussten sie sich also an die Regeln halten?
„Auf deinen Posten. Sofort“, gab Kris zurück, ohne auf das Gesagte einzugehen. Er hatte die beiden noch keine Sekunde angeschaut, seit er sich zu ihnen gestellt hatte. Nachdem sie sich nicht vom Fleck bewegte, drehte er sich schließlich mit einem kalten Blick zu ihr. „Das war ein Befehl.“ Sumi starrte einige Momente in seine kalten Augen, ehe sie geschlagen seufzte. Keine Sekunde später war sie verschwunden.

-


Hyelin war währenddessen dabei, sich am Buffet zu bedienen. Sie hatte die Auswahl zwischen den besten Desserts. Da sie sich kaum entscheiden konnte, nahm sie sich von fast allem einen kleinen Löffel, ehe sie sich zurück zu den anderen Mädchen ihrer Gruppe stellte. Abschätzig musterten diese den Teller in ihrer Hand.
„Bist du dir wirklich sicher, dass du das essen willst? Du bist sowieso schon nicht die Dünnste“, sprach Jennie dann das aus, was die meisten sich dachten. Hyelin öffnete den Mund, sie wollte etwas erwidern, doch wie immer wenn so etwas passierte, fiel ihr nichts Gutes ein. Langsam ließ sie ihren Teller sinken, um ihn auf dem Tisch neben sich abzustellen. Das Gelächter und Getuschel um sie herum hatte ihr den Appetit verdorben.

„Darf ich das probieren?“, fragte dann plötzlich Solar, die sich den Weg durch ihre Mädchen gekämpft hatte, da sie das alles schon kommen gesehen hatte. Kaum war sie auf der Bildfläche erschienen, verstummte sämtliches Gelächter und Getuschel. Solar strahlte nun mal etwas ganz besonderes aus, ihre Aura war einnehmend, niemand würde sich gegen sie wenden. Selbst für eine Anhängerin der Aphrodite war ihre Ausstrahlung etwas besonderes.
Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm sie Hyelin den kleinen Löffel aus der Hand und schob sich damit etwas Dessert in den Mund. „Mhm, das schmeckt wirklich so gut wie es aussieht“, schwärmte Solar dann und packte die komplett verwirrte Hyelin am Handgelenk. „Du musst mir unbedingt zeigen, wo genau das steht“, redete Solar dann weiter und zog die immer noch sprachlose Hyelin einfach mit sich.

Irene hatte die ganze Sache unbeeindruckt beobachtet. Sie saß ein Stück weiter weg, aber immer noch nahe genug, um alles mitzubekommen. Aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Es war nichts neues und somit nicht wirklich interessant. Sie verstand nicht, warum Solar das dumme Ding immer in Schutz nahm, aber sie hatte auch keine Lust sich Gedanken darüber zu machen. Das Ganze war ihre Aufmerksamkeit einfach gar nicht wert.

-


Minhyuk brauchte einige Sekunden, um sich wieder zu fangen und um die Vision wieder abzuschütteln. Er nahm einige tiefe Atemzüge um sich wieder zu beruhigen. In seinem Kopf breiteten sich langsam Kopfschmerzen aus. Visionen fühlten sich unglaublich echt an. Sie trafen einen immer mehr als sie sollten.
Nachdem er sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, warf er dem Mädchen einen mitleidigen Blick zu. Manchmal wünschte er sich wirklich, er könnte etwas tun. Aber ihm waren die Hände gebunden.

„Du hast es auch gesehen, oder?“, riss Daehyun ihn dann aus seinen Gedanken. Minhyuk musste Daehyuns Blick nicht folgen um zu sehen, dass er ebenfalls das Mädchen beobachtete. „Ja“, antwortete er leise, auch wenn er wusste, dass keine Antwort auf die Frage nötig gewesen wäre. Natürlich hatten sie dieselbe Vision gehabt, dass hatte sie immer. In Daehyuns Blick war klar zu erkennen, dass er sich im Gegensatz zu Minhyuk noch nicht entschieden hatte, nicht einzugreifen.

Minhyuk erschrak sich leicht, als Daehyun einige Schritte nach vorne machte. „Wir dürfen das nicht“, murmelte er schon automatisch, aber Daehyun reagierte nicht auf ihn. Stattdessen machte er langsam noch weitere Schritte.
Fast schon panisch griff Minhyuk nach Daehyuns Handgelenk, woraufhin sich dieser umdrehte. Allerdings nicht zu ihm, sondern zu Lay, der seine Hand auf Daehyuns Schulter platziert hatte. Lay schüttelte nur leicht den Kopf. Das genügte aber schon, dass Daehyun seine Schultern hängen ließ, sofort wieder einige Schritte zurückwich und sich von dem Mädchen abwandte. Lay wirkte zwar oft abwesend, aber er bekam alles um sich herum mit. Und vor allem das, was die Leute für die er zuständig war betraf. Dazu musste er kein Seher sein.

Minhyuk seufzte erleichtert auf. Er war froh, dass Lay da war. Auf ihn hörte Daehyun wenigstens. Kurz kamen Minhyuk wieder die Ereignisse um Jimin in den Sinn. Es war schon Jahre her, aber so etwas wollte er nicht nochmal erleben.
„Ist alles in Ordnung bei euch?“, fragte Jaehyun besorgt, der sich gerade zu den drei Älteren stellte. Sofort hatte er ihre Aufmerksamkeit und alle drei lächelten ihn an. „Natürlich“, entgegneten sie nur, ehe Lay das Gespräch auf ein unverfängliches Thema lenkte.

-


Soyou und Joy standen schweigend nebeneinander. Sie hatten sich nicht wirklich viel zu sagen, sie hingen beide ihren eigenen Gedanken nach.

Joy dachte an Jisoo und fragte sich mal wieder, was nur aus ihr geworden war. Sie dachte mittlerweile nur noch selten an sie, sie war aber auch schon seit fast 6 Jahren weg. Nachdem Jisoos Vater verurteilt worden war, hatte sie zugestimmt zu den Harpyien zu gehen. Als Hwasa am nächsten Morgen aufgetaucht war um Jisoo abzuholen, war sie weg gewesen. Joy vermisste sie. Sie hatte solche Veranstaltungen irgendwie erträglicher zu machen.
Der Blick von Joy streifte kurz den von Chanyeol. Er schenkte ihr ein kurzes Lächeln, aber es war so schnell wieder verschwunden, dass Joy fast schon daran zweifelte, dass es da gewesen war. Sie fühlte sich einfach nur schrecklich einsam.

Soyou hingegen beobachtete ihre kleine Schwester, wie sie sich mit zwei anderen Mädchen die auch bei den Harpyien waren bestens amüsierte. Es versetzte ihr immer wieder kleine Stiche. Sie hatte sich damals so gefreut, dass Seulgi auch zu den Jägerinnen der Artemis kam. Schon früh hatte sich die damalige Anführerin über das fehlende Talent ihrer Schwester im Bogenschießen beschwert. Soyou hatte ununterbrochen mit ihr trainiert, da sie als eine der talentiertesten Schützinnen seit langem galt. Aber es hatte alles nichts geholfen, man hatte Seulgi nachträglich ausgestoßen. Soyou wusste bis dahin nicht mal, dass dies möglich war.
Was brachte ihr denn all dieses Talent, dass sie schon immer hatte, und der Einfluss, den sie jetzt als Anführerin hatte, wenn sie den Menschen die ihr was bedeuteten trotzdem nicht helfen konnte?

-


„Oh, bist du etwa verliebt?“, riss Zelo Jungkook aus seinen Gedanken und schlang einen Arm um seine Schultern. Im selben Moment schob sich Changkyun in sein Blickfeld und schnippte ihm gegen die Stirn. „Bevor du dich jetzt beschwerst, arbeite in Zukunft einfach daran, weniger auffällig zu starren“, fügte er hinzu. Genervt schüttelte Jungkook Zelos Arm ab. „Ich hab niemanden angestarrt. Ich hab einfach ins Leere gestarrt und nachgedacht“, verteidigte sich Jungkook. Changkyun warf einen kurzen Blick über seine Schulter. „Besser ist es, sie gehört zu der falschen Gruppe. Selbst wenn, wie wahrscheinlich wäre es...“ „Ist ja schon gut“, unterbrach Jungkook ihn, „Wie gesagt, ich habe niemanden angestarrt.“

Zelo wollte gerade noch etwas sagen, als Shownu ihn auch schon ein Stück von Jungkook wegzog. „Müsst ihr ihn immer so aufziehen, nur weil ihr ein Jahr älter seid als er?“, fragte er dann Changkyun und Zelo. Changkyun zuckte nur mit den Schultern. „Wir wollen halt verhindern, dass er es vergisst.“ Shownu verdrehte leicht die Augen, beließ es aber dabei. Zumindest vorerst. Er wollte nicht durch eine Standpauke kein Aufsehen erregen.
„Trotzdem solltet ihr aufpassen was ihr sagt, wenn noch so viele andere hier sind“, ermahnte Shownu die Jungs aber dann so leise wie möglich, „Wenn irgendjemand das in den falschen Hals bekommt, dann ist Jungkook morgen früh schon im Tartaros. Und das nur wegen euren dummen Sprüchen.“

-


Langsam schlurfte Lisa aus der Halle. Sie war froh, dass sie diese Veranstaltung endlich hinter sich hatte und in ihre Wohnung zurück konnte, um sich auf ihr schönes, weiches Bett zu werfen. Es war nicht so, dass sie lieber allein als unter Menschen war, aber diese Feste, wenn man es überhaupt so nennen konnten, waren mehr oder weniger gemeinsames alleine sein.

„Du siehst nicht sehr glücklich aus.“ Solji tauchte plötzlich neben Lisa auf und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. Lisa ließ nur erschöpft die Schultern hängen. „Ach, es ist eben auch immer dasselbe. Man ist zwar da, aber sonst? Ich würde mich so gerne mal mit den Leuten unterhalten, die mit mir in der Akademie waren und fragen was in ihrem Leben so passiert ist und erzählen was bei mir so los war. Aber das darf ich ja nicht“, Lisa musste kurz nach Luft schnappen, weil sie sich so in ihre kleine Rede reingesteigert hatte, „Und es ist nichts gegen dich oder die anderen, mit euch kann ich aber auch an jedem anderen Tag unterhalten, dazu brauche ich diese Feste nicht.“ Solji nickte verständnisvoll und verlor trotz Lisas Worten ihr Lächeln nicht. „Ich weiß.“

Eine ganze Zeit lang liefen Lisa und Solji schweigend nebeneinander her. Lisa überlegte schon eine Weile, ob sie das was ihr durch den Kopf ging wirklich laut aussprechen sollte. „Als Elly noch hier war, waren diese Feste immerhin auch noch unterhaltsamer“, rutschte ihr es dann doch raus. Solji blieb sofort stehen und ihr Lächeln fiel etwas in sich zusammen, als Lisa ihre verschollene beste Freundin erwähnte. Seit 2 Jahren hatte niemand mehr Elly gesehen oder etwas von ihr gehört. Lisa fiel sofort auf, dass sie es lieber für sich behalten hätte. „Es... Es tut mir leid. Du weißt, es war nicht böse gemeint. Manchmal ist mein Mund einfach schneller als mein Hirn.“ „Nein, nein, alles gut“, beruhigte Solji die Jüngere sofort, „Du hast schon Recht, sie hat nur mit ihrer Anwesenheit vieles besser gemacht.“

Stille fiel erneut über die beiden, aber Lisa konnte sich eine letzte Frage nicht verkneifen. „Denkst du, wir werden sie jemals wieder sehen?“ Solji schüttelte mit einem traurigen Lächeln den Kopf. Lisa konnte ihren Schmerz fast selbst fühlen. „Nein, wir werden sie nie wieder sehen. Wenn sie noch leben sollte, gibt es keinen Grund für sie zurückzukommen. Hier wartet nur der Tod auf sie.“

-


Vorsichtig schaute Chanyeol sich um. Als er sich sicher war, dass die Luft rein ist, drehte er sich um und streckte Joy seine Hand entgegen. Er zog sie hoch zu sich auf das Dach und deutete ihr dann an, ihm zu folgen. Chanyeol kannte die ganze Stadt wie seine Westentasche und wusste deswegen auch genau, wo sie sich hier oben hinsetzen konnten, ohne gesehen zu werden.
Die Stadt lag ruhig vor ihnen. Die goldenen Dächer des inneren Kreises sowie die roten Dächer der drei äußeren Kreise glänzten leicht im Mondlicht. Man könnte meinen, dass alles perfekt war an diesem Ort.

„Wie geht es dir?“, erkundigte Chanyeol sich dann, sobald die beiden es sich gemütlich gemacht hatten. „Es geht mir gut“, erwiderte Joy nur mit monotoner Stimme. Chanyeol schubste sie daraufhin und sie fiel leicht zur Seite. „Du sollst mich nicht anlügen. Du weißt ich merke das.“ Ernst schaute Chanyeol seine beste Freundin an. „Was soll ich sagen? Es ist deprimierend. Ich habe mal Bilder gesehen, wie unsere Welt früher aussah und ich kenne alle Dokumentationen der Tier- und Pflanzenwelt, wir sind nicht auf dem Weg der Besserung. Jisoo ist weg. Soyou ist mal wieder am Boden zerstört nachdem sie Seulgi gesehen hat. Mit dir darf ich nicht gesehen werden. Mein Leben ist super.“ Chanyeol nahm sie in den Arm und Joy entspannte sich sofort. Sie sog seinen Geruch ein. Wer wusste schon, wann sie das nächste Mal die Gelegenheit dazu hatte.

Joy setzte gerade dazu an ihn zu fragen, wie bei ihm alles gelaufen war, als Chanyeol seine Hand über ihren Mund legte. Verwirrt sah Joy zu ihm hoch. Er horchte einige Minuten in die Nacht, ehe er aufstand und Joy mit sich hochzog. Er drückte sie in die nächste Ecke. „Warte hier. Und sei leise. Da kommt jemand.“
Joys Herz schlug ihr bis zum Hals und ihr Atem beschleunigte sich. Sie hielt sich ihre Hände vor den Mund um sich nicht zu verraten.

Chanyeol war währenddessen in die Richtung verschwunden, aus der er Schritte gehört hatte. „Was macht ihr hier?“, fragte er dann Jooheon und Hwasa, als sie in sein Sichtfeld traten. „Das könnte ich dich auch fragen. Solltest du nicht in deinem viel zu weichen Bett liegen und deinen Rausch ausschlafen anstatt hier rumzuschleichen?“, gab Hwasa zurück. „Ich dachte ich hätte hier was gehört, deswegen wollte ich mal nachschauen, ob sich hier jemand aufhält, der hier nichts verloren hat. Hier ist aber nichts, ihr könnt es euch also sparen, euch weiter umzusehen.“ Hwasa und Jooheon musterten ihn. „Vielleicht schauen wir uns trotzdem lieber nochmal hier um. Es ist ja unsere Aufgabe nach solchen Festen die Stadt zu kontrollieren. Wenn hier doch jemand sein sollte, ist es am Ende unsere Schuld.“

Natürlich ließ Hwasa sich nicht so einfach abwimmeln. Chanyeol wurde langsam nervös, versuchte aber, es sich nicht anmerken zu lassen. Er hoffte einfach, dass Joy die Füße still hielt. „Vertraust du mir etwa nicht?“, fragte er sie deshalb. „Ach ja, ich hätte ja fast vergessen, du bist ein Krieger des Ares und ich nur eine Harpyie, also musst du ja automatisch im Recht sein und ich sollte alles was du sagst glauben“, erwiderte sie sarkastisch. „Das meinte ich nicht so und das weißt du, Hwasa“, verteidigte Chanyeol sich. „Spar es dir, Chanyeol“, entgegnete sie nur und drehte sich um, „Ich schlag dir den Schädel ein, wenn hier oben doch etwas gewesen sein sollte und ich deswegen Stress mit Kris bekomme.“
Jooheon warf noch einen letzten Blick auf Chanyeol, ehe er Hwasa folgte. Er hatte die ganze Zeit nichts gesagt. Ehrlich gesagt konnte Chanyeol sich nicht erinnern, dass er jemals gehört hatte, wie Jooheon etwas sagte.

-


Schnell liefen zwei vermummte Gestalten durch die Nacht. Sie waren auf dem Weg zum Stadtrand, zu den Baracken der Harpyien.

Seulgi schaute unsicher zu Kris. „Und du willst das wirklich machen?“ Sie war alles andere als überzeugt von diesem Auftrag. Ihr Magen zog sich schon bei dem Gedanken daran zusammen. „Was haben wir denn für eine Wahl?“, erwiderte Kris resigniert. Er wollte das doch auch nicht. Aber er musste es tun. Sie würden sonst die Krieger des Ares schicken und es würde alles nur schlimmer machen. Da machte er es lieber selbst.
„Wir können sie gehen lassen“, schlug Seulgi so leise vor, dass Kris es fast nicht gehört hätte. Darüber hatte er auch schon nachgedacht. „Sie würden wissen, dass wir sie gehen lassen haben. Daraus würden sie automatisch folgern, dass sie schuldig ist und sie jagen. So hat sie wenigstens eine Chance.“ Seulgi antwortete darauf nicht mehr und nickte nur.
Beide wussten, dass sie sich nur was vormachten. Harpyien bekamen nie eine Chance.

Seulgi ging neben der schlafenden Sumi in die Hocke und rüttelte leicht an ihrer Schulter. „Hey, aufwachen“, flüsterte sie sanft. Sumi schnaubte nur und drehte sich weg von ihr. Kris trat daraufhin weniger sanft gegen die Hängematte, was dazu führte, das Sumi auf den Boden knallte. Wieder war ein genervtes Schnauben zu hören, doch Sumi war nun wach und rappelte sich auf.
„Was soll das?“, fauchten ihn Seulgi und Sumi gleichzeitig an. Kris zuckte nur mit den Schultern. Es wurde gleich sowieso noch viel unangenehmer werden, warum sollte er sie dann noch mit Samtpfoten anfassen? „Du hast gesagt ich bin fertig für heute, also warum weckst du mich und dann auch noch so?“, knurrte Sumi weiter. Sie stand mittlerweile vor den beiden, aber noch immer hatte ihr keiner geantwortet. „Werden wir angegriffen?“, fragte sie etwas ruhiger, aber es schwang immer noch Wut über das unsanfte Wecken in ihrer Stimme mit.

„Nein“, meinte Kris dann schließlich, „Du bist verhaftet.“

-


„Was ist denn passiert?“, fragte Chanyeol außer Atem, als er sich zu Wonho und Kai stellte. „Wo warst du überhaupt? Ich wollte dich abholen, aber du warst nicht in deiner Wohnung“, stellte Wonho sofort die Gegenfrage. „Ich dachte, ich hätte was verdächtiges gesehen nachdem ich die Festhalle verlassen hatte, deswegen habe ich es noch gecheckt bevor ich zurück bin. Und naja, auf dem Weg nach Hause kamen mir einige der anderen entgegen und haben mir gesagt, dass wir uns im Tempel der Aletheia treffen, weil etwas passiert ist“, erwiderte Chanyeol sofort, bedacht darauf, den beiden die gleiche Geschichte wie Hwasa und Jooheon zu erzählen.

„Dabei hast du nicht zufällig gesehen, wie Jennie angegriffen wurde?“, erkundigte sich Kai dann. „Was?“ Chanyeol war nun mehr als verwirrt. Mitbekommen hatte er natürlich nichts, er war damit beschäftigt gewesen Joy in Sicherheit zu bringen und sich nicht nochmal fast mit ihr erwischen zu lassen. Sie lag jetzt hoffentlich auch friedlich in ihrem Bett und schlief. „Jennie wurde von einer vermummten Gestalt angegriffen, als sie die Festhalle verlassen hat. Lisa war noch in Hörweite, da sie nochmal zurück musste weil sie ihren Mantel vergessen hatte und ist so schnell es ging dazwischen gegangen, als sie Jennie schreien gehört hat“, erklärte Wonho dann alles, „Die Verhandlungen sollen sofort statt finden.“

„Wer war es?“ Wonho seufzte tief. „Das Gesicht haben die beiden nicht gesehen, aber es soll von der Kleidung her wohl jemand von den Harpyien gewesen sein. Von der Statur her kommt nur eine Person in Frage.“ Chanyeol schüttelte den Kopf. Das war keine Grundlage für eine Verurteilung. Vor allem nicht, da sie in letzter Zeit solche Probleme mit den Sirenen hatten. Kai schien die Gedanken des Älteren erahnen zu können. „Und wenn schon. Die Harpyien sind doch sowieso alle kriminell. Es trifft also niemand Unschuldigen.“

Chanyeol schluckte alles was er darauf erwidern könnte schnell herunter. Wonho hatte sich schon wieder halb aus dem Gespräch der beiden ausgeklinkt. Er suchte in der Menschenmenge nach Yongguk, konnte ihn aber nicht finden. Natürlich nicht. Kaum merkbar schüttelte er den Kopf, dann drehte er sich zu den anderen Kriegern des Ares zuwandte und die Stimme erhob. „Geht auf eure Posten. Ich will das alles schnell und ohne Zwischenfälle abläuft. Wir wollen glaube ich alle so bald wie möglich ins Bett.“

-


„Ich habe nichts getan“, verteidigte sich Sumi zum wiederholten Mal vor der Aletheia. Langsam aber sicher wurde sie aggressiv. „Jetzt tu nicht so scheinheilig! Du hast mich angegriffen“, kam es von Jennie aufgebracht zurück. Die beiden starrten sich stur an. „Du hast versucht mich umzubringen! Und wenn Lisa nicht da gewesen wäre, dann hätte es sicher auch funktioniert“, fügte Jennie dann noch hinzu. „Wenn ich dich umbringen wollen hätte, dann wärst du schon tot, egal ob Lisa da gewesen wäre oder nicht“, spuckte Sumi ihr entgegen, woraufhin sie einen harten Stoß in die Rippen von Seulgi bekam. Sumi zog scharf Luft ein, ehe sie zerknirscht einen weiteren Versuch sich zu verteidigen startete. „Ich war in den Baracken am Stadtrand und hab geschlafen. Ich war kilometerweit vom inneren Kreis entfernt.“

„Gibt es dafür Zeugen?“, wurden die beiden streitenden Mädchen von der Aletheia unterbrochen. Die älteste Frau des Elysiums betrachtete sie mit einem neutralen Ausdruck. Obwohl sie weit über 200 Jahre alt war, sah sie dank dem Unsterblichkeitsserum genau so jung aus wie die anderen Anwesenden. „Ich bin nicht sicher... Ich glaube nicht? Die meisten anderen sind noch nicht mit ihrer Patrouille fertig gewesen, ich weiß nicht wer außer mir schon da war“, gab Sumi zurück, während sie angestrengt darüber nachdachte, ob sie nicht doch irgendwen getroffen hatte, der sie entlasten könnte. „Dir fällt ja nicht mal eine Ausrede ein“, regte Jennie sich weiter auf.

Sumi konnte sich kaum noch beherrschen um nicht auf Jennie loszugehen. Sie war wirklich froh, dass Seulgi da war. Kris warf ihr aus einiger Entfernung vielsagende Blicke zu, immerhin würde es ihre Situation nur verschlimmern, wenn sie die Beherrschung verlor. Kai hatte sich mittlerweile mehr in Jennies Nähe begeben. Natürlich war Sumi für ihn schon längst schuldig und er wartete nur noch, dass sie ausrastete und allen ihr wahres Gesicht zeigte.

Die Aletheia hob ihre Hand und brachte so alle Anwesenden zum Schweigen. „Es gibt also weder Beweise dafür, das Akimoto Kasumi vorher Kim Jennie angegriffen hat, noch Beweise dafür, dass sie während des Angriffs in den Baracken der Harpyien war und geschlafen hat?“ Die Aletheia interpretierte die Stille als Zustimmung. Sie musste ein Seufzen unterdrücken. „Auf dieser Grundlage halte ich eine endgültige Verurteilung für zu hart. Akimoto Kasumi soll ihre restliche Zeit im Tartaros absitzen. Ich behalte es mir aber vor, das Verfahren neu aufzurollen, wenn es neue Beweise geben sollte.“

-


„Es tut mir so leid“, waren Seulgis erste Worte, als sie zusammen mit Sumi den Tempel der Aletheia verließ. „Du kannst nichts dafür. Niemand hier kann das“, meinte Sumi nur und versuchte ihre Wut, ihre Trauer, all die Gefühle die gerade auf sie einschlugen, runterzuschlucken. Sie blinzelte schnell die Tränen, die sich langsam ihren Weg ins Freie suchten, weg. „Du bleibst am Leben, ich schätze mehr können wir von dieser Nacht nicht erwarten“, murmelte Kris, der nun hinter ihnen war und die beiden vor sich her schob. Niedergeschlagen nickten Seulgi und Sumi. Er hatte Recht.

„Habt ihr euch verabschiedet? Wir wollen sie wegbringen“, unterbrach Wonho die drei. „Ich mach es selber“, kam sofort von Kris, ehe er sich wieder den beiden Mädchen zuwandte. „Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist“, meinte Wonho daraufhin und machte ein paar Schritte auf Sumi zu. „Es hat aber niemand gefragt, was du davon hältst. Sonst schiebt ihr auch alles was den Tartaros betrifft auf uns ab, also misch dich gefälligst nicht in unsere Angelegenheiten ein.“ Kris stellte sich vor Sumi und schaute Wonho feindselig an. Er würde sich die letzte Stunde, die er mit ihr haben konnte, nicht nehmen lassen. „Du willst sie doch nur laufen lassen. Geh ihm aus dem Weg“, fuhr Kai ihn dann an. Wonho ignorierte Kris Worte, genauso wie Kris Kais Worte ignorierte. Als Wonho sich an Kris vorbeischieben wollte, zerrte Kris ihn an der Schulter zurück. Die Situation war kurz davor zu eskalieren.

„Es reicht!“ Yongguks Stimme brachte alle dazu, ihre Aufmerksamkeit auf ihn zu richten. „Der Tartaros ist das Gebiet der Harpyien, wenn Kris es selber machen will, dann hat er jedes Recht dazu. Er hat schon andere die er kannte ins Gefängnis gebracht. Also geht nach Hause. Sollte er sie gehen lassen, wissen wir es spätestens morgen früh.“
Wonho vergaß völlig, was er gerade noch tun wollte und ging auf Yongguk zu. „Wo warst du? Ich hätte dich gebraucht. Ich weiß, du hast es nicht leicht, aber das entschuldigt nicht, dass du nur alle paar Wochen mal auftauchst, bevor alles den Bach runter geht“, machte Wonho seinem Ärger Luft. Yongguk sah sofort, wie fertig Wonho wirklich war. Er hätte ihn wirklich nicht allein lassen dürfen. Nicht schon wieder. Er wusste, dass Wonho dazu tendierte, sich zu viel aufzubürden. Wonho wollte alles nur richtig machen. „Ich weiß, es wird nicht mehr vorkommen. Kommt jetzt.“ Yongguk nickte Kris noch zu und dann verschwand er mit den restlichen Kriegern des Ares. Wonho wünschte sich währenddessen, dass er Yongguks Versprechen glauben schenken könnte. Aber dazu hatte er das schon zu oft gehört.

-


Gerade als Kris und Sumi endlich los wollten, passierte das, was Kris die ganze Zeit am meisten Sorgen bereitet hatte. Er hatte Taeyong mit Hwasa und Jooheon an das andere Ende der Stadt geschickt, um dort noch zu kontrollieren, ob alles ruhig war. Kris wusste, dass das alles hier nicht reibungslos ablaufen könnte, wenn Taeyong in der Nähe war. Also hatte er ihn weggeschafft.

„Ich hoffe du sagst mir jetzt, dass alles was ich gehört habe nicht wahr ist“, rief Taeyong ihm schon aufgebracht entgegen. „Es ist wahr“, sagte Kris ruhig, was dazu führte, das er kurz später Taeyongs Faust im Gesicht hatte. „Taeyong, hör auf!“ Aufgebracht versuchte Sumi sich zwischen die beiden zu schieben, wurde aber von Seulgi festgehalten. „Wie kannst du das nur machen? Hast du eigentlich gar kein Gewissen? Meintest du nicht mal, du würdest auf uns aufpassen? Und dann schiebst du Sumi einfach so in den Tartaros ab! Du hast sicher nicht mal versucht sie zu verteidigen oder ihr irgendwie zu helfen!“ Taeyong sah nur noch rot. Er hob gerade seine Faust um sie erneut in Kris Gesicht zu rammen, als Jooheon ihn packte und zu Boden warf. Kris selbst hatte nicht mal versucht, Taeyong abzuwehren.

„Halt dich da raus! Du weißt nicht wie das ist“, knurrte Taeyong dann Jooheon an. „Ich denke, wir wissen alle wie es ist, jemanden zu verlieren“, warf Hwasa ein, doch das interessierte Taeyong kein bisschen. Er stand auf und wollte wieder auf Kris losgehen, wurde aber von Jooheon festgehalten. Hwasa verpasste ihm einen gezielten Schlag in den Nacken, woraufhin Taeyong bewusstlos in Jooheons Armen zusammenbrach.




Idee


Hallo meine Lieben und herzlich Willkommen zu meinem neuen Projekt!

Ich bin gerade ziemlich nervös, was auch daran liegt, dass diese Idee schon seit etwa 2016 auf meinem Laptop rumgammelt und ich sie nie in hochgeladen habe, weil es einfach nie so richtig gepasst hat und ich mir irgendwie immer unsicher mit der Idee, obwohl mir sehr viel an der Idee liegt?
Auf jeden Fall hab ich sie vor knapp einem Jahr wiedergefunden nachdem ich El Dorado von Exo gehört hab und mir einfiel, dass es zieh ich es doch mal durch, vielleicht kann ich ja doch noch andere für meine Geschichte begeistern.
Ich liebe diese Idee wirklich sehr und kann es kaum erwarten, endlich loszulegen. Ich hab auch noch etwa 50 Seiten mit Vergangenheitskapiteln zu verschiedenen Leuten aus dem Cast auf meinem Laptop rumliegen, die ich hoffentlich im Laufe der Geschichte mal verwenden kann.

Ich möchte mich noch kurz bei Yehet bedanken, die mich bei der Vorbereitung der Geschichte immer unterstützt hat, sowie bei euphoria die mir erlaubt hat einige Designideen von ihrer 'Volcano Games' Website zu übernehmen, wenn ihr die Geschichte kennt wird euch das vor allem bei 'relations' vielleicht auch auffallen.

In der Geschichte wird es hauptsächlich darum gehen, wie sich sämtliche Charaktere in der Gesellschaft leben (auch wenn es manche sicher nicht als Leben bezeichnen würden), wie sie durch Höhen und Tiefen gehen und wie sie immer wieder auf Probleme stoßen, weil sie wegen der Gesetze die teilweise doch sehr in das Privatleben eingreifen ihr Leben nicht immer so leben können, wie sie es gerade gerne würden. Oder zumindest nicht, ohne ein großes Risiko einzugehen.
Wie man im ersten und dann auch im zweiten Prologe erahnen kann, sind viele der Charaktere eben auch nicht wirklich zufrieden mit ihrer aktuellen Situation, weswegen die Rebellen immer mehr Anhänger finden im Laufe der Zeit und die Lage sich immer mehr zuspitzt, bis sie schließlich eskaliert.
Das Elysium verbirgt natürlich auch noch das ein oder andere dunkle Geheimnis, dass die Charaktere mal mehr, mal weniger absichtlich enthüllen werden.

So, und für alle die es erst mal durch mein ganzes Gequatsche bis hier her geschafft haben: Ich freue mich wirklich, dass ihr euch für meine Idee interessiert und hoffe auch, dass der ein oder andere vielleicht mitmachen will. :)
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast