Denk nicht zu schlecht von mir

von LunaJo
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Albus Dumbledore Dolores Umbridge Harry Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Severus Snape Sirius "Tatze" Black
09.04.2020
23.05.2020
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23.05.2020 1.636
 
Hallo und herzlich willkommen! Ich freue mich, dass du hier vorbeischaust
Ehe es losgeht, noch ein kleiner Hinweis:
Ab sofort  kannst du die Geschichte auch hören unter: https://www.youtube.com/playlist?list=PL1r1PqvCZPHrewnRMrU0H-9yl26edqqNH
Du bist herzlich eingeladen! Und nun, Vorhang auf ...

„Und? Haben Sie mir nicht noch ein bisschen mehr zu sagen?“
Snape saß am Schreibtisch, kniff die Augen zusammen und sah zu seinem Schüler, der ihm wie immer gegenüber hockte und unter seinen Blicken gerade einen roten Kopf bekam.
Er hatte es zuerst nicht so recht glauben wollen, als er da vorhin wirklich vor der Tür stand. Immer noch zwickte es ihn im Hals, so dass er blinzeln und hüsteln musste, um nicht in verdammtes Lachen auszubrechen. Einen schöneren Montag hatte es lange nicht gegeben. Montague hatte heute morgen endlich die Augen aufgeschlagen, eine ganze Schale Haferbrei verschlungen und war nach dem Mittag bereits aufgestanden. Und nun also das. Bei Salazar, fast wäre er ihm um den Hals gefallen. Aber eben auch nur fast. Angestrengt schielte er durch die Augenschlitze und wartete auf eine Antwort.

Als diese dann kam, war er erst einmal sprachlos.
Denn statt dass er mit irgendeiner Ausrede abgespeist wurde, schlug der Junge die Augen nieder und flüsterte: „Dad … Ich habe Dad dort gesehen, wissen Sie ...“
Er konnte bloß noch stumm nicken. Und ehe ihm dazu doch noch irgendeine spitze Bemerkung einfiel, traf ihn ein stiller trauriger Blick, ähnlich dem vor ein paar Tagen, ehe er ihm die verletzte Hand gezeigt hatte.

„Dass er so gemein sein konnte“ flüsterte es weiter. „Es … es tut mir so leid, Sir...“
Ja, was sollte er dazu noch weiter sagen. Noch einmal nickte er und dann kroch ihm ein kleines schiefes Lächeln um den Mund. „Ist schon gut“ hörte er sich antworten. „Ist ja schon gut, Potter. Nun fangen Sie bloß nicht an zu heulen.“ Doch zu spät. Ein jämmerliches Schluchzen ertönte. Was Wunder, war er sekundenlang versucht zu denken, so ist das halt, wenn ein verehrtes Standbild plötzlich auf die Erde kippt. Dann aber stand er auf, lief entschlossen um den großen Tisch herum und sah etwas unsicher auf das vor ihm sitzende Häufchen Elend im blauen Pullover. „Ist ja schon gut“ murmelte er noch einmal und ehe er recht überlegen konnte, hatte er sich schon hinunter gebeugt und sacht durch das verschwitzte Haar gestrichen.
Der Junge war erst zusammengezuckt, hatte die Schultern hochgezogen und sich weg gedreht. Aber dann, ein paar Minuten später, drehte er sich wieder zurück, hob den Kopf und sah zu ihm auf. „Danke“ sagte er leise und fuhr sich noch ein paar Mal mit dem Ärmel über die Augen. „Wollen wir jetzt vielleicht anfangen, Professor?“

Anfangen? Das hieß, dass es wohl unwiderruflich Zeit für ein einfühlsames Gespräch wurde. Er seufzte ein bisschen. Nein, stop. Zuerst der Muffliato-Zauber.
Er zog seinen Zauberstab hervor und richtete ihn auf die erste der vier Wände, dann schritt er, aufmerksam durch zwei Brillengläser beobachtet, einmal rund im Kreis. Ganz kurz schloss er dann die Augen, konzentrierte sich auf das, was von draußen herein kam und nickte befriedigt, als es in seinem Kopf still blieb. Da war nichts, keine fremden Energien und auch keine fremden Interessen mehr.

„Ja, das werden wir“ sagte er dann leise. „Aber zuerst … zuerst hören Sie mir noch mal zu. Denn ich werde das hier nur einmal erzählen. Warum, das werden Sie hoffentlich am Ende verstehen ...“
Snape unterbrach sich, denn der Junge hatte ihm einen der Zettel zugeschoben.
Darf ich denn wieder sprechen? stand dort. Oder trifft mich jetzt der Todesfluch?
Ganz kurz musste er lächeln und zog sich dann Tinte und Feder heran.
Sie werden diesem Fluch schon früh genug wieder begegnen kritzelte er zurück. Ja, Sie dürfen. Aber hüten Sie sich vor Dummheiten.
Potter blies die Backen auf und er wusste, dass er sich mitnichten an diese Bitte halten würde.
„Kann er uns denn hören?“ platzte er auch schon heraus. „Oder warum haben Sie eben diesen Zauber gesprochen?“
„Jetzt nicht mehr, trösten Sie sich“ entgegnete er und bemühte sich, ruhig zu bleiben. „Obwohl es im Grunde nicht übel gewesen wäre, wenn er mitbekommen hätte, dass Sie ...“
Er unterbrach sich erneut, als er feststellen musste, dass er jegliche Freude an den üblichen kleinen Bosheiten verloren hatte. Zum Glück ging der Junge taktvoll über seinen Aussetzer hinweg. So, wie er auch sonst ganz schrecklich höflich wirkte. Kein noch so kleines Grinsen. Nichts, gar nichts, außer seinem aufmerksamen Blick.

„Nun gut, Potter, hören Sie also. Der dunkle Lord hat schon etwas länger Gefallen an Ihrem ach so offenen Geist gefunden und bemüht sich gerade nach Kräften, dort selbst hinein zu gelangen. Verstehen Sie?“
Der Junge nickte langsam.
„Er hat da einen Plan“ fuhr er fort, „den er mit meiner Hilfe zu verwirklichen gedenkt.“ Unauffällig schaute er wieder auf sein Gegenüber. Doch dieser hörte ihm zu. Immer noch.
„Haben Sie vielleicht schon einmal etwas von dieser Prophezeiung gehört?“
Wieder ein Nicken. Dann öffnete der Junge den Mund, doch er bedeutete ihm zu schweigen.
„Ich weiß, was Sie sagen wollen. Ja, genau, Ihre merkwürdigen Träume. Merken Sie schon etwas? Können Sie sich vorstellen, was damit eventuell bezweckt werden soll?“
„Er will mich dort haben“ hörte er ihn wispern. „Und vielleicht deshalb, weil ...“
„Ganz richtig.“ Sein Lehrer nickte anerkennend. „Sie sollen für ihn die Prophezeiung vom Regal holen, weil er genau weiß, dass nur Sie dazu in der Lage sind. Und ich soll Ihnen das einflüstern. Oder Sie zumindest dafür vorbereiten.“
„Und wenn Sie das nicht tun?“ fragte der Junge, immer noch im Flüsterton.
„Dann ...“ Er lächelte ein wenig sarkastisch. „Dann können Sie sich wahrscheinlich über kurz oder lang einen neuen Lehrer suchen, dem Sie auf die Nerven gehen.“

Der Junge biss sich auf die Lippen und zog ein nachdenkliches Gesicht.
„Ich hab's“ rief er nach ein paar Minuten Schweigen.
„Was?“ kam er nicht umhin, ziemlich erstaunt zu fragen.
„Ich habe da eine Idee, Sir“ kam es lässig zurück und ein kleiner Triumph flackerte in den grünen Augen.
„Ach, wirklich?“
Er konnte nicht recht glauben, was er da hörte.
Das Triumphflämmchen hinter den Brillengläsern flackerte ein wenig stärker.
„Aber das ist doch ganz einfach, Sir ...“
Begann der Bengel jetzt gerade größenwahnsinnig zu werden? Aber nein, er schaute immer noch ziemlich vernünftig drein.
„Nun? Und was wäre das denn?“ Er musste zugeben, dass er zunehmend neugierig wurde.
Der Junge grinste jetzt leicht.
„Ganz einfach – ich gehe in die Mysteriumsabteilung und hole ihm die Kugel herunter ...“
„Was für ein genialer Gedanke ...“ kam er nicht umhin, etwas spöttisch einzuwerfen. Bei Merlin. Gings eigentlich noch? Spukte am Ende vielleicht doch schon der Dunkle Lord in seinen Gedanken? Oder …
„ … und dann ...“
Potter winkte ihm, etwas näher zu kommen und beugte sich über den Tisch. Und was er dann dort hörte, ließ ihn diese unerfreulichen Gedanken ganz schnell wieder vergessen.
Seine Mundwinkel kräuselten sich heiter und er klopfte seinem Schüler auf die Schulter.
„Wenn Sie das schaffen“ murmelte er, immer noch ein wenig ungläubig. „Dann muss ich mich wohl auch entschuldigen ...“
Sein Schüler zog die Brauen hoch.
„Warum denn, Professor?“
Snape grinste jetzt auch.
„Ganz einfach, Potter. Weil Sie dann doch nicht ganz so vernagelt wären, wie ich immer gedacht habe ...“ Dann griff er nach seinem Zauberstab. „Und jetzt kommen Sie. Sie haben noch gut drei Wochen Zeit, um sich vorzubereiten.“

„Darf ich Sie noch etwas fragen, Sir?“
Nach dem Ende des Unterrichts standen sie sich jetzt gegenüber, beide erschöpft, aber ziemlich zufrieden und jeder mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Hinter ihnen lagen zwei Stunden konzentrierter Arbeit, in denen sie das erste Mal versucht hatten, etwas miteinander zu erreichen. Natürlich war das nicht einfach gewesen.
Ganz automatisch hatte er immer noch den Widerstand gefühlt, wenn er dem Jungen mit gezücktem Zauberstab gegenüber trat. Aber im Grunde war das ja gut so. Es war um so viel besser als die passive Willenlosigkeit, die ihm bisher begegnet war.
Das erste Mal hatte er bemerkt, dass die Gedanken seines Schülers nicht von irgendwoher kamen, keine Kindheitsbilder mehr, keine Schreckträume und auch keine romantischen Seifenblasen. Potters Gedanken kreisten das erste Mal ausschließlich um das, was sie hier taten und er sah sein Bemühen, es so gut wie möglich zu tun. Na bitte.

Und an dem Tag, an dem er auf eine Mauer, Stille oder einfach gar nichts stoßen würde, würde er drei Kreuze machen und drei Luftsprünge hinterher. Natürlich erst abends, im Wohnzimmer. Aber ein Schritt nach dem anderen.
„Darf ich, Sir?“
Er schaute verwundert auf.
„Was bitte?“
Die kleinen Lachfältchen krochen jetzt wieder bis hinter Potters Ohren, so wie vor ein paar Tagen, als er naseweis herausgeplatzt war, dass …
„Können Sie mir noch ein bisschen über Dad erzählen?“
Was bitte ?! murmelte er noch einmal fassungslos für sich.
Die grünen Augen blinzelten und ein erwartungsvolles Leuchten legte sich darüber. Als er jedoch schwieg, mischte sich das Ganze sehr schnell mit Unsicherheit.
„Naja … das ist wahrscheinlich nicht unbedingt schön für Sie, oder?“ kam es nach ein paar Minuten verlegen hinterher.

Ach. Wie überaus fürsorglich. Beinahe hätte er höhnisch aufgelacht. Seine milde Stimmung war wie weggeblasen. Wen dachte der Bengel eigentlich, wen er hier vor sich hatte? Nach all dem, was er jetzt schon selber wusste? Und wozu langweilte sich Black eigentlich in seinem räudigen Haus?
„Wissen Sie, Potter, wenn Sie nette Geschichten über Ihren Herrn Vater hören möchten, würde ich Sie doch bitten, sich an Ihren werten Paten zu wenden ...“ hörte er da schon seine altgewohnte kühl-spöttische Stimme.
Das junge Gesicht vor ihm zuckte ein paar Mal, dann sah er sich wieder der bekannten trotzigen Gleichgültigkeit gegenüber.
„Okay. Kein Problem, Sir. War ja nur eine Frage.“
Der Junge warf seinen Umhang über, murmelte eine leise Verabschiedung und wandte sich zum Gehen. Und er saß da und mochte sich selbst nicht mehr, allein mit dem unguten Gefühl, dass da eben eine gerade mühsam geöffnete Tür gedankenlos ins Schloss gefallen war.
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