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09. April: Die Geschichte der Herzen [by Sorakura]

OneshotFantasy, Freundschaft / P16 / Gen
09.04.2020
09.04.2020
1
2.103
1
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2 Reviews
Dieses Kapitel
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09.04.2020 2.103
 
Tag der Veröffentlichung: 9. April
Zitat: "Entscheidungen machen uns zu denen, die wir sind. Und wir haben immer die Wahl, das Richtige zu tun." (Spiderman 3)
Titel der Geschichte: Die Geschichte der Herzen
Autor: Sorakura
Hauptcharaktere: OCs (Zen, Hikari)
Nebencharaktere: Keine
Pairings: Keine
Kommentar des Autors: Diese Geschichte stammt aus einem Roleplay, ich hoffe, sie gefällt euch :) Das Setting befindet sich in einer Fantasywelt, moderne Technologie gibt es eher weniger.



Lasst mich euch eine Geschichte erzählen.
Eine Geschichte über Herzen, über die Liebe und über das Schicksal, welches angeblich unveränderlich ist.
Hört aufmerksam zu, fühlt euch in die Charaktere ein und entscheidet selbst, was ihr aus der Geschichte lernen möchtet.

Vor vielen, vielen Jahren existierten die sogenannten Priesterinnen des reinen Herzens. Sie selbst wussten zumeist nicht, wer sie wirklich waren. So auch das Mädchen, dass wir in der Geschichte begleiten werden. Ihr Name war Hikari, zu Deutsch Licht. Wie passend, nicht wahr? Sie war die Priesterin der Unschuld. Neben ihr gab es noch die Priesterinnen des Wohlwollens, der Großzügigkeit, der Mäßigung, der Sanftmut, der Demut und der Eifer. Vielleicht bemerkt ihr es schon – sie sind die Gegenteile der sieben Todsünden. Doch zu ihnen will ich später kommen.
Hikari war ein schönes, junges Mädchen. Vor kurzem war sie gerade einmal 21 Jahre alt geworden. Sie lebte gemeinsam mit ihrer Familie in einem Schrein in einem kleinen Dorf. Viel passierte nicht in ihrem Leben, es mangelte ihr an Erfahrungen. Dass ihr reines Herz die Unschuld trug, half ihr nicht. Das Dorf war der Schreinsfamilie nicht wohl gesonnen, besaßen diese doch all den Reichtum, den die Dorfbewohner vermissten. Hikari aber bemerkte die vielen unschönen Bemerkungen nicht. Zu unschuldig war ihr Blick auf die Menschheit. Merkwürdige Kommentare tat sie als Witz ab, Beleidigungen vernahm sie nicht. Denn natürlich waren die Dorfbewohner vorsichtig, was sie vor Hikari sagten.
Die meiste Zeit verbrachte Hikari im Schrein. Sie kümmerte sich gern um den Garten oder vollbrachte Rituale für eine Beerdigung, für eine Hochzeit oder für ähnliche Ereignisse.
Es war nicht nur die naive Unschuld, die Hikari ausmachte. Sie war äußerst freundlich und hilfsbereit. Selbst die Bewohner bemerkten die Reinheit ihres Herzens, machten sich darüber aber Späße. Dennoch blieb die Ruhe, die Hikaris Reinheit ausstrahlte, nicht unbemerkt. In ihrer Nähe entspannten sich die Menschen, fühlten sich etwas sorgloser.

Der einzige Dorfbewohner, der das alles nicht spürte – oder sagen wir lieber, der es zu viel spürte, war Zen. Niemand wusste, dass er viel mehr war als ein einfacher Dorfbewohner. Er war Hikaris Todsünde. Zen war die Lust. Neben ihm gab es noch den Neid, die Gier, die Völlerei, die Wut, den Stolz und die Trägheit.

Bevor wir weiter über Zen reden, müssen wir kurz auf die Geschichte der Todsünden eingehen.
Die Todsünden hatten ein schrecklich unreines Herz. Ihre Aura war so schwarz wie die Nacht und vertrieb die Menschen. Diejenigen, die in der Nähe blieben, wurden schon bald von der Aura befleckt. Die Menschen wurden neidisch oder gierig, wütend oder eitel. Es kam ganz darauf an, welche Todsünde die Aura ausstrahlte. Zen, zum Beispiel, konnte jede noch so reine Keuschheit vertreiben und selbst den selbstlosesten Mönch zu einer Orgie bewegen.
Seit ihrer Geburt dachten die Todsünden, dass die Priesterinnen ihnen schaden wollen. Dass sie ihnen im Weg waren und ihnen die Kräfte rauben würden. Dass die Priesterinnen der Untergang der Todsünden waren. Denn starb eine Priesterin, würde auch die jeweilige Todsünde sterben – außer, eben jene Todsünde tötete seine Priesterin selbst.
Und so machten sie Jagd auf die Priesterinnen. Jede Todsünde machte es sich zum Ziel, seine eigene Priesterin kaltblütig zu ermorden, die Gefahr zu verbannen und sich von den Ketten zu befreien. Sie alle dachten, das wäre ihre Bestimmung, ihr Schicksal. Töte die Priesterin oder sterbe durch die Priesterin.

Zen, allerdings, zweifelte. Jahrelang, war er mittlerweile 28, hatte er Kämpfe ausgetragen, hatte Menschen abgeschlachtet und ihr Wesen mit seiner Aura befleckt. Jahrelang dachte auch er, er müsse seine Priesterin töten.
Doch mittlerweile wollte er das nicht mehr. Die Kämpfe hatten ihn müde gemacht. Er wollte seinen eigenen, persönlichen Frieden. Es war ironisch, dass er genau dann auf den Ort seiner Priesterin stieß. Er wusste selbst nicht, was ihn dazu bewegt hatte, doch schlussendlich war er genau dorthin gezogen. Nun, er wollte sie beschützen, das war sein Motiv. Er hatte wirklich kein Interesse daran, zu sterben, weil seine Priesterin irgendeine Dummheit beging.
Manchmal bereute er es. Dann, wenn seine Priesterin ihm zu nahe kam. Zugegeben, es passierte nicht oft, da er auf so viel Abstand ging, wie nur möglich. Scheinbar hatte sich das Schicksal einen Spaß daraus gemacht, die Priesterin so verlockend wie nur möglich zu machen. Der Geruch, den sie ausstrahlte, er war so unerträglich stark. Er erinnerte an Kirschblüten, war so frisch und sanft, wie nur die Blüten es sein konnten. Doch Zen hasste diesen Geruch. Zu intensiv für sein unreines Herz.
Dann war da noch dieses sanfte Leuchten ihrer Haut, als wäre sie etwas Besonderes. Natürlich, für ihn war sie das wohl. Aber er wollte das nicht. Er hätte weniger Stress, wäre sie ein ganz normaler, langweiliger Mensch.
Das schlimmste allerdings waren die Gefühle. Oh, diese Gefühle. Er spürte sie. Wann immer er zu nah kam, spürte er, was auch seine Priesterin spürte. Es war unerträglich. Er wollte keine fremde Freude fühlen.
Ja, er war tatsächlich in seiner eigenen Hölle. In seiner eigenen, nach Kirschblüten riechenden, leuchtenden, munteren Hölle. Welch eine Ironie.

Doch die Geschichte endet nicht hier. Zen konnte nicht für immer auf Distanz bleiben und Hikari ignorieren.
Es kam zu einer schicksalshaften Nacht, in der das Dorf angegriffen wurde. Der Angreifer war Zen bekannt, war es doch die Todsünde der Gier. Ein ehemals bester Freund von ihm, mit dem er viele Schlachten ausgetragen hatte. Als Zen seinem Schicksal den Rücken zugekehrt hatte, hatte er auch ihn verlassen. Doch das gefiel der Gier nicht, er wollte ihn dazu zwingen, seine Priesterin zu töten. Das war auch der Grund, weswegen er das Dorf angriff.
Es gab keine Überlebende, nur Hikari und Zen. Zen hatte in dieser Nacht alles getan, um seine dumme Priesterin zu beschützen und es war wohl der jahrelangen Freundschaft zu verdanken, dass die Gier ihn nicht einfach getötet hatte, war sie doch viel stärker als er.

Die Gier machte aber weiter Jagd auf die beiden, wollte Zen weiterhin dazu bewegen, die Priesterin zu töten. Und so sah Zen sich gezwungen, mit der Priesterin umher zu reisen, auf sie Acht zu geben und sie zu beschützen. Dabei konnte er nicht mehr die Distanz bewahren und er wurde von all den Empfindungen erschlagen. Geweint hatte er! Tränen waren seine Wangen hinabgeflossen! Das nur, weil seine dumme Priesterin um die Verstorbenen trauerte!
Oh, er hasste jeden Tag.
Währenddessen war Hikari ihrem Retter unendlich dankbar. Sie wusste nichts von den Todsünden und den Priesterinnen des reinen Herzens. Somit wusste sie auch nicht, wieso Zen sie beschützte. Sie sah einen Akt der Nächstenliebe und Fürsorge darin. Während Zen versuchte, sie auf Abstand zu halten, wollte sie eine Freundschaft mit ihm gründen. Immer wieder verlockte sie ihn zu einem Gespräch, lächelte ihn freundlich an, versuchte, mehr über ihn herauszufinden.

Die Tage vergingen, die meiste Zeit wanderten sie durch Wälder. Die Dörfer waren allesamt weit verstreut und es war normal, tagelang reisen zu müssen, bis man wieder auf Zivilisation traf.
Zu Zens Leidtragen, war die Unschuld seiner Priesterin wirklich äußerst ausgeprägt. Sie fiel auf Banditen herein, folgte jedem Menschen, der ein nettes Wort sagte und ließ sich leicht über den Tisch ziehen. Wie oft hatte er sie in den Tagen schon retten müssen? Sogar ein ernstes Gespräch hatte er mit ihr geführt. Als wäre sie ein Kleinkind!
Doch Hikari blockte seine Worte ab. Sie wollte weiterhin in die Menschheit glauben. Auch wenn sie zugesehen hatte, wie ein Mann ihr ganzes Dorf ausgelöscht hatte. Sie war sich sicher, dass jeder Mensch, jedes Wesen, Freundlichkeit in sich trug, die erst einmal geweckt werden musste.

Noch mehr Tage vergingen und Zen konnte langsam nicht mehr die emotionale Barriere aufrechterhalten. Seine Priesterin schaffte es immer wieder, ihn in Gespräche zu verwickeln. Manchmal brachte sie ihn sogar zum Lachen. Hikari sah erste Anzeichen einer Freundschaft, etwas, das sie glücklich machte. Immerhin mochte sie Zen wirklich gern. Auch Zen fing an, sie zu mögen. So entwickelte sich langsam aber stetig eine Freundschaft zwischen den beiden. Mittlerweile sah Zen keine dumme Priesterin mehr in ihr, sondern Hikari. Sie war nicht mehr eine einfache Priesterin, die seinen Untergang einläuten wird. Sie war Hikari, eine freundliche, dumm-naive, süße Persönlichkeit. Sie war zu gut für diese Welt und mittlerweile beschützte er sie, damit sie nicht litt, nicht, damit er lebte.

Hikari wusste all die Tage nichts über ihre Bestimmungen. Bis die Gier erneut angriff. Sie versuchte, Hikari fast zu töten, damit Zen den letzten Schritt tat. Doch Zen beschützte sie mit all seinen Kräften und konnte die Gier vertreiben. Natürlich blieben die Fragen. Es war der Tag, an dem Zen ihr alles erzählte.
„Hör mir zu, okay, Hikari?“, begann er. Hikari war aufgelöst und zitterte, Tränen waren in ihren Augen doch sie versuchte, sich zusammenzureißen. „Es gibt mehr auf der Welt, als du denkst. Es gibt sogenannte Priesterinnen des reinen Herzens. Du bist eine von ihnen. Ihr habt alle eine ausgeprägte Eigenschaft, bei dir ist es die Unschuld. Eure Reinheit ist leicht spürbar für alle, ihr könnt die Menschen besänftigen und beruhigen. Dann gibt es noch euer Gegenteil, die Todsünden. Sie haben unreine Herzen und ruinieren die Menschen. Ich bin eine davon. Unser Schicksal ist es, euch zu töten. Doch ich weigere mich, denn ich mag dich… Was irgendwie dumm ist von mir, aber hey.“
Hikari war natürlich anfangs verwirrt, verstand absolut nichts und glaubte ihm kaum. Doch Zen erklärte ihr alles geduldig, ging auf all ihre Fragen ein.
„Ihr Todsünden existiert also, um der Menschheit zu schaden?“
„Das kann man so sagen, ja. Wir können unsere Aura unterdrücken, damit der Schaden gering bleibt. Aber es ist unsere Bestimmung, die Menschheit zu ruinieren. Wir heißen nicht umsonst Todsünden.“
Hikari war eine Weile still, dann schüttelte sie den Kopf. „Das glaube ich nicht. Du bist in meinen Augen ein lieber, hilfsbereiter Mann. Du hast mir so oft das Leben gerettet und mir meine naiven Fehler verziehen. Ich glaube nicht, dass dein Herz so unrein ist, wie du es behauptest.“
Zen musste grinsen. Natürlich würde die Unschuld das sagen. Laut ihr gab es sowieso keine bösen Menschen, nur missverstandene, nach Hilfe suchende Menschen. „Nun, du bist die Unschuld. Du verstehst das sowieso nicht, Süße.“
Hikari sah ihn an, sah direkt in seine Augen. Sie hatte diesen selbstsicheren Blick, den er so mochte. Langsam schüttelte sie ihren Kopf, während sie sprach. "Entscheidungen machen uns zu denen, die wir sind. Und wir haben immer die Wahl, das Richtige zu tun. Du hast dich dazu entschieden, niemanden töten zu wollen und du hast mich all die Zeit beschützt, dich dafür selbst in Gefahr gebracht. Du hast sogar der alten Frau beim Ernten geholfen, als ich dich gebeten habe. Du hast kein unreines Herz, Zen. Es ist nicht deine Bestimmung, Menschen zu ruinieren oder mich zu töten. Vielleicht gibt es uns, weil wir uns ausgleichen. Ich bin so unschuldig und rein, dass es mich tötet, und du bist so … nun, so fehlgeleitet, dass du Fehler machst und Menschen dadurch schadest. Vielleicht existieren wir wie Yin und Yang, um uns gegenseitig auszugleichen. Vielleicht ist es unsere ‘Bestimmung‘, Freundschaften zu schließen.“
Zen sah sie an, war still und hatte wohl zum ersten Mal in seinem Leben keine Worte. Ihre Worte hallten in seinem Kopf nach, ließen ihn an allem zweifeln, an das er geglaubt hatte.
Es war nicht seine Bestimmung, Menschen zu ruinieren? Er hatte kein unreines Herz? Nun, er hatte gute Taten erledigt. Zugegeben, größtenteils, weil sie ihn dazu gebracht hatte. Aber er hätte sich auch weigern können. Er hätte Hikari auch einfach töten können. Wäre es wirklich seine Bestimmung gewesen, hätte er dann wirklich all das getan?
Nein.
Hikari hatte recht.
Er mochte zwar ein unreines Herz mit einer unreinen Aura haben, aber das hieß nicht, dass es sich nicht ändern ließ. Seine Aura hatte er schon jahrelang unterdrückt und seine letzten Taten waren allesamt gut. Hikaris Worte waren wahr. So unrein konnte er mittlerweile gar nicht mehr sein. Er hatte gegen die Bestimmung gekämpft. Er hatte sein Schicksal selbst bestimmt.

Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen.
„Danke, Hikari.“





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine wirklich schöne Geschichte. Sorakura hat das Zitat wirklich gut umgesetzt. Diese Geschichte kann uns allen eine Lehre sein.

Eure lula-chan
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