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Zuhause

GeschichteFamilie / P12
Saruhiko Fushimi
08.04.2020
30.08.2020
16
16.522
6
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16.04.2020 694
 
Als kleiner Hinweis möchte ich den Lesern vorweg mitteilen, dass ich ganz bewusst Yata beim Vornamen nenne. Das hängt mit der Erzählperspektive zusammen, die ich für diese Geschichte verwende. Genug gesagt, euch allen viel Spaß beim Lesen :-).


Vorliegend braucht es nicht zu wundern, dass der gute Fushimi mithin der Einzige war, der ob dieser unerwarteten Freizeit nichts mit sich anzufangen wusste. Als ihn Munakata beim heimlichen Arbeiten erwischte, leerte er demonstrativ seinen Kaffee über Fushimis Laptoptastatur. Das Fass brachte er allerdings zum Überlaufen, als er, der blaue König, Vertreter von Recht und Ordnung, ihm seine Jelly Bean-Packung vor der Nase wegschnappte. Herausfordernd sah er Fushimi an, während er ganz langsam die Bohnen auf seiner Hand verteilte. Anschließend leckte er jede Bohne einzeln ab, steckte diese wieder in die Packung und reichte sie Fushimi mit einem strahlenden Lächeln zurück. In jenem Moment verspürte Fushimi gegenüber Taishi Munakata eine unbändige Mordlust. In einem seltenen „Bro-Time“ Moment führte dieser seinen jüngeren Bruder in die abgründige Welt von „Party Animals“, „Old School“ und „American Pie“ ein. Zum Entsetzen aller fand dieses exzentrische Genie großen Gefallen an dieser Art von Unterhaltung und seit dieser Begebenheit nahm sein ohnehin fragwürdiger Sinn für Humor eine sehr bedenkliche Wendung. Dabei sollte dieses traurige Kapitel der Pop-Kultur-Geschichte längst ausgestorben sein!

Dieser dezent ekelerregende und auch verstörende Zwischenfall veranlasste Fushimi dazu, seinen freiwilligen Eintritt in Scepter 4 in Frage zu stellen und dem Urlaubsgebot seines Vorgesetzten unverzüglich Folge zu leisten.

Der erste Schritt war ziemlich einfach: Misaki anrufen und zusammen abhängen. Glücklicherweise verspürte sein nunmehr wieder bester Freund nicht im Ansatz das Bedürfnis, sich als nützliches Mitglied der Gesellschaft zu etablieren und erfreute sich eines schier unerschöpflichen Freizeitpensums. Seit dem JUNGLE Vorfall hat sich zwischen Fushimi und Misaki vieles zum Guten geändert. Sie können normal miteinander Reden, blödeln herum, zocken um die Wette und essen dabei das ungesündeste Zeug, was der Markt zu bieten hat.
Fushimi wartet immer noch auf den Tag, an dem dieses Band erneut zerreißt und er Misaki wieder verliert. Noch hat er seine kindheitsbedingten Ängste nicht vollständig abschütteln können. Wie das auslaufende Öl auf den Flügeln einer Seemöwe kleben diese Ängste an ihn und hindern ihn an sein Fortkommen. Bis heute lebt er mit der Überzeugung, es nicht zu verdienen, von anderen geliebt und geschätzt zu werden. Bevor Misaki in sein Leben trat fühlte er sich wertlos. Zu allem Überfluss war er auch noch viel zu schüchtern, um auf andere zuzugehen. Glücklicherweise ist Misakis Herangehensweise so subtil wie ein Vorschlaghammer, sodass Fushimi nicht einmal die Gelegenheit hatte, um seine Barrieren gegen diesen frechen Knirps aufzurichten.

Als junger Erwachsener – wie sehr ihn diese Bezeichnung doch irritierte! - war er zwischenmenschlich keinen Deut besser geworden als sein zwölfjähriges Ich. Und die Verlustängste aus seiner Kindheit waren immer noch da. Sie machten sich in jenen Nächten besonders bemerkbar, in denen er vor lauter Magenkrämpfen so lange nicht schlafen konnte, bis er eine Wärmeflasche mit heißem Wasser befüllte und sie dann gegen den Bauch presste. Nach einer Weile wurden die Schmerzen durch die Hitze gelindert und Fushimi konnte dann endlich schlafen. Nur, um am nächsten Morgen mit leichten Verbrennungen auf der Bauchdecke aufzuwachen, weil er beim Einschlafen schon wieder vergessen hatte, dieses glühend heiße Ding vorher zur Seite zu schieben.

Eines Nachts überraschte ihn sein König in der Küche, als er siedend heißes Wasser aus dem Wasserkocher in seiner Wärmeflasche umfüllen wollte. Munakata sah ihn lange schweigend an. Anschließend verließ er die Küche und zog die Küchentür hinter sich zu. Erst als Fushimi die Schritte seines Königs nicht mehr hören konnte stieß er den Atem aus, den er zu seiner Verwunderung bis dahin gehalten hatte.

Am nächsten Tag fand er vor seiner Zimmertür einen grauen Wärmeflaschenbezug. Beim Anfassen fühlte es sich besonders flauschig an und auf der rechten Seite bemerkte er eine kleine Schleife. Lange war er zu stolz, um diese Geste angemessen zu würdigen und stopfte den Bezug im hintersten Eck seines Kleiderschrankes. Eines abends verhielt er sich jedoch endlich wie der intelligente Mensch, der er tatsächlich war, und benutzte dieses unerwartete Geschenk.

Seitdem verbrannte er sich nicht mehr und konnte die heilende Wärme in vollen Zügen genießen.
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