Geschichte: Fanfiction / Anime & Manga / K / Zuhause

Zuhause

GeschichteFamilie / P12
Saruhiko Fushimi
08.04.2020
01.08.2020
14
13.134
5
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
01.08.2020 1.306
 
In einer klaren Winternacht wurde Tatara Totsuka vom namenlosen farblosen König auf dem Dach eines Hochhauses ermordet. Der grüne König Nagare Hisui hatte den Wahnsinn des geistig verwirrten farblosen König ausgenutzt und ihm eingeredet, die einzelnen Clans aufzumischen sei eine famose Idee. Dieses Ziel könne der farblose König am besten damit erreichen, indem er Totsuka unter freiem Himmel erschoss. Auf diese Weise setzte Nagare eine verheerende Kettenreaktion in Gange: ob des Todes einer seiner engsten Freunde geriet der damalige rote König Mikoto Suoh außer Kontrolle und tötete den wahnsinnigen farblosen König. Dabei zerbrach Mikotos Damoklesschwert und um ein Haar wäre es zu einem erneuten Damocles Down gekommen. Der Einschlag seines herabstürzenden Damoklesschwertes konnte nur durch den Eingriff des blauen Königs Reisi Munakata verhindert werden, indem er eigenhändig seinen besten - und wohl einzigen - Freund tötete und sich dadurch das Schwert in Luft auflöste. Dies wiederum schwächte den blauen König dermaßen, dass er selbst Gefahr lief, das nächste Opfer der Macht der Könige zu werden. Und schließlich stieg der silberne König endlich von seinem Luftschiff auf die Erde herab, um als aktiver Spieler am Geschehen teilzunehmen.
Dem grünen König war es egal, wer der Mensch namens Totsuka war. Ihn interessierten nur die Wellen, die Totsukas Tod schlagen würden. Dass sie die Ausmaße eines Tsunamis annahmen, war ihm nur Recht. Sollten die Hinterbliebenen selbst zusehen, wie sie mit den Folgen dieser Verwüstung fertig wurden.

Totsuka war der einzige rote Clansman, der Fushimi wirklich verstanden hatte. Mit kleinen Bemerkungen versuchte er den damaligen Teenager aus seinem Schneckenhaus zu locken und erntete dafür kratzbürstige, patzige Antworten. Rückblickend war ihm Fushimi allerdings sehr dankbar. Selbst als er den roten Clan verlassen und nunmehr zu den Blaujacken gehörte, behandelte ihn Totsuka nicht anders. Vielmehr hielt er ihn auf dem laufenden, wie es Misaki ging und plauderte mit ihm auf seine übliche, unbekümmerte Art.
Die Nachricht seines Todes traf ihn wie ein Schlag ins Gesicht.
Damals beäugten ihn viele Mitglieder von Scepter 4 mit großem Misstrauen und munkelten hinter vorbehaltener Hand, ob er jetzt sein wahres Gesicht zeigen und zu den Roten wieder zurückkehren würde. Folglich konnte er es sich nicht erlauben, seine Trauer offen zu zeigen. Totsukas Beerdigung wohnte er über Videokameras und Satellitenbildern bei. Die Gelegenheit, sich für die entgegengebrachte Freundlichkeit und das gezeigte Verständnis zu bedanken war für immer verloren. Dessen wurde sich Fushimi an jenem Tag schmerzlich bewusst.

Daher war es höchste Zeit, Totsukas Grab endlich persönlich zu besuchen. Nachdem Fushimi die Blumen abgelegt hatte, richtete er sich auf und legte den Kopf in den Nacken, um in den Himmel zu schauen. Er fragte sich, ob dieser unbekümmerte Tollpatsch glücklich war, nachdem ihm sein „King“ gefolgt war und sie gemeinsam über Anna wachen konnten?

Eine vertrauete, jedoch unerwartete Stimme rief nach seinem Namen und ließ ihn innerlich aufschrecken. Fushimi drehte sich um. Vor ihm stand jemand, mit dessen Erscheinen er zu dieser frühen Stunde nicht gerechnet hatte.
„Kusanagi-san“, grüße er Homras Stratege und Barkeeper. Der Ältere sah ihn verblüfft an. Fushimis sinnlos analytisches Gehirn stellte sofort fest, dass in seinen Augen der übliche wache Glanz fehlte und er Augenringe hatte. Nach der ersten Schrecksekunde zündete sich Kusanagi eine Zigarette an und musterte den Jüngeren. Sein Blick wanderte nach unten zu dem frischen Blumenstock. Derweil bemerkte Fushimi, dass Kusanagi einen Blumenkranz und Räucherstäbchen mitgebracht hatte.
„Mit dir hatte ich jetzt nicht gerechnet“, sagte Kusanagi.
„Keine Sorge, ich wollte gerade gehen“, antwortete Fushimi angebunden. Kusanagi sah ihn kurz an und schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nun hab dich nicht so. Wir hatten eben beide die Idee, einem alten Freund einen Besuch abzustatten.“ Mit diesen Worten stellte er sich neben Fushimi und schaute auf den Grabstein. Wortlos hielt er ihm ein Räucherstäbchen hin, welchen Fushimi entgegen nahm. Sie zündeten die Stäbchen mit Kusanagis Feuerzeug an und legten sie mitsamt dem Blumenkranz vor das Grab ab. Rasch verströhmten die Rächerstäbchen ihren Duft nach Sandelholz. Die Minuten verstrichen in Stille, welche nur vom Rauschen der Wellen unterbrochen wurde.

Je mehr Zeit verging, desto abwesender wurde Kusanagis Blick. So viel zum Thema, dass er die Situation verarbeitet hatte. Nicht nur, dass er damals dabei zusehen musste, wie Totsuka verblutete und an Ort und Stelle verstarb. Mikoto zerbrach an seiner Macht und kam ebenfalls ums Leben. Innerhalb kürzester Zeit verlor er seine zwei besten Freunde, ohne dass er irgend etwas dagegen tun konnte. Und das alles wegen nichts. Ohne Sinn. Mann ist das deprimierend, dachte Fushimi.
Ein Gedanke formte sich in Fushimis Kopf, der immer mehr an Form gewann und schließlich nach außen dringen wollte, bevor dieser zurückgehalten werden konnte.
„Ich für meinen Teil fand es schon immer beruhigend, dass selbst wenn alles sinnlos erscheint, der nächste Tag kommen wird und ehe man es sich versieht, ist er schon da.“ So, wo lag jetzt die Schaufel, mit der er sich in ein ganz tiefes Loch vergraben konnte? Als eine Reaktion des Älteren ausblieb, drehte sich Fushimi zu Kusanagi um. Sofort bereute er seine Entscheidung, da Kusanagi ihn mit einem breiten Grinsen ansah.
„Sieh an, Fushimi-kun menschelt. Ob demnächst ein pfeifendes Schwein auf einem Surfbrett vorbeizieht?“
„Suchst du Streit, du Möchtegern-Wirt, der mehr Ähnlichkeit mit einem Giftmischer hat als mit einem anständigen Barkeeper?“, gab Fushimi zurück. Damit hatte er ihn ganz bestimmt beeindruckt.
„Und da ist er wieder, der grantige Miesepeter“, antwortete Kusanagi belustigt. „Komm, lass uns zusammen zurückgehen, bevor deine elf Notfallmesser in der Sonne überhitzen und du dich verbrennst.“
„Zwölf, nicht elf. Warum sollte ich eine ungerade Zahl haben? Und zur Info, die Wurfmesser befinden sich in Scharniere“, grummelte der Jüngere.
„Es ist bemerkenswert, wie normal es bei dir klingt, mit so vielen versteckten Waffen unterwegs zu sein. Mogelst du dich so beim BMI-Test durch?“ Fushimi würdigte diese stupide Frage keiner Antwort uns stapfte einfach los.

Der Strandspaziergang gestaltete sich als sehr angenehm. Die beiden Männer blieben kurz stehen und diskutierten darüber, ob das, was sie am Horizont gesehen haben ein Delfin oder ein Thunfisch war und wie wahrscheinlich letzteres überhaupt sein könne.
Nach einer Weile sagte Kusanagi seufzend: „Yata-chan war wirklich ein Idiot.“ Das kam so unvermittelt, dass Fushimi sich fragte, auf was er hinaus wollte.
„Kusanagi-san, schön, dass du das Offensichtliche bestätigst, obwohl ich bezweifle, dass die Vergangenheitsform in diesem Zusammenhang bei Misaki die richtige Zeitform wäre.“
„Da hast du wohl recht“, stimmte Kusanagi zu. „Ich musste nur wieder an die Zeit zurückdenken, in welcher dich Yata immer Verräter nannte und die anderen ihm beipflichteten, dass du nie zu Homra gehört hast.“ Bei diesen Worten zog sich Fushimis Magen zusammen.
„Ich habe Homra verlassen und später sogar gegen euch gekämpft“, wies er Kusanagi hin.
Mit einer Handbewegung winkte Kusanagi ab. „Das waren doch nur Raufereien unter Freunden. Als Anna vom grünen Clan entführt wurde hattest du Yata ohne großes Aufsehen dabei geholfen, ihren Aufenthaltsort zu ermitteln. Und außerdem“, dabei sah er ihn direkt an „hast du nie unsere Geheimnisse preisgegeben. Mit dem Wissen, dass du hattest, hätte der blaue Clan uns ganz schön ins Schwitzen bringen können. Dennoch hast du es nicht getan und uns damit beschützt. Ich befürchtete schon, ich müsse unser gesamtes Informationsnetzwerk neu aufbauen. Erstaunlich, dass Yata nicht von selbst darauf gekommen ist.“
Fushimi zuckte nur mit den Schultern und antwortete: „Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon du redest.“

An der S-Bahn Haltestelle verabschiedeten sie sich. Kusanagi hatte noch gewisse Dinge zu erledigen, von denen ein ehrbares Mitglied von Scepter 4 besser nichts wissen sollte. Fushimi warnte ihn nur, dass Homra nicht schon wieder so viel Papierkram produzieren soll. Andernfalls würde er Awashima davon erzählen, dass Kusanagi ihr Rauchverbot heute missachtet hat und es ihm also doch egal sei, wenn seine Kleider und am Ende die ganze Wohnung durch sein Quarzen wie eine versiffte Hafenkneipe stinken würde. Awashimas Worte, nicht Fushimis. Dennoch zeigte die Wiedergabe der Worte des Eisdrachens stets den gewünschten Effekt.
Review schreiben