Hello Mister My Yesterday

OneshotDrama / P16 Slash
Chuya Nakahara Osamu Dazai
08.04.2020
08.04.2020
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08.04.2020 2.310
 
Inspiriert von:
Hundred Percent Free - »Hello Mr. My Yesterday«
https://youtu.be/DQxmDZDLSbs
Lyrics: https://www.jpopasia.com/hundredpercentfree/lyrics/33994/hello-mr-my-yesterday/hello-mr-my-yesterday/?cookie=close
Koreanisches Cover: https://youtu.be/290wEeuNwYQ

Kurzbeschreibung: Der Vergangenheit nach zu trauern kann einem nicht helfen die Zukunft zu bestehen. Aber Dazai hat sich noch nie viel um die Zukunft geschert. Natürlich, seit er bei den Bewaffneten Detektiven ist hatte die Ernsthaftigkeit seiner Selbstmordversuche nachgelassen, aber die Zukunft konnte ihm nicht bieten was - *wen* - er aus seiner Vergangenheit am meisten vermisste… oder? Dazai über seinen »Mister My Yesterday«

- - - - -

Er saß einmal mehr an die Rückseite eines Grabsteins gelehnt. Ein Knie stützte seinen angewinkelten Arm, das andere Bein streckte sich dem nahen Baumstamm entgegen.
Dazai hasste Schmerzen, weswegen er widerwillig seinen Kopf hob, als sein Nacken steif wurde. Er hatte seit Stunden auf das Gras vor sich geschaut.
Als sein Hinterkopf an der Kante des Grabsteins zu liegen kam, seufzte er, streckte und beugte seine Finger um die Kälte des Frühjahrs aus ihnen zu vertreiben.
„Odasaku“, sein Blick wanderte ziellos über die Äste über ihm,
„Ich werde mein Versprechen dir gegenüber nicht brechen. Ich werde auf der Seite des Lichts sein und Waisenkinder retten und all dieser…“, er seufzte,
„Es tut weh, weißt du? Alles… im Moment tut alles weh. Und du weißt ich hasse Schmerzen. Aber… es hat sich so viel verändert, trotzdem ist so vieles wieder wie damals. Ich arbeite wieder mit der Mafia, wenn auch nicht für sie… und Chuuya ist auch wieder da. Aber du… bist weg.“
Er schloss die Augen,
„Ich weiß nicht wie lange ich es noch aushalte in dieser Farce von Vergangenheit zu leben. Damals war alles einfacher, weißt du? Ich hatte dich. Ich brauchte kein Herz… und jetzt bist du weg und dieses… dieses Etwas is da.“ Er hob den Kopf und schüttelte ihn, zog die Schultern ein wenig hoch.

„Warum konnte ich es nicht mit dir schaffen?“, das Flüstern wurde von einer Windböe übertönt, als Dazai seine abgestützte Hand zur Faust ballte.
„Wenn wenigstens du… du wüsstest was ich tun könnte. Wärst du stolz darauf, was ich jetzt tue? Atsushi meinte ich sei ein guter Mensch… warum trauere ich dann einer Vergangenheit nach, in der ich mich dutzendfach mit allein dem Blut von Mafia-Feinden aufwiegen konnte?“, er machte eine Pause, ließ seine Hand von seinem Knie rutschen und schlaff zu Boden fallen.
„Ich habe es nachgerechnet, weißt du?“ Stille. Natürlich… Dazai sprach mit einem Grabstein. Einem Grabstein dem er von seinem Leben „im Licht“ erzählte. Von Kunikida und Ranpo, von Yosano - einem weiteren Opfer Mori’s - und von Atsushi und Kyouka.
Tatsächlich war Oda der Einzige gewesen, dem Dazai erzählte dass er Atsushi und Kyouka *und* Akutagawa zusammen gesehen hatte. Aber das war ein besserer Tag gewesen.

An diesem Tag… war Dazai einfach müde. Erschöpft. Eine knochentiefe Erschöpfung, Melancholie. Er wusste, dass er besser geworden war, dass „das Licht“ ihn besser machte, wenn auch nicht ausfüllte. Aber war es falsch einem unerreichbaren Zustand nachzutrauern? Etwas, was er nichtmal damals gehabt aber so so kurz vor der Reichweite seiner Fingerspitzen gehabt hatte?
„Ich bin dumm, oder? Außer mit Ranpo“, er ignorierte Mori und Dostoyevski bewusst und gewaltsam,
„bin ich die intelligenteste Person in jedem Raum den ich betrete… warum bin ich dann so dumm gewesen?“, seine Hand hob sich erneut und er fuhr sich durch die Haare.
Er schüttelte den Kopf, spürte die harte Kante des Steins,
„Sogar Ranpo hat es geschafft mit Poe zu sprechen…! Ich weiß, ich weiß, du würdest sagen das soll ich nicht vergleichen. Poe hat Ranpo auch nie als Verräter gesehen! Ich… Odasaku, warum jetzt?“

Ja, warum jetzt? Warum jetzt, Jahre nach dem Verrat? Warum jetzt, nachdem er nicht nur die Mafia verraten sondern sich so etwas wie ein Leben aufgebaut hatte, was eine Rückkehr unmöglich machte?
Er verstand Kyouka… warum hatte die Welt ihm ihr Licht zeigen müssen, nur um dann…
„Ich war damals so dumm… und jetzt bin ich dumm, weil ich egoistisch sein *will* und es nicht mehr *kann*.“ Er zog seine Knie an, näher an seine Brust, rollte sich ein,
„Ohne Gefühle war alles einfacher.“
Stille zog sich einmal mehr. Auf dem kalten Friedhof mit Blick auf‘s Wasser und einem windigen Frühling der Dazai bis auf die Knochen durchfror. Nicht, dass ihn das kümmerte. Es verschlimmerte seinen steifen Nacken, die schmerzenden Gelenke vom harten Untergrund, aber das war egal.
Seinen Kopf an seine Knie lehnend sah er zur Seite weg,
„Wo ist der Sinn nicht mehr sterben zu wollen, wenn ich trotzdem keine Hoffnung habe? Müsste ich nicht irgendwo sowas wie Glück finden?“ Er ließ einen Arm sinken um an einem Büschel Gras zu zupfen,
„Außer… du weißt schon. Ich will die Vergangenheit nicht zurück, ich will nur…“
Jetzt wo Dazai die Gefühle einordnen konnte, die er hatte, hätte er gern eine zweite Chance bei einigen Dingen gehabt.

Bei Jemandem.
„Jeder aus der Agentur hat… nicht jemanden, aber wenigstens etwas!“, er riss das Grasbüschel raus,
„Was habe ich? Eine Maske. Und dahinter… warum können Erinnerungen weh tun?“ Er schluckte, das schwere Gefühl auf seinen Schultern und die kühle Luft hatten seinen Mund staubtrocken werden lassen. Es war unfair.
Er hob den Kopf, stützte einen Ellbogen wieder auf sein Knie, während die andere Hand am Gras zerrte, sein Kopf fand seine Hand. Sich nur widerwillig selbst stützend sah er zu Boden. Seine Augen schmerzten.
„Wenn ich damals gewusst hätte, dass Gefühle der Grund sind warum ich ihn so gepiesackt habe. Ich war so, *so* sicher, es war Langeweile und die Hoffnung er könnte mich tatsächlich umbringen.“ Rascheln und Rauschen von Wind, Dazai’s Seufzen während er resigniert die Augen schloss.
„Hättest *du* mir nicht sagen können, dass ich Chuuya so gehasst habe, weil er mich menschlicher gemacht hat?“

„Hätte ich…“, das leichte Schräglegen des Kopfes war aus dem Tonfall raus zu hören,
„aber du Idiot hättest nicht zugehört.“

Dazai‘s Blut gefror in seinen Adern, seine Augen weiteten sich unwillkürlich.
Diese Stimme! …war das Letzte was er in dem Moment der Schwäche hatte hören wollen.

„Bevor du Bastard tust als sei das alles ein ausgeklügelter Plan um mich vorzuführen… Ich hab es auch nicht gemerkt, okay? Nicht… wirklich, zumindest. Erst als ich verdammt nochmal rasend vor Wut war… Nein, als ich versucht habe dich bescheuerten Bastard *zu vergessen*… habe ich gemerkt warum dein Drecks-Verschwinden mich so viel wütender gemacht hat als *alles* was du Mistkerl mir und Anderen angetan hast. Und dann… dann konnte ich reflektieren, nachdem der Schmerz weg war“, Schritte. Dazai verspannte sich mehr.
„Ich glaube, wir Idioten haben das gebraucht. Wir beide, vielleicht sogar wir alle. Diese Pause… um… klar zu werden“, Dazai spürte, mehr als dass er es sah, dass die Person neben ihm in die Hocke ging. Irgendetwas fühlte sich… falsch an, als sei Chuuya ein Anderer, nein, aber eine andere Facette von Chuuya. Es war beunruhigend, etwas, was Dazai aus dieser Vertrautheit zwischen ihnen herausriss und ihn zwang auf der Hut zu sein.
„Dazai? Du weisst, dass du ein anderer Mensch bist, richtig? Der Dazai von damals… der Mistkerl ist tot“, der kalte Ton begleitete ein schwaches Lächeln,
„Und insofern bin ich wirklich froh, dich manipulativen Bastard tot zu sehen. Du hast dich verändert… Es ist gut, dass der Dazai von damals nicht mehr da ist.“

Dazai schloss erneut die Augen, zog seine Knie noch enger an sich. Ein Seufzen,
„Also… du hast doch Gefühle. Lass mich wissen, wenn du etwas damit anzufangen weißt.“ Damit stand die Person wieder auf, blieb aber stehen. Wartete.
Momente der Stille, bevor Dazai endlich den Kopf hob und zur Seite sah. Beine in einer engen schwarzen Hose, Schuhe über die er sich erst vor Monaten lustig gemacht hatte, ein weißes Hemd, eine graue Weste und eine dunkle, halblange Jacke.
Dazai wagte es nicht, weiter hoch zu schauen.
Ein noch-nicht-wirklich genervtes Seufzen, dann streckte sich ihm eine Hand entgegen,
„Du Idiot bist doch bestimmt schon verdammt ewig hier draußen.“ Chuuya gab keinen Hinweis darauf, wie lange er zugehört hatte. Dazai hatte das verdammende Gefühl es war zu lange… auf der anderen Seite war schon der letzte Satz - die Frage die Chuuya beantwortet hatte - so viel mehr als der Mafioso jemals hätte erfahren dürfen. Wie ruhig Chuuya mit ihm sprach machte ihm Angst. Ihre ganze Bekanntschaft basierte auf Beleidigungen, Drohungen und Manipulation seinerseits. Zu ihrer beider Schutz innerhalb der Mafia… zumindest redete er sich das gerne ein. Aber dies waren unbekannte Gewässer außerhalb seiner Komfortzone.

Die Hand in seinem Blickfeld wurde ungeduldig geschüttelt,
„Mach hin, du Bastard! Du hast gesagt nicht mehr sterben zu wollen, also frier hier nicht fest, du Mistkerl!“ Dazai schluckte. So weit hatte Chuuya also mitgehört… verdammt! Ein wütendes Grollen,
„Da will ich einmal nett sein und du passives Arschloch kannst mich nichtmal angucken! Kein Wunder, dass ich dich Bastard jedes Mal schlagen will, wenn wir uns sehen!“ Ah, es hatte also damit zu tun gehabt, dass Chuuya gewusst hatte außerhalb von Dazai’s Aufmerksamkeit zu sein. Jetzt, da die Situation sich allmählich normalisierte - Dazai’s Gründe für seine Passivität außer Acht gelassen - kehrte auch Chuuya’s Temperament zurück.
Als Dazai weiterhin schwieg und sich nicht rührte, traf ein beherzter Tritt seine Schulter und ließ ihn über den Boden rutschen,
„Du machst mich aggressiv, Makrele!“ Damit packte eine behandschuhte Hand ihn am Kragen, zwang ihn, auf den Rücken zu rollen und hob seinen Oberkörper direkt danach vom Boden.

Chuuya’s blaue Augen funkelten wütend. Die ganze Situation war verquer. Nicht nur, dass Chuuya etwas mitgehört hatte, was Dazai wortwörtlich nur einem Toten anvertrauen konnte… Nein, auch Chuuya’s Verhalten, sein… Verständnis…? oder was auch immer er Dazai hier anbot.
Etwas war seltsam, ihre komplette Dynamik wie aus dem Lot geraten. Während Dazai noch immer mit leerem Blick Chuuya‘s wütenden - das einzig Vertraute hier - erwiderte, fiel der Groschen.
„Wer hat dich hier her geschickt?“, Dazai‘s Stimme bedrohlich farblos. Chuuya schnaubte und schüttelte ihn,
„Frag gefälligst wieso ich hier bin, du Verbandshaufen!“ Der Brünette hob lediglich eine Augenbraue, woraufhin Chuuya ihn in den Dreck fallen ließ und sich aufrichtete.
„Ich hab nach dir gesucht, Makrele, weil ich - wie gesagt - Dinge zwischen uns bemerkt habe und“, Dazai unterbrach ihn.
„Dinge?“, ein skeptisches Echo des Wortes.

Chuuya fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht,
„Muss ich es wirklich nochmal sagen? Ich konnte reflektieren, nachdem ich wusste, dass du doch noch lebst… es geschafft hast. Also als ich dann einen klaren Kopf hatte, nachdem der Hass weg war“, er schüttelte den Kopf, wie um seine Gedanken zu bereinigen, verschränkte die Arme,
„Du bist da wo du jetzt bist richtig. Du brauchst das Licht, ich hab’s kapiert“, er schnaubte und brach ab. Die Hände in seine Taschen stopfend sah Chuuya weg, zu Boden, weit genug weg, sodass er Dazai’s Gesicht nichtmal aus dem Augenwinkel sehen konnte.
„Da ist nichts „zwischen uns“, Petit Mafia“, Dazai setzte sich endlich auf, zumindest so weit dass er sich wieder mit den Händen im klammen Gras abstützte. Prompt trat Chuuya ihm gegen die Seite,
„Du bist der Detektiv hier! Zähl eins und eins zusammen!“

Stille kehrte zurück.
Sie schwiegen sich wieder an, Chuuya noch immer von ihm abgewandt und Dazai unsicher, ob Chuuya meinte worauf er hoffte. Denn das konnte nicht sein.
„Chuuya…“, er vermied vorsichtig zu klingen, wollte sich vergewissern und gleichzeitig nichts von seiner Hoffnung - seiner *Schwäche* - preisgeben,
„…was meinst du?“ Von Chuuya kam ein frustriertes Knurren, er schien sich grade noch zu beherrschen, um seiner Verstimmung nicht richtig Luft zu machen.
„Uns! Ich meine uns!“, endlich sah er Dazai wieder an,
„Ich habe…“, er brach mit einem frustrierten Haareraufen ab und sank schließlich in die Hocke, um Dazai auf Augenhöhe ansehen zu können.
„Okay, nochmal… Du sagst, du brauchst mich“, er brachte Dazai mit einer Geste dazu leise zu bleiben,
„Wir *beide* haben das erst gemerkt, nachdem du abgehauen bist. Was ich sagen will…“, er machte eine Pause, atmete durch,
„nicht nur du. Wir sind ein Team, verdammt!“, er schlug mit der Faust gegen den Baum neben ihnen und anschließend auf den Boden.

„Chuuya“, Dazai setzte sich endlich richtig auf, kniete und hockte sich schließlich Chuuya gegenüber. Sie beide wussten, dass jeder von ihnen diesen Moment der Ehrlichkeit gegen den Anderen verwenden konnte. Sowohl Chuuya als auch Dazai hatten soeben Angriffspunkte und Schwachstellen offenbart, die zu ihrem jeweiligen Untergang führen könnten.
Aber… das war der Punkt.
„Wir sind ein Team, Makrele, und ich will nicht, dass du in meiner Vergangenheit verschwindest. Deswegen bleibst du gefälligst am Leben!“, Chuuya boxte ihm gegen die Schulter. Dazai blinzelte, bevor er schwach lächelte,
„Dann… wärst du mein „was wäre wenn“, Chuuya?“

Der Rothaarige schloß die Augen und atmete durch, bevor er Dazai seine Hand anbot.
„Du musst echt aus der Kälte raus, dein Hirn friert zu, Bandagenhaufen.“ Sich aneinander auf die Füße ziehend, standen sie auf. Doch als Dazai seine Hand zurückziehen wollte, hielt Chuuya ihn fest. Dazai hob eine Augenbraue,
„Was haben wir beide gemerkt, Hutständer?“ Chuuya schluckte, bevor er Dazai‘s Hand in seiner drückte.
„Ich bin zwar nicht so intelligent wie du, aber ich glaube ich habe genug von deinem Monolog gehört um dich ein wenig mehr zu verstehen. Den neuen Dazai, den… guten Dazai“, Chuuya kam einen Schritt auf ihn zu. Durch seine ausgekühlte Kleidung konnte Dazai die Körperwärme seines Partners spüren, als dieser sich zu seinem Ohr streckte.

„Ich brauche dich auch.“ War, was Chuuya sagte.
„Ich glaube, ich liebe dich“ war, was sie beide meinten.

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Ich hatte diesen OneShot im September 2019 angefangen, aber musste sie noch ein wenig überarbeiten und die Charakterisierung ausbeulen…
Ich habe einiges an offenen Fanfictions rumliegen, Sachen die schon teilweise online sind, aber auch komplett neues.
Ich werde mich nicht zwingen produktiv zu sein, aber ich habe definitiv Zeit und vielleicht werde ich noch ein wenig mehr hochladen, die nächsten Tage.
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