SPN-Oster-Countdown: noch 4 Tage bis Ostern: Distraction

von Wildcat
GeschichteDrama, Horror / P18
Dean Winchester Sam Winchester
07.04.2020
07.04.2020
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07.04.2020 5.014
 




Hallo, ihr Lieben,

Vielen Dank liebe Tatu und liebe Maja für die Organisation des diesjährigen Oster-Countdowns. Ich freue mich sehr, auch dieses Mal wieder dabei sein zu dürfen. Hoffentlich ist es nicht das letzte Event dieser Art. Wenn die Serie erst einmal abgeschlossen ist, wird es ja auch häufig ruhig im Fanfiktion-Bereich.
Aber bisher weiß man ja noch nicht einmal, wann die letzten Folgen überhaupt gedreht werden können. Das ist schon eine seltsame Situation.

Es wird euch wohl allen so gehen, dass das Arbeits- und Privatleben viel mehr Kraft als sonst fordert. Umso schöner ist es, sich mit diesem Osterkalender ein bisschen ablenken zu können.

Vorab noch ein paar Worte zu meiner Geschichte.

Die liebe Tatu hat sich auch hier wieder viel Mühe gemacht, um mir zu zeigen, an welchen Stellen die Formulierungen nicht so richtig „flutschen“. Vielen lieben Dank dafür.

Ironischerweise wurde die Geschichte mitten beim Verfassen zu einer Art Erfahrungsbericht. Wer also irgendetwas unrealistisch findet, darf sich gern bei mir melden. ;-)

Die bisherigen Beiträge zu diesem Countdown haben mir super gefallen, sie waren witzig, rührend und romantisch und haben die ganze Bandbreite von Supernatural gezeigt.
Meine heute schlägt ein wenig aus der Art, fürchte ich. Sie ist weder österlich noch witzig, dafür fließt eine Menge Winchester-Blut. Ich hoffe, sie gefällt euch und ich kann dem einen oder anderen damit sogar eine Freude machen.

Das Kapitelwort ist dieses Mal „Sutures“, das medizinische Wort für „Nähte“. Und der Titel „Distraction“ bedeutet „Ablenkung.“

Es sind übrigens nicht 6 000, sondern nur 5 000 Wörter. ;-)

Nun aber viel Spaß,
eure Wildcat



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Disclaimer: Die Story ist mein geistiges Eigentum und freie Erfindung. Die Grundstory und die angegebenen Charaktere sind das Eigentum von Eric Kripke und The CW und urheberrechtlich geschützt. Ich verdiene kein Geld mit der Veröffentlichung, sie ist nur zur Unterhaltung geschrieben.

Spoiler: keine  

Warnung: Ja, hier sollte ich wohl eine aussprechen… es wird einiges an Winchester-Blut vergossen und die Darstellung dessen ist vermutlich ziemlich detailliert. Wer das nicht mag… nun, ich zwinge niemanden, sich das hier anzutun. ;-)

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Defelction


1. Kapitel

S ofort schreckte Dean aus dem Schlaf hoch. Jemand betrat gerade sein Zimmer, da war er sich sicher. Hastig packte er die Handfeuerwaffe unter dem Kopfkissen. In einer Bewegung spannte er den Hahn und richtete den Lauf auf die Tür. Über Kimme und Korn hinweg nahm er verschwommen eine vertraute Gestalt wahr, die beschwichtigend die Arme hob.

In einer Hand hielt sie ein eingeschaltetes Tablet, das sie ihm reichte. Sam stand mit aufgerissenen Augen im Türrahmen und zog den Computer wieder zurück.

Dean blinzelte. Dann ließ er die Browning sinken und entspannte seine Haltung. „Mann, schleich dich nicht so an!“ Das sollte als Entschuldigung genügen, fand er.

Sam verzog angesäuert das Gesicht. „Ich habe gesagt, dass ich einen gefunden habe.“ Erneut streckte er Dean den handlichen Computer entgegen. Steif und zögernd dieses Mal, die Augen auf die Browning gerichtet.

Peinlich berührt sicherte Dean die Waffe und steckte sie hinten in den Gürtel.

„Einen Fresskopf?“, fragte er, um zu signalisieren, dass er doch zugehört hatte. Vorhin jedenfalls, als sie in der Küche gesessen hatten. Dann nahm er das Gerät in die Hand, um zu sehen, was Sam da hatte.

„Ja, könnte einer sein.“ Sam schien besänftigt. Sei es nun, weil er Deans Interesse geweckt hatte oder weil ihm die Mühe erspart blieb, alles noch einmal zu erklären. „In Mesquite, Nevada.“

„Las Vegas wäre wohl zu viel verlangt, oder?“

*********


2. Kapitel

U m sich auf Sams Ermittlungsstand zu bringen, überflog Dean die Artikel der Lokalpresse in den geöffneten Tabs.

Dieser Fall mit dem Kochbuch hielt sie schon seit Halloween in Atem. Damals begegneten sie einer Köchin, die als Geist an ein verfluchtes Objekt gebunden war. Eine sonderbare Kombination, die bisher einzigartig zu sein schien.

Deans Gedanken schweiften ab, als er sich daran erinnerte.


Die Frau kochte zu Lebzeiten ausschließlich mit Innereien. Als ihr Chef das Lokal auf vegan umstellte, musste sie ihre Entlassung hinnehmen. Aus Wut ließ sie sich mit Mächten ein, die ein übles Spiel mit ihr spielten. Sie stellte ein Kochbuch her und verfluchte es. Der Fluch zwang sie, es zu benutzen, bis sie ironischerweise verhungerte. Damit war sie über den Tod hinaus an das Buch gebunden.

Sam und Dean gelang es, das Objekt in Besitz zu bringen. Es landete in einer Fluchkiste im Keller des Bunkers und der rachsüchtige Geist, der ja nicht davon getrennt werden konnte, gleich mit.

Daraufhin suchten die Brüder nach einem Spruch, der die tote Köchin vom Buch lösen würde, auch wenn ihr Haar und Blut in dem unzerstörbaren Objekt steckten. Eine müßige Suche für einen extrem speziellen Sachverhalt.

Für Dean dehnte sich die Recherche wie Kaugummi. Ständig blättern, lesen und beurteilen. Nichts anderes. Davon hatte er rasch die Nase voll. Es fiel ihm immer schwerer, sich zu konzentrieren. Die Texte verschwammen ihm vor den Augen und seine Gedanken schweiften ab. Irgendwann starrte er nur noch in die Bücher, ohne die Inhalte aufzunehmen. Er hoffte, Sam war da ausdauernder.

Nach Tagen fand der Jüngere in einem alten Schinken über Bannlösemagie etwas Sinnvolles. Endlich! Die Erlösung aus der Langeweile.

Der Spruch, der den Geist voraussichtlich befreien würde, kam aus der Alchemie. Ein Trank aus Monster-Innereien. Ob es sich um einen perfiden Zufall handelte oder der Bezug von Anfang bestand, beschäftigte Sam eine Weile. Dean war es egal. Genug philosophiert. Zeit zu handeln. Er schrieb die Liste der Zutaten ab.


Die stellte quasi ihren Arbeitsplan der letzten Monate dar.

Die Niere eines Vampirs, der Magen eines Werwolfes, beide Herzen eines Vetala-Duos...

All die abstoßenden Komponenten stapelten sich wie Vorräte in ihrer Tiefkühltruhe. Was bis heute fehlte, war die Leber eines Fresskopfes. Ausgerechnet. Diese Keller-Monster verwandelten sich in blutigen Matsch, sobald sie starben. Was bedeutete, dass das Organ vorher entnommen werden musste. Nicht unbedingt eine Tätigkeit, um die Dean sich riss. Zumal er Fressköpfe ohnehin mit negativen Erinnerungen verknüpfte.

Die einzige Möglichkeit, diese recht seltenen Kreaturen zu töten, war ein extrem starker Stromstoß. Als Dean damals den Taser auf das Monster abgefeuert hatte, standen sie beide in einer Pfütze. Dean überlebte, allerdings sehr knapp und eine Weile litt er üblen Folgen dieser Aktion.

Noch heute raste sein Herz, wenn er daran dachte.

Jetzt ertappte er sich dabei, dass er den Artikel auf dem Tablet gar nicht las, sondern seinen Gedanken nachhing. Er blinzelte, um sich wieder zu konzentrieren.

In Mesquite, Nevada verschwanden neun Menschen in den letzten fünf Wochen. Quer verteilt in der ganzen Stadt. Kaum ungewöhnlich. Aber diese hier tauchten kurz danach als Leichen wieder auf. Mit einer unappetitlichen Gemeinsamkeit: Sie lagen komplett zerfetzt und teilweise angefressen in den Kellern unterschiedlicher Gebäude.

Das Police-Department gab den Fall an die Ranger ab. Diese schoben die Schuld auf einen sonderbaren Wolf, der offenbar keine Scheu vor geschlossenen Räumen zeigte. Als Lösung gaben sie ihn kurzerhand zum Abschuss frei.

Dean reichte Sam den Tablet-PC zurück. „Du hast Recht, ich glaube auch nicht an einen verrückten Wolf“, meinte er. „Das ist der letzte Fall, oder? So gut es ist, beschäftigt zu sein, aber dieses Horten von Innereien macht mich irre!“

„Die Leber ist das letzte Organ“, versprach Sam. „Dann werden wir sie alle mit einem Schlag los.“

„Und der Spruch?“, fragte Dean. „Du hast doch etwas von einem Spruch gesagt, damit der Geist materiell genug wird, um die Suppe löffeln zu können.“

Sam stieß ein belustigtes Schnauben aus. „Ein alchemistischer Trank ist keine Suppe, Dean.“

„Von mir aus. Also, was ist mit dem Spruch?“

„Das ist nur eine Formel. Einer von uns liest es vor und das war es.“

„Na, dann: Nevada.“

*********



3. Kapitel

T ausende Meilen Fahrt und endlos viele Motels später kamen sie endlich in Mesquite an. Trotz der Nähe zu Las Vegas fanden sie eine Unterkunft, deren Betreiber wenig Fragen stellte.

Sie bezogen ein Zimmer, dessen Enge sogar auf Deans Gemüt drückte. An der lieblosen Funktionalität änderte auch der Deckenfluter nichts, der dezent indirektes Licht spendete. Zwei Betten, ein Regal dazwischen. Gerade genug Fußboden übrig, um etwas Gepäck darauf abzustellen.

Dean schüttelte die klaustrophobische Stimmung ab. Sie würden nicht lange bleiben. Fresskopf finden, Leber raus, mit 100.000 Volt grillen und abhauen. Die Blutpfütze müssten sie nicht einmal aufräumen.

Seufzend packte er das Ranger-Outfit aus. Bah! Wie sehr er diese Dinger hasste. Und nicht nur wegen der kurzen Ärmel. Farbe und Schnitt der Hemden waren aus dem vorletzten Jahrhundert und die Hüte siedelten sich irgendwo zwischen „haarsträubend“ und „abscheulich“ an.

Missmutig streifte er das Shirt über. Der Spiegel an der Tür bestätigte sein Gefühl: Es sah dämlich aus!

„Stimmt was nicht?“

„Warum ermittelt das FBI nicht?“ Dean hielt seinen Unmut nicht zurück. „Die Klamotten sind scheiße.“

Sam hob die Schultern. Er war zu groß, um in dem Hemd dick auszusehen. „Der Täter ist den Behörden zufolge ein abtrünniger Wolf“, meinte er und setzte den Hut auf. Offenbar war er auch zu jung, um mit der Kopfbedeckung alt auszusehen. „Bewaffnete Ranger sind also naheliegend.“

„Ja, leider.“ Dean fügte sich. Den Hut würde er in der Hand behalten und das Hemd offen tragen. Für eine Weile war das Okay. Sobald sie die Befragung hinter sich gebracht hatten, waren sie in Kellern unterwegs. Da brauchte er die Tarnung nicht mehr. Also bald. Wie viele Menschen müssten sie schon verhören?



Neun! Es es kostete ganze neun Gespräche, um die Spur des „Wolfes“ einzugrenzen. Eindeutig zu viele, fand Dean. Neun Familien, die ihn nun für einen in die Jahre gekommenen Pfadfinder hielten. Super!

Danach konnten sie fünf der Opfer ausschließen. Die, die keine Fraßspuren aufwiesen. Blieben noch vier, die auf das Konto des Fresskopfes gingen.

Den Rest des Nachmittags verbrachten Sam und Dean auf der Ranger-Station. Sie sprachen mit überforderten Wildhütern, die keine Ahnung vom Ermitteln hatten und erwartungsgemäß kaum vorankamen. Gut für die Winchesters!

Außerdem fühlte Dean sich unter diesen erwachsenen Scouts nicht mehr ganz so lächerlich. Die Angestellten wirkten in den gleichen Klamotten deutlich unvorteilhafter als er selbst. Und das lag nicht nur an deren Ähnlichkeit zu Sheriff Hopper.

„Und, was meinst du, Dean?“, fragte der Jüngere.

Dean blinzelte. Fast wäre ihm die Frage „Was?“ herausgerutscht, was er gerade noch vermeiden konnte. Er zwang seine Gedanken zurück zu der topografischen Karte, vor der sie standen.

Neun rote Fähnchen zeigten die Fundorte der Toten. Die vier Tatorte, die sie dem Fresskopf zuschrieben, bildeten beinahe eine exakte Linie.

Sam hatte eine Satellitenkarte von Mesquite auf seinem Handy geöffnet. Blaue Punkte markieren die vier Fundorte. Alles mehrstöckige Apartments. Sam tippte auf das nächste in der Reihe.

„Das muss es sein. Sieht aus, als hätten wir ihn gefunden“, antwortete Dean. „Lass uns gehen.“ Der Tag war zu weit fortgeschritten, um sich umzuziehen. Er wollte jetzt in den Keller und das Monster grillen.

*********




4. Kapitel

U nten auf der vorletzten Stufe riss etwas an Deans Beinen. Im Fallen spannte er seinen Körper. Ihm gelang ein Sturz vorwärts, fast wie in einem Lehrvideo für Kampfsport. Es ruckte in den Armen und er blieb völlig unversehrt. Ein Hoch auf die Reflexe!

Im Liegen fuhr er herum. „Sam“, brüllte er. „Unter der Treppe.“

Sein Bruder reagierte sofort. Geschickt übersprang er den Absatz und stellte sich schützend vor Dean. In den Händen hielt er eine Schrotflinte, die er geübt anlegte.

Töten würden sie das Mistvieh erst, wenn sie die Leber hatten. Die Taser trugen sie deshalb am Gürtel.

Die zerlumpte Kreatur kroch zwischen den letzten beiden Stufen hervor. Das Gesicht leuchtete weiß. Die Haut war dick und rau, wie die eines Elefanten. Aber die tief liegenden Augen und die kaum vorhandene Nase erinnerten an das Antlitz eines bleichen Schädels.

Dean spürte sein Herz rasen. Offenbar mahnte ihn sein Körper vor den traumatischen Folgen der letzten Begegnung mit einem Fresskopf.

Sam feuerte den ersten Schuss aus kurzer Entfernung.

Keine Zeit für Schmerzgedächtnis! Dean sprang auf die Füße. Als sein Bruder das zweite Mal schoss, machte er sich bereit. Hob die Waffe an die Schulter und lud durch. Eingespielt tauschten sie die Plätze. Sam bestückte seine Schrotflinte hinter ihm neu und er selbst legte auf das Monster an.

„Hör zu, Arschloch, wir können das hier rasch hinter uns bringen.“ Es war natürlich gelogen. Ging wohl kaum schnell, dem Biest die Leber rauszuschneiden. Und schon gar nicht schmerzlos.

Aber es spielte keine Rolle. Das Ding hatte ihn nicht verstanden. Und wenn, dann ließ es sich das nicht anmerken. Es setzte zum Sprung an. Dean schoss. Volltreffer ins Gesicht! Er lud gleich wieder durch.

Das Wesen zischte kurz. Etwas Blut troff durch die verfilzten Haare und als es sich den Brüdern erneut zuwandte, war von der Verletzung nichts mehr zu sehen.

Dean schluckte. Zuvor hatte er nie über die Regenerationsgeschwindigkeit von Fressköpfen nachgedacht. Jetzt allerdings verschwendete er schon einen Gedanken daran, wie sie die Leber entnehmen sollten, wenn der Schnitt bereits heilte, bevor sie ihn zu Ende geführt hatten...

Er schoss die zweite Ladung Schrot und tauschte wieder mit Sam den Platz. „Halt ihn auf“, beeilte er sich zu sagen. „Zeit für die Harpunen.“

Regeneration hin oder her, wenn Haken im Fleisch des Biestes steckten, konnten sie es damit festsetzen. Sie mussten die Geschosse nur einigermaßen geschickt platzieren und am ganzen Wesen verteilen.

Dean warf die Tasche zu Boden. Darin warteten ungefähr ein Dutzend der halblegalen Unterwasser-Angeln auf ihren Einsatz. Es handelte sich um die Condor Speargun. Die Munition definitiv illegal! Der in eine Richtung flexible Widerhaken des Speers tat schon beim Anschauen weh. Für ihre Zwecke perfekt: leicht, handlich und absolut nicht mehr aus der Wunde zu entfernen.

Er nahm eine in jede Hand. Sam hatte den ersten Schuss abgegeben. Idealer Zeitpunkt.

„Jetzt“, rief Dean. Er stand Rücken an Rücken mit Sam. Kaum hatte er den Befehl gebrüllt, ließ sich auf ein Knie hinunter. Er drehte sich herum und stemmte das andere Bein fest in den Boden. Dabei rutschte er seitlich an Sam vorbei. Aus der Hüfte feuerte der die erste Harpune ab. Der Speer durchschlug die Wade des Monsters. Es brüllte auf. Dean fixierte die Waffe sofort unter seinem Knie. Er spürte das Rucken, als das Biest daran zerrte. Wie erwartet: Es konnte die Widerhaken nicht loswerden. Tadellos!

Siegessicher schickte Dean die zweite Harpune auf den Weg. Auch diese traf. Sofort wanderte das Handteil unter sein Bein. „Ich hab ihn“, verkündete er und packte schon die nächsten beiden Waffen.

Das Biest ruckte noch einmal an den Schnüren. Es schien zu begreifen, dass Zerren nichts brachte. Dann trat eine gewisse Erkenntnis in seine Augen.

Einen Wimpernschlag später sprang das zerlumpte Wesen auf Dean los.

Dieser riss abwehrend die Arme hoch, in die es sich sofort verbiss. Ein scharfer Schmerz jagte bis in seine Schultern hinauf. Für den Bruchteil einer Sekunde erlag er dem Reflex und zuckte. Verdammter Mist! So verschaffte sich die Kreatur gleich einen weiteren Vorteil.

Es packte Dean am Hals und schmetterte ihn rücklings gegen die massive Wand.

Ein Rammbock, der ihm die Luft aus den Lungen stemmte, könnte sich kaum anders anfühlen! Nur auf das Einatmen konzentriert, verlor er sämtlichen Halt. Er krachte auf den Boden. In seinem Schädel dröhnte es mächtig, aber wenigstens konnte er atmen.

Bevor er die Orientierung wiedererlangte, donnerte eine Faust in sein Gesicht. Wieder prallte sein Kopf auf harten Beton. Ein lautes Rauschen erklang und er glaubte, irgendwo würde Wasser laufen. Als er blinzelte, sah er die schwarzen Wolken von außen in sein Blickfeld wabern und wusste, dass es nur sein eigenes Blut war, das er hörte.

Den letzten Schlag des Biestes spürte er nur noch matt. Als prügelte es gegen einen Holzklotz, der zufällig an Deans Kopf lehnte.

Dann war alles schwarz.

*********




5. Kapitel

R ichtig lange blieb die Schwärze nicht. Kaum war sie da, zerrte ein unbekanntes Gefühl sein Bewusstsein wieder empor.

Dean spürte, dass mit seinem Arm etwas nicht stimmte. Vielmehr mit beiden Armen. Da war ein Druck, der bis in die Finger reichte. Unangenehm genug, um ihn zu wecken.

Er tauchte rasch aus dem Dunkel auf, ihm blieb nicht einmal Zeit, sich zu orientieren. Der Druck sprengte die Grenze von unkomfortabel zu schmerzhaft, noch bevor er die Augen aufschlug.

Extrem schmerzhaft!

Ein ungewollter Schrei lag auf seinen Lippen.

„Dean?“

Dean hätte zu gern geantwortet. Am liebsten laut und mit gehörig Nachdruck. Doch der Drang, etwas gegen dieses Kompressionsgefühl zu unternehmen, war zu stark. Es zwang ihn zum Handeln. Mehr als alles andere. Bevor er irgendetwas um sich herum wahrnahm, griff er automatisch an seinen rechten Arm. Dort ertastete er einen Gurt. Ein Tourniquet zum Abbinden! Er suchte den Knebel. Nicht gerade ein Kinderspiel, wenn der Arm zu platzen drohte.

Sam beendete den kümmerlichen Versuch, indem er die Hand einfach wegzog. Scheinbar mit Leichtigkeit.

Dean hob den Kopf. Es war unendlich mühsam. Kostete Kraft und Konzentration. Er bemerkte, dass er auf dem Rücken lag. Sam hockte an seiner Rechten und hantierte an Deans linkem Arm herum.

„Lass das. Du wirst verbluten“, wies der Jüngere knapp an. Mühelos gelang es ihm, Dean mit den Knien zu fixieren. Dann widmete er sich weiter... was auch immer er da tat.

Hilflos ließ der Ältere den Kopf wieder sinken. So erreichte er nichts.

Denk nach!

Leicht gesagt! Seine Arme explodierten jeden Moment, an etwas anderes konnte er kaum denken!

„Sam?“, stöhnte er. Er fühlte sich müde. Die richtigen Worte wollten ihm nicht einfallen. „Sammy, was ist denn los?“ Seine Zunge lag irgendwie trocken im Mund und ließ sich so schwer bewegen. Als hätte er die Nacht zuvor durchgezecht. Aber das hatte er nicht, oder?

„Das Mistvieh hat dir beide Pulsadern aufgerissen.“

Wie? Ah, das „Mistvieh“ war der Fresskopf. Also keine Nacht durchgezecht. Ärgerlich! Wäre ihm lieber gewesen. War er noch im Keller? Vermutlich. Er erinnerte sich an den Kampf. Danach an nichts mehr.

Warum redete Sam von den Pulsadern? Die meinte Dean doch gar nicht. Die Unterarme taten ihm gar nicht weh!

„Die Arme...“, brachte er hervor. Dann merkte er, dass das wohl wenig Sinn ergab und fügte: „Sie platzen!“, hinzu.

„Sind abgebunden.“

Gurte an beiden Oberarmen? Was hieß das denn jetzt? Verletzte Pulsadern? Ah, deshalb. Sam hatte eine Arterienverletzung abgeschnürt. Oh, Himmel, seine Arme würden absterben, wenn er nicht sofort etwas unternahm!

„Abmachen!“, keuchte er und hätte es gern härter ausgesprochen. Er wollte lieber einen Druckverband! Konnte unmöglich schmerzhafter sein.

Sam reagierte nicht.

„Sam...?“, brachte er mühsam hervor. Es erschreckte ihn, wie rau sich seine Stimme inzwischen anfühlte. Er räusperte sich. „Sam, Druckverband“, beeilte er sich zu sagen.

„Arterienverletzung“, gab Sam hastig zurück. „Wie du es mir beigebracht hast. Tourniquet und dann hat man Zeit...“

„Scheiß drauf!“

„Was?“

„Mach die Dinger ab!“

„Aber...“

„MACH DIE DINGER AB!“

„Dean!“

„ABMACHEN!!!!“

Sam zögerte. Allerdings nur kurz. Mit einer Hand drückte er eine Ladung Mull gegen Deans Unterarm, mit der anderen löste er den ersten Gurt, dann den zweiten.

Dean spürte das Blut in seinen Arm laufen, auch daraus hinaus, doch er entspannte sich. Der Schmerz hörte auf. Fast augenblicklich. Wenn er wirklich eine Verletzung hatte, war diese ein Nichts im Vergleich zu dem Druck des Tourniquets.

Sam nahm ein weiteres Knäuel Stoff und presste es gegen den rechten Arm. „Ich brauche beide Hände, damit du nicht in den nächsten Minuten verblutest. So kann ich dir nicht helfen.“

Dean atmete durch. Es tat gut, so ganz ohne Schmerz! Die Bissverletzungen spürte er selbst jetzt kaum, obwohl Sam wie ein Berserker darauf drückte. Die Gurte allerdings... Himmel! Die hatten echt wehgetan. Und so zwingend! Ein Schmerz, gegen den der Körper unbedingt etwas unternehmen wollte. Um jeden Preis.

Wieso, um alles in der Welt, konnten sich die Tourniquets nur derart durchsetzen? In den Lehrvideos hieß es lediglich, es sei „uncomfortable“. Mann, das war weit, weit(!), entfernt von unangenehm.

„Dean“, schnaufte Sam. „Was jetzt?“

Das Denken kehrte in Deans Kopf zurück. Er lag auf dem Rücken. Sam kniete neben ihm. „Was ist überhaupt passiert?“ Auch seine Stimme wurde fester. Das trockene Gefühl im Mund blieb. Kam das vom Blutverlust?

„Können wir das bitte später klären?“, fauchte sein jüngerer Bruder. „Ich habe hier gerade andere Sorgen.“

Zwei aufgerissene Unterarme? Ja, Sam hatte ganz sicher andere Sorgen! Er hielt Dean nur am Leben, weil er mit Volldampf oberhalb der Wunde auf die Arterien drückte. Irgendwann würde seine Kraft nachlassen. Bis dahin musste ein Ausweg gefunden sein.

Dean stöhnte innerlich. Er wusste schon wie. Wieder mal eine Draufgänger-Lösung. Schmerzhaft, haltbar und blutig. Winchester-mäßig.

„Mullfixierung mit dem Knie rechts“, wies Dean an. „Dann hast du beide Hände frei und kannst links nähen.“

„Nähen? Du blutest aus, sobald ich loslasse!“

Er verstand Sams Bedenken. Die Blutung war ein riesiges Problem. Schlagadern krampften sich nicht zusammen, im Gegensatz zu Venen. Natürliche Blutstillung funktionierte hier über Schwellung. Der Gewebedruck minderte den Blutfluss... nach etwa vier Stunden! Bei großen Gefäßen viel zu spät.

Eine Möglichkeit war es, die verletzte Arterie direkt mit einer Naht zu schließen. Fadenschlinge darum und festziehen. Vorausgesetzt, man fand das Gefäß. Allerdings würde es nie wieder regenerieren. Bleibende Schäden. Mangelnde Durchblutung in der Hand. Absterben an den Nerven. Fehlfunktionen in den Muskeln.

Die weitaus bessere Variante stellte die 8-förmige Naht dar. Auf der einen Seite einstechen, auf der anderen wieder heraus. Das gleiche noch einmal ein Stück darunter und dann mit dem oberen Fadenende verknoten. So entstand ein Kreuz auf der Haut, zwei Schlingen im Gewebe. Eine Acht. Der Zug des Knotens schloss die Hautlappen. Bei Bedarf verstärkte man den durch weitere. Das Blut trat nicht mehr aus, sondern versackte im Innern. Die dadurch entstehende Schwellung erzeugte den gewünschten Druck. Natürliche Blutstillung sozusagen.

Voraussetzung dafür war allerdings eine relativ kleine Wunde mit zueinander passenden Hautlappen. Denn für mehr als zwei solcher Stiche blieb kaum Zeit.

„8-förmige Naht“, erklärte Dean.

„Warum keine Donati-Naht?“

In Dean zog sich alles zusammen. „Für diese verdammte Rückstich-Technik musst du die Haut bis zur Fettschicht aufbiegen und viermal einstechen, um einen Faden anzuziehen!“ Er erinnerte sich recht gut daran, wie er sie bei sich selbst auf den Rippen eingesetzt hatte. Einsetzen musste! Weil nicht mehr genug Gewebe für eine andere Möglichkeit da war. Ihm wurde speiübel. Nein, danke! Nicht noch einmal. „Weil das weniger Einstechen bedeutet!“

„Also schön!“ Sam seufzte. „Du übernimmst die Anweisungen, klar?“

*********



6. Kapitel

E s dauerte nicht lange, bis Sam das nötige Werkzeug ausgepackt hatte. Sterile Nadel, Faden bereits eingefädelt, Desinfektionsmittel. Aber Dean gab sich nicht der Illusion hin, hier im Keller wäre ein keimfreies Arbeiten möglich. Eine Nachbehandlung mit Antibiotika war unerlässlich.

„Okay, hab alles“, meinte Sam.

Dean fühlte sich schläfrig. Besser, die Augen schließen. Sam nahm ohnehin sein gesamtes Sichtfeld ein. Und einen Blick auf die Verletzung wollte er gar nicht werfen.

„Dean? Was jetzt?“

Wie... Was jetzt? Ach ja, die Naht. „Die Nadel auf einer Seite der Wunde einstechen, auf der anderen herausholen.“ Sein Mund klebte irgendwie. Es machte das Sprechen schwer.

Er spürte das typische Rucken im verwundeten Bereich seines Armes. Ja, Sam stach tief ein. Da war er nicht zimperlich. Er wusste, worauf es ankam. Schließlich hatte er das schon oft genug gemacht.

Das Durchziehen des Fadens war übel. Dean zischte den Atem durch die Zähne. Er wollte seinem kleinen Bruder auf keinen Fall das Gefühl geben, etwas falsch zu machen, deshalb unterdrückte er den Schrei.

„Ist durch. Und weiter?“ Es schien Sam ohnehin nicht zu kümmern. Der redete so neutral wie ein Buch.

Deans Zunge fühlte sich wie ein pelziges Stück Stoff an, das sich schwer kontrollieren ließ. „Uhm... noch einmal. Auf der gleichen Seite ein Stück weiter unten einstechen und auf der anderen herausholen. Der Faden liegt über der Wunde.“

Sam stach, ohne zu zögern. Die Nadel wanderte tief in die Hautschichten. Dean spürte wallende Übelkeit in seinen Eingeweiden. Zähne zusammenbeißen! Der Faden stotterte durch den zweiten Einstich. Scheiße, der war noch viel zu lang! Die erste 8er-Schlinge... immer die Schlimmste! Das Einstechen blieb ihm zwar weitestgehend erspart, aber das Durchziehen machte es nicht einfacher.

„Was jetzt?“, forderte Sam. Als er nicht gleich eine Reaktion bekam, wiederholte er es. Sehr eindringlich.

Dean wollte nicht antworten. Aus gutem Grund. Denn es folgte das Schmerzhafteste und dafür brauchte er die kurze Atempause. „Der Knoten. Du musst den Knoten so fest ziehen, wie es geht.“

Sam wusste es offenbar schon. Weil er zog, noch während Dean sprach. Es fühlte sich an, als würde er mit dem Faden die ganze verdammte Haut von der Wunde reißen! Und er zog. Und zog! Warum so lange, verfluchte Scheiße? Die Übelkeit bahnte sich ihren Weg.

„Ich muss kotzen!“

Sam gab seinen Arm ein Stück frei und half ihm, den Kopf zur Seite drehen. Dean spuckte einen Schwall Mageninhalt neben sich auf den Boden. Jetzt fühlte er sich erst recht ausgelaugt. Und durstig.

„Blutet es noch?“, fragte er in der Hoffnung, sich die nächsten zwei Stiche zu ersparen.

„Wird schon besser.“

„Heißt also: ja.“ Seine Stimme war so fahrig, als sei er sturzbetrunken. Er wollte nach etwas Wasser fragen, aber sein Magen rebellierte wieder. Daher ließ er es.

„Dean? Dean!“

„Was?“

„Ich... uhm... der zweite Stich. Wie mache ich den?“

„Vollidiot! Merk es dir!“

„Also wie?“

*********




7. Kapitel

S am hörte kaum hin, als er mit dem zweiten Stich anfing. Wozu auch? Er wusste genau, was er tat. Jeder Einstich, jeder Zug... nichts davon war ihm fremd. Bis zum Erbrechen gesehen in Lehrvideos und geprobt an Haut-Dummies... Natürlich mit Deans strengem Blick im Nacken.

Sam bedauerte lediglich den Verlust der Tourniquets. Sie hatten Luxus bedeutet: kein Blutverlust mehr und vor allem Zeit. Über eine halbe Stunde.

Auch die Bewusstlosigkeit war dadurch eher Segen als Fluch. Sie hatte Dean abgeschaltet und in einer sicheren Zwischenwelt aus warmer Schwärze geparkt.

Jetzt, da er das Bewusstsein wiedererlangt hatte, galten andere Regeln. Es hieß in erster Linie, rasch zu arbeiten. Jeder Fehler könnte einen Schock auslösen. Sei es durch zu hohen Blutverlust, zu viel Schmerz oder schlicht das zu lange hantieren an der Wunde.

Um Deans Zustand wenigstens einigermaßen im Visier zu behalten, blieb Sam nichts anderes übrig, als ihn wach zu halten. Nur so stellte er sicher, dass der Blutverlust keine lebensbedrohliche Grenze überschritt, der Schmerz erträglich war und der Körper nicht vor Angst einfach dicht machte.

Sam lief die Zeit davon.

Er schnitt den Faden ab und begutachtete die Wunde. Kein Blut. Zur Sicherheit wischte er noch einmal mit etwas Mull darüber. Die Naht blieb trocken. Geschafft! Der zweite Stich hatte ausgereicht. Er warf die Nadel fort.

Nun der andere Arm.

„Und, Dean? Schmerzen?“

„Nur, weil du auf dem Arm kniest.“

Die Stimme seines Bruders so zu hören war das Schwierigste. Egal, wie viel Routine Sam beim Nähen hatte oder wie sicher er sich war, dass alles gut gehen würde... Dieses Brechen im Klang flößte ihm Angst ein. Umso mehr noch, da Dean sonst mit einer Selbstsicherheit redete, die an Narzissmus grenzte.

„War deine Idee!“, gab Sam möglichst gelassen zurück.

Er packte die zweite Nadel aus, bevor er den Druck mit dem Knie nachließ und durch den Daumen ersetzte. Etwas oberhalb der Wunde suchte er das Gefäß und presste es dann gegen den Knochen.

„Beeil dich, mir wird kalt.“

Sam schluckte. Auf diese Angst bereitete einen niemand vor, nicht die Lehrvideos und natürlich auch nicht Dean. Insbesondere nicht Dean. Dieser ging vermutlich davon aus, keine Schmerzenslaute von sich zu geben, genügte.

Ja, er schrie nicht, das stimmte. Vielleicht waren die Schmerzen tatsächlich auszuhalten, gut möglich. Aber die Notlage sah man ihm trotzdem an. Blass, Augenringe, geschlossene Lider. Und dann noch dieses Zucken. Dieses üble, unkontrollierte Stoßen des Körpers, das in den Füßen begann und sich ausbreitete.

Schwer mit anzusehen, wenn man sich die Ursache ins Bewusstsein rief. Deans Gehirn bewertete die Verletzung als bedrohlich. So sehr, dass es sich durch andauernde Impulse versicherte, ob die Muskeln überhaupt noch vorhanden waren.

„Geht gleich weiter.“ Sam griff die kleine, gebogene Nadel mit einer Pinzette. „Also, wie ging das?“

Und nun die Kälte, die sein Bruder beschrieb. Ausgerechnet! Keine Zeit zu verlieren!

Mit der anderen Hand packte er Deans Arm so, dass er mit dem Daumen oberhalb der Wunde drücken konnte. Dann begutachtete er die Verletzung. Der Riss klaffte auch hier auf der Innenseite. Der Zahn des Monsters war auf der Seite des kleinen Fingers tief ins Fleisch eingedrungen und in der Abwehrbewegung quer über den Unterarm gerutscht. Ein Inch lang, heftig genug, um die Schlagader zu beteiligen. Die Hautränder gezackt, aber passend. Es fehlte nichts. Das Blut war für den Moment versiegt, würde jedoch wieder sprudeln, sobald Sam den Daumen wegnahm.

„Mach das allein!“ Deans Stimme klang erschreckend dünn.

Sam stach die Nadel ein und führte sie in ihrer gesamten Länge durch die Hautschichten hindurch und auf der anderen Seite des Risses wieder heraus. Wie erwartet sprudelte das Blut. Sein Herz klopfte vor Nervosität. Er musste seinen Bruder am Reden halten. Vermutlich würde er ihm keine Anleitung mehr geben. Also etwas anderes.

„Ich... ich habe die Leber.“

„Ist ja das Mindeste!“

„Zumindest, ein Stück davon.“ Hoffentlich war Dean noch interessiert genug, um nachzufragen.

„Huhm...?“

Sam setzte die Nadel weit unter dem ersten Eintritt an, in der Hoffnung, dass dann ein Stich genügte. Dean zuckte und gab sich scheinbar Mühe, jeglichen Laut zu unterdrücken.

„Das Mistvieh regenerierte zu schnell“, erklärte Sam, während er den Faden möglichst gleichmäßig durchzog. Es nützte leider nichts. Sein Bruder zischte den Atem stockend durch die Zähne.

„Aufschneiden konnte ich ihn nicht. Ich habe das Stück mit dem Messer rausgepult, bevor der Taser ihn gegrillt hat.“ Sam ertappte sich dabei, mit Deans Wortschatz zu reden. Das tat er meistens, wenn er unter Stress stand.

„Hoffentlich funktioniert die Suppe trotzdem.“

Sam verknotete die Fadenenden. „Der Trank“, verbesserte er. Dean gab einen gurgelnden Laut von sich. Sam bekam eine Gänsehaut. Seine Finger begannen zu zittern. „Es ist ein Trank.“ Ein Knoten noch! Ein Einziger! Entschlossen zog er zu.


Dean keuchte.

Sam schnitt den Faden dicht an der Wunde ab. Himmel, ein Glück war er fertig! Sein Shirt war völlig durchgeschwitzt. Er atmete erleichtert aus. „Und er wird funktionieren.“ Dann reichte er seinem Bruder eine Wasserflasche.

Dieser trank langsam und mit jedem Schluck schienen sich seine Augen ein Stück weiter zu öffnen. Das Zucken wurde schwächer. Irgendwann sah er Sam mit einem schwer zu deutenden Blick an. Einer, mit dem Dean üblicherweise mitten in seine Seele hinein schaute.

„Sam?“, sagte er träge. „Gute Arbeit.“

„Schon gut!“

„Die Ablenkung, meine ich. Wirklich gute Arbeit.“



Ende

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