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07. April: Von einem Plan, der funktioniert [by Akaya Yosa]

OneshotAbenteuer, Humor / P16 / Gen
07.04.2020
07.04.2020
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Tag der Veröffentlichung: 7. April
Zitat: "Ich kann Ihnen nichts vormachen, was Ihre Chancen angeht. Aber ... Sie haben mein Mitgefühl." - Alien
Titel der Geschichte: Von einem Plan, der funktioniert
Autor: Akaya Yosa
Hauptcharaktere: Anna und Clay (OCs)
Nebencharaktere: OCs
Pairings: /
Kommentar des Autors: /

In einem abgelegenen Haus in den Bergen
Annabelle Burns war gereizt. Sie hatte das Gejammer ihres nächsten Opfers stundenlang mehr oder weniger ohne Klage ertragen, aber auch eine eiskalte Profikillerin hatte ihre Grenzen. Kurzerhand schlug sie dem Jammerlappen den Griff ihres Messers gegen die Schläfe.
„Himmlisch, diese Stille“, befand sie und rieb sich aufseufzend mit der freien Hand über die Stirn. Ihr Partner Clayton beobachtete sie mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Musste das sein? Er könnte noch wichtige Informationen für unseren nächsten Job haben. Du weißt …“
„Ja, ja, schon klar. Aber nur, weil unsere Zielperson zufällig der Chef eines Drogenkartells ist, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht ebenso gut mit ihm fertigwerden, wie mit diesem Schreibtischesel letzten Monat. Und unser Auftraggeber bezahlt mehr als genug, um dieses Risiko einzugehen. Außerdem … so, wie unser unfreiwilliger Gast gewinselt hat, hat er uns alles gesagt, was er weiß.“
„Was erstaunlich wenig dafür ist, dass es sich bei unserem Ziel um seinen Bruder handelt. Ich wette er verschweigt uns etwas.“
„Das bildest du dir nur ein, Clay. Er hat uns nichts mehr zu sagen. Du entsorgst ihn, ich haue mich eine Runde aufs Ohr, bevor unser Flieger geht.“
„Mir gefällt das nicht.“
„Das tut es nie. Bisher hatte ich meistens Recht, was Befragungen angeht. Sollte das diesmal anders sein, machen wir den nächsten Job auf deine Art.“ Annas Ton verriet, dass sie das nicht für wahrscheinlich hielt. „Und jetzt arrangiere endlich seinen Autounfall, damit wir nicht noch mehr Ärger mit ihm haben.“
Clays Antwort bestand aus einem resignierten Seufzen und Anna verschwand in ihr Schlafzimmer.

Drei Tage später, in einer großen, protzigen Villa
„Ich wusste es!“, knurrte Clay, der Rücken an Rücken mit Anna in einem überdimensionalen Speisezimmer zwischen ein paar Tischen hockte, umzingelt von einem guten Dutzend schwer bewaffneter Männer. „Unser Plan war perfekt, aber niemand hat etwas von zusätzlichen Wachen gesagt!“
„Das hilft uns jetzt auch nicht weiter.“
Die Bodyguards öffneten den Kreis an einer Seite und ein Butler schob einen großen Flachbildschirm in den Raum. Darauf war das Gesicht von Señor Martinez zu sehen: „Anscheinend haben Sie sich ein wenig verschätzt, von zweien der erfolgreichsten Killern weltweit hätte ich mehr erwartet.“ Señor Martinez hielt inne, um ihnen die Gelegenheit zu sprechen zu geben. Anna biss die Zähne zusammen und lehnte sich vor, um abzuschätzen, ob es ihr eine Kugel wert war, den Monitor zu zerschießen. Bevor sie einen Entschluss fassen konnte, zog Clay, der ihre Bewegung gespürt hatte, sie wieder zurück.
Señor Martinez fuhr fort: „Nun, wie dem auch sei. Als fairer Sportsmann gebe ich euch eine Chance. Gelingt es euch, meinen Jungs zu entkommen lasse ich euch laufen. Aber seid gewarnt: Ich heuere nur die Besten der Besten an. Und bevor ihr auf dumme Gedanken kommt: Zwischen meinem Büro und dem Speisesaal sind weitere 20 Wachen postiert, solltet ihr unerwarteter Weise überleben, versucht also gar nicht erst zu mir zu gelangen.“ Er machte eine Kunstpause. „Ich kann Ihnen nichts vormachen, was Ihre Chancen angeht. Aber ... Sie haben mein Mitgefühl.“
Der Monitor wurde schwarz und der Butler schob ihn fort. Die Bodyguards zogen den Kreis um Anna und Clay enger und versuchten in eine gute Schussposition zu kommen.
„Auf drei“, raunte Clay. „Eins, zwei-“ Ein Schuss zerriss die Luft und einer der Bodyguards brach tot zusammen. Für einen Augenblick schien der Saal den Atem anzuhalten, dann brach die Hölle los.
„Das war zu früh!“, fuhr er Anna an, ohne Anstalten zu machen, seine Waffe zu benutzen.
„Halt die Klappe und schieß!“, brüllte sie zurück.
Dann versank der Raum endgültig im Chaos und Kugeln und Querschläger pfiffen allen um oder in die Ohren. Clay und Anna feuerten fast ununterbrochen, da ihre Waffen Spezialanfertigungen waren, die sie mit einer Hand nachladen konnten, sprich sie schossen mit der Waffe in der rechten Hand, während sie die in der linken gerade nachluden und umgekehrt. Dadurch waren ihre Gegner im Nachteil, denn sie mussten immer wieder pausieren, um ihre Waffen nachzuladen.
Nach kürzester Zeit lagen die Meisten von ihnen tot oder sterbend am Boden, die Letzten wurden unter einem herabstürzenden Kronleuchter begraben.
Keuchend ließ Anna sich neben Clay auf den Boden fallen.
„Das war knapp. Hast du etwas abbekommen?“
„Nur einen Streifschuss am Arm, schmerzhaft aber nicht weiter gefährlich.“
„Und jetzt?“
„Was meinst du?“ Clay wandte seinen Blick von seinem Arm ab und drehte sich zu Anna.
„Streichen wir die Segel und blasen zum Rückzug oder machen wir den Mistkerl kalt?“, präzisierte sie.
„Selbstverständlich letzteres. Wenn wir uns nicht um ihn kümmern, ruiniert das unseren Ruf.
Außerdem“, grinste Clay, „müssen wir ihm als faire Sportsleute die Möglichkeit einer Revanche einräumen.“
„Dann mal los.“ Schwerfällig und wenig enthusiastisch raffte Anna sich vom Boden auf, reichte ihm ihre Hand und zog ihn auf die Füße. Doch statt, wie Señor Martinez es erwartete, durch die gegenüberliegende Tür des Speisezimmers zu gehen, machte Anna sich an einer der Wände zu schaffen, während Clay ihr an einen Tisch gelehnt dabei zusah, nachdem er seine Verletzung mit einem Stück seines Pullovers verbunden hatte.
„Du könntest ruhig mithelfen.“
„Ich wurde angeschossen, ich muss mich schonen. Und außerdem wirst du die Geheimtür auch ohne mich finden.“
Anna grummelte ärgerlich in sich hinein und Clay meinte das Wort „Männer“ herauszuhören. Er wollte lieber nicht wissen mit welchen Schimpfworten sie ihn gerade bedachte.
„Gefunden!“, triumphierend druckte Anna gegen die Wand, die sich daraufhin öffnete und einen recht breiten Gang offenlegte. „Los, aber leise. Ich gehe vor, du bist schließlich verletzt.“
Clay folgte ihr seufzend, ehe die Tür sich hinter ihm automatisch schloss.
Der Weg zum Arbeitszimmer war nicht weit und Anna und Clay fanden ihn dank der Informationen von Martinez’ Bruder problemlos. Anna schob die Geheimtür einen Spalt auf und konnte so den Verbrecher sehen, der an einem übergroßen, wuchtigen Schreibtisch saß und in aller Seelenruhe ein Glas Whiskey trank.
Lautlos glitten sie in den Raum und positionierten sich rechts und links ihres Opfers. Clay beugte sich vor.
„Es ist uns eine Freude, Sie endlich persönlich kennenzulernen Señor Martinez.“
Heftig hustend fuhr der Angesprochene herum. „Ihr – ihr … das ist – das geht nicht …“
„Offensichtlich doch. Wie es scheint haben Sie uns unterschätzt, Señor.“ Annas Stimme war trügerisch sanft. „Zu Ihrem Unglück haben wir auch nicht sonderlich viel Verständnis dafür, wenn jemand uns umbringen will. Allerdings sind wir, genau wie Sie, faire Sportsleute.“
„Meine Partnerin hat ein Faible für alte Western, müssen Sie wissen. Deshalb hat sie beschlossen Ihnen in einem fairen Duell, Pistole gegen Pistole, gegenüberzutreten. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, muss ich Sie leider erschießen. Sollten Sie allerdings siegen werde ich verschwinden und Sie werden mich niemals wiedersehen. Einverstanden?“
Martinez, der sich seines Todes bereits sicher gewesen war, versuchte nicht allzu siegesgewiss zu wirken, nicht, dass die Killer es sich noch anders überlegen würden, wenn sie merken würden, dass er keinesfalls zum ersten Mal eine solche Waffe in der Hand hatte.
Keine Minute später standen sich die Kontrahenten gegenüber. Anna lehnte halb an der Wand und hatte die Pistole mit Schalldämpfer nur locker in der rechten Hand. Mit der Linken schob sie sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. Martinez ihr gegenüber umschloss den Griff seiner Waffe so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.
Clay wandte sich an Martinez: „Ich kann Ihnen nichts vormachen, was Ihre Chancen angeht. Aber ... Sie haben mein Mitgefühl.“ Mit erhobener Stimme fuhr er fort: „Auf drei. Eins, zwei, drei!“ Im selben Augenblick fiel ein einzelner Schuss. Unglauben zeichnete sich auf Martinez‘ Gesicht ab. Sein Mund öffnete sich und seine Hand fuhr zu seiner Brust. Dann brach er tot zusammen.
Anna schenkte ihm bereits keine Beachtung mehr. Ihre Waffe steckte bereits wieder in dem dafür vorgesehenen Holster am Oberschenkel.
„Schnell wie immer“, kommentierte Clay, „er hat nicht einmal seine Waffe heben können.“
Sie verdrehte die Augen. „Du weißt genau, dass es nicht nur daran lag.“ Er schmunzelte. Sie spielte auf ein kleines Zeichen an, das sie vor langer Zeit, kurz nachdem er ihre Vorliebe für Duelle und andere, auch für den Killer gefährliche, Tötungsarten erkannt hatte. Sie waren noch kein eingespieltes Team gewesen und nachdem es einmal mehr als knapp gewesen war, hatten sie vereinbart, dass Clay eine halbe Sekunde bevor er „drei“ sagt die linke Hand heben würde. Dadurch hatte Anna entscheidende Millisekunden Vorsprung und es schien, als sei sie deutlich schneller, als ihre Gegner.
„Lass uns verschwinden, bevor die Wachen vor der Tür etwas bemerken. Ich habe heute keine Lust auf eine zweite Schießerei.“
„Ich bin ganz deiner Meinung. Kannst du dich mit dem Arm abseilen?“
„Das müsste funktionieren. Wenn du zuerst gehst, kannst du mich ja auffangen.“
„Davon träumst du wohl nachts. Wenn du fällst, wird dich das nicht umbringen, wir gehen gleichzeitig!“ legte Anna fest und schlug die Scheibe ein. Beide befestigten ihre Seile an einer der Querverstrebungen, die durch die Fensterfront verliefen und sprangen hinaus, gerade als es an der Tür klopfte. Ohne sich weiter um die Seile zu kümmern, sprinteten sie über die Grünfläche auf den Zaun zu, der die Villa umgab. Clay erreichte ihn zuerst und schlitterte hart an den Boden gepresst durch das Loch, durch das sie die Villa betreten hatten. Anna folgte auf gleiche Weise. Sekunden später hatte der Wald, der an das Grundstück grenzte, sie verschlungen.
Zügig liefen sie zu ihrem Wagen, der auf einer unbenutzten Forststraße stand. Währenddessen meinte Anna: „Ich habe dir doch gesagt, dass mein Plan funktioniert. Wie immer.“
„Ja, und wir sind von Kopf bis Fuß verdreckt. Wie immer.“
„Stell dich nicht so an, das bisschen Blut und Matsch ist doch gar nichts im Vergleich zu damals in Rom, als wir in einen Abwasserkanal flüchten mussten.“
„Und das nur, weil dein Plan mal wieder funktioniert hat.“
Sie überhörte seinen Sarkasmus. „Am Ende war unser Ziel tot, niemand konnte uns etwas nachweisen und wir haben unsere Kasse deutlich aufgebessert. Diese kleinen Zwischenfälle währenddessen sind das Ergebnis definitiv wert. Damals wie heute.“
„Irgendwann wird uns deine Waghalsigkeit noch ins Grab bringen - oder in den Knast.“
„Vielleicht. Aber nicht heute und hoffentlich auch nicht bei unserem nächsten Auftrag. Ich habe schon eine Idee, wie wir diesen russischen Mafiosi in seinem Skiurlaub über die Klinge springen lassen werden. Es hat etwas mit Sprengstoff, einem Schlitten und einer Lawine zu tun.“
Clay stöhnte. Sie würde sich wohl nie ändern und er wusste nicht, ob er sie deswegen umarmen oder erschießen sollte.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Mal wieder eine echt tolle Geschichte aus der Freien Arbeit. Anna und Clay kamen wirklich gut rüber. Auch das Szenario war gut gewählt - passend zum Zitat.

Eure lula-chan
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