"Er steht nicht ernsthaft auf sie!?" (Rikes verrückte Gedanken)

OneshotAllgemein / P12
07.04.2020
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Das konnte doch wohl wirklich nicht war sein!? Meinte er das etwa ernst!? Rike konnte es immer noch nicht glauben. Sie tigerte in ihrem Zimmer auf und ab. Immer wider holte sie ihr Handy aus der Hosentasche um eine Podcastfolge über dieses Thema zu machen. Nur um dann zu bemerken, dass das ja gar nicht ging. Außer ihr und Badu wusste ja keiner davon. Und Viktor würde es ganz bestimmt auch nicht gefallen, wenn auf einmal die komplette Schule von seinem kleinen Geheimnis wüsste. Also steckte sie das Telefon jedes Mal wieder stöhnend zurück, wo sie es hergenommen hatte. Ihr Gedanken drehten sich so schnell im Kreis, dass Rike förmlich schwindelig wurde. Sie wusste ja eigentlich sehr wohl, dass sie extrem schnell denken und vor allem schnell und auch viel reden konnte, aber dieses Tempo hätte selbst sie nicht erahnen können. Ihr Gehirn kam ihr vor wie ein Raketenabschussplatz bei der Neuentdeckung eines nahegelegenen Planeten. Jede Sekunde starteten neue Raketen, bis zum Rand beladen mit Gedanken, die unbedingt ins Weltall wollten, um dort ihre volle Kraft zu entwickeln. Das braunhaarige Mädchen fasste sich verzweifelt an den Kopf, weil sie das Gefühl hatte, er würde gleich zerplatzen. Doch wieso das Ganze eigentlich? Wieso machte sie sich solche Gedanken über eine Sache, die sie nicht einmal im Entferntesten etwas anging? Rike setzte sich auf ihr Bett und begann fieberhaft nachzudenken.

Letztes Jahr war alles neu gewesen. Neues Internat, neue Lehrer, neue Mitschüler. Und natürlich neuer Stress. Aber der große Krieg zwischen Einsteinern und Sportlern hatte Rike eigentlich nie wirklich interessiert. Sie hatte es von Anfang an nicht verstanden, wieso die Anderen sich nicht einfach vertragen konnten.  Ein paar der Sportler waren wirklich nett. Mit Rosa zum Beispiel verstand sie sich sofort super. Rike wollte alles mit ihrem Laberbuch, das ihre Mutter ihr angelegt hatte, damit sie selbst nicht mehr so viel von dem Gerede ihrer Tochter mitbekam, etwas besser machen. Sie wollte ihr großes Talent, das Reden, ausnützen und damit eine Brücke zwischen den Verfeindeten bauen. Und dieses Projekt wollte sie mit Schülerportraits starten. Doch dabei stieß sie auf ziemlich viel Gegenwind. Doch so schnell gab sie bestimmt nicht auf. Sie wurde schließlich nicht umsonst Labertasche genannt. Sie klammerte sich einfach an Viktor und zwang ihn so zu einem Interview. Leider kam dabei genauso viel raus, als wenn sie eine Schildkröte befragt hätte. Viktor hatte außer Sport wirklich absolut gar nichts im Sinn. Damit war das Thema für Rike eigentlich erledigt und Viktor für sie als ziemlich langweilig abgestempelt. Doch dann passierte die Vorfälle mit Timo und er bewies, dass er doch ein richtig guter Freund war.

Im neuen Schuljahr hatten Rike und Viktor nicht sonderlich viel mit einander zu tun und ehrlichgesagt fiel ihr das auch nicht wirklich auf. Sie hatte so viel zu tun, dass sie gar keine Zeit mehr hatte, über Jungs oder ähnliches nachzudenken. Bis zu diesem einen Morgen. Ihr waren ihre Tarot Karten aus den Händen gerutscht, als sie gerade ihre Tageskarte ziehen wollte, und Viktor hatte ihr im Vorbeigehen, nett wie er war, geholfen diese aufzuheben. Die letzte Karte, die er Rike gegeben hatte, waren "Die Liebenden" gewesen. Daraufhin hatte es in ihrem Kopf mächtig angefangen zu rattern. Was hatte das bloß zu bedeuten. Nach mehreren Versuchen, im Internet brauchbare Deutungen zu finden, und einigen Gesprächen, hatte sie sich Gott sei Dank wieder beruhigt und eingesehen, dass es Viktors Karte war und nicht ihre eigene. Über diese Ansicht war sie mehr als erleichtert, denn was wäre bloß passiert, wenn es der blonde Junge und sie.... Oh Gott, nein! Das wollte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Doch dann kam bereits der nächste Schock. Durch mehr oder weniger Zufall hatte sie bemerkt, dass Viktor sich wirklich verliebt hatte. Aber in Frau Levin!!! Rike konnte es anfangs gar nicht richtig glauben! Doch die Zeichen wurden immer eindeutiger. Und sogar Bad war diese Tatsache bereits aufgefallen. Okay, das war vielleicht normal, er war ja immerhin Viktors bester Freund und die Beiden waren immer zusammen und.... Ah, sie schweifte schon wieder ab! Von da an ging alles nur noch schief. Die Karten zeigten immer wieder schlechte Sachen an und Bad schien keine großen Fortschritte im Thema "Viktor von Frau Levin fernhalten" zu machen. Der arme Verliebte. Seine Lehrerin würde seine Gefühle doch nie im Leben erwidern. Egal wie oft er auf ihre Tochter aufpassen würde.

Und mit dieser Überlegung war Rike wieder am Anfang angelangt. Warum machte sie sich darüber überhaupt so große Gedanken? Viktor war doch eindeutig alt genug, um auf sich selbst aufzupassen. Und trotzdem verspürte sie das Gefühl, ihn beschützen zu müssen. Woher das wohl kam? Ob daviellei jedoch irgendwas zwischen ihren lief? "Hey, Rike! Kommst du mit zum Abendessen? Du hast jetzt eindeutig lange genug hier allein rumgesessen", riss Rosas Stimme sie aus ihren Gedanken. Rike hatte gar nicht bemerkt, dass ihre Mitbewohnerin ins Zimmer gekommen war. Sie schwang sich aus ihrem Bett und folgte ihrer Freundin. Im Gehen warf sie noch einen kurzen Blick auf die Tarotkarten, die auf dem Tisch lagen. Dabei lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Langsam bekam sie wirklich Nagst vor ihnen. Sie drehte sich um und schloss energisch die Tür hinter sich. Jetzt erstmal Etwas essen. Das würde bestimmt helfen und ihr mehr Kraft für einen erneuten Gedankenmarathon geben.
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