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Schwarze Glut

GeschichteDrama, Angst / P16 / MaleSlash
Harry Potter
06.04.2020
11.06.2021
21
41.576
37
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Dieses Kapitel
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11.06.2021 2.127
 
21. Kapitel: Schlechte Nachrichten



Am nächsten Morgen war Severus zurück. Mit dem Tagespropheten in der Hand saß er beim, als wäre er nie weggewesen. Fast so als würde er dazugehören.
Harry war im Türrahmen erstarrt und musste sich zunächst den Schlaf aus den Augen blinzeln, bevor er sich sicher war, dass ihm in seiner Müdigkeit sein Gehirn keinen Streich spielte. Was er in seinem jetzigen Zustand für nicht ganz unmöglich hielt.
„Morgen“ erklang über die Zeitung hinweg, als Severus ihn begrüßte, um sich dann wieder dem Artikel zu widmen.
„Guten Morgen Harry, willst du Tee?“ kam von Narzissa, die sich zu ihm umgedreht hatte. Sie hob eine mit Blumen und Blattgold verzierte Teekanne noch, die vermutlich mehr gekostet hatte als alles, was er während seiner Kindheit besessen hatte. Abgesehen von seinem Tarnumhang, natürlich. Dessen Riss er immer noch nicht flicken konnte und der jetzt voll mit Gras- und Erdflecken in der hintersten Ecke seines Schranks verborgen lag. Es war immer noch ein Wunder, dass er nicht mehr beschädigt worden war. Gleiches ließ sich auch über Harry selber sagen ließ.
„Ja bitte“ antwortete er, zog sich den Stuhl neben Narzissa heran und ließ sich schräg gegenüber von Snape nieder, der immer noch die Zeitung studierte.

„Danke“ murmelte er, als Narzissa ihm eine Tasse und Untersetzer mit Schwarztee reichte. Sie lächelte, unbekümmert. So unbekümmert, wie es jemand sein konnte, dem das Leben gleich die Beine wegtreten würde. Sie wusste es also nicht. Noch nicht. Ob sie ihm verzeihen konnte, wenn sie erfuhr, wer das getan hatte? Seine Hände umschlossen die Tasse und er spürte, wie die Wärme seine Finger durchströmte. Die Narbe an der Stelle, wo einst zwei Finger gewesen waren ziepte, aber er ignorierte den Schmerz. Sie würde es nicht herausfinden. Wie auch. Niemand verdächtigte ihn, die wenigstens hielten selbst ihn für bescheuert genug, um sich Bellatrix Lestrange in den Weg zu stellen und noch weniger für mächtig genug, das auch zu überleben.
Sein Blick blieb an Severus hängen. Die Schatten unter seinen Augen waren dunkler und der angespannte Zug um seine Lippen verhieß nichts gutes.

Harry stellte den Tee ab und griff nach der Zeitung, dem Teil, den Severus fein säuberlich gefaltet auf dem Tisch gelegt hatte. Die feinen Lettern verschwammen vor seinen Augen, Mcmillian. Irgendwas über McMillian Senior, den man länger nicht gesehen hatte. Wer würde es ihm verübeln, der alte Mann, dem in seinem vierten Jahr seinen Sohn verl… was? Er schüttelte seinen Kopf, als würden er eine Fliege verscheuchen wollen. Sein Mund war trocken.
Erst jetzt merkte er, dass Severus ihn musterte. Musterte, als würde er nach irgendeinem Aussatz suchen. Harry starrte zurück, länger und senkte dann den Kopf. Den Augen konnte er nicht standhalten. Nicht mit dem Wissen, dass in ihnen schlummerte. Ich weiß, was du getan hast. Narzissa stand auf, strich ihre Kleidung glatt. Harry hörte nicht richtig zu, als sie erklärte, wo sie hin müsse sondern starrte weiter nach unten. Er würde das Schweigen nicht als Erster brechen.

„Sobald sie wiederkommt werde ich ihr erzählen müssen, dass Bellatrix bei einer fehlgeschlagenen Auftrag des Lords umgekommen ist. Hast du dazu was zu sagen?“ Severus‘ Stimme war heiser, leise, gehetzte Worte, als würde sie gleich wiederkommen.
„Schreckliche Sache. Ich wusste nicht, was das mit mir zu tun hat.“ Harry‘s Stimme klang hohl vor Abneigung und Unwahrheit.
„Doch. Du weißt, dass ich es weiß, dein vollkommener Mangel an Überraschung oder Neugier beweist es und ich hasse es, angelogen zu werden.“
„Und?“
„ Bist du dir wenigstens annähernd bewusst, wie hirnrissig es war, was du getan hast? Wenn du solche Todessehnsucht hast gibt es schonendere Methoden, jedenfalls schonender für meine Nerve.Er hatte mehr Tadel erwartet, aber da war nur Müdigkeit. So viel Müdigkeit.
„Sie ist tot. Ich nicht. Alles andere ist egal.“ Ihm war schwindelig. Er war müde. Es war, als würde er neben sich stehen. Jeder seiner Nerven flimmerte und strafte seine Wort Lügen.
„Das blühende Leben wirkt anders, Potter.“ sagte die berühmt berüchtigte Kerkerfledermaus. Harry konnte sich ein kleines, freudloses Lachen nicht verkneifen.
Witzig?“
„Sehr witzig, Professor.“ er musterte ihn, den frühzeitig gealterten Mann, der mit hängenden Schultern.
„Schön, dass einer von uns beiden seinen Spaß hat. Würde es deiner geistig umnachteten Verfassung vielleicht helfen wenn ich dich noch einmal darauf aufmerksam mache, dass mir etwas daran liegt, dass du uns nicht alle umbringst?“ Einen Augenblick lang wurde seine Stimme ein wenig lauter und Harry zuckte zusammen.
Bis ihn ein Gedanke kam.
„Trauerst du um sie?“
„Um Bellatrix?“
„Ja“
„natürlich nicht. Wenn ich gekonnte hätte, hätte ich dem Miststück den Hals persönlich umgedreht.“

Oh
Das war... eine Antwort.
Es geht um Narzissa.“, erklärte er, „Auch wenn es nicht so wirkt, die beiden…stehen sich doch irgendwo nahe. Und sie ist... Ich hasse es, schlechte Nachrichten zu überbringen. Und jetzt, verschwinde. Sie kommt bestimmt gleich wieder. Und du willst da nicht dabei sein.“
Er fragte nicht zweimal.




Die nächsten Tage wirkten, als hätte man im Manor die Lichter gedimmt. Draco mied ihn, Lucius war beschäftigt und Narzissa… sie wirkte fahrig. Keine rot geweinten Augen, keine Worte der Trauer, nur schwarze Garderobe und Schweigen. Severus war nicht mehr aufgetaucht. Nicht, dass es ihn überrascht hätte. Er weiß nicht, ob es die Dinge nicht noch schlimmer gemacht hätte. Oder besser. Severus war sicherlich keine Person, die sonderlich Trost spendete. Und doch dachte er, dass alles besser war als diese erdrückende Stille.
Seine Tage füllte er mit Lesen und nutzlos an die Decke starren, seine Abende damit, die Hütte auf dem Felsen wieder bewohnbar zu machen. Apperieren bereitete ihm immer noch Probleme, beim ersten Mal hatte er auf den schmutzigen Dielen der Absteige kurz das Bewusstsein verloren. Beim nächsten Mal blieb nur die Übelkeit. Und die blieb, genauso wie das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Und letzteres kam nicht vom Apperieren. Aber das Meeresrauschen und die Schreie der Möven waren Musik in seinen Ohren. Ein wenig Freiheit. Ein wenig Leben. Dafür nahm er es auch in Kauf, seine Gesundheit durch das magische Reisen weiter zu schikanieren. Sonst würde er noch den Verstad verlieren.

Noch jemand hatte Mühe, alles besammenzuhalten, und das was Voldemort. Todesser hatten eine Aktion gegen ein Geheimversteck der Auroren gefahren, zwei Tage nachdem er Bellatrix verloren hatte und sie hatten die ganze Aktion ziemlich versaut. Der neue Minister, der sich immer noch seines vorhandenen Lebens erfreute, lobte die hervorragende Arbeit der Auroren, die den „dilettantischen Anschlag“ gekonnt zurückgeschlagen und ein halbes dutzend Todesser gefangen genommen hatten. Draco hatte mit wenigen Worten zu erkennen gegeben, dass diese Aktion wohl völlig überstürzt gewesen sein musste, um jemals Erfolg zu haben. Jemand war auf Rache aus.
Draco. Dessen Schatten unter den Augen waren nach der letzten zwei Versammlung auch nochmal gewachsen, selbst wenn Harry das nicht für möglich gehalten hatte. Er redete nicht mit Harry darüber, was passierte. Er redete überhaupt nicht mit ihm, wenn es nicht sein musste. Und es gab keinen Grund miteinander zu reden, die meisten Tage jedenfalls nicht. Und es wäre nicht so, als hätte Harry einen anderen Grund gehabt, um mit Draco zu reden, außer den Wunsch, nicht an seiner eigenen Einsamkeit in den Steinmauern des Manors zu ersticken, dessen Decken noch so hoch sein konnte, sie würden ihn trotzdem noch zerquetschen.

So an seine Isolation gewöhnt war er überrascht, Narzissa in der Bibliothek anzutreffen, an einem Tisch vertieft, den er vorher noch nie gesehen hatte, einen rahmenlose Brille mit runden Gläsern auf, die ihm auch neu ist und über Akten vertieft. Der Anblick ließ ihn erstmal innehalten. Einene Moment später bemerkte er, dass die ganze Bbliothek in Bewegung iwar Bücher sortierten sich von selbst um und ab und an glitt eins durch die Luft, um auf Narzissas Tisch zu. Noch bevor er wieder aus der Tür verschwinden konnte hatte sie ihn schon gesehen und lächelte ihm zu.

„Hallo Harry, komm doch ruhig rein. Entschuldigung für die Unordnung, ich bin hier gerade ein wenig beschäftigt. Ich hoffe ich störe dich nicht, ich versuche auch, leise zu sein.“ Eine Antwort die ihm nur ein abwehrende Handgeste entlocken konnte.
„Alles gut. Wenn hier jemand stört, dann bin ja wohl ich das.“
„Ach Harry, du störst doch nie.“ Die belanglose Freundlichkeit in ihrer Stimme zementiert die Schuldgefühle in seinem Magen zu einem festen Klotz Beton. Sie ließ ihn auch wie einbetoniert in der Mitte der Bibliothek stehen lassen.Die Schuld, von der er dachte, er hätte ihr entfliehen können. Schuldgefühle, die eine Bellatrix Lestrange nicht verdient hatte. Und doch waren sie hier. Und ließen Worte aus ihm herausbrechen.

„Es tut mir Leid. Also das mit deiner Schwester, meine ich. Mein Beileid.“ Wieder lächelte sie und Schmerz steckte zwischen ihren Mundwinkeln.
„Danke. Ich glaube aber, du bist der letzte Mensch, der mich bedauern muss. Es kommt jetzt auch nicht wirklich überraschend. Seit dem Tag, als ihr Gesicht als mit einem Fahndungsaufruf im Tagespropheten gelandet ist, das muss einen Tag nach dem Überfall auf die Longbottoms gewesen sein, wusste ich, dass es vorbei ist. Dass sie irgendwann ähnlich enden wird. Tot oder schlimmer. Alles seitdem war nur noch geborgte Zeit.“ Ihr blick rutsche für einen Moment in die Leere hinter ihm.
„Oh, Vorsicht, duck dich“

Reflexartig zog er den Kopf ein und ein lächerlich dicker Wälzer schwebte auf sie zu. Narzissa pflückte ihn fast beiläufig aus der Luft
„Was tust du, wenn ich fragen darf?“ Immer noch stand er unschlüssig im Raum, verlagerte sein Gewicht von einen Bein zum anderen und hoffte, sie könnte seine Anspannung nicht genauso spüren wie die Bücher wohl spürten, wann sie gebraucht wurden.

„ Ich muss Dinge für die Erbschaft regeln. Bellatrix hat keinen Erben für ihren Nachlass eingesetzt, ihr Ehemann ist auch unter den Opfern und so geht alles an uns, die letzten Blacks. Ein paar von den Dingen, die wir bekommen haben konnte ich nicht einordnen, und daraufhin wollte ich ein paar Nachforschungen anstellen, ob es sich um potenziell gefährliche Gegenstände handeln könnte. Natürlich hat Gringotts extra Fluchbrecher für diese Aufgabe aber mir wäre es lieber, sie würden sich diese Sachen nicht genauer anschauen als nötig. Du verstehst?“ Er verstand.
„Wie funktioniert der Trick mit den Büchern? Ich dachte für stablose Magie muss man trotzdem, naja“ Mit seiner Hand ahmte er einen kurzen Zauberstabschlenker nach. Sie lachte.
„Ach Harry, manchmal vergesse ich, dass du bei Muggeln aufgewachsen bist. Eine Schande wirklich, das bekommt man auch nach Jahren der Schule nie mehr aus den Kindern heraus.“ Sie rümpfte kurz die Nase
„Das hier ist mein Haus und das Haus meines Sohnes und seit Generationen das Haus der Familie meines Mannes. Die Art Magie, die hier seit Jahrzehnten alles durchzieht erlaubt einem eine gewisse… Verbindung, die manche Sachen einfacher macht. Zum Beispiel umdekorierien.“ Er nickte zaghaft.
„Ich verstehe, also so eine Art, Familienmagie, oder?“ Narzissa nickte.
„Bestimmt gibt es dazu in der Bibliothek noch mehr, wenn es dich interessiert. Soll ich dir die Werke zeigen?“
„Danke für das Angebot, aber ich muss dann jetzt eh wieder gehen. Ich wollte noch was essen.“
Das bekommt man nie mehr aus dir raus.
Er verließ Bibliothek, völlig vergessen, was er dort anfangs gewollt hatte.

Das leichte Säuseln einer Tür riss ihn aus seinem unruhigen Schlaf. Seine Finger krallten sich um das Holz, das neben ihn lag, er schoss nach oben..
Und ließ die Hand sinken, als er die Silhouette erkannte.
„Verdammt, kannst du nicht wenigstens klopfen, bevor du reinkommst oder hast du wirklich den dringenden Wunsch, dass ich dir einen Fluch auf den Hals hetze?“ Draco antwortete nicht. Er ließ die Tür zufallen und ohne den Schein aus dem Gang, der ihn gerade noch schwach erleuchtet hatte, verschluckte die Dunkelheit sie beide komplett.
Harrys Herz raste immer noch, als er versuchte, sich von dem Schock zu erholen.
„Was willst du hier?“ Er bemühte sich, freundlicher zu klingen als die Uhrzeit es erfordete. Doch da kam nichts. Nur ein paar Schritte nackter Füße auf dem Boden, dann ein Gewicht auf der Matratze. Draco hatte sich am Fußende niedergelassen, Harry konnte ihn atmen hören.
„Hast du kein eigenes Bett mehr, Draco?“ flüsterte er in die Stille, in der Hoffnung, die Stille und seine eigene Unsicherheit zu überdecken aber nein, immer noch nichts. Und das beunruhigte ihn noch mehr. Heute war doch eins der Treffen gewesen? Was wenn...
„Draco, was ist passiert?“ Ein heiseres Lachen kam von der anderen Seite, verdächtigt nah an einem Schluchzen.
„Ich werde mich nie daran gewöhnen, dass du mich so nennst.“ Er wollte schon zurückblaffen, wie er ihn den sonst bitte nennen sollte, aber er verbiss sich den Kommentar. Wieder Schweigen. Viel zu viel Schweigen.

„Warum bist du hier? Rede mit mir.“ stellte Harry die Frage, wohl wissend, wie wenig er die Antwort wissen wollte.
„Die Sache ist einfach. Der dunkle Lord hat mir aufgetragen Dumbledore zu töten. Ich habe dafür ein Jahr Zeit oder ich sterbe. Ich brauche deine Hilfe.“
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