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When the night is darkest 1 – Verletzt

von Tilajasar
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Het
Caboose Greaseball OC (Own Character) Pearl Rusty
06.04.2020
26.04.2020
23
26.530
1
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Dieses Kapitel
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26.04.2020 1.288
 
Als Rusty wieder erwachte fühlte er sich desorientiert und sehr müde. Es war so dunkel, dass er kaum Details seiner Umgebung wahrnehmen konnte. Träumte er? Er bewegte sich ein wenig und merkte, dass irgendetwas Schweres auf seiner Brust und seinem Arm lag. Vorsichtig hob er seinen anderen Arm und berührte es.

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Pearl schreckte hoch. Sie setzte sich langsam auf, während sie sich Vorwürfe machte, dass sie nun doch eingeschlafen war. Dann erst merkte sie, dass es Rusty gewesen war, der sie geweckt hatte. Seine Augen standen offen aber er starrte sie an als wäre sie eine Zauberfee. Mit jeder verstreichenden Sekunde, die er kein Anzeichen von Erkennen zeigte, schwanden ihre Hoffnungen. Nein, das durfte nicht sein!
„Wie fühlst du dich?” Sie zwang sich freundlich zu lächeln. Er erwiderte das Lächeln nicht aber sie konnte sehen, dass er versuchte ihre Gegenwart einzuordnen.
„Müde…”, sagte er schließlich mit rauer Stimme. „Wo bin ich? Wer…“
„Schlaf noch ein bisschen”, unterbrach sie ihn leise aber entschieden. Sie wollte nicht hören, dass er sie wirklich nicht mehr erkannte. Als sie sah, dass er sie etwas erschrocken anschaute, fügte sie beschwichtigend hinzu: „Es ist alles gut. Wenn du wieder aufwachst, wirst du dich an alles erinnern.“
Er lächelte sie schwach an, als ob er ihren Worten keinen Glauben schenkte und schloss dann die Augen. Pearl spürte, wie ihr das Herz brach. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Als sie sicher war, dass er wieder schlief, stand sie leise auf und eilte aus dem Raum.

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Sie sah, dass in Liz‘ Arbeitszimmer noch Licht brannte. Als sie hereinrollte, schaute der Reparaturwagen überrascht auf.
„Er war gerade ein paar Minuten wach“, schluchzte Pearl. „Aber er hat mich nicht erkannt.“
Liz zögerte nur kurz, dann rollte sie zu Pearl herüber und nahm sie in den Arm. „Das muss nichts zu bedeuten haben“, versicherte sie ihr. „Gib ihm Zeit.“
„Aber…”, Pearls Worte waren durch ihr Schluchzen kaum zu verstehen. „Was, wenn er sich wirklich nicht mehr erinnert?”
Liz schob sie um Armeslänge von sich fort und sah sie ernst an. „Pearl, hör mir zu!“ Sie wartete bis ihr Schluchzen ein wenig nachließ. „Ich hatte dir gesagt, dass das passieren kann. Aber es gab keine andere Möglichkeit sein Leben zu retten. Ich habe mein Bestes getan, aber der Schaden war nun mal größer als ich gedacht hatte. Ich will nichts Schönreden. Es kann sein, dass er mehr als nur zeitnahe Erinnerungen verloren hat. Aber es kann auch sein, dass dieser Effekt nicht von Dauer ist. Das wird die Zeit zeigen. Gib die Hoffnung noch nicht auf. Wenn er mit dir zusammen ist, wird er sich bestimmt wieder erinnern.“
Pearl wischte sich die Tränen aus den Augen und nickte langsam. „Ich hoffe es.“
„Geh jetzt schlafen! Morgen wird alles besser aussehen.” Liz führte sie aus dem Raum und sah ihr nach, wie sie am Ende des Ganges verschwand.
Sie holte tief Luft. Obwohl sie gewusst hatte, dass das passieren würde, war sie nun doch sehr traurig. Aber sie war sich auch sicher, dass die beiden es gemeinsam schaffen würden. Das Leben würde weitergehen.

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Am Morgen schreckte Rusty aus einem Traum auf. Er sah sich um und spürte einen Anflug von Panik, als er nicht erkannte, wo er sich befand. Er versuchte sich zu erinnern, was geschehen war, aber in seinem Kopf schwirrten nur kurze traumartige Sequenzen herum, die er nicht zuordnen konnte. Wurde er verrückt? Als er sich aufsetzte, sah er eine vertraute Gestalt an der Wand lehnen. Sie beobachtete ihn und wirkte dabei sehr angespannt.
„Pearl!“, rief Rusty voller Freude. Es fühlte sich so an, als habe er sie eine Ewigkeit nicht gesehen.
Sie stieß ein erleichtertes, lachendes Geräusch aus, sank zu Boden und begann zu weinen.
Rusty konnte diese Reaktion nicht verstehen. Schnell stand er auf und rollte zu ihr. „Was ist los?“, fragte er besorgt, kniete sich vor sie und nahm ihre Hände in die seinen. „Hab ich was Falsches gesagt?“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin nur so glücklich.”
Er stand langsam auf und zog sie mit sich. Es gab so viele Dinge, die er sie fragen wollte, aber als er in ihren wunderschönen Augen versank, fiel ihm nur Eines ein. „Ich liebe dich.“
Sie schlang ihre Arme um ihn, berührte sanft seinen Nacken und zog ihn näher zu sich heran. Er küsste sie, zuerst zaghaft, dann mit Leidenschaft. Als sich ihre Lippen trennten, umarmte er sie. Nie mehr wollte er sie loslassen.

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Eine halbe Stunde später rollten sie Hand in Hand aus der Reparaturhalle hinaus. Pearl hatte zwar ihre Zweifel geäußert, aber Rusty bestand darauf sie nach Hause zu ziehen. Liz hatte sich wie besprochen von ihm fern gehalten und er hatte nicht nach ihr gefragt. Pearl konnte nicht anders als froh darüber zu sein.

Kaum hatten sie die Reparaturhalle verlassen, kam Rusty zum Stehen.
„Was ist los?”, fragte Pearl besorgt.
Er sah sie überrascht an. „Nichts. Ich habe mich nur gerade an einen Traum erinnert.“
Pearl schwieg. Nachdem klar geworden war, dass er sich nicht erinnerte, warum er in Naiva war, hatte sie ihm in Absprache mit Liz erzählt, er habe einen schweren Unfall gehabt und daraufhin einige Tage in der Reparaturhalle zugebracht. Sie hoffte doch nicht, dass er sich schon wieder erinnerte, was wirklich geschehen war.
„Wobei, es war wohl eher ein Albtraum”, fuhr Rusty fort. „Greaseball hat auf dich eingeschlagen, ich wollte dir helfen, aber er hat mich nur ausgelacht und gesagt, es wäre alles meine Schuld…“
„Das war nur ein Traum”, sagte sie sanft.
Er nickte gedankenverloren. Es schien als versuche er sich an mehr Details zu erinnern. Das gefiel Pearl nicht. Sie wollte, dass er im Hier und Jetzt mit ihr blieb, also versuchte sie ihn abzulenken. „Bist du sicher, dass du fahren willst? Du kannst dich auch noch ein bisschen ausruhen.“
„Auf keinen Fall!” Er schüttelte heftig den Kopf. „Ich habe hier schon lange genug gelegen. Das reicht.“ Er grinste sie an. „Mir geht’s gut und ich will wieder nach Hause.“
„Gut, aber fahr nicht zu schnell und wir sollten auf jeden Fall eine Pause machen”, forderte Pearl aber Rusty schien ihr gar nicht zuzuhören.
„Bereit mit dem Champion zu fahren?”, fragte er fröhlich.
„Ja.” Sie lächelte und kuppelte sich an. Als er langsam anfuhr, drehte er sich zur Reparaturhalle um, als ob ihm gerade eingefallen war, dass er etwas vergessen hatte. Pearl folgte seinem Blick und sah Liz im Eingang stehen. Sie stand einfach da und schaute ihnen nach. Pearl nickte ihr dankbar zu und sie erwiderte die Geste.

Rusty merkte davon nichts, denn sein Blick war schon wieder nach vorn gerichtet. Es wunderte ihn, dass er einen Anflug von Traurigkeit verspürte, aber er ging dem Gedanken nicht weiter nach und konzentrierte sich darauf Geschwindigkeit aufzunehmen. Bald schon würde er mit Pearl wieder zu Hause sein und alles wäre genauso, wie es sein sollte.

*** Ende (des ersten Teils) ***


Hey, wer bis hierher gelesen hat, Respekt! War ja doch ganz schön harter Tobak (natürlich nicht für mich, ich mag ja solche Inhalte). ^_^

Meine Ursprungsidee war eigentlich gewesen Rusty und Liz zusammenzubringen. Das erwies sich jedoch während des Schreibens dann als unmöglich. Dafür war er einfach zu stark an Pearl gebunden. Aber mit dem Ende kann ich auch leben. Zumindest konnte ich das für die kurze Zeit, in der ich nicht weitergeschrieben hatte.

Teil 2 habe ich ja damals als einzigen nicht gelöscht, weil der vergleichsweise harmlos war. Wer also noch nicht genug von Rustys Leid hat und über 16 ist (!), der kann gern weiterlesen.

Da ich inzwischen auch die letzten beiden Teile überarbeitet habe, stelle ich die der Vollständigkeit halber vermutlich auch demnächst wieder ein.

Ich danke euch fürs Lesen und Ann, Nele und Lexi allerherzlichsten Dank für die vielen Reviews!

Liebe Grüße
Tilajasar ^_^
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