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When the night is darkest 1 – Verletzt

von Tilajasar
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Het
Caboose Greaseball OC (Own Character) Pearl Rusty
06.04.2020
26.04.2020
23
26.530
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24.04.2020 935
 
Er musste eine ganze Weile geschlafen haben, denn als er wieder erwachte, lag er nicht mehr unter freiem Himmel. Er war an genau demselben Ort, an dem er schon die letzten Tage verbracht hatte. Mit dem Gedanken breitete sich ein unangenehmes Gefühl in ihm aus. Aber als er Liz an seiner Seite stehen sah, musste er lächeln. Sie erwiderte sein Lächeln, wobei sie auch ein wenig besorgt aussah. Pearl konnte er nirgendwo entdecken.

„Ich hätte nicht gedacht dich so bald wiederzusehen“, sagte Liz. „Wie fühlst du dich?”
Er zuckte mit den Schultern. Sein Herz hämmerte wie wild und es kam ihm so vor, als stände er neben sich. Aber das lag sicher an Liz‘ Gegenwart. Tatsächlich fühlte er sich recht wohl, auch wenn es ihm nicht gefiel, wie sein Körper auf Liz reagierte. „Mir geht’s gut.”
Liz nickte. „Setz dich mal auf.”
Rusty verstand nicht ganz, warum er das tun sollte. Er verspürte nicht das Verlangen sich zu bewegen. Aber wenn es Liz gern so wollte. Langsam setzte er sich auf und fühlte sich sofort so schwindelig, dass er sich wieder hinlegen musste. Alles um ihn herum drehte sich.

„Du hast einen Schlag auf den Kopf bekommen, stimmt’s?”
„Ja.” Er berührte vorsichtig die Seite seines Kopfes, wo Greaseball ihn getroffen hatte. Die Erinnerung an den Schmerz ließ ihn kurz die Augen schließen. Er hörte, wie Liz tief Luft holte. Als er die Augen wieder öffnete, sah er, dass sie dicht über ihm stand. Einen Moment wirkte sie überrascht aber dann lächelte sie. Zu seinem eigenen Missfallen spürte er den starken Drang sie zu berühren. Es kostete ihn viel Selbstkontrolle dem zu widerstehen.
„Rusty …”, begann sie leise. „… es tut mir leid.“
In diesem Moment kam Pearl herein. Als sie Liz so dicht bei ihm sah, stoppte sie. Liz richtete sich schnell auf und drehte sich herum.
„Pearl!”, grüßte Rusty ein wenig verlegen. Zu seiner großen Freude lächelte sie. Aber als sie näher kam, sah er, dass ihre Augen rot waren. Sie musste geweint haben.
„Pearl, es tut mir leid”, entschuldigte er sich, obwohl er gar nicht richtig wusste, wofür, aber er hatte das Gefühl es tun zu müssen.

Sie hielt auf der anderen Seite seines Bettes. „Ist schon ok”, sagte sie leise und berührte zärtlich seine Wange. Ohne darüber nachzudenken, lehnte er sich gegen ihre Hand. Es tat so gut sie zu spüren. Pearl lächelte schwach und eine Träne rann ihre Wange hinab. Sie schien nicht so glücklich zu sein wie er.
„Rusty, ich…“, sie verstummte. Er sah sie fragend an, doch zu seiner Verwunderung schaute sie um Unterstützung suchend zu Liz. Als er ihrem Blick folgte, sah er, dass auch sie betrübt schien. Was ging hier vor?
„Rusty, ich habe dich untersucht”, ergriff Liz nun das Wort. „Es gibt keine Brüche in deinem Rahmen.“
Er war erleichtert, wobei er auch nicht wirklich ein anderes Ergebnis erwartet hatte.
„Aber… es gibt leider doch einen schwerwiegenden Schaden. Durch den Schlag auf den Kopf wurde…“
Die restlichen Sätze rauschten an ihm vorbei. Er hörte sie zwar und konnte ihre Bedeutung erahnen, aber das konnte alles nichts mit ihm zu tun haben. Als Liz mit den Worten schloss, dass ihr das wirklich leid tue, aber kein Weg dran vorbeiführe, konnte Rusty sie nur verständnislos anstarren.

Hatte sie eben wirklich von einer notwendigen Operation gesprochen? Das verstand er nicht. „Aber mir geht’s gut. Mir ist doch nur ein bisschen schwindelig. Das geht wieder weg.“
Liz schüttelte traurig den Kopf. „Ich fürchte der Schaden ist schwerwiegender, als du dir vorstellen kannst.“
Er sah hilfesuchend zu Pearl. Sie erwiderte seinen Blick aus tränengefüllten Augen und nickte langsam.
„Die Ursache für das Schwindelgefühl ist ein Schaden da oben.“ Sie deutete auf seinen Kopf. „Der repariert sich nicht von allein. Es wird dir nicht besser gehen. Im Gegenteil. Es wird schlimmer werden mit der Zeit. Jetzt kannst du dich nicht aufrichten, bald wird dein Bewusstsein beeinflusst werden. Wenn ich nichts tue, kann ich dich irgendwann nicht mehr zurückholen.“
Rusty schluckte und starrte an die Decke. Erzählte sie ihm da gerade, dass er sterben musste? Nur weil Greaseball ihn am Kopf getroffen hatte? Das konnte doch nicht sein.

Pearl nahm seine Hand. „Liz wird dir helfen. Sie sagt es gibt kein Risiko. Du musst nur…”, sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, „…der Operation zustimmen.”
„Ich habe ja keine andere Wahl, oder?”, sagte er leise und sah Liz an.
„Da ist noch etwas anderes.” Sie atmete tief ein. „Den Schaden zu reparieren dürfte kein Problem sein und dir wird es danach gut gehen. Aber es könnte sein, dass du ein paar zeitnahe Erinnerungen verlierst.“ Rusty sah, wie sie einen vielsagenden Blick mit Pearl tauschte, der ihm das Gefühl vermittelte, dass sie etwas verschwieg. Aber er wurde abgelenkt, als ihm die Bedeutung ihrer Worte klar wurde.
„Was meinst du mit zeitnah? Tage, Monate?“ Der Gedanke Erinnerungen zu verlieren fühlte sich extrem beängstigend an.
Liz seufzte. „Das hängt davon ab, wie schwer der Schaden ist. Das kann ich erst sagen, wenn ich ihn sehe. Wenn es nicht so schlimm ist, dann wird dein Gedächtnis intakt bleiben.“ Sie schwieg einen Moment, bevor sie weitersprach. „Ist der Schaden schwerwiegender, verlierst du vielleicht ein paar Tage, vielleicht Wochen. Das ist schwer zu sagen.“

Rusty sah sie gedankenverloren an. Bedeutete ein paar Tage zu verlieren, dass er sich nicht mehr an die Grausamkeiten, die Greaseball ihm angetan hatte, erinnern würde? Dafür wäre er sogar dankbar. Aber würde er dann auch seine Gefühle für Liz vergessen?
„Ich kann anfangen, sobald du bereit bist. Gib mir einfach Bescheid.“ Liz lächelte ihn noch einmal aufmunternd an und rollte davon.
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