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When the night is darkest 1 – Verletzt

von Tilajasar
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Het
Caboose Greaseball OC (Own Character) Pearl Rusty
06.04.2020
26.04.2020
23
26.530
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23.04.2020 896
 
Nachdem Rusty mit genug Wasser und Kohle für die Fahrt ausgestattet worden war, machten sie sich auf den Weg nach Naiva. Pearl kannte Rusty gut genug, um zu wissen, dass er nicht an Greaseball ankuppeln würde, also forderte sie Caboose auf als Zweiter zu fahren. Das war zwar unüblich, aber so konnte sie Rusty während der Fahrt beobachten. Jedoch wich ihre anfängliche Sorge mit jedem Meter, den sie zurücklegten. Rusty bewegte sich gleichmäßig und konnte das Tempo gut halten.

Sie hatten schon beinahe die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als er sich plötzlich von Caboose abkuppelte und bremste.
„Hey, was machst du denn?”, rief Greaseball und bremste ebenfalls.
Rusty und Pearl kamen zum Stehen. Als Pearl sich von ihm löste und vor ihn rollte, sah sie, dass er auf die Gleise starrte.
„Rusty, alles in Ordnung?”, fragte sie besorgt.
„Ich weiß nicht”, seine Stimme klang unsicher.
„Was ist mit ihm?”, rief Greaseball, während er langsam zurücksetzte.
Pearl warf ihm einen bösen Blick zu. Als sie Rusty wieder ansah, bekam sie einen Schreck. Er hatte die Augen jetzt auf sie gerichtet aber es schien, als starrte er durch sie hindurch.
„Rusty?” Pearl berührte besorgt seinen Arm aber er starrte weiterhin durch sie hindurch und machte eine langsame Bewegung, als würde er versuchen ihre Hand abzuschütteln.
„Das ist seltsam”, kommentierte Caboose mit leiser Stimme.
„Rusty!”, schrie Pearl verzweifelt.
Da blinzelte Rusty ein paar Mal. Seine Augen fokussierten zuerst Pearl, dann schaute er irritiert umher. Aber er sagte nichts.
„Erkennst du mich?”, fragte Pearl besorgt. Rusty lächelte sie an, als habe sie gerade eine sehr dumme Frage gestellt. „Natürlich erkenne ich dich.“

-

Tatsächlich war Rusty gar nicht nach Lächeln zu Mute. Er war zutiefst beunruhigt und wusste nicht warum. Er hatte sich voll funktionstüchtig gefühlt nachdem er die Auffüllstation verlassen hatte. Mit Greaseballs Tempo Schritt zu halten war kein Problem gewesen. Zumindest für den größten Teil der Strecke. Irgendwann hatte seine Kraft nachgelassen. Die Kopfschmerzen waren schlimmer geworden. Aber er war sich sicher gewesen, dass er auch die restliche Strecke schaffen konnte. Er hatte nicht um eine Pause bitten und Pearl beunruhigen wollen. Also warum standen jetzt alle um ihn herum?

„Es scheint ihm wieder gut zu gehen“, konstatierte Greaseball. „Also fahren wir weiter?“
Pearl tauschte einen besorgten Blick mit Caboose. Er zeigte durch Schulterzucken, dass er Rustys Verhalten ebenso wenig einordnen konnte wie sie und kuppelte dann wortlos an den wartenden Diesel an. Auch Rusty begab sich in Position und als Pearl seine Kupplungsringe ergriffen hatte, fuhr Greaseball langsam los.

Die nächsten Minuten fuhren sie gleichmäßig dahin und Pearl entspannte sich ein wenig. Es sah nicht so aus, als ob Rusty irgendwelche Probleme mit dem Tempo hatte. Aber plötzlich stolperte er. Hätte er sich nicht an Caboose festgehalten, wäre er von den Schienen abgekommen. So aber fand er sein Gleichgewicht schnell wieder.
„Alles ok da hinten?“, rief Greaseball von vorn.
„Ja!”, antwortete Rusty.
Caboose drehte sich soweit es ging in seine Richtung. „Brauchst du eine Pause?”
„Nein. Ich bin nur gestolpert”, versicherte Rusty schnell.
Pearl wollte ihm gern glauben. Aber schon kurz darauf stolperte er wieder und als es das dritte Mal geschah, ließ er Caboose los und entgleiste. Pearl hatte sich instinktiv abgekuppelt, so dass sie nicht mitgerissen wurde. Aber sie sah mit Entsetzen, dass Rusty sich mehrmals seitlich überschlug, bevor er regungslos liegen blieb.
Schnell eilte sie zu ihm. „Rusty, alles ok?”
Seine Augen waren geschlossen und er rührte sich nicht. Pearl ging neben ihm auf die Knie und schüttelte ihn leicht. „Rusty!“
„Er hat offenbar das Bewusstsein verloren”, hörte sie Cabooses Stimme neben sich.
„Rusty!”, Pearl schüttelte ihn kräftiger aber er reagierte nicht.

„Ist er verletzt?”, rief Greaseball, noch immer auf den Gleisen stehend, zu ihnen hinüber. Pearl versah ihn mit einem hasserfüllten Blick. Es war nur seine Schuld, dass es Rusty so schlecht ging.
„Er sollte wirklich mal durchgecheckt werden”, meinte Caboose.
Pearl nickte. „Wir müssen ihn so schnell wie möglich nach Naiva bringen.”
Caboose schüttelte langsam den Kopf. „Ich denke nicht, dass wir das schaffen, solange er nicht zumindest auf den Gleisen stehen kann. Aber in ungefähr einer Stunde müsste hier ein leerer Frachtzug vorbeikommen, vielleicht kann der ihn mitnehmen.“
„In einer Stunde?”, wiederholte Pearl entsetzt. „Das ist zu spät. Wir müssen jetzt etwas tun!“
Caboose dachte einen Moment nach. „Du könntest natürlich Greaseball bitten nach Naiva zu fahren und einen Transportzug zu holen. Der wäre dann in einer halben Stunde hier.“

Pearl drehte sich zu Greaseball um. Er wartete noch immer auf den Gleisen. Sie mochte es gar nicht, Rustys Schicksal in seine Hände zu legen, aber es war die beste Chance, die sie hatten. Sie wandte sich wieder Rusty zu. Es sah aus, als würde er nur schlafen. Zärtlich strich sie über seine Wange, hoffend, dass er dadurch aufwachen würde, aber er tat es nicht.
„Ich muss mit Greaseball fahren, pass auf ihn auf“, sagte sie zu Caboose. Sie hätte erwartet, dass er ihr widersprach, aber er nickte nur. So stand sie auf und fuhr zu Greaseball.
„Wir müssen Hilfe aus Naiva holen, du und ich.”
„Du willst nicht bei ihm bleiben?”
Pearl konnte ihn nur anstarren. Kam es ihm wirklich nicht in den Sinn, dass sie ihm nicht vertraute? Aber sie war zu besorgt um Rusty, um jetzt eine Diskussion zu beginnen. „Fahr so schnell du kannst!“
„Mit Vergnügen.” Greaseball wartete noch bis Pearl bereit war, dann raste er los.
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