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When the night is darkest 1 – Verletzt

von Tilajasar
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Het
Caboose Greaseball OC (Own Character) Pearl Rusty
06.04.2020
26.04.2020
23
26.530
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17.04.2020 998
 
„Er ist weg“, sagte Liz und ging neben Rusty in die Hocke. „Rusty, er ist weg.“
Rusty bewegte sich nicht. Er lag noch immer zusammengekrümmt auf der Seite, die Augen fest zugekniffen. Liz sah, dass er zitterte. Als sie seine Schulter berührte, zuckte er zusammen.
„Rusty, mach die Augen auf. Er ist weg.“ Aber Rusty rührte sich nicht. „Komm, lass mich dich durchchecken.”
Jetzt öffnete er wenigstens die Augen. „Mir geht’s gut“, hörte sie ihn murmeln. Aber er machte keine Anstalten aufzustehen. Also setzte sie sich einfach neben ihn. Dabei fiel ihr Blick auf die Einfahrt von Victoria, die nun nicht mehr so weit entfernt war.
„Er war es gewesen, stimmt’s?”
Rustys Schweigen war Antwort genug. Liz sah ihn an, aber er starrte nur geradeaus. „Warum hast du das niemandem gesagt? Er kann dich doch nicht zusammenschlagen und damit ohne Strafe davon kommen!“
Rustys seufzte und richtete sich langsam in eine sitzende Position, abgewandt von ihr, auf.

Einen Moment saß er stumm da, dann hatte er sich offenbar doch dazu durchgerungen zu antworten. „Er hat sich schon immer über mich lustig gemacht, mich geärgert, ein bisschen geschubst… nichts Ernstes. Es haben auch alle mitbekommen, weil er gern Publikum dabei hatte.“ Rusty schwieg eine Weile bevor er fortfuhr.
„Nach der Weltmeisterschaft ist es schlimmer geworden. Als er mir das erste Mal aufgelauert hat, war er viel aggressiver als sonst.“ Rusty zog die Knie an den Körper und umschloss sie mit seinen Armen.
„Aber du hast deinen Freunden davon erzählt, oder?”
Er nickte. „Er hatte mich gewarnt es nicht zu tun. Es gab dann eine Konfrontation. Er behauptete, ich würde lügen. Alle aus seiner Gang bestätigten das. Und ich war nicht ernsthaft verletzt, so dass ich nichts beweisen konnte.“
„Aber Pearl hat dir doch geglaubt.“
Rusty seufzte tief, als ob er sich gerade wieder bewusst wurde, in welch unangenehmer Situation er sich befand. „Ich habe ihr nichts davon erzählt. Ich wollte sie da nicht mit hineinziehen.“
Liz nickte stumm. Nach einem Moment des Schweigens fuhr Rusty fort: „Ich habe wirklich geglaubt, er würde es nicht wieder tun. Aber ich hätte seine Warnung ernst nehmen sollen. Als sie mir das nächste Mal aufgelauert haben, war er wirklich wütend. Er hat gedroht meine Freunde fertig zu machen, wenn ich ihnen wieder davon erzählen würde.“
„Also hast du es nicht getan“, schlussfolgerte Liz.
Er drehte sich zu ihr um. „Was hätte ich denn sonst tun sollen?“, fragte er verzweifelt.
„Oh Rusty, das tut mir so leid.“
Er hielt ihrem Blick noch einen Augenblick stand, dann vergrub er das Gesicht in seinen Armen. „Mir auch“, flüsterte er. Liz wusste nicht, was sie darauf sagen sollte, also blieb sie stumm sitzen und dachte darüber nach, wie es jetzt weitergehen könnte.

-

Wenig später hatte Rusty sich wieder gefangen.
„Liz…”, sagte er leise. „Ich will sie nicht verlieren.”
„Das weiß ich“, hörte er Liz‘ mitfühlende Stimme. „Dann solltest du mir ihr reden.“
„Aber wenn sie nicht zuhört? Dinah hat ihr sicher schon erzählt dass…“ Er verstummte und machte ein verzweifeltes Geräusch. „Was habe ich mir nur dabei gedacht?“, flüsterte er mehr zu sich selbst.
„Es tut mir leid. Das war meine Schuld. Ich hätte dich nicht küssen dürfen.”
„Nein“, antwortete er schnell und drehte sich zu Liz um. „Ich hätte es nicht zulassen dürfen.“
Sie sah ihn an und lächelte schwach. „Aber das hast du.“
„Es war so…”, antwortete er langsam während er sich in ihren braunen Augen verlor. Wieder spürte er dieses angenehme Gefühl, das seinen Verstand vernebelte. Was machte sie da? „Hör auf damit!“, stieß er hervor und drehte sich weg.

„Es tut mir leid,…” Sie klang traurig. „Wirklich. Ich… ich mag dich. Mehr als das. Ich passe eigentlich immer auf, dass mir das nicht mit meinen Patienten passiert. Es tut mir wirklich leid, ich dachte nur…“ Sie atmete tief durch und sprach mit fester Stimme weiter. „Ich habe dich gestern angelogen. Ich habe gesagt, dass Becca Pearl nicht angetroffen hat, aber das stimmte nicht. Ich konnte dir die Wahrheit nicht sagen, weil ich nicht wollte, dass du traurig bist.“
„Wovon redest du?“ Rusty drehte sich verwirrt zu ihr um aber Liz schaute zu Boden.
„Becca hat Pearl getroffen und ihr gesagt, du würdest dich über ihren Besuch freuen, aber… sie sagte, … dass sie nicht kommen würde, weil… weil sie fertig mit dir ist.“
Rusty sah Liz entsetzt an. Alles was von seiner Welt noch stand viel jetzt in sich zusammen. Aber das durfte nicht sein. „Du lügst!“, schrie er sie an. „Das kann nicht sein! Warum erzählst du mir das?” Liz sah ihn nur ruhig an und wiederholte ihre Entschuldigung. Seine Wut verschwand so schnell wie sie gekommen war, denn er wusste, dass sie ihn nie anlügen würde.
„Ich muss mit ihr reden!“ Er stand auf und eilte zu den Gleisen. Der Gedanke, dass sie nach all dem, was er getan hatte um sie zu schützen, einfach so Schluss machte, war unerträglich. Sie war diejenige die er liebte, sie war sein Leben, wenn er sie verlor… er fühlte sich schwindelig… wenn er sie schon verloren hatte… seine Beine zitterten zu stark um weiterzufahren… wenn sie wirklich endgültig Schluss gemacht hatte und er nichts mehr daran ändern konnte…
Rusty ließ sich wieder auf den Boden sinken. Als er hörte, wie Liz herankam, wischte er sich über das Gesicht. „Tut mir leid, ich weiß nicht, was in letzter Zeit mit mir los ist.“
„Es ist viel passiert in den letzten Tagen.“ Sie sah ihn besorgt an und so beeilte er sich ihr zu versichern, dass jetzt alles wieder in Ordnung sei. Sie schien das jedoch nicht zu glauben.
„Ruh dich noch ein paar Minuten aus, bevor du fährst.“
Rusty nickte. „Kommst du mit?”
„Möchtest du das?”
Er dachte einen Moment nach. „Ich denke schon. Du bist ja die Einzige, die bezeugen kann, dass ich die Wahrheit sage.“
„Wenn du meinst“, stimmte sie zu. „In einer Stunde holt mich Greenard ab. Ich hoffe das ist genug Zeit um alles wieder gerade zu rücken.“
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