Love is a devil

GeschichteRomanze, Familie / P16
Andromeda Tonks Nymphadora Tonks OC (Own Character) Petunia Dursley Remus "Moony" Lupin Severus Snape
05.04.2020
29.09.2020
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16.09.2020 2.996
 
Ein kleiner Hinweis vorab: Ich habe Olivias Jahrgang aus sämtlichen Schülern zusammengebastelt, die entweder nachgewiesen zwei Jahre über Harry sind (wie Fred&George), oder einfach zwei Jahre älter als Harry (wie Cedric), oder bei denen es keine genauen Angaben gab. Teilweise musste ich Vornamen erfinden xD
Wichtig sind im Prinzip nur die Gryffindors, die ihr eh schon kennt sowie die Mitschüler des Hauses, in dem Olivia landet. Vielleicht baue ich zwischendurch den ein oder anderen noch mit ein, aber ihr müsst euch die ganzen Namen, die bei der Einteilung genannt werden, nicht merken :)
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Der 1. September 1989 war nicht nur für Olivia Eileen Tonks ein besonderer Tag. Auch Harry James Potter erlebte Außergewöhnliches.
Der Morgen begann für ihn mit einem absolut gewöhnlichen Frühstück bei den Dursleys, das er natürlich komplett alleine hatte zubereiten müssen.
Auch die ersten Unterrichtsstunden verliefen ziemlich normal. Sie lernten dieses Schuljahr das große Einmaleins, eine Herausforderung, der Harry sich relativ gewachsen fühlte. Immerhin beherrschte er das kleine Einmaleins schon problemlos.
Im Gegensatz zu Dudley, der immer noch Schwierigkeiten damit hatte, bis zehn zu zählen.
Um elf Uhr morgens überkam Harry plötzlich eine unerklärliche Sehnsucht. Er wusste nicht, wonach er sich sehnte, doch das Gefühl lenkte ihn so vom Unterricht ab, dass der Lehrer ärgerlich wurde und ihn schließlich anschrie.
Erschrocken spürte Harry nur noch, wie ein Teil von ihm sich selbstständig machte und schwupps, leuchtete die Perücke von Mr. Newman in einem strahlenden Himmelblau.
Weder Harry noch Mr. Newman konnten erklären, wie dieser Farbwechsel zustande gekommen war, doch da der Lehrer ihn nicht mochte (und Angst vor Onkel Vernon hatte, weil seine Frau in Vernons Firma arbeitete und ihr jederzeit gekündigt werden könnte), bekam Harry Ärger.
Für den Rest der Schulwoche suspendiert schlurfte er lustlos zurück in den Ligusterweg. Onkel Vernon würde wütend sein, ihn anschreien und anschließend in den Schrank sperren. Ohne Essen.
Tante Petunia würde sich heraushalten, aber im Hintergrund herumstehen, ihrem Mann in sämtlichen Belangen zustimmen und dabei die ganze Zeit überheblich grinsen.
Dudley... Dudley würde vielleicht merken, dass Harry die Perücke unmöglich gefärbt haben konnte, aber sich einfach darüber freuen, dass Harry angeschrien und in den Schrank gesperrt wurde.
Harry vermutete, dass er eigentlich dankbar sein sollte. Die Dursleys hatten ihn nach dem Tod seiner Eltern aufgenommen, statt ihn in ein Waisenhaus zu geben. Doch es gab Tage, an denen er sich fragte, ob ein Waisenhaus wirklich so viel schlimmer gewesen wäre.
Vor eineinhalb Jahren hatte es einen kurzen Moment der Hoffnung gegeben. Inzwischen war Harry jedoch davon überzeugt, den Besuch seiner Cousine nur geträumt zu haben. Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn es wirklich noch lebende, nette Verwandtschaft gab.
Gesetz dem Fall, er hatte nicht geträumt... Dann wusste seine Cousine vermutlich nicht, dass Harry im Ligusterweg lebte. Sonst hätte sie ihn bestimmt längst hier herausgeholt. Sie hatte ja selbst erlebt, was Petunia für ein Mensch war.
Erleichtert aufatmend schloss Harry die Haustüre auf. Der Wagen stand nicht in der Einfahrt, das bedeutete, Onkel Vernon war auf der Arbeit. Dudley befand sich ohnehin noch in der Schule, blieb nur die Frage...
In der Küche hing ein Zettel am Kühlschrank. „Lieber Duddy, ich treffe mich mit einer Freundin in London und komme erst nachmittags wieder. Der Schokoladenpudding ist komplett für dich. Kuss, Mummy.“
Harry seufzte. Er durfte den Pudding nicht anrühren, denn wenn auch nur ein winziger Löffel fehlte... Er würde schon genug Ärger bekommen wegen der Sache in der Schule.
Doch erst einmal hatte er das Haus für sich. Wenigstens eine Stunde noch, bis Dudley kam. Das musste er ausnutzen.
Grinsend suchte er vorsichtig eine Schallplatte aus Petunias beachtlicher Sammlung heraus. Er tanzte ein bisschen im Wohnzimmer herum, aß eine halbe Scheibe Brot mit Käse und beschloss dann, Dudleys neue Spielekonsole auszuprobieren.
Im Flur oben angekommen fiel sein Blick auf die Türe des großen Schlafzimmers. Harry hatte lange nicht mehr daran gedacht, doch im Kleiderschrank, unter Petunias Pullovern, lag ein Stapel Briefumschläge. Alle an ihn adressiert. Alle nie bei ihm angekommen. Jetzt wäre die perfekte Gelegenheit...
Hastig rannte er die Treppe wieder runter, machte die Musik aus und rannte wieder hoch. Mit zitternden Händen öffnete er die Schlafzimmertüre. Auf Zehenspitzen, obwohl keiner im Haus war, der ihn hätte hören können, schlich er zum Schrank.
Harry war nicht dumm. Er wusste, er durfte die Umschläge und deren Inhalt nicht mitnehmen. Sie mussten unter dem Stapel Pullover liegen bleiben, für den Fall, dass Petunia zwischendurch die Anwesenheit der Briefe kontrollierte.
Deshalb musste er sich beeilen. Schnell alle lesen und sie dann wieder so im Schrank platzieren, dass niemand Verdacht schöpfte.
Ehrfürchtig holte er den Stapel heraus. Tatsächlich stand auf jedem einzelnen Umschlag sein Name. Anfangs noch ´Harry James Potter´ in einer sehr unleserlichen Kinderschrift, dann nur noch ´Harry´ in einer ordentlicheren Schrift.
Aufgeregt zog Harry eine Geburtstagskarte aus dem ersten, bereits geöffneten Umschlag. Er war sich ziemlich sicher, dass es etwas gab, das sich Briefgeheimnis nannte. Andererseits überraschte es ihn kaum, dass Petunia seine Privatsphäre derart missachtete. Sie versteckte die Karten nicht nur vor ihm, sie las sie auch noch heimlich. Obwohl sie dazu überhaupt kein Recht hatte.
Schnell fand Harry heraus, dass sich in jedem Umschlag eine Geburtstags- oder Weihnachtskarte befand. Die Schrift der Absenderin wurde immer sicherer, der Text im Inneren immer länger.
Ja, Absenderin. Denn die Karten kamen von seiner Cousine. Olivia Eileen. Zumindest stand dieser Name innen drin.
Unter ihrem letzten Geburtstagsgruß stand, dass sie immer noch nicht wusste, wo er wohnte, aber hoffte, dass es ihm gut ging und er wirklich in Sicherheit war, wie von Dumbledore versprochen.
Verdutzt fragte Harry sich, welcher Typ allen Ernstes Dumbledore hieß. Und wer war das überhaupt? Offenbar ging Olivia davon aus, dass Harry mit dem Namen etwas anfangen konnte.
Dann wurde ihm klar, dass auf den Umschlägen keine Adresse vorne drauf stand. Seltsam. Wenn sie gar nicht wusste, wo er wohnte... Wie waren die Karten hier angekommen? Die Post konnte sie nicht gebracht haben, sonst würde eine Briefmarke auf dem Umschlag kleben.
Breit grinsend schob Harry diese Fragen weit von sich. Seine Cousine gab es wirklich! Er hatte nicht nur von ihr geträumt. Und sie mochte ihn anscheinend.
Sonst würde sie ihm ja kaum jedes Jahr zum Geburtstag gratulieren. Die Dursleys vergaßen seinen Geburtstag nämlich immer häufiger, Kuchen oder Geschenke hatte er ohnehin noch nie an diesem Tag bekommen.
Vielleicht... Nein. Nein, das durfte er nicht erwarten. Oder doch? Gäbe es, eventuell, die Möglichkeit... Würde Olivia, wenn sie wüsste, wo er lebte und wie furchtbar die Dursleys zu ihm waren... Würde sie ihm helfen? Würde ihre Familie ihn aufnehmen?
Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. Harry musste dieses Jahr Weihnachten besonders aufmerksam sein und demjenigen, der die Karte von Olivia brachte, schnell eine Antwort an sie zustecken. Es musste einfach klappen!


Hunderte von Kilometern entfernt ahnte Olivia nichts von den Gedanken ihres Cousins.
Der Tag verging wie im Flug. Zwischendurch schauten Dora und Charlie noch mal vorbei, dann kam die Hexe mit dem Süßigkeitenwagen und ein komischer Kerl namens Marcus Flint beleidigte quasi im Vorbeigehen sämtliche ´Blutverräter´, im Besonderen natürlich die Weasleys.
Die angeregte Diskussion über Quidditch war irgendwann beendet, was Olivia die Zeit gab, in Ruhe mit Angelina zu quatschen. Die Zwillinge machten den Zug unsicher, Alicia saß auf dem Sitz am Fenster und las in einem Muggelroman.
Es wurde dunkel. Sie verzogen sich nacheinander auf die erstaunlich geräumige und saubere Zugtoilette, um ihre Schuluniformen anzuziehen. Olivia hielt es wie Dora, sie weigerte sich standhaft, diesen unpraktischen Rock anzuziehen. Auch wenn sie im Sommer gerne Kleider trug, fühlte sie sich in Hosen immer noch am wohlsten.
Im Gegensatz zu den älteren Schülern waren die Krawatten der Erstklässler schwarz, auf ihren Umhängen fand sich noch kein Haus-, sondern das  Hogwartswappen. Das Wappen würde sich automatisch nach ihrer Einteilung ändern, passende Krawatten, Schals und Handschuhe fanden sie später in ihrem Schlafsaal.
Mit quietschenden Bremsen kam der Zug zum Stehen. Nervös klammerte Angelina sich an Olivia fest, zerquetschte ihre Hand beinahe. Selbst den Zwillingen fiel im Moment kein cooler Spruch ein. Alicia wirkte ein wenig grün im Gesicht.
„Erstklässler zu mir!“, dröhnte eine tiefe Stimme über den Bahnsteig. Ein ziemlich großer Mann mit dichten, schwarzen Haaren und freundlichem Gesicht winkte sie heran. Hagrid, wie Olivia von ihrer Schwester wusste. Der Wildhüter.
Dora begleitete Charlie manchmal zum Tee zu Hagrid, wo die beiden Männer dann über Drachen und andere gefährliche Kreaturen sprachen.
Sollte Liv sich tatsächlich irgendwann mal kontrollieren und bei Vollmond im Wald herumlaufen können, musste sie achtgeben, nicht von Hagrid gesehen zu werden. Der Wildhüter wäre garantiert in der Lage, einen Werwolf von einem normalen Wolf zu unterscheiden.
Besagter Wildhüter sammelte immer noch fleißig die Erstklässler um sich, als sein Blick auf Olivia fiel. „Verdamm´ mich“, murmelte er und rieb sich die Augen.
Hastig wandte Olivia sich Angelina zu, damit Hagrid ihre leuchtend grünen Augen nicht weiter begutachtete. Er musste sie wirklich nicht auf dem Bahnsteig, vor den ganzen anderen Schülern, auf ihre Ähnlichkeit zu Lily Potter ansprechen.
Hagrid beschloss offenbar, einer Sinnestäuschung erlegen zu sein. Rote Haare konnten durchaus häufiger vorkommen, ohne dass die Personen miteinander zu tun hatten.
„Alle da? Gut, gut! Folgt mir!“ Er führte sie zu einem Steg, an welchem nicht sehr vertrauenserweckend aussehende Boote vertäut lagen.
Angelina kletterte direkt in das erste, Olivia immer noch nicht loslassend. Zwei Jungs setzten sich zu ihnen. Die Zwillinge machten es sich mit Alicia und einem dunkelhäutigen Jungen mit Rastalocken im benachbarten Boot gemütlich.
Schweigend fuhren sie auf den See hinaus. Einer der Jungen in ihrem Boot suchte erstaunt die Ruder, er schien an Magie im Alltag nicht gewöhnt zu sein. Nicht, dass das für Olivia eine Rolle spielen würde.
Um sich von ihrer Nervosität abzulenken, dachte Olivia an ihre Schwester. Dora kam bestimmt bald mit der Kutsche am Schloss an. Dann würde sie zusammen mit all den anderen Schülern in der Großen Halle sitzen und auf die Erstklässler warten. Besser gesagt, auf das Essen, das nach der Einteilung endlich aufgetischt wurde.
„Wow!“ Angelina war nicht die einzige, der ein solcher Ausruf entkam. „Jup. Das is´ Hogwarts. Beeindruckend, nich´?“ Hagrid lächelte stolz. Er saß ganz alleine in einem Boot aufgrund seiner massigen Gestalt.
Das Schloss thronte über ihnen, hoch reckten seine Türme sich in den Himmel, hell leuchteten seine Fenster. Hagrid hatte Recht. Hogwarts war zweifellos beeindruckend. Doch es war auch einladend, freundlich und strahlte schon von Außen eine Gemütlichkeit aus, die Olivia sagte, dass sie sich in den nächsten sieben Jahren hier mehr als wohl fühlen würde.
Beim Aussteigen aus den Booten fanden die Zwillinge ihre Sprache, und ihren Humor, wieder, was beinahe zu einem patschnassen George Weasley geführt hätte. Hagrid konnte ihn in letzter Sekunde noch festhalten, bevor der Rotschopf im See landete.
„Ich bin sicher, im Schloss gib´s Duschen. Müsst nicht im See baden vorher“, grummelte Hagrid, wirkte jedoch nicht allzu sauer. „Ich wollte nur wissen, ob der Krake einen wirklich wieder rausfischt“, verteidigte George sich.
Abgesehen davon kamen sie ohne Zwischenfälle in der Eingangshalle an. Die Menschen auf den Bildern an den Wänden beäugten sie neugierig, ein Geist flog fröhlich winkend vorbei und aus der Großen Halle drang Gelächter.
Professor McGonagall begrüßte sie kurz. Nach der Erklärung, dass ihre Häuser wie eine Familie sein würden und sie sowohl Punkte gewinnen als auch verlieren konnten im Wettbewerb um den Hauspokal, führte sie ihre kleine Schar Erstklässler in die Große Halle hinein.
Unbehaglich versuchte Olivia, sich darauf zu konzentrieren, nicht zu stolpern. Alle Schüler guckten sie an. Nun ja, nicht sie im Speziellen, sondern einfach die Erstklässler, aber sie fühlte sich trotzdem beobachtet.
Aus dem Augenwinkel sah sie Charlie am Gryffindortisch sitzen. Dora zwinkerte ihr vom Hufflepufftisch zu und Amanda lächelte aufmunternd. Dann blieben sie vor dem Podest stehen, auf dem sich der Lehrertisch befand. Auf einem wackeligen Hocker, der genau wie die Boote dringend ausgetauscht gehörte, lag der Sprechende Hut.
Während der Hut sein Lied anstimmte und über die verschiedenen Eigenschaften der Häuser sang, nahm Olivia den Lehrertisch in Augenschein.
Der kleine Professor Flitwick, der Zauberkunst unterrichtete, wartete mit glänzenden Augen gespannt auf die Auswahl. Neben ihm saß Professor Sprout, Doras Hauslehrerin, und schielte immer wieder betrübt auf ihren noch leeren Teller.
Olivia erkannte noch ein paar andere Lehrer anhand Doras Beschreibungen. In der Mitte saß natürlich Professor Dumbledore, der gebannt dem Lied des Hutes lauschte. Jähe Dankbarkeit wallte in Olivia auf. Nicht jeder Schulleiter würde einem Werwolf den Schulbesuch erlauben.
Der Stuhl neben ihm musste Professor McGonagall gehören, dann kam ein Lehrer, den Olivia überhaupt nicht einordnen konnte. Vielleicht der neue Lehrer für Verteidigung.
Der Hut beendete sein Lied. Professor McGonagall öffnete die Pergamentrolle, die sie in der Hand hielt und verkündete: „Ich werde Sie nun in alphabetischer Reihenfolge aufrufen. Sie kommen bitte nach vorne, setzen sich den Hut auf und werden von ihm in eines der vier Häuser eingeteilt.“
Olivia bemerkte, wie George schwer schluckte. Vielleicht überlegte er, was seine Mutter mit ihm anstellte, wenn heute Abend das erste Mitglied der Familie Weasley in einem anderen Haus als Gryffindor landete.
„Bletchley Miles“, fing Professor McGonagall an. Der Hut brauchte keine zwanzig Sekunden, um sich für „Slytherin“ zu entscheiden.
„Davies, Roger“ wurde ein Ravenclaw, „Diggory, Cedric“, der Junge aus der Winkelgasse, landete in Hufflepuff.
Nach „Fawcett, Sarah“, wieder Ravenclaw, wurde „Hooper, Geoffrey“ der erste Gryffindor.
Als McGonagall ihren Namen aufrief, krallte Angelina sich noch ein letztes Mal fast schon schmerzhaft an Olivias Hand fest, bevor sie tief durchatmete und nach vorne ging. Liv drückte ihr beide Daumen.
„Gryffindor!“, rief der Hut nach einer Minute. Olivia klatschte mit den anderen Schülern mit, während Angelina sichtlich erleichtert neben Percy Weasley Platz nahm.
Auch Lee Jordan, der Junge mit den Rastalocken, wurde ein Gryffindor. Die nächsten Schüler verpasste Olivia.
Es war nicht so, dass sie plötzlich unaufmerksam geworden wäre. Sie hatte einfach ihren Blick noch einmal über den Lehrertisch schweifen lassen und war einem Paar stechender, schwarzer Augen begegnet.
´Severus Snape´ schoss es Olivia sofort durch den Kopf. Hauslehrer von Slytherin, Lehrer für Zaubertränke und, laut Dora, parteiisch, gemein und unfair. Besser gesagt, ein ´kaltherziger Bastard´ wie Charlie Weasley es vor drei Jahren einmal ausgedrückt hatte.
Joshua Montague wurde ein Slytherin, während Olivia feststellte, dass Snapes Haare entgegen aller Gerüchte überhaupt nicht fettig aussahen. Okay, seine Nase war groß und schien nach einem Bruch nicht richtig zusammengewachsen zu sein. Außerdem lächelte er nicht, sondern schaute grimmig in die Runde. Bis seine Augen auf ihre trafen.
Mit Adrian Pucey bekam Slytherin weiteren Zuwachs, doch das schien Snape gar nicht mitzubekommen. Er wurde noch blasser, als er ohnehin schon war. Er blinzelte. Drehte kurz den Kopf weg, dann wieder zu ihr hin.
Olivia, die eine ähnliche Reaktion ja schon bei Hagrid zu sehen bekommen hatte, überlegte, ob Dumbledore zumindest die Hauslehrer nicht doch auf eine Verwandte von Lily Potter hätte vorbereiten sollen.
Anders als bei Hagrid konnte sie in Snapes schwarzen Augen jedoch weder Überraschung noch Verwirrung lesen. Er wirkte einfach nur geschockt. Und neben dem Schock sah sie Schmerz, Trauer und etwas, das sie spontan als Selbsthass bezeichnen würde.
Ruckartig schob Snape seinen Stuhl zurück, beugte sich zu Dumbledore, wechselte drei Worte mit ihm und verschwand durch eine Türe hinter dem Lehrertisch.
Alicia Spinnet landete in Gryffindor, doch das bekam Olivia nur am Rande mit. Wieso reagierte Snape so heftig auf sie? Hatte seine Flucht überhaupt etwas mit ihr zu tun? Woher kam dieser tiefe Schmerz in seinen Augen?
Nach „Sullivan, Céline“, die eine Slytherin wurde und „Summers, Leon“, der sich neben Diggory am Hufflepufftisch niederließ, kam der Buchstabe T an die Reihe. Olivia zwang sich dazu, ihre Gedanken von Snape weg und auf ihre eigene, kurz bevorstehende Auswahl zu richten.
Als „Travers, Catelyn“ zum Slytherintisch lief, las McGonagall den Namen „Tonks, Olivia“ vor.
Auf wackeligen Beinen stieg sie die zwei Stufen hoch und setzte sich auf den Hocker. McGonagall setzte ihr den Sprechenden Hut auf den Kopf.
Da der Hut ihr zu groß war, verdeckte er mit seiner Krempe Olivias halbes Gesicht, was ihr nur recht war. So konnte sie sich einreden, dass sie ganz alleine mit dem Hut wäre und nicht von unzähligen Schülern angestarrt wurde.
„Interessant, interessant“, hörte sie den Hut murmeln. „Ich sehe große Stärke in dir. Wissensdurst, ja, aber kein blinder Ehrgeiz. Du bist temperamentvoll und gleichzeitig zurückhaltend. Je nach Umgebung. Da ist die Bereitschaft, Regeln zu umgehen. Loyalität gegenüber deiner Familie. Und, jaaa, hmmm...“
Nun, als nicht gemeldeter Werwolf war sie vermutlich bereit, Regeln zu umgehen, da lag der Hut auf jeden Fall richtig. Und wenn sie mit den Zwillingen befreundet blieb würde sicher noch das ein oder andere Nachsitzen auf sie zu kommen.
„Jeder würde sich instinktiv vor seine Liebsten werfen, um sie zu beschützen“, erklärte der Hut plötzlich.
„Jeder würde instinktiv sein Kind, seine Schwester, seinen Partner retten. Doch wie viele sind dazu bereit, wenn sie vorher darüber nachdenken können? Ich glaube, du gehörst zu denen, die aus Liebe bereit sind, große persönliche Opfer zu bringen. Du würdest dein Leben und deine Seele riskieren. Ich könnte verhindern, dass es so weit kommt.“
Olivia hielt die Luft an. Was der Hut erzählte... Das klang ganz ähnlich wie das, was Ollivander ihnen gesagt hatte. Dass sie und Dora im kommenden Krieg eine große Rolle spielen würden. Aber wieso hing das mit Olivias Einteilung zusammen?
„Gryffindor kommt für dich nicht in Frage, auch wenn deine Freunde dort sind. Aber wahre Freundschaft besteht über Häusergrenzen hinweg. Für Hufflepuff trägst du zu viel Dunkelheit in dir. Das meine ich nicht negativ, meine Liebe. Ein bisschen Dunkelheit zur richtigen Zeit... Nun ja, die Zukunft ist ja nicht in Stein gemeißelt.“
Damit blieben noch Ravenclaw und Slytherin. So, wie von ihrer Familie erwartet.
„Dein Leben könnte wesentlich unkomplizierter, und ungefährlicher, verlaufen, wenn ich dich nach Ravenclaw stecke“, sagte der Hut. Automatisch dachte Olivia an einen Satz, den sie von Kingsley gehört hatte: ´Manchmal muss man sich entscheiden zwischen dem, was einfach und dem, was richtig ist´.
„Ah.“ Der Hut schien belustigt. „Nun, wenn das so ist... SLYTHERIN!“
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Nach Liv kommen noch Chadwick Warrington (Slytherin) und Fred und George Weasley (Gryffindor).
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