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Love is a devil

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Het
Harry Potter Kingsley Shacklebolt Nymphadora Tonks OC (Own Character) Petunia Dursley Severus Snape
05.04.2020
25.11.2021
154
541.367
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Dieses Kapitel
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25.11.2021 4.129
 
Niemand sagte etwas, bis Kingsley schließlich nach vorne trat...

Einige Stunden zuvor:
„Das klingt grauenvoll!“
Olivia lächelte schief bei Samuels entsetztem Ausruf. Ja, grauenvoll beschrieb ihre erste Begegnung mit Voldemort ganz gut.
„Ich bin sicher, Albus hätte Verständnis, wenn du dort nicht mehr hingehen willst, Kleines.“ Besorgt beugte Samuel sich zu ihr vor, seine durchdringenden blauen Augen musterten sie immer wieder, wie um festzustellen, ob der Cruciatus bleibende Spuren hinterlassen hatte.
„Ich werde Severus auf keinen Fall alleine lassen“, erwiderte sie mit fester Stimme. „Im Übrigen war nicht alles … grauenvoll. Okay, ich bin fast gestorben vor Angst, als Er meinen Kopf durchsucht hat, aber insgesamt bin ich glimpflich davon gekommen und Er scheint halbwegs von meinen finsteren Absichten überzeugt zu sein. Außerdem...“ Sie senkte verlegen den Blick. „Außerdem fühlte es sich … gut an. Richtig. Indem ich mich dem Dunklen Lord anschließe, kann ich wirklich etwas bewirken, Samuel. Wir haben doch schon darüber gesprochen. Das ist mein Anteil an diesem Krieg, meine Art, die Menschen zu beschützen, die ich liebe. Und wenn ich Schmerzen in Kauf nehmen muss, um meine Schwester zu retten, dann ist das eben so.“
Widerwillig nickte Samuel, scheinbar akzeptierend, dass er ihr die Spionage-Sache nicht mehr ausreden konnte.
„Was sagt Severus zu deinem … Job?“, wollte er schließlich wissen. Olivia lehnte sich in ihrem Sessel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Er geht mir schon wieder aus dem Weg“, erklärte sie, halb genervt, halb belustigt. „Natürlich ist er nicht begeistert darüber, von Dumbledore und mir derart überrumpelt worden zu sein, aber selbst wenn er schon vor Monaten von unseren Plänen erfahren hätte... Was hätte es geändert? Außer, dass er jeden Tag versucht hätte, es mir auszureden.“
Samuel lächelte verschmitzt. Die Anspannung, die ihn auf der Vorderkante der Couch gehalten hatte, seit dem Beginn ihrer Erzählung, ließ langsam nach. Auch er lehnte sich jetzt zurück und faltete die Hände im Schoß. „Du bist eben nicht die einzige, die verzweifelt versucht, die ihr am Herzen liegenden Menschen zu beschützen.“
Dann runzelte der Priester die Stirn. „Warum er deshalb allerdings schon wieder auf stur stellt, erschließt sich mir nicht.“
Olivia seufzte tief. Sie dachte seit Tagen über nichts anderes nach, jedenfalls, wenn sie sich nicht gerade mental auf das erste Todessertreffen vorbereitete oder mit ihrer Familie beim Essen über die Ignoranz des Ministeriums schimpfte.
„Ich schätze, es ist ihm unangenehm, dass ich mitangesehen habe, wie er dem Dunklen Lord die Füße geküsst hat“, überlegte sie laut. „Nicht wortwörtlich gemeint“, ergänzte sie hastig. „Jedenfalls nicht, soweit ich weiß. Vielleicht fürchtet Severus, ich, als seine Schülerin und ehemalige Assistentin, würde nun jeglichen Respekt vor ihm verlieren.“
Samuel runzelte die Stirn und strich sich mit einer Hand durch die kurzen, grauen Haare. „Das würde zu ihm passen“, murmelte er. „Hast du denn den Respekt vor ihm verloren?“
Sie zögerte. Sie wusste, Samuel gegenüber konnte sie ehrlich sein und endlich das aussprechen, was ihr seit jener Nacht im Kopf herum ging.
„Mein Respekt vor ihm ist ungebrochen“, versicherte sie ihrem Mentor. „Es fällt mir nur schwer, den Lehrer, den … Menschen, den ich seit Jahren kenne, mit dem Todesser, den ich dort gesehen habe, in Einklang zu bringen. Nicht, weil er so tun musste, als wäre er Voldis größter Fan oder weil er ungerührt daneben stand, während ich gefoltert wurde. Ich weiß ja, dass er so sein kann. So … kalt und emotionslos. Außerdem war uns vorher klar, dass dieser Job uns einiges abverlangen wird, eben weil wir nicht jeden retten dürfen.“
Sie musste eine kurze Pause machen, um die Erinnerung an Severus, wie er sich unter dem Cruciatus-Fluch auf dem Boden wand, zu verdrängen. Es war der blanke Horror für sie gewesen, die Füße still zu halten und zuzulassen, dass der Dunkle Lord ihm Schmerzen bereitete.
„Mein Problem ist eher...“, fuhr sie fort, als sie sich sicher sein konnte, dass sie nicht in Tränen ausbrach, sobald sie den Mund öffnete. „Mein Problem ist, dass ausgerechnet Severus Snape, ein Slytherin, einer der stolzesten Menschen, den ich kenne, sich ohne zu zögern demütig, mit gesenktem Kopf und jeglicher Würde beraubt, vor diesem Monster auf die Knie wirft. Das hat mich mehr erschüttert als alles andere, was in diesem Manor passiert ist.“
Sie selbst hatte gespürt, dass Lady es ihr unmöglich machen würde, sich dem Dunklen Lord bedingungslos zu unterwerfen. Eine Alpha-Wölfin kauerte vor niemandem nieder. Sie respektierte jedoch die Stärke ihres Gegenübers und trotz aller Grausamkeit konnte man nicht verleugnen, dass der Dunkle Lord ein mächtiger Zauberer war. Leider setzte er diese Macht für die falschen Ziele ein.  
„Meiner Meinung nach besitzt Severus genau deshalb mehr Würde als jeder andere Todesser“, warf Samuel sanft ein. „Er wirft sich nicht aus Angst oder Feigheit vor ihm zu Boden, sondern, ähnlich wie du, aus dem Wunsch heraus, seinen Beitrag zum schnellen Ende dieses Krieges zu leisten. Er schluckt seinen Stolz herunter, um eine Rolle zu spielen, für die die gesamte magische Welt verdammt dankbar sein sollte. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass er seine Würde verliert. Ganz im Gegenteil.“
Olivia hörte Samuel aufmerksam zu. Wieder einmal eröffnete er ihr einen völlig neuen Blickwinkel.
„Vor jemandem das Knie zu beugen heißt nicht, zu resignieren. Es ist vielmehr ein taktischer Schachzug, der die Gegenseite in Sicherheit wiegen soll. Verrat kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet, was uns einen entscheidenden Vorteil verschaffen dürfte.“ Der Priester zwinkerte ihr zu, während ihm einfiel: „Vielleicht sollten wir Voldemort vorschlagen, die ein oder andere Hochzeit zu feiern.“
Es tat gut, Samuel ihr Herz auszuschütten und dabei unmerklich von ihm aufgemuntert zu werden. Leider gab es noch ein ernstes Thema, das sie so bald wie möglich anschneiden musste. Seine Unterstützung wäre von unschätzbarem Wert, wenn sie ihren Plan durchführen wollte.
Sie verzog das Gesicht. Von wollen konnte keine Rede sein, aber sie brauchte ein weiteres Argument für ihre Loyalität, um schneller in den Reihen der Todesser aufzusteigen und das Dunkle Mal zu erhalten. Ohne zuerst einen wie auch immer gearteten Auftrag auszuführen, den sie garantiert nicht mögen würde.

Sie hörten, wie die Haustüre geöffnet und danach rasch abgeschlossen wurde. „Liv, Samuel, wir sind Zuhause!“ Seit der Rückkehr des Dunklen Lords holte Andromeda Ted jeden Tag von der Arbeit ab, schließlich wussten sie, dass Muggel und Muggelstämmige die ersten Ziele sein würden, sobald die Angriffe losgingen.
„Ihr habt Besuch!“, rief Andromeda noch, dann entfernten sich ihre Schritte. Stattdessen kam jemand anderes vergnügt pfeifend die Treppe herunter.
„Professor Dumbledore!“ Olivia erhob sich respektvoll, um den Schulleiter zu begrüßen. Er trug eine fliederfarbene Robe, hatte jedoch dankenswerterweise auf den dazu passenden Hut verzichtet, der in dieser Siedlung definitiv zu viel Aufsehen erregt hätte.
„Olivia, meine Liebe.“ Dumbledore schüttelte ihr die Hand, bevor er sie genau so besorgt musterte wie Samuel vorhin. „Wir hatten leider noch keine Gelegenheit für ein ausführliches Gespräch, deshalb dachte ich mir, ich komme vor dem Ordenstreffen kurz vorbei und erkundige mich danach, wie es dir geht.“
„Ich bin okay“, erwiderte sie ehrlich. „Ich fürchte nur, Barty junior und Severus hegen eine gewisse Aversion gegeneinander und ich bin da irgendwie zwischen die Fronten geraten.“
Bevor auch der Schulleiter ihr anbieten konnte, sich die Sache noch mal zu überlegen und vielleicht doch lieber auszusteigen, holte sie die Schriftrolle hervor, die sie am gestrigen Abend noch aus dem Schrank im Wohnzimmer genommen hatte.
„Es ist gut, dass Sie hier sind, Sir.“ Sie redete nicht lange um den heißen Brei herum, sondern erklärte direkt: „Wir brauchen einen unabhängigen Zeugen, der weder verwandt noch verschwägert mit uns ist.“
Schweigend entrollte Dumbledore das Pergament. „Ich verstehe...“
Sie hielt den Atem an, erwartete Protest, doch es kam keiner. Nachdenklich zupfte der Schulleiter an seinem Bart herum. „Ich nehme an, du hast dir das gründlich überlegt.“
Sie nickte ernst. „Ich bin mir nur nicht sicher, wie ich es meinen Eltern erkläre“, gab sie zu.
„Du bist eine Slytherin“, antwortete Dumbledore schlicht. Sie nickte erneut. „Jup“, seufzte sie. „Das wäre auch meine Lösung gewesen.“
Gemeinsam mit Samuel, den sie jetzt leider nicht vorher einweihen konnte, da Dumbledore wenig Zeit hatte, gingen sie die Treppe hoch und ins Wohnzimmer. Dank ihrer Magie und der Kühlungszauber, die auf jedem Raum lagen, spürte man die flirrende Hitze, die draußen herrschte, im Haus zum Glück kaum.
Hin und wieder vergaß Olivia, dass sie nicht nur Todesser-Anwärterin, sondern auch ein ganz normaler Teenager war. Ihre Sommerferien sollten eigentlich angefüllt sein mit Eis, Treffen im Freundeskreis und Urlaub. Eis aßen sie tatsächlich schon fleißig, in den Urlaub wollten sie nicht fahren, da es jederzeit zu einem offenen Krieg kommen konnte, doch sie nahm sich spontan vor, wenigstens ihre Freunde demnächst zu besuchen.
Sie schluckte schwer und nur Samuels Hand auf ihrer Schulter hielt sie davon ab, in Erinnerungen an Adrian zu versinken. „Danke“, flüsterte sie ihrem Beta-Wolf zu, der instinktiv ihre düster werdende Stimmung erahnt zu haben schien.
„Können wir Ihnen etwas zu trinken anbieten?“, erkundigte sich Andromeda derweil höflich bei Dumbledore. Sie und Ted saßen am großen Esstisch, den Tagespropheten aufgeschlagen vor sich.
„Es ist eine Schande, dass Fudge Ihnen und Harry nicht glaubt“, ereiferte sich Ted und deutete auf die Schlagzeile. „Muss Hogwarts mit Einmischungen des Ministeriums rechnen? Hier steht, gegen ´Gerüchte jeder Art´ sollen ab sofort ´Maßnahmen ergriffen´ werden.“
Dumbledore ließ sich am Tisch nieder, Olivia und Samuel taten es ihm gleich. „Ich fürchte schon“, antwortete er bedrückt. „Wir haben leider erneut keinen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Ich erwarte beinahe täglich einen Brief des Ministeriums, in dem sie mir einen Kandidaten … vorschlagen.“
„Die Slytherins wird das kaum beeinflussen, schätze ich“, leitete Olivia das Gespräch in die von ihr gewünschte Richtung. „Viele Eltern arbeiten im Ministerium oder sind angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Ganz egal, ob sie sich dieses Ansehen erkauft oder ehrlich erarbeitet haben. Wir haben weder von Fudge, noch vom Dunklen Lord viel zu befürchten.“
Ted räusperte sich unbehaglich. „Nun ja, die anderen Slytherins vielleicht nicht. Du allerdings, mit deiner Familie im Orden und deinen Verbindungen zu den Gryffindors... Wir sollten verstärkt darauf achten, dass niemand von deiner Verwandtschaft mit Harry erfährt.“
Olivia straffte die Schultern. Sie wusste nicht, ob ihr Anliegen leichter oder schwerer dadurch wurde, dass Ted das Thema von sich aus ansprach.
„Ehrlich gesagt nimmt niemand meine Freundschaft mit Fred und George sonderlich ernst... Die denken alle, ich tobe mich halt ein wenig aus und benutze die Gryffindors quasi als … Spielzeug. Und Harry weiß, dass er die Klappe halten muss. Es gibt aber ein viel größeres Problem, das durch die zunehmende Propaganda der Todesser meine Position im Haus ziemlich schnell gefährden könnte.“ Sie zögerte kurz, bevor sie hinzufügte: „Meine Position in Slytherin und … mein Leben. An dem ich neuerdings sehr hänge, weshalb ich hoffe, dass ihr meinem Vorschlag ohne langatmige Diskussion zustimmt.“
Andromeda und Ted tauschten einen irritierten Blick. „Welchem Vorschlag, Kleines?“
Dumbledore legte die Pergamentrolle auf den Tisch. „Dem Vorschlag, die Blutadoption durchzuführen. Mit der Einschränkung, dass nur du, Andromeda, deine Tochter adoptierst. Ted nicht.“
Liv knetete unter dem Tisch nervös ihre Hände, ließ sich ansonsten ihre Nervosität aber nicht anmerken. Sie wusste, was sie von ihren Eltern verlangte. Eine Blutadoption konnte nur ein einziges Mal durchgeführt werden. Sie wäre dann mit Andromeda verwandt, es gab jedoch keine Chance, keine Möglichkeit mehr, auch mit Ted eine solche Verbindung zu teilen.
„Da ist noch etwas“, nutzte sie die entstandene Stille nach Dumbledores Erklärung. „Wenn du der Adoption zustimmst, werde ich den Namen Black annehmen.“
Andromeda starrte einen Moment lang ins Leere, dann erhob sie sich schwungvoll. Ihr Stuhl kippte nach hinten, landete krachend auf dem Boden. Ihre grauen Augen blitzten zornig. „Ich habe diese … Familie damals aus guten Gründen verlassen und werde nicht erlauben, dass du alles zunichte machst, wofür ich gekämpft und gelitten habe! Niemals hätte ich erwartet, dass ausgerechnet du diesen Unsinn vom reinen Blut mitmachst. Entweder wir adoptieren dich beide oder...“
„Dromeda.“ Ted legte ihr beschwichtigend eine Hand auf den Unterarm. „Wir sollten Olivias Bedenken ernst nehmen. Es geht hier darum, die für sie bestmögliche Zukunft zu erschaffen und wenn sie mit deinem Blut und deinem Namen ihr Schuljahr in Ruhe zu Ende bringen kann, statt sich jeden Tag vor ihren Hauskameraden fürchten zu müssen, dann bin ich durchaus bereit, meine Befindlichkeiten hinten an zu stellen. Für das Wohl unserer Tochter.“
Olivia schaute ihn schockiert an. Sie hatte sich in der letzten Woche ständig ausgemalt, wie ihre Eltern reagieren würden, doch niemals hätte sie mit Teds Verständnis und diesem ungebrochenen Vertrauen gerechnet, das er anscheinend immer noch in sie hatte, wenn sie seinen liebevollen Blick richtig deutete.
„Kleines, es ist mir nicht wichtig, ob du meine Gene in dir trägst. Wir haben dich großgezogen, dich dein Leben lang begleitet und in einigen Jahren wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir dich loslassen müssen. Auf dem Papier bist du bereits meine Tochter, doch auch das ist nicht wichtig. Weißt du, was wirklich zählt?“
Stumm schüttelte sie den Kopf. Verflucht, wie sollte sie eine knallharte Todesserin spielen, wenn ihr bei der leisen Ansprache ihres Vaters sofort Tränen in die Augen stiegen?!
Ted deutete auf seine Brust. „Das hier, das zählt. Dein Platz in meinem Herzen. Ich habe niemals einen Unterschied zwischen dir und Dora gemacht, weil es keinen gibt. Zumindest nicht in dieser Hinsicht. Ich liebe euch beide und ich werde tun, was nötig ist, um euch vor dem zu schützen, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt.“
Danach gab es nicht mehr viel zu sagen. Dumbledore strich das Pergament glatt, Ted holte die Spezialfeder, die sie seit über einem Jahr aufbewahrten, dann reichte er sie an Andromeda.
„Versteh mich nicht falsch, Liv, ich freue mich sehr darüber, dass du dich letztendlich doch noch für die Blutadoption entschieden hast... Ich finde nur...“ Andromedas Hand schwebte über dem Pergament. „Bist du dir absolut sicher?“
Olivia legte eine Hand auf die ihrer Mutter. „Voll und ganz, Mum.“
Andromeda setzte ihre Unterschrift auf die dafür vorgesehene Linie. Ihr Blut schimmerte rot auf dem Pergament. Liv, die hoffentlich später Zeit haben würde, in Ruhe ihre Gefühle auseinander zu sortieren, unterschrieb ebenfalls. Es tat nicht weh, als die Feder ihr Blut anzapfte, es kribbelte nur ein wenig.
Bevor Dumbledore, als Zeuge, sich eine normale Feder nahm, um ebenfalls zu unterschreiben, wandte er sich noch einmal an Olivia. „Du bist dir darüber im Klaren, dass wir nicht wissen, wessen Gene durch die Adoption ersetzt werden?!“
Das war der einzige Knackpunkt. Dank irgendeines magischen Gesetzes funktionierten Blutadoptionen recht willkürlich. Kein Problem, wenn das Kind von zwei Elternteilen adoptiert wurde, denn dann ersetzten ohnehin die Gene der neuen Eltern die der leiblichen. Es könnte in ihrem Falle jedoch passieren, dass sie ihre Verbindung zu Petunia verlor (was sie nicht weiter schlimm fand) und damit auch zu Lily. Zu Harry (was sie dann doch beunruhigte, andererseits müsste sie so keine Angst mehr davor haben, dass der Dunkle Lord herausfand, wessen Cousine sie war).
„Dad hat eben selbst gesagt... Für aufgeklärte Menschen wie uns spielt Blut keine Rolle. Harry wird natürlich auch weiterhin zu meiner Familie zählen, egal ob wir gleich noch verwandt sind oder nicht.“
Samuel hörte interessiert zu, er als Muggel wusste natürlich recht wenig über die Auswirkung einer Blutadoption. Weshalb er überrascht zurückzuckte, als Liv anfing, sich zu verändern, kaum dass Dumbledore seine Unterschrift auf das Pergament gesetzt hatte.
„Ich glaube...“, begann Ted langsam und zauberte einen Spiegel herbei. „Ich glaube, es ist recht eindeutig, wessen biologisches Kind du jetzt bist.“ Seine Mundwinkel zuckten, dann breitete sich ein schelmisches Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Würde mich interessieren, was Petunia dazu sagt, mit meiner Frau zusammen eine Tochter zu haben.“
Kritisch betrachtete Liv sich im Spiegel. Ihre Augen leuchteten weiterhin strahlend grün, sie schien jedoch um einige Zentimeter gewachsen zu sein und wenn sie an sich herunter schaute, kam sie nicht umhin, zu bemerken, dass ihre sportliche Figur eindeutig weiblichere Züge angenommen hatte. Sie wirkte schlanker, vor allem ihre Taille, und der schlichte Bh, den sie unter dem T-Shirt trug, spannte unangenehm. Die größte Veränderung jedoch betraf ihre Haare.
„Ich sehe aus wie Lady“, stellte sie verblüfft fest. Als Wölfin hatte sie von Anfang an braunes Fell gehabt, das im Laufe der Jahre einen immer stärker werdenden Rotstich angenommen hatte. Auch ihre menschlichen Haare gingen nun eher in Richtung braun, mit deutlich abgesetzten roten Strähnen.
„Ich finde es cool“, erklärte sie begeistert. Die Spannung im Raum entlud sich mit einem Schlag. Andromeda kam um den Tisch herum, um sie in die Arme zu nehmen und ihr diskret ins Ohr zu flüstern, in den nächsten Tagen mit ihr zum Einkaufen nach London zu fahren. Ted hob stolz lächelnd den Daumen, Samuel schien sich in Ruhe seinen Teil zu denken.
„Was haltet ihr von einem großen Eisbecher? Albus, haben Sie noch Zeit oder müssen Sie schon los?“
Dumbledore kam nicht mehr zum Antworten, da es plötzlich an der Türe klopfte. Durch das Wohnzimmerfenster sahen sie eine Gestalt in Jeans und Sweatshirtjacke, deren Kapuze sich die Gestalt über den Kopf gezogen hatte, draußen stehen.
„Mieses Timing“, murmelte der Schulleiter und wirkte unglaublich verlegen. Schnell hielt er Samuel auf, als dieser sich in den Keller zurückziehen wollte. „Er weiß, dass Sie hier sind, also bleiben Sie ruhig, vielleicht deeskaliert das die Situation.“
Der Priester zog fragend eine Augenbraue hoch, dann stöhnte er leise. „Mir scheint, die Qualität Ihrer Entscheidungen nimmt rapide ab, Albus“, kommentierte er trocken.
„Er nimmt heute an der Versammlung teil und ich dachte, es wäre besser, wenn Olivias Eltern es persönlich erfahren, statt hintenrum über drei Ecken“, verteidigte sich der Schulleiter.
„So oder so...“ Olivia schob ihren Stuhl zurück und stand auf. „Wir sollten ihn reinlassen, bevor ihn die falschen Leute sehen.“
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch betrat sie den Flur. Sie griff nach dem Schlüssel und zögerte. Vor wenigen Minuten erst hatte sie jegliche Verbindung zu Caradoc Dearborn endgültig gekappt und prompt stand er hier vor der Türe. Beinahe bekam sie ein schlechtes Gewissen.
Entschuldigend zuckte sie mit den Schultern, als sie ihren ehemaligen leiblichen Vater ins Haus ließ und er die Veränderungen natürlich sofort bemerkte. Ein Schatten huschte über sein Gesicht. „Das war zu erwarten, schätze ich“, murmelte er bedrückt. „Andererseits bekommt Severus jetzt, wo du Lily nicht mehr so ähnlich siehst, hoffentlich endlich seinen Hintern hoch und...“
Sie rammte ihm hastig den Ellenbogen in die Seite. „Was auch immer du sagen wolltest, unterlass derartige Bemerkungen bitte in Gegenwart meiner Eltern. Die waren schon über meine Assistenzstelle nicht sonderlich begeistert.“
Sie ignorierte den Umstand, dass sich ein glückliches Lächeln auf ihr Gesicht geschlichen hatte bei dem Gedanken daran, dass ihr verändertes Aussehen die Dinge zwischen ihr und Severus tatsächlich vereinfachen würde. Welche Dinge genau das waren, wusste sie selbst nicht so recht.


Das Gespräch mit Ted und Andromeda war der einfache Teil gewesen.
Caradoc hatte gezögert, zu erwähnen, dass Liv schon länger von seinem Überleben wusste, doch ihre Eltern schienen an derartige Geheimnisse gewöhnt zu sein. Und erleichtert, darüber, dass ihre Tochter bei ihnen geblieben war, statt zu ihrem leiblichen Vater nach Paris zu ziehen.
Zwischendurch war Liv kurz in einen überraschenden Lachanfall ausgebrochen, der irgendwie mit Dumbledore zu tun hatte. Ihr geflüstertes „Tja, jetzt dürfen sie wieder mit IHM um den Zauberstab streiten, Sir“, erklärte ihre Heiterkeit auch nicht.
Samuel glättete die Wogen, als unweigerlich das Thema aufkam, ob Caradoc, erstens, tatsächlich keinerlei Kenntnis von Olivias Existenz besessen und zweitens, nicht geahnt hatte, wie herzlos und kalt Petunia Dursley (damals noch Evans) war.
Es interessierte ihn, von Olivia zu hören, dass Petunia und ihr Sohn Dudley mittlerweile versuchten, ihren eigenen Weg zu gehen. Und dass ihr Haus, inklusive Ehemann, in die Luft geflogen war. Wenn Caradoc Livs Gesichtsausdruck richtig deutete, war sie irgendwie darin involviert gewesen. Unwillkürlich fragte er sich, ob sie nicht vielleicht mit James, statt mit Lily verwandt sein könnte, schließlich hatte der Potter den Ärger ebenfalls magisch angezogen und ihn teilweise sogar absichtlich gesucht.
Nun, wie gesagt, Samuel glättete die Wogen, indem er geschickt Caradocs Schriftstellerkarriere erwähnte. Ted, ganz aus dem Häuschen darüber, Mordred endlich persönlich zu begegnen, nachdem sie jahrelang alles Geschäftliche nur per Brief geregelt hatten, plauderte unter dem argwöhnischen Blick Andromedas entspannt mit ihm, bis ein Blick auf die Uhr ihnen mitteilte, dass es Zeit war, sich auf den Weg zur Versammlung zu machen.
Caradoc verbarg sich im Park, bis die meisten Ordensmitglieder das Hauptquartier betreten hatten. Erst dann las er sich den von Albus geschriebenen Zettel mit der Adresse durch, holte tief Luft und betrat das Haus, unsicher, ob er wirklich schon bereit war, sich seinen alten Freunden und Kollegen zu stellen.
Das Gespräch mit Ted und Andromeda war der einfach Teil gewesen.
Jetzt kam der schwierigere und um das zu wissen, brauchte es weder Moodys heftig rotierendes magisches Auge noch Sirius´ verblüfften Gesichtsausdruck. Es reichte sein Bauchgefühl, das ihm sagte, er sollte sich besser schnell eine überzeugende Erklärung dafür überlegen, warum er sich ein schönes Leben in Paris gemacht hatte, während alle dachten, er wäre tot. Während sie um ihn trauerten. Während sie ihn gebraucht hätten, im Ministerium, im Orden, im Freundeskreis.
Es gab eine Erklärung, eine recht simple sogar, nur fiel die ihm momentan nicht ein.
Stattdessen bemerkte er, dass die junge Frau mit den pinken Haaren am ganzen Körper zitterte und sich gleichzeitig an Remus´ Hand festkrallte. Er grinste. Es war nicht zu leugnen, dass zwischen den beiden gewisse … Schwingungen herrschten. Dafür hatte er schon immer ein Gespür gehabt.
„Das ist Caradoc Dearborn, oder?“ Durch den Schock nicht in der Lage zu flüstern, durchdrang die Stimme der jungen Frau die unangenehme Stille. „Liv … Liv sieht ihm ähnlicher als ich dachte.“
Ah, jetzt wusste er, wer die Frau war. Nymphadora Tonks, Olivias Schwester.
„Tja, DAS hat sich vorhin von selbst erledigt“, erwiderte er auf ihre Bemerkung hin. Plötzlich fand er sich am falschen Ende eines Zauberstabes wider. „Was hast du mit meinem Patenkind gemacht?“, donnerte Kingsley Shacklebolt, der ihm gerade noch die Hand hatte reichen wollen.
Caradoc öffnete den Mund, überlegend, ob das wirklich der richtige Zeitpunkt war, um von der Blutadoption zu erzählen, denn es schien nicht so, als ob Kingsley und Nymphadora Bescheid wussten.
„Ihr seid nicht die einzigen, die einige Fragen an Caradoc haben, also warum gehen wir nicht alle in die Küche?“ Albus tauchte hinter ihm auf und schob ihn mit sanfter Gewalt den Flur entlang. „Vermutlich sollten Sie mich unter Veritaserum befragen, sonst denkt Alastor noch, ich wäre ein Todesser, der sich mit Vielsafttrank hier einschleicht“, murmelte er auf dem Weg in die Küche. Remus, der hinter ihnen her ging, lachte schnaubend. „Damit hat Mad-Eye tatsächlich schon unangenehme Erfahrungen gemacht.“
Die Ordensmitglieder, die im Flur gewartet hatten, verteilten sich auf die letzten freien Plätze im Raum. Caradoc blieb neben Albus stehen und wischte sich eine Strähne seiner braunen Haare aus der Stirn. Seine Hände schwitzten fürchterlich.
Niemand schien sein Auftauchen verarbeiten zu können. Die neuen Kämpfer wurden schnell darüber aufgeklärt, wer genau da vor ihnen stand, ansonsten herrschte jedoch eine ebenso unangenehme Stille wie vor wenigen Minuten noch im Flur.
Ein erstickter Schluchzer durchbrach diese Stille. Keine zwei Sekunden später hielt Caradoc eine aufgelöste Emmeline Vance im Arm. Jubel ertönte hier und da, Dädalus Diggel warf seinen Hut in die Luft, Hestia sprang auf und klatschte. Plötzlich drängten alle nach vorne, wollten ihn umarmen, ihn berühren, sich vergewissern, dass er wirklich am Leben war.
„Ich hatte keine Ahnung, dass ich so beliebt bin“, rief Caradoc über die Köpfe hinweg Sirius zu. Sein ehemaliger Mit-Gryffindor zuckte nur mit den Schultern und grinste breit. „Du siehst halt immer noch gut aus, mein Freund. Keine Konkurrenz für mich, natürlich, aber Emmi scheint auf dich zu stehen.“
Sirius duckte sich, als besagte ´Emmi´ daraufhin einen Furunkelfluch in seine Richtung schoss.
„Kein Zaubern auf den Korridoren!“, rief McGonagall mit ihrer besten Lehrerstimme, was jeden, der bei ihr Unterricht gehabt hatte, dazu brachte, sich eilig wieder hinzusetzen und ganz leise zu sein, in der Hoffnung, keine Punkte abgezogen zu bekommen.
„Da viele Informationen aufgrund der neuesten Umstände keinen Schaden mehr anrichten, denke ich, dass wir eure Fragen bezüglich Caradocs Überleben zufriedenstellend beantworten können. Wer möchte anfangen?“, richtete Dumbledore das Wort an den Orden. Sofort hoben etliche Leute ihre Hände.
„Paris“, zählte Caradoc gelangweilt auf. „Snape. Blutadoption.“
Verwirrung zeigte sich auf den meisten Gesichtern, nur Kingsley schien recht schnell ein Licht aufzugehen. „Dann habe ich dich doch vor einigen Jahren im Stadion gesehen!“, rief der Auror aus. „Du bist Paris St. Germain Fan?“, fragte die junge Frau an Shacklebolts Seite entsetzt. „Ich fürchte, dann haben wir beide ein Problem miteinander.“ Sie zwinkerte ihm zu. Caradoc zwinkerte zurück, was ihm einen warnenden Blick von Kingsley einbrachte. „Finger weg von meiner Verlobten, sonst haben WIR beide ein Problem miteinander.“
Caradoc entspannte sich zusehends. Egal wie ernst die Lage draußen auch war, für Geplänkel dieser Art hatten sie immer Zeit gehabt. Der Orden war mehr als eine Gruppe von Kämpfern. Er war eine Familie.
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