I´m only human

von MrsHarnik
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
05.04.2020
18.09.2020
12
13.645
7
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
18.07.2020 1.094
 
Sie hielten den Kuss sanft, unschuldig, zurückhaltend.

Evan legte eine Hand in Tantos Nacken, die andere auf seine Hüfte. Ihre Bärte kratzten und kitzelten ein wenig aneinander, was dem Kuss nochmal eine ganz eigene Wirkung verlieh.

Irgendwann, für Evan fühlte es sich wie Stunden an, lösten sie sich voneinander, blieben aber Stirn an Stirn aneinander gelehnt stehen. Die Augen weiterhin geschlossen, Evans Hand in Tantos Nacken, Strähnen die durch seine Finger glitten.

„Evan“, flüsterte Tanto kaum hörbar, sein Daumen strich über Evans bärtige Wange.

Nur langsam öffnete der Kleinere seine Augen, sah direkt in die strahlendgrünen Augen, die ihn mit einem so liebevollen Blick bedachten, dass Evan ganz schwummerig wurde.

„Wow!“ Grinsend trat Evan einen Schritt zurück, griff nach Tantos Hand, die von seiner Schulter gerutscht war.

Sanft umschloss er die warmen Finger, zog ihn mit sich ins Wohnzimmer, wo sie sich auf das Sofa setzten, sich schweigend musterten; ihre Finger noch immer miteinander verflochten.

Unsicher sah Evan auf ihre Hände, doch Tanto stupste ihn mit seinem Bein leicht gegen den Oberschenkel. „Was ist los?“ „Ich weiß nicht genau“, murmelte er, zuckte entschuldigend mit den Schultern.

Stirnrunzelnd betrachtete Tanto den Jüngeren von der Seite.

Breite Schultern, blonde Haare, die ihm leicht in die Stirn fielen. Sein Blick glitt über die gespannten Ärmel seines T-Shirts, über die Adern, die sich unter der leicht gebräunten Haut abzeichneten.

Evan war ein gestandener Mann. Er hatte im Krieg gekämpft, Verluste und Verletzungen erlitten und doch sollte ihn diese Situation verunsichern?

„Ich bin kompliziert“, sagte Evan schließlich leise, hob den Blick. „Ich… Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen nie etwas mit jemandem aus dem Team anzufangen.“ „Eigentlich“, lächelte Tanto leise, sah Evan abwartend an.

„Naja, Vorsätze sind doch dazu da, um gebrochen zu werden, oder?“, grinste Evan verschmitzt, beugte sich zu Tanto, der ihm sofort entgegenkam und seine Lippen zu einem erneuten Kuss einfing.

„Die Einstellung gefällt mir.“

Grinsend schlang Tanto einen Arm um Evans Schulter, der sich mit einem zufriedenen Seufzen gegen ihn lehnte, seine Hand auf dessen Bauch schob und mit den Fingerspitzen über den Stoff des Shirts strich.

„Weiß im Team jemand von dir?“ „Nur Logan“, antwortete Tanto, streichelte über Evans Haare, brachte sie durcheinander.

„Und sonst? Deine Familie, irgendwelche anderen Freunde?“ „Nein.“ „Nein?“ „Hat sich einfach nicht ergeben, denke ich.“ „Mh… Haben sich deine Eltern nie gefragt, warum du keine Freundin mit nach Hause bringst?“, wollte Evan wissen, richtete sich auf, um Tanto ins Gesicht sehen zu können.

Der überlegte, wog den Kopf leicht hin und her.

„Ich bin früh von zu Hause ausgezogen und war im Prinzip nur zum Essen und Schlafen da. Ich habe ihnen mal am Telefon gesagt, dass ich eine Freundin hätte, aber beim nächsten Familientreffen war sie halt krank und danach waren wir nicht mehr zusammen. Das habe ich ein paar Mal gemacht, mir Bilder aus dem Internet rausgesucht, für den Fall, dass ich mal ein Foto zeigen sollte.“

Verstehend nickte Evan, dann runzelte er die Stirn.

„Hättest du ein Problem damit, wenn ich meinen Eltern von… Naja… Von uns erzähle? Also nicht jetzt sofort, aber… Später?“

Er wusste, dass er die richtigen Worte gewählt hatte, denn auf Tantos Gesicht schob sich ein strahlendes Lächeln, er küsste ihn kurz und ließ seine Hand in Evans Nacken liegen.

„Gerne. Wann hast du es ihnen gesagt? Dass du auf Männer stehst“, präzisierte er seine Frage.

Grinsend schüttelte Evan den Kopf als er an sein Outing zurückdachte.

„Ich war 15. Meine Kumpel hatten schon ihre ersten Freundinnen, aber außer ein paar Küsse beim Flaschendrehen ist nie was mit einem Mädchen passiert. Ich hatte dann ein paar Nächte hintereinander eindeutige Träume von Männern und da wurde es mir bewusst.

Ich hab’s erst probeweise meiner Schwester erzählt und dann wollte ich es meinen Eltern auch sagen. Ich bin fast gestorben, habe nur gestottert und wusste nicht mehr wo oben und unten war.

Irgendwann wurde es meinem Vater zu bunt und er hat gesagt, dass er pünktlich zu Weihnachten essen wolle und sie wüssten, dass ich schwul bin, es wäre kein Problem für sie. Meine Mutter hat mir wortlos eine Packung Kondome und eine Tube Gleitgel in die Hand gedrückt, mich auf die Wange geküsst und hat das Abendessen vorbereitet. “

Tanto brach in schallendes Lachen aus, nachdem Evan geendet hatte. „Ich kenne deine Eltern zwar nicht, aber ich mag sie jetzt schon! Sie scheinen ja echt cool zu sein.“

„Ja“, nickte Evan lächelnd, „sie sind ziemlich locker, aber leider auch sehr neugierig. Sie werden dich mit Fragen löchern.“ „Gut, dass wir dafür ausgebildet wurden feindliche Verhörmethoden auszuhalten.“

Lachend schüttelte Evan den Kopf, presste seine Lippen auf Tantos. „Du bist so ein Spinner!“

Auf dem Gesicht des Größeren breitete sich ein liebevolles Lächeln aus. „Das ist schön.“ „Was?“, fragte Evan irritiert. „Dein Lachen“, antwortete Tanto so ernst, dass es in Evans Magen angenehm kribbelte und er spürte wie sich eine sanfte Röte über sein Gesicht zog.

Schweigend blickten sie sich in die Augen, versanken förmlich in ihnen und verschlossen ihre Münder schließlich wieder zu einem langen, sanften Kuss.

Nach einer Weile merkte Tanto wie Evan an seiner Seite immer schwerer wurde und sich seine Atemzüge verlangsamten.

„Hey“, flüsterte er, strich ihm ein paar Strähnen aus der Stirn, „nicht einschlafen, Kleiner.“ „Mh…“, machte Evan, richtete sich aber auf und fuhr sich mit einer Hand über sein Gesicht.

„Ich sollte wirklich schlafen gehen, war ja doch ein langer Abend.“ „Ein guter Abend, hoffe ich“, sagte Tanto leise, sah Evan abwartend und mit schneller schlagendem Herzen an.

Ein sanftes Lächeln überzog Evans Gesicht. Er beugte sich zu dem Schwarzhaarigen, sah ihm tief in die Augen: „Ein sehr guter.“

Bevor Tanto sich vorbeugen konnte, hatte sich Evan schon wieder zurückgezogen und erhob sich von dem Sofa. Er hielt Tanto eine Hand entgegen, der sie ergriff und sich in die Senkrechte ziehen ließ.

„Kommst du morgen zum Frühstück?“, fragte Evan und sah wie für den Bruchteil einer Sekunde Enttäuschung über das Gesicht des Größeren flackerte, doch dann hatte er sich wieder im Griff. „Gerne. Ich bringe Brötchen mit.“ „Perfekt.“

Vor der Haustür wandte sich Tanto zu Evan um, der ihn wieder mit diesem leicht unsicheren Blick musterte.

Lächelnd zog er ihn in seine Arme, strich über seinen Rücken und spürte wie Evan ebenfalls die Arme um ihn schlang, sein Gesicht an Tantos Hals barg.

„Schlaf gut“, raunte Evan, löste sich und stellte sich etwas auf die Zehenspitzen, um den Anderen küssen zu können.

„Du auch. Bis morgen.“

Tanto schenkte ihm noch ein warmes Lächeln, dann öffnete er die Tür und ging zu seinem Auto, das in der Einfahrt stand.
Review schreiben