I´m only human

von MrsHarnik
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
05.04.2020
18.10.2020
14
16.097
7
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01.06.2020 929
 
Schweigend nahmen sie ihr Frühstück ein, hingen ihren Gedanken nach, warfen sich aber immer wieder Blicke zu.

„Soll ich dich gleich nach Hause bringen?“, bat Tanto an, während er das benutzte Geschirr abräumte.

Evan nippte an seinem Kaffee und beobachtete seinen Teamführer. Auch einen Blick auf dessen Hintern erlaubte er sich, sah jedoch schnell wieder weg als Tanto sich zu ihm umdrehte.

„Ich rufe mir einfach ein Taxi“, murmelte Evan. „Du hast schon genug für mich getan. Ich will dir nicht weiter zur Last fallen.“ „Du bist keine Last für mich, Evan!“

Tanto schloss die Spülmaschine, wandte sich zu Evan um, der seinem Blick auswich.

„Ich bringe dich gerne heim oder vielleicht lieber zu John?“ Ein verwirrter Blick traf ihn. „Dein Auto steht noch dort“, erklärte er leise schmunzelnd, beobachtete Evan, der schließlich zurückhaltend nickte.

#

Als Tanto sein Auto hinter Evans parkte, wandte er sich zu ihm um: „Hey, ich habe das vorhin ernst gemeint: Du bist keine Belastung für mich. Du kannst jederzeit mit mir reden, wenn dir danach ist, verstanden?“

Nachdenklich sah Evan ihn an und Tanto hatte den Eindruck, dass er etwas sagen wollte, aber er nickte schlussendlich nur und öffnete die Beifahrertür.

„Danke“, lächelte Evan, schlug kurz mit Tanto ein und stieg aus dem Wagen. Der Ältere beobachtete wie Evan in seinen SUV einstieg, losfuhr und einen Moment später um die nächste Ecke verschwunden war.

Seufzend schloss Tanto die Augen, fuhr sich mit einer Hand durch seine Haare. Er musste dringend mit jemandem reden. Er angelte das Handy aus seiner Hosentasche und rief Logan an.

„Tanto! Was gibt`s?“ „Kann ich vorbeikommen?“, fiel er mit der Tür ins Haus. „Klar! Ist alles okay? Du hörst dich irgendwie merkwürdig an.“ „Ich…“ Tanto atmete tief durch. „Ich glaube ich habe mich in Evan verliebt.“


#


Am nächsten Morgen war Evan bereits vor seinen Kollegen auf der Basis und prügelte auf einen Boxsack im Fitnessraum ein.

Er war schon seit ein paar Stunden auf den Beinen und hatte einen mehrere Kilometer weiten Lauf hinter sich gebracht.

Als ob seine Albträume nicht schlimm genug wären, die ihm den Schlaf raubten, schlich sich nun auch Tanto in seine, zugegeben, feuchten Träume.

Mit unglaublicher Kraft hieb Evan auf den Boxsack ein, wollte sich am liebsten komplett verausgaben, was aber kontraproduktiv gewesen wäre, wenn er so früh am Tag schon etwas von seiner Kraft einbüßen würde.

„Hey, hey! Lass das Teil heile! Andere wollen auch noch damit trainieren“, lachte Rocker und betrat zusammen mit Logan, Todd und Tanto den Fitnessraum.

Logan tauschte einen schnellen Blick mit Tanto, der kurz zu Evan sah, sich aber schließlich den Gewichten zuwandte und konzentriert auf die ihm gegenüberliegende Wand starrte.

Verbissen zog Evan sein Training durch, doch immer wieder suchten seine Augen Tanto, fanden ihn, blieben an ihm kleben.

Schnaufend griff er nach seinem Handtuch, wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Bin duschen“, brummte er und verließ den Raum.

„Was ist dem denn über die Leber gelaufen?“ Fragend sah Rocker seine Kollegen an, die nur mit den Schultern zuckten.

„Ist euch schon aufgefallen, dass der Neue kaum redet? Er beobachtet immer alles und jeden aufmerksam, macht sich seine Notizen, leistet auch gute Arbeit, aber er redet nicht. Oder lacht mal über einen unserer Sprüche“, warf Todd in den Raum, der auf dem Ergometer saß und seine Kilometer abspulte.

Rocker pflichtete ihm bei: „Er sieht auch immer so traurig aus. Fast schon leidend.“

„Gebt ihm noch etwas Zeit“, keuchte Tanto, der gerade dabei war seine Übungen beim Bankdrücken auszuführen. „Er hat sein Team verloren. Dass ihn das nicht kalt lässt, ist doch klar.“ „Und dass du ihn in Schutz nimmst, ist auch klar“, raunte Logan ihm im Vorbeigehen zu, zwinkerte.

Tanto verdrehte die Augen, trotzdem stahl sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen. Er würde Evan immer in Schutz nehmen, nachdem er sich nach dem Gespräch mit seinem besten Freund endlich eingestanden hatte, dass er sich in Evan verliebt hatte.

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Sie hatten noch eine Weile trainiert als ihre Pager ansprangen.

In Trainingskleidung gingen sie in den Besprechungsraum, in dem Evan bereits frisch geduscht und in seiner Uniform saß. Vor ihm lag wie immer sein Notizblock und ein Kugelschreiber.

Commander Keen wandte sich schließlich an die Gruppe, die nicht nur aus den sechs SEALS bestand, sondern auch aus CIA Mitarbeitern, Führungs- und Planungsmitgliedern.

„Wir haben den Auftrag erhalten ein amerikanisches Containerfrachtschiff zu befreien, das von somalischen Piraten geentert wurde und deren Besatzung als Geiseln festgehalten wird.“

Tanto nickte verstehend. „Wie viele Geiseln und Piraten?“

„Den Drohnenbildern nach sind es 10 Tangos. Die Besatzung umfasst insgesamt 30 Crewmitglieder. Nach unseren Infos sind sie im Laderaum des Schiffes eingesperrt. Hier und hier“, deutete er auf einen Plan, der auf dem Tisch lag, „gibt es einen Zugang zum Laderaum. Schalten Sie die Geiselnehmer aus und bringen Sie unsere Leute nach Hause.“

Tantos Team nickte; Evan schlug sein Notizbuch zu, klemmte den Stift hinein. „Wann geht’s los?“ „Um Dreizehnhundert. Master Chief Pure wird Ihnen schon mitgeteilt haben, von wo das Flugzeug startet?“ „Das hat er, Sir.“ „Gut. Dann erledigen Sie noch alles Notwendige und seien Sie pünktlich.“

Schweigend verließ das Team den Besprechungsraum.

Außer Tanto und Evan wollten alle nach Hause fahren, sich von ihren Familien oder Freundinnen verabschieden und dann später zum Rollfeld kommen.

„Ich muss meine Sachen packen. Wir sehen uns später“, murmelte Evan und verschwand in Richtung der Umkleideräume, wo jeder der sechs Mitglieder von SEAL Team Vier ihre Käfige hatten, wie sie die provisorisch mit Maschendrahtzaun abgetrennten Räume nannten.

Seufzend sah Tanto ihm hinterher, beschloss aber sich in die Kantine zu setzen und eine Kleinigkeit zu essen.
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