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I´m only human

von MrsHarnik
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
05.04.2020
18.10.2020
14
16.097
7
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18.04.2020 1.158
 
Nachdem die Sechs ihre Uniformen gegen Zivilkleidung getauscht hatten, waren sie vom Gelände der Basis mit ihren Autos zu der nahegelegenen Bar gefahren.

Diese befand sich am Pier und hatte einen kleinen, aber gepflegten Außenbereich, der bereits gut besucht war.

Viele Soldaten der Navy kamen nach einem erfolgreichen Auslandseinsatz her oder verbrachten den Feierabend bei einem gemütlichen Glas Bier mit ihren Kollegen, Freunden und Familien.

Evan fielen ein paar Kinder auf, die zwischen den Tischen fangen spielten, bevor sie von ihren Eltern zur Ordnung gerufen wurden.

„Komm“, raunte Tanto nah an Evans Ohr, legte ihm eine Hand auf den Übergang zwischen Hals und Schulter und drückte leicht zu.

Sich auf die Unterlippe beißend genoss Evan die warme, raue Hand auf seiner Haut und folgte den Anderen in die Bar.

Die Nase rümpfend sah er sich um. Es gab nur ein schummriges Licht, die Holztische und Stühle hatten auf jeden Fall auch schon bessere Tage erlebt und die letzte Reinigung hatte wahrscheinlich an Weihnachten vor drei Jahren stattgefunden.

„Es ist etwas siffig hier, aber wir kommen trotzdem gerne her“, grinste Rocker und deutete auf einen freien Tisch mit genügend Stühlen.

Tanto setzte sich neben seinen neuen Schützling als eine korpulente, ältere Dame mit lila gefärbten Haaren an ihren Tisch trat.

„Hallo Jungs. Wie schön euch an einem Stück zu sehen und ihr habt Frischfleisch dabei. Wer ist denn das schmucke Kerlchen?“

„Ich bin Evan Sheppard, Ma´am“, stellte er sich vor und hatte die Lacher auf seiner Seite. „Bei Sammy kannst du dir Höflichkeit sparen, Kleiner“, grinste Logan und griff in die Schale mit den Erdnüssen, die auf jedem Tisch standen.

„Nur weil ihr keinen Anstand mehr habt“, begehrte die resolute Frau auf und schenkte Evan ein hinreißendes Lächeln. „Lass dich nicht von den Jungs versauen, mein Hübscher. Dein Bier geht heute aufs Haus.“

Unter lautem Protest wandte Sammy sich ab und ging zurück zur Theke, um das Bier für die Jungs zu zapfen.

„Unglaublich! Du bist grade mal zwei Sekunden hier und schon liegt dir die Frauenwelt zu Füßen“, schüttelte John mit dem Kopf.

Schief grinsend zuckte Evan mit den Schultern. „Das ist nun mal mein natürlicher Charme und die guten Gene.“

„Erzähl doch mal: Wo genau kommst du her? Hast du eine Freundin? Kinder?“ „Deer, lass ihn doch auch mal zu Wort kommen“, lachte Tanto, nippte an seinem Bier, das mittlerweile serviert worden war.

Räuspernd sah Evan in die Runde und stellte fest, dass ihn seine neuen Kollegen gebannt anstarrten.

„Ich komme ursprünglich aus New York, bin aber nach dem College nach Kalifornien gezogen und habe mich für die Navy gemeldet. Keine Freundin, keine Kinder“, schloss er seine kurze Vorstellungsrunde.

„Und warum wolltest du ein SEAL werden?“ „Mein bester Freund und ich haben eine Reportage gesehen und waren sofort begeistert. Wir haben uns gemeldet, haben die Ausbildung zusammen durchgestanden und sind sogar ins gleiche Team gekommen.“

„Okay, das ist wirklich selten, dass man so ein Glück hat. Wieso bist du denn dann überhaupt nach Virginia gezogen?“, wollte Rocker wissen und warf sich eine Handvoll Erdnüsse in den Mund.

Evan merkte, dass ihm das Gespräch zu entgleiten drohte. Nervös drehte er sein Glas in den Händen. „Bin versetzt worden“, murmelte er und sah auf die Tischplatte.

„Hast du Scheiße gebaut und bist deswegen versetzt worden oder warum lässt du deinen besten Freund am anderen Ende des Landes zurück?“

Tanto blickte ihn fragend an, auch die Anderen schienen auf die Antwort gespannt zu sein.

Evan spürte wie sich Schweiß in seinem Nacken sammelte. Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen und ein kalter Kloß bildete sich in seinem Magen.

Eigentlich sollte das Hauptquartier in Coronado seinen neuen Commander über den Vorfall unterrichten und dieser sollte es seinem neuen Team mitteilen, damit Evan endlich die Möglichkeit bekam mit dem Verlust fertig zu werden.

Er atmete tief durch, setzte sich grade hin und erklärte mit zittriger Stimme: „Wir waren auf einer Mission, sind aber in einen Hinterhalt geraten. Wir… wir hatten keine Chance. Es gab eine Explosion und dann… Ich bin im Krankenhaus wieder aufgewacht. Mein Team…“

Evans Stimme brach. Er stand so abrupt auf, dass sein Stuhl mit einem lauten Poltern umfiel.

„Ich… Sorry…“, murmelte er kaum verständlich und drehte sich auf dem Absatz um. Er musste diesem stickigen Raum entkommen, weil er das Gefühl hatte nicht mehr richtig atmen zu können.

Tanto rief seinen Namen, doch Evan blieb nicht stehen. Kopflos stürzte er aus der Bar, lief über die Straße und konnte froh sein nicht von einem Auto oder einem der unzähligen Trucks der Navy überfahren zu werden.

Er lief immer weiter, hinunter zum Strand, wo er sich einfach in den Sand fallen ließ, der von der Sonne aufgewärmt war.

Sein Gesicht in den Händen vergrabend, atmete Evan tief durch und versuchte sich wieder zu sammeln.

Er war nicht darauf vorbereitet gewesen. Hätte er geahnt, dass hier niemand von seiner Vergangenheit wusste, hätte er sich auf die kommenden Fragen vorbereiten können; sich wappnen können.

„Du bist ganz schön schnell, Kleiner“, schnaufte Tanto und ließ sich neben Evan in den Sand fallen. Ohne zu zögern legte der Schwarzhaarige seinen Arm um Evans Schultern, zog ihn an sich.

Eine ganze Weile schwiegen sie, sahen hinaus auf den Ozean. Evan war einfach nur froh, dass er nicht alleine war. So konnte er die aufsteigenden Gedanken, ob er seinem Team irgendwie hätte helfen können, um sie alle zu retten, unterdrücken.

„Evan, es tut mir leid. Das hätte nicht passieren dürfen. Ich hätte vor deiner Versetzung zu uns die Hintergründe mitgeteilt bekommen müssen. Damit dir sowas wie vorhin erspart geblieben wäre.“

Tanto sah Evan entschuldigend und um Verzeihung bittend an, strich mit seiner Hand über dessen Oberarm.

Unwillkürlich lehnte sich Evan dichter an den Größeren, genoss dessen Nähe und ließ es sich nicht nehmen einen Moment genießend die Augen zu schließen.

„Schon okay, mach dir keine Vorwürfe“, murmelte er. „Ich habe nur schon eine Weile nicht mehr darüber gesprochen und vorhin… Es hat mich aus der Bahn geworfen.“

„Absolut verständlich“, meinte Tanto leise. „Ich kann mir gar nicht vorstellen was du durchgemacht haben musst.“ „Ich hoffe für dich, dass du das auch nie erleben wirst“, sagte Evan und fuhr sich unwirsch über die Augen.

Sanft legte Tanto eine Hand an Evans Gesicht, drehte es zu sich. Mit dem Daumen wischte er ihm die Tränenspuren von der leicht gebräunten Haut, lächelte ihn aufmunternd an.

Evan drohte in den smaragdgrünen Augen zu versinken, die ihn so aufrichtig, liebevoll ansahen, dass sich der Jüngere am liebsten vorgebeugt und seine Lippen auf die des Anderen gelegt hätte.

Auch Tantos Blick wanderte zu Evans Lippen. Langsam kam er näher, doch dann räusperte sich Evan, rückte ab und erhob sich.

Den Sand von der Kleidung klopfend, sah er sich um, fuhr sich mit einer Hand durch die kurzen blonden Haare.

„Ich… Ich muss los. Sag den Jungs, dass es mir leid tut und… Wir sehen uns morgen“, stotterte Evan, drehte sich um und ließ Tanto verwirrt und irgendwie auch enttäuscht zurück.
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