I´m only human

von MrsHarnik
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
05.04.2020
18.10.2020
14
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01.09.2020 1.144
 
Irritiert und zugleich schweigend blickte Evan Tanto an.

Dem fiel der gehetzte Blick und das schwere Atmen sofort auf. Auch die leichten Tränenspuren auf den Wangen blieben ihm nicht verborgen.

„Was ist los, Evan?“, wollte Tanto alarmiert und zugleich besorgt wissen, doch anstatt einer Antwort warf sich Evan regelrecht in seine Arme und vergrub sein Gesicht mit einem gequälten Schluchzen an Tantos breiter Brust.

„Dean!“

Sein Name war kaum mehr als ein Hauchen, doch trotzdem hörte Tanto den Schmerz und die Verzweiflung aus der Stimme seines Freundes heraus.

Fest schlang er seine Arme um den Rücken des Kleineren, hielt ihn an sich gedrückt und presste seine Lippen auf Evans Haare und murmelte beruhigende Worte.

„Schatz, lass uns mal zum Sofa rübergehen“, raunte Tanto, doch Evan rührte sich nicht einen Millimeter, geschweige denn, dass er seinen Klammergriff um ihn lockerte.

Langsam, einen Fuß vor den anderen setzend, schob Tanto Evan mit sanfter Gewalt nach hinten bis sie das Sofa erreicht und sich darauf niedergelassen hatten.

Sofort suchte Evan wieder Tantos Nähe, seine Berührungen. Er drängte sich so dicht an seinen Freund als ob er in ihn hineinkriechen wollte.

Liebevoll strich Tanto Evan mit einer Hand durch die blonden, weichen Haare; die andere ruhte fest auf Evans Hüfte.

Allmählich beruhigte sich Evans Atmung und er lockerte seinen festen Griff in Tantos Shirt.

Fahrig wischte er sich über die Augen, atmete zittrig durch. Er setzte sich aufrecht hin, stützte seine Ellbogen auf seinen Knien ab und verbarg das Gesicht in den Händen.

Ruhig saß Tanto an seiner Seite, beobachtete ihn mit besorgter Miene und gerunzelter Stirn, doch er sprach Evan nicht an; gab ihm die Zeit, die er brauchte.

Minutenlang verharrte Evan in dieser Position, atmete immer wieder tief ein und aus bis er sich wieder aufrichtete und sich langsam zu seinem Freund umwandte.

„Tut mir leid. Du hättest das nicht mitbekommen sollen. Mich so nicht sehen sollen“, murmelte Evan, senkte den Kopf.

„Hey, hey! Du musst dich nicht entschuldigen! Ich will für dich da sein, Evan. Du musst mich nur lassen“, lächelte der Schwarzhaarige leicht, strich ihm über den breiten Rücken.

„Ich bin nicht so gut darin über meine Gefühle zu sprechen. Der Psychologe wäre damals fast an mir verzweifelt“, merkte Evan mit einem schiefen Grinsen an, drehte sich zur Seite, zog die Beine auf die Sitzfläche und blickte Tanto direkt in die Augen.

Der erwiderte seinen Blick, lehnte sich ebenfalls seitlich gegen die Rückenlehne. Er griff nach Evans Hand, strich mit seinen Fingern über seine Handinnenfläche, bevor er ihre Finger miteinander verschränkte.

Sanft lächelnd betrachtete Evan ihre Hände, dann räusperte er sich und atmete tief durch: „Ich habe Albträume. Von dem Tag, an dem ich mein Team verloren habe. Ich… Ich durchlebe es jede Nacht aufs Neue. Fast jedes Mal, wenn ich schlafe. Immer und immer wieder.“

Verstehend nickte Tanto, drückte Evans Finger, unterbrach ihn aber nicht.

Der Blick des Blonden wurde gedankenversunken, abwesend. Unwillkürlich strich er mit der freien Hand über seine Brust, biss sich auf die Unterlippe.

„Es ist fast so als ob ich die Hitze spüren kann. Der Dreck und Staub sammelt sich in meinen Lungen, ich kann kaum atmen“, raunte Evan, fühlte wieder diesen beengenden Druck auf seiner Brust, doch jetzt war Tanto da, der ihm durch seine bloße Anwesenheit Sicherheit gab.

Umständlich räusperte sich Evan, fixierte einen Punkt neben Tantos linkem Ohr.

„Mein bester Freund, mein… Geliebter ist in meinen Armen gestorben und ich konnte nichts dagegen tun“, flüsterte er. Tränen füllten seine blauen Augen. Kurz flackerte Ryans breites Grinsen vor seinem inneren Auge auf.

„Scheiße, Evan! Das tut mir unglaublich leid!“

Mitleidig sah Tanto ihn an, überbrückte die Distanz zwischen ihnen und zog Evan fest in seine Arme. Der schmiegte seine Wange an Tantos muskulöse Brust, sog seinen Geruch ein.

Nur langsam lösten sie sich wieder voneinander, blieben jetzt aber nah beieinander sitzen. Ihre Körper berührten sich und Evan spürte die angenehme Wärme, die von dem Größeren ausging, ihn beruhigte.

„Wie lange wart ihr zusammen?“ „Fast fünf Jahre“, erklärte Evan leise. „Eine lange Zeit.“ „Und eine wirklich schöne. Wir kannten uns schon als kleine Kinder, aber erst in der High School haben wir uns ineinander verliebt.“

Schweigend saßen sie eine Weile zusammen. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

„Du sagtest, dass du fast immer von dem Anschlag träumst. Im Flugzeug oder als wir auf der Basis geschlafen haben, hattest du keine Albträume. Wie kommt das?“, wollte Tanto wissen; seine Hand ruhte auf Evans Unterschenkel.

Der zuckte mit den Schultern, sah Tanto wieder direkt in die Augen.

„Ich glaube, weil ich weiß, dass ich dann nicht alleine bin. Zumindest was die Basis angeht. Und ganz ehrlich: ich liebe die Geräusche im Flugzeug. Sie beruhigen mich und ich kann super ein- und durchschlafen.“

Leise lachte Tanto, schüttelte grinsend den Kopf: „Ich hasse es, wenn Commander Keen sagt, dass wir schlafen sollen. Meistens ruhe ich mich nur aus, weil mich die Geräusche im Flugzeug wahnsinnig machen.“

Auch Evan musste jetzt grinsen, beugte sich vor und küsste Tanto sanft, ehe er sich wieder zurücksinken ließ.

„Dann werde ich ab sofort immer Oropax für dich dabei haben.“ „Du bist süß“, lächelte Tanto und ignorierte Evans entsetztes Gesicht gekonnt. „Süß? Ich bin nicht süß!“ „Wäre dir niedlich lieber?“, fragte Tanto lachend, wurde von Evan aber einfach umgeschubst, so dass er auf dem Sofa lag und Evan sich über ihn schob.

Tief sahen sie sich in die Augen. Evan umfasste Tantos Gesicht mit seinen Händen, murmelte: „Ich mag deine Augen wirklich sehr“, ehe er seine Lippen auf die seines Freundes legte.

Sanft und gefühlvoll küssten sie sich, ließen ihre Hände über den Körper des Anderen gleiten, doch als Tanto seine Zunge über Evans Unterlippe gleiten ließ, zog dieser sich zurück und erhob sich vom Sofa.

„Ich sollte mein Verhalten unter der Dusche erklären. Du bist der Erste, dem ich sie seit damals zeige“, sagte Evan und sah Tanto mit einem unleserlichen Blick an.

Mit langsamen Bewegungen griff er nach dem Saum seines grauen Sweatshirts, das er zu Hause immer trug und zog es sich über den Kopf. Achtlos ließ er es neben sich auf den Boden fallen, öffnete die Kordel seiner weiten Jogginghose; ließ sie bis zu seinen Knöcheln hinunterrutschen.

Schließlich streifte er sich auch noch sein T-Shirt über den Kopf und stand nur noch in Shorts vor seinem Freund, der seinen Blick über die dunklen Narben gleiten ließ, die sich auf der leicht gebräunten Haut sichtbar abzeichneten.

Aufmerksam beobachtete Evan ihn und bemerkte wie sich Erkenntnis über das Gesicht seines Teamführers legte.

„Ist das der Grund warum du immer als Letzter duschen gehst? Weil du nicht willst, dass einer von uns deine Narben sieht?“

Zittrig atmete Evan ein, nickte schnell. „Ich… Ich hasse sie. Sie werden mich immer an diesen einen Tag erinnern und…“ Er schluckte, mied Tantos Blick. „Ich schäme mich dafür, so entstellt zu sein. Wer sollte das schon attraktiv finden?“
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