I´m only human

von MrsHarnik
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
05.04.2020
18.10.2020
14
16.097
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18.08.2020 1.997
 
Zusammen fuhren die Beiden zur Basis, doch als Tanto aus dem geparkten Wagen steigen wollte, hielt Evan ihn zurück.

„Ist es okay, wenn wir den Anderen noch nichts von uns erzählen? Ich meine nur … Nicht, dass ich mich für dich schämen würde, aber es hat gerade erst begonnen und …“

Tantos große Hand auf seinem Oberschenkel ließ ihn verstummen.

„Evan, ganz ruhig. Es ist vollkommen in Ordnung ihnen noch nichts zu sagen. Du hast Recht, es ist alles noch am Anfang und diese besondere Zeit soll nur uns Beiden gehören.“

Erleichtert lächelte Evan, legte seine Hand für einen viel zu kurzen Moment auf Tantos.

„Wir sollten reingehen“, nickte der Blonde zu der bewachten Eingangstür und öffnete endlich die Beifahrertür.

Zusammen betraten sie schließlich den Besprechungsraum, nachdem sie ihre Handys in den durchsichtigen Boxen neben der Tür abgegeben hatten.

Logan sah seinen besten Freund neugierig an, der seinen Blick jedoch schlicht ignorierte und seine Aufmerksamkeit seinem Commander zuwandte.

„Neuesten Informationen zufolge soll morgen im Jemen ein großer Waffendeal über die Bühne gehen. Ihre Aufgabe ist es den Verkäufer einzusacken und ihn zwecks Befragung in ein abgeschottetes Gefängnis der CIA in Marokko zu bringen.“

„Was ist mit dem Käufer?“, wollte Tanto wissen, lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, während sich Evan wie immer Notizen machte.

„Der ist nur ein Mittelsmann. Wir werden ihn laufen lassen und hoffen, dass er uns zu den Hintermännern führt. Noch haben wir keine absolute Gewissheit für wen die Waffenlieferung bestimmt ist. Das Alpha Team wird sich darum kümmern. Sie konzentrieren sich nur auf den Verkäufer. Abflug ist in zwei Stunden!“

Logan, Rocker und Todd fuhren nochmal nach Hause, währen die anderen Teammitglieder auf der Basis blieben.

John zog sich in einen der Ruheräume zurück, um sich auszuruhen. Tanto musste noch Papierkram erledigen und Evan ging für ein leichtes Workout in den Fitnessraum.

#

Zwei Tage später landete das Frachtflugzeug nach einem unkomplizierten Einsatz wieder auf amerikanischem Boden.

Commander Keen hatte noch eine abschließende Einsatzbesprechung angesetzt, so dass sich das Delta Team im Besprechungsraum eingefunden hatte und in kurzen, präzisen Sätzen den Einsatz nochmals durchsprachen.

„Okay, gute Arbeit, Männer! Das Alpha Team ist am Käufer dran. Die Waffen werden ebenfalls überwacht. Es sollte also nicht mehr allzu lange dauern bis wir die Hintermänner haben. Genießen Sie Ihren Feierabend.“

„Tanto, kann ich kurz mit dir reden?“ Fragend sah Logan seinen besten Freund an, der leicht nickte. „Ich gehe duschen und warte dann am Auto auf dich“, teilte Evan Tanto mit, folgte Rocker, John und Todd in die Umkleideräume.

Seinem Spind entnahm er sein Handy, checkte seine Nachrichten und Mails, während sich seine Teamkollegen in die angrenzenden Duschräume verzogen.

Evan rief seine Eltern an, bevor es zu spät am Abend wurde und nickte seinen Kollegen zum Abschied zu, die sich mittlerweile abgetrocknet und ihre Zivilkleidung angezogen hatten.

„Mum, ich muss langsam Schluss machen. Ich muss noch duschen und mein Kollege nimmt mich mit nach Hause. Ich will ihn nicht unnötig warten lassen“, verabschiedete er sich, zog sich aus, schmiss seine Einsatzkleidung in die Wäsche und ging in eine der Duschkabinen.

Zufrieden seufzend genoss Evan das warme Wasser, das auf ihn niederprasselte. Er wusch sich die Haare, verteilte das Duschgel auf seinem Körper und ließ sich doch etwas mehr Zeit als beabsichtigt.

Als er sich wieder abduschte, spürte er einen leichten Luftzug und kurz darauf fuhren feingliedrige Finger über seine Schulter. Augenblicklich erstarrte er in seinen Bewegungen.

Sobald Tantos Finger Evans nasse Haut berührten, spürte und sah er wie sich sein Freund versteifte; spürte, wie er den Atem anhielt.

„Verschwinde!“, raunte Evan, stellte das Wasser aus, drehte sich aber nicht um.

Irritiert starrte Tanto den nackten Rücken seines Freundes an. Hatte er sich verhört?

„Was?“ „Ich sagte du sollst verschwinden!“ „Evan, was …?“ „Verdammt nochmal: verpiss dich, Tanto! Fass mich nicht an!“

Total verwirrt zog Tanto seine Hand zurück, trat einen Schritt von der mit Milchglas verglasten Kabine zurück. Fassungslos wartete er darauf, dass Evan sich endlich umdrehte, ihn ansah. Ihm erklärte was hier grade ablief, doch der Jüngere wandte ihm weiterhin den Rücken zu.

„Geh endlich, verdammt! Ich rufe mir ein Taxi!“

Tanto fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Verzweifelt bat er: „Evan, bitte, rede doch mit mir! Was ist los?“ Doch Evan rührte sich nicht mehr. Seine Schultern waren hochgezogen, der Kopf nach unten geneigt und er zitterte leicht.

Tanto spürte, dass er jetzt nicht an Evan rankam. Resigniert warf er noch einen Blick auf ihn, verließ die Duschräume und anschließend die Umkleidekabine.

Vor der Tür blieb er einen Moment stehen, atmete tief durch. Was zur Hölle war gerade geschehen?

Er würde jetzt nach Hause fahren, Evan etwas Zeit geben, um sich wieder zu beruhigen und dann wollte er wissen was auf einmal in ihn gefahren war!

#

Gelächter hallte von den gepanzerten Wänden des Wagens wider. Er lachte über einen schlechten Witz seines Gegenübers. Langsam fuhren sie über die sandige Straße, wirbelten Staub auf. „Pass auf!“, schrie Nick, der auf dem Beifahrersitz neben Ryan saß. Doch obwohl Ryan sofort auf die Bremse trat, war es zu spät.

Glas splitterte, ein ohrenbetäubender Lärm ließ Evans Ohren klingeln. Staub und Dreck krochen in seine Lungen. Sein Bein schmerzte; er hing in seinem Gurt, der ihm schmerzhaft in die Haut schnitt.

Mühsam sah Evan sich um. Die Frontscheibe war zerstört, der Humvee lag auf der Seite. Eine gespenstische Stille machte sich breit.

Michael lag neben ihm. Sein Arm merkwürdig verdreht, die Augen weit aufgerissen, aber kein Leben war mehr in ihnen zu sehen.

„Fuck!“, keuchte Evan, griff nach seinem Messer, das er in seiner Jacke verstaut hatte, schnitt den Gurt durch.

Mit einem schmerzerfüllten Laut landete Evan auf der Seite des Wagens. Er wischte sich mit einer Hand über die Stirn, sah das Blut an seinen Fingern kleben.

„Ryan! Nick! Steve!“, schrie er, doch niemand antwortete ihm.

Er krabbelte auf allen Vieren durch den umgekippten Humvee, sah Steve auf dem Bauch liegend röchelnd nach Luft schnappen, doch ehe er ihm helfen konnte, atmete Steve ein letztes Mal aus und schloss die Augen.

„Nein! Steve!“, schrie er, drehte seinen Freund auf den Rücken, versuchte ihn wiederzubeleben, doch es war zu spät.

Mühsam richtete er sich auf, stützte sich auf sein unverletztes Bein und hievte sich aus dem zerborstenen Seitenfenster hinaus.

Langsam ließ er sich vom Wagen gleiten, seine Beine gaben unter ihm nach. Erst jetzt sah er an sich herunter. In seinem rechten Oberschenkel steckte ein großer metallener Splitter. Blut rann aus der Wunde, tränkte seine Hose.

„Evan?“ Nur ein leises Murmeln. So schnell er konnte krabbelte er durch den Staub zu Ryan. Er lag auf dem Rücken, Blut quoll aus seinem Mund. Er musste schwere innere Verletzungen haben, schoss es Evan durch den Kopf.

„Ganz ruhig! Beweg dich so wenig wie möglich! Wo ist Nick?“

Ryan deutete mit der linken Hand undeutlich in eine Richtung. Schnell sah Evan sich um, sein Atem stockte als er seinen Teamführer mehrere Meter entfernt liegen sah. Er musste bei der Detonation der Straßenmiene aus dem Humvee geschleudert worden sein.

Grade als er zu ihm kriechen wollte, wurden die ersten Schüsse auf sie abgefeuert. Ihre Feinde hatten sie gefunden!

„Fuck! Ryan! Wir müssen uns im Wagen verschanzen! Das ist unsere einzige Chance! Komm!“

Er griff Ryan unter die Arme, der schmerzerfüllt aufschrie, sich aber wenigstens mit den Beinen voranschieben konnte. Durch die kaputte Frontscheibe zog Evan seinen Freund ins Innere des gepanzerten Wagens, an dem vermehrt Kugeln abprallten.

„Hier!“ Evan drückte Ryan ein Gewehr in die Hand, versuchte ihre Feinde auszumachen. „Ich werde versuchen an Nick ranzukommen!“ „Sei nicht dumm! Sie werden dich treffen!“, intervenierte Ryan, doch Evan war schon wieder an der Frontseite des Autos angelangt.

So schnell er konnte, sprang er hinaus auf die Straße, feuerte wie wild in die Richtung, aus der die Schüsse kamen und fiel neben Nick in den Sand. Er griff an seine Weste und zog ihn mit einer Hand zurück zum Humvee.

Ryan hatte sich auf den Bauch gedreht, sich eine günstige Position gesucht und deckte so gut es eben ging Evans Rückzug mit ihrem verletzten Kameraden.

Schweiß rann Evan in Strömen über den Rücken, die Stirn, in seine Augen. Endlich hatte er es geschafft Nick über die Schwelle der Frontscheibe zu ziehen, tastete nach seinem Puls.

„Und?“, fragte Ryan, doch Evan schüttelte nur den Kopf, schloss Nicks Augen. „Er ist tot.“

Erneut ging ein Kugelhagel auf sie nieder. Schnell zog sich Ryan weiter in den Wagen zurück, lehnte sich mit dem Rücken an die Seitenwand. Hustend spuckte er Blut aus, sah Evan an, der nur den Kopf schüttelte.

„Wage es ja nicht! Du kannst mich in dieser Hölle nicht alleine lassen, verstanden?!“ „Du blutest“, murmelte Ryan, nickte auf Evans Brust. Irritiert sah er an sich herunter, stellte fest, dass sein Freund recht hatte.

Im Adrenalinrausch hatte er nicht bemerkt, dass er von zwei Kugeln getroffen worden war. Blut sickerte aus den Wunden. Jetzt, wo er sich der Kugeln in seinem Körper bewusst wurde, spürte er den gleißenden Schmerz.

„Fuck!“, keuchte Evan, ließ sich neben Ryan nieder, dessen Augen immer schwerer wurden.

„Hey, du musst durchhalten! Penn jetzt bloß nicht ein! Ich gehe nochmal raus und markiere unsere Position mit einer roten Rauchbombe“, teilte Evan Ryan mit, der nur schwach nickte, schon gar nicht mehr richtig verstanden hatte, was Evan da im Begriff war zu tun.

Er robbte wieder an die Frontscheibe heran, warf einen Blick hinaus und musste feststellen, dass sich ihre Feinde bereits immer weiter annäherten.

„Scheiß drauf“, murmelte Evan, zwängte sich aus dem Humvee und warf eine der Rauchbomben in hohem Bogen auf die Straße, während er mit nur einer Hand sein Maschinengewehr abfeuerte.

So schnell es ihm seine Verletzungen ermöglichten, kroch er zurück in den Wagen, doch bevor er ihn erreichen konnte, spürte er wieder einen siedend heißen Schmerz in seinem Oberschenkel, wo ihn erneut eine Kugel durchbohrte.

Mit letzter Kraft ließ er sich neben Ryan fallen. Der tastete nach seiner Hand, verschränkte ihre Finger miteinander und sah ihn aus trüben Augen an.

„Hätte nicht gedacht, dass es mal so enden würde.“ „Hier endet gar nichts! Wir haben uns seit einer halben Stunde nicht mehr im Lager gemeldet. Sie werden bestimmt schon eine Drohne geschickt haben und wenn sie den Rauch sehen, werden sie Hilfe schicken! Wir müssen nur so lange durchhalten!“

„Leicht gesagt“, murmelte Ryan leise, drückte Evans Hand. „Sag meinen Eltern, dass ich sie liebe.“ „Das wirst du ihnen selber sagen!“

Panik kroch in Evan hoch. Er stand so sehr unter Strom, dass er seine eigenen Verletzungen und den damit verbundenen Blutverlust nicht spürte. Stattdessen konzentrierte er sich vollkommen auf Ryan, der schwer atmete und immer mehr Blut spuckte.

„Evan…“ „Nein“, flüsterte er mit bebender Stimme, blinzelte die Tränen weg, die sich in seinen Augen sammelten. „Wir schaffen das! Du musst durchhalten!“ „Ich liebe dich. Vergiss mich nicht“, lächelte Ryan schwach, drückte Evans Hand in seiner. „Ich liebe dich auch“, schluchzte Evan und musste mitansehen, wie Ryan die Augen schloss, sich seine Atmung verlangsamte und schließlich ganz ausblieb.

„Nein! Ryan! Bitte!“, schrie Evan, schüttelte ihn, verpasste ihm eine Ohrfeige. Schluchzend zog er den Leichnam in seine Arme, klammerte sich an ihm fest.

Selbst immer schwächer werdend, nahm er nur am Rande wahr, dass sich die Stimmen seiner Feinde näherten, aber auf einmal war da auch ein anderes Geräusch. Er vernahm es nur noch am Rande seines Bewusstseins, aber es waren ganz eindeutig Rotorengeräusche eines Hubschraubers. Ihre Kameraden kamen ihnen endlich zur Hilfe.

„Zu spät“, murmelte Evan und driftete schließlich in schwarzes Nichts ab.


Die Klingel weckte Evan aus seinem Alptraum auf. Irritiert sah er sich um, wurde sich einen Moment später bewusst, dass er auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer lag. In Sicherheit.

Unwillkürlich fasste er sich an die Brust, strich über den weichen Stoff seines Hoodies, als es erneut an der Haustür klingelte.

Ächzend richtete er sich auf, rieb mit einer Hand über seinen schmerzenden Rücken und ging langsamen Schrittes zur Haustür, um sie zu öffnen.

„Hey, können wir reden?“, fragte Tanto und sah Evan hoffnungsvoll und abwartend zugleich an.
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