Rabenvater

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 Slash
Albus Severus Potter Draco Malfoy Harry James Potter Minerva McGonagall OC (Own Character) Scorpius Malfoy
04.04.2020
01.07.2020
27
37.035
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30.06.2020 1.582
 
Als Draco an Kims Seite den Krankenflügel betrat und er seinen Sohn so verloren auf dem Bett sitzen sah, verkrampfte sich sein Herz. Das war sein kleiner Junge, der da saß. Sein kleiner Junge, den er so schmählich im Stich gelassen hatte all die Jahre. Den er allein gelassen hatte in seiner Trauer.
Neben ihm saß eine kleine Hauselfe. Als sie ihn und Kim sah, ließ sie Scorpius Hand los, die sie bis jetzt festgehalten hatte und verschwand lautlos.
Draco schluckte schwer und ging langsam auf ihn zu.
„Scorpius?“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber Scorpius hörte ihn und hob den Kopf. Seine Augen waren eine einzige Anklage. Draco konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten.
„Es tut mir leid!“
Er machte einen weiteren Schritt auf ihn zu.
„Es tut mir so leid, mein Kleiner!“
Ein weiterer Schritt. Scorpius rührte sich nicht, sondern sah ihn einfach weiter mit diesem verzweifelten Blick an. Noch ein Schritt. Jetzt stand Draco direkt vor dem Bett. Vorsichtig streckte er eine Hand nach Scorpius aus, zog sie aber sofort wieder zurück, als er bemerkte, dass dieser sich leicht verkrampfte.
„Scorpius, ich … ich wollte das nicht. Ich weiß nicht, wie ich denken konnte, dass du … dass du sowas tun könntest.“
Nein, das stimmte nicht, und Draco wusste es. Er wusste, warum er seinem Sohn so eine Tat zugetraut hatte. Weil er sie ihm hatte zutrauen wollen. Einmal Malfoy, immer Malfoy, dachte er verbittert. Ohne Astoria verwandle ich mich wieder in das Scheusal zurück, das ich einmal war. Arrogant, herrschsüchtig, stolz. O Gott, ich brauche sie so sehr. Ich schaffe es nicht ohne sie!
In diesem Moment spürte er, wie sich eine Hand leicht auf seine Schulter legte. Von dieser Berührung ging eine Beruhigung aus, die ihm Mut machte, weiter zu reden.
„Ich weiß, ich war dir nie der Vater, den du gebraucht hättest. Den du verdient hättest.“ Er schluckte schwer. „Ich habe deine Mutter zu sehr geliebt. Ein Teil von mir konnte dir nie verzeihen, dass du mir soviel Zeit mit ihr geraubt hast. Aber das war dumm und falsch von mir, das weiß ich jetzt. An dem, was geschehen ist, hast du keine Schuld. Ich … ich glaube, dass ich all die Jahre zu viel Angst davor hatte, dich zu lieben. Alle Menschen, die ich geliebt habe, habe ich verloren. Ich hatte Angst, dich auch zu verlieren, wenn ich zulasse, dass ich dich liebe. Denn diesen Schmerz könnte ich nicht ertragen. Du bist das Beste, was mir im Leben passiert ist, das Beste, was ich jemals zustande bekommen habe.“
Er merkte selbst, wie bescheuert das klang.
Scorpius sagte nichts, sondern sah ihn weiterhin einfach an. Aber der Blick seiner Augen hatte sich verändert. Was war das, was Draco da sah? Verständnis? Nein, darauf durfte er nicht hoffen. Er entschied sich für Verachtung. Ja, das fühlte sich besser an, richtiger. Wie sollte sein Sohn etwas anderes für ihn empfinden können als Verachtung? Besonders, nachdem er ihm jetzt gesagt hatte, was er all die Jahre tief in seinem Herzen verborgen hatte.
Der Druck der Hand auf seiner Schulter verstärkte sich und Draco wusste, dass es jetzt nur noch eines gab, das er sagen konnte und musste:
„Scorpius, ich liebe dich! Ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben. Und ich verspreche dir, dass ich von nun an alles tun werde, um dir der Vater zu sein, den du brauchst. Aber alleine schaffe ich es nicht. Ich brauche Hilfe dabei. Deine Hilfe. Ich kann verstehen, wenn du mir die Jahre der Vernachlässigung nicht verzeihen kannst, aber ich bitte dich trotzdem: bitte verzeih mir und hilf mir dabei, dir der beste Dad der Welt zu sein!“

Scorpius setzte zu einer Antwort an, als er am Eingang des Krankenflügels eine Bewegung wahrnahm. Seine Augen leuchteten freudig auf, er sprang vom Bett und lief einfach los.
„Albus!“
Draco schluckte schwer an seiner Enttäuschung. Kim, die ihre Hand noch immer auf seiner Schulter hatte, sagte leise:
„Lassen Sie ihn. Für ihn ist Albus im Moment wichtiger. Wenn die Zeit gekommen ist, wird er auf Sie zukommen.“
Draco nickte.
„Ich hoffe, dass Sie Recht haben.“

Scorpius war überglücklich, dass Albus wieder da war und dass er, soweit man das sehen konnte, wohlauf war. Aber da war etwas … Je näher Scorpius ihm kam, umso deutlicher spürte er es. Irgendwas stimmte nicht. Scorpius blieb kurz vor ihm stehen.
„Albus, was ist denn? Was hast du?“
Sein Freund schlang die Arme um sich als wolle er sich an sich selbst festhalten. Er versuchte zu sprechen, bekam aber kein Wort heraus. Er begann zu zittern und seine Augen füllten sich mit Tränen.
„Albus?“, kam es leise fragend von Scorpius. Albus schüttelte abwehrend den Kopf.

Hagrid betrat den Krankenflügel. Er trug die immer noch bewusstlose Ginny auf seinen Armen und wandte sich an Madame Pomfrey:
„Tschuldigung, wo … ?“
Madame Pomfrey eilte herbei, wies auf ein Bett und Hagrid legte Ginny vorsichtig dort ab. Er wischte sich schniefend über die Augen, warf noch einen liebevoll-besorgten Blick auf sie und ging.
Scorpius sah zwischen Albus und Ginny hin und her. Was war hier los?
„Was ist passiert? Hat dein Vater sie …?“, fragte er zögernd. Albus schüttelte den Kopf.
„Nicht sie“, flüsterte er und schlug die Augen nieder. Er konnte Scorpius jetzt nicht ansehen, er schämte sich zu sehr.
„Albus ...“
Scorpius machte einen Schritt auf ihn zu, aber Albus wich vor ihm zurück.
„Bitte nicht! Bitte, jetzt nicht. Ich kann das jetzt nicht. Bitte!“
Eine unbestimmte Angst schnürte Scorpius die Kehle zu. Er spürte, dass etwas ganz Schreckliches passiert sein musste. Aber er durfte Albus jetzt nicht drängen.
„Ok, alles gut, wir machen das genau so, wie du es willst. Versprochen.“
„Danke.“
Albus ging an Scorpius und den anderen vorbei und setzte sich an das Bett seiner Mutter.
Scorpius warf einen ziemlich hilflosen Blick in die Runde und Kim gab Draco einen kleinen Stups. Er verstand.
„Komm, mein Junge, wir können hier im Moment nichts tun. Lass uns irgendwo hingehen und ne Tasse Kakao trinken, ja?! Ich glaub, das würde uns beiden jetzt gut tun. Was meinst du?“
Scorpius sah Kim an und diese nickte ihm leicht zu.
„Okay, Dad.“
Vater und Sohn verließen gemeinsam den Raum.

Kim seufzte erleichtert. Die Baustelle war abgehakt!
Dann trat sie an das Bett, in dem Marc lag, legte Lance eine Hand auf die Schulter und fragte:
„Wie gehts ihm?“
„Er ist vorhin kurz zu sich gekommen und hat mich angelächelt. Madame Pomfrey hat ihn jetzt in einen Heilschlaf versetzt. Sie meint, morgen gehts ihm wieder bestens.“
„Merlinseidank! Was würden wir bloß ohne ihn machen?!“
„Wir wären rettungslos verloren ohne ihn. Ach ja, er hat was gesagt, kurz bevor er eingeschlafen ist.“
„Was denn?“
„Dass du ihn nie mehr zu einer Party einladen sollst!“
„Kein Problem, ich glaube, meine wilde Partyzeit ist seit heute endgültig vorbei. Wird Zeit, erwachsen zu werden.“
Lance musste grinsen.
„Das schaffst du sowieso nicht, also lass es lieber gleich. Du bist schon gut so, wie du bist.“
„Hey, das sollten wir feiern!“
„RAUS!“
Lance drohte ihr mit gespielt bösem Blick eine Ohrfeige an. Kim musste lachen. Sie war unendlich froh, dass es ihren beiden Freunden gutging und sie wieder rumalbern konnten.
An dieser Stelle mischte Madame Pomfrey sich ein, die sich bisher um Ginny gekümmert und Albus einen leichten Beruhigungstrank gegeben hatte.
„Professor, ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie den Krankenflügel jetzt verlassen würden. Ihrem Freund geht es gut und ich habe hier alles im Griff. Gehen Sie schlafen. Das gilt auch für Sie“, fügte sie, an Lance gewandt, hinzu. „Vor morgen Mittag wird er sowieso nicht aufwachen, Sie sollten die Zeit also nutzen, um sich auch ein bisschen auszuruhen.“
„Einverstanden!“, gähnte Lance, krabbelte zu Marc ins Bett, zog die Decke über sich und ihn, legte den Arm um ihn und kuschelte sich liebevoll an seinen Partner.
„So war das eigentlich nicht gedacht“, meinte die Heilerin schmunzelnd. Aber Lance hörte sie schon nicht mehr, er schlief bereits.
Kim und Madame Pomfrey grinsten sich an, dann beugte Kim sich über die beiden jungen Männer und gab jedem einen Kuss auf die Wange. Bevor sie den Krankenflügel verließ, sah sie zu Ginny und Albus hinüber und sah die Heilerin anschließend fragend an. Aber diese gab ihr zu verstehen, dass Kim hier im Moment wirklich überflüssig war.

Ab ins Bett!, dachte Kim, als sie die Treppe zu ihren Räumen hinaufging. Aber daraus wurde nichts …
„Miss Jones, könnte ich Sie kurz sprechen?“
Verdammt, die Schulleiterin tauchte immer im unpassendsten Moment auf.
„Hat das nicht Zeit bis morgen?“
„Leider nicht. Ich möchte Sie bitten, einige spezielle Schutzzauber über Hogwarts zu legen. Sie kennen gewiss ein paar, die hier nicht so, sagen wir, bekannt sind?!“
„Wegen Potter?“, fragte Kim. McGonagall nickte.
„Was ist da eigentlich passiert?“
„Ich habe einige Vermutungen, aber darüber möchte ich hier und jetzt nicht sprechen. Wenn Sie mit den Schutzzaubern fertig sind, dann kommen Sie bitte in mein Büro. Die Ministerin und ich würden gerne ein paar Worte mit Ihnen wechseln.“
„Die Ministerin?“ Kim war irritiert.
„Ja. Ich habe sie hierher bestellt. Ich weise Sie darauf hin, dass sie extrem schlecht gelaunt ist, daher rate ich Ihnen, sich zu beeilen!“
Kim fühlte sich wie eine abgekanzelte Schülerin, als McGonagall vor ihr die Treppe hinunter schritt und folgte ihr stumm.

Die Ministerin mitten in der Nacht in Hogwarts, spezielle Schutzzauber, ein durchgeknallter Vater und und und … Kim wurde das alles langsam zu viel. Sie wollte ins Bett. Und zwar am liebsten mit einem gewissen Mann mit wunderschönen grauen Augen ...
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