Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Common Lasters - Gewöhnliche Laster

von Mimini
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P18 Slash
04.04.2020
21.11.2020
10
31.277
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
21.11.2020 1.436
 
Hidden Citizens - Aint no grave


Troy regte sich.

Die Decke, in die er eingewickelt war, hielt ihn zunächst unnachgiebig gefangen.

Er holte tief Luft und strengte sich an, da gab der Stoff irgendwann nach und die Panik, sich nicht befreien zu können, verflog.

Noch während er sich weiter aus der Decke kämpfte, hörte er das Reißen des Materials.

Mit seinen Beinen bewegte er die kalte nasse Erde, die schon unglaublich schwer auf ihm lag.

Es erstaunte ihn, wie kräftig er war.

Dass er es schaffte, der Decke einen Riss zu verpassen und sich aus dem schwarzen Dreck zu wühlen.

Als er sich halb befreit hatte, richtete er sich auf und sah zum ersten Mal das Szenario:

Er lag tief in einem unsauber ausgeschachteten Erdloch, die ockerfarbene Decke war von dem Dreck beschmutzt und zerrissen. Kälte drang durch seine dünne Jacke und der Geruch von Wurzeln, Steinen und Erde war allgegenwärtig. Nur schwach drang der süßliche Geruch von Laub zu ihm hinunter.

Als er nach oben sah, erkannte er über sich Grasballen, die zum Grab hinein lugten und Baumwipfel, deren gefärbtes Laub den Blick zum grauen Himmel verdeckten.

Ein paar Blätter fielen wie im Zeitraffer zu Boden. Eines verirrte sich in Troys Grab und legte sich auf seinen Schoß.

Irgendwo da oben raschelte schließlich Laub und er vernahm ein entsetztes Keuchen.

Er sah niemanden, doch er wusste, dass seine Bewegungen registriert worden waren.

Auf die Stille kurz darauf hörte er vorsichtige Schritte auf dem Laub und schon sah er das wunderschöne makellose Gesicht von Susanna.

Ihr rotes langes Haar leuchtete regelrecht in der tristen Umgebung und lag ihr rechts und links unter einer weiten schwarzen Kapuze auf den Schultern und vor der Brust.

Ihre akkurat in Form gebrachten Augenbrauen waren verwundert in die Höhe gezogen, ihr schlankes glattes Gesicht jedoch verriet absolutes Entsetzen und Ungläubigkeit.

Er konnte nur schwer sagen, ob ihre Augen einfach nur grau waren oder einen leichten Grünstich aufwiesen, doch es war eines des wenigen Male, in denen er ihre Iris sah.

Ihre schwarz umrahmten Katzenaugen waren wunderschön und gleichsam verrieten sie die Jägerin in der Frau.

Troy war sofort wieder von ihr angetan und stellte fest, dass er sie ganz kurz entgeistert anlächelte.

Dann wurde ihm klar, dass er ein totaler Vollidiot war. Wieso hatte er sich für den Bruchteil einer Sekunde gefreut, sie zu sehen?

Sie war der Grund, warum er hier war, warum er eigentlich kalt und blutleer mit starrem Blick in diesem Loch liegen sollte.

Er war ein tot Geglaubter, der entsorgt werden sollte und rätselhafter Weise auferstanden war.

Ganz sicher war ihre erste Intension nach dem Schock, ihn endgültig zurück ins Grab zu bringen.


Aviators - No one will save you now


Als ihre Augen sich plötzlich bösartig verengten und sich verdunkelten, wurde ihm klar, dass es gleich wirklich so werden würde.

Sie verzerrte ihren Mund zu einem angsteinflößenden Zähnefletschen, bei dem er ihre ausgefahrenen Reißzähne klar erkennen konnte.

Dann trat sie einen weiteren Schritt auf Troy zu, sichtlich darauf eingestellt, zu ihm in das Loch zu steigen und ihn umzubringen.

Nein!

Er wollte leben. Er würde sich nicht von ihr angreifen lassen, sich töten lassen und in dem Waldboden verrotten!

So schnell er konnte, raffte er sich auf.

Er kam wankend auf die Beine und verfluchte die Decke, die ihn nicht so recht loslassen wollte.

Schon schickte sie sich an, ins Grab zu springen und Troy presste sich an die feuchte bröckelige Wand, als sie plötzlich von hinten an der Schulter gepackt - und ruckartig vom Grab fortgezogen wurde.

Der Typ, sein Totengräber, der seinerseits eine weite Kapuze trug, musste Valentin sein.

Er nahm die ächzende Susanna von hinten in die Mangel.

Es durchdrang Troy wie ein Donnerschlag, als er ihm gleichzeitig zurief:

"Lauf weg! Renn um dein Leben!"

Troys Puls stieg schlagartig an.

Er gehorchte.

Er wusste nicht so recht, wie er es schaffte, aus dem Grab zu klettern, doch plötzlich befand er sich am Rand des Lochs, die Finger tief ins kalte Laub und in die Erde vergraben.

Es sah instinktiv noch einmal zu seiner Peinigerin und bekam gerade noch mit, wie Valentin ihr die Kapuze herunter riss und sein Gesicht gewaltvoll in ihren zarten Nacken drückte, um ihr seine scharfen Zähne ins Fleisch zu rammen.

Faszination und Entsetzen packten Troy.

Ihre Hände ruderten hilflos und Halt suchend in der Luft, bis sie sich an Valentins Armen festklammerte, die sich um sie geschlungen hatten.

Ihr Schmerzensschrei, als seine Zähne sie verletzten, durchzuckte Troy und fügte ihm psychische Schmerzen zu.

Ganz kurz hatte er den Impuls, ihr zu helfen, sie zu verteidigen und bewegte sich schon ein paar Zentimeter in ihre Richtung, doch dann schaltete sich sein Verstand ein.

'Renn um dein Leben," hatte er gesagt.

Er keuchte erschrocken, riss sich von diesen erschreckenden und irgendwie erregenden Anblick los und drehte sich wieder um.

Wie ein Sprinter erhob er sich aus seiner Hocke und rannte mit einer Kraft los, die er nicht vermutet hatte.

Die Gewalt, die ihn nach vorn gebracht hatte, ließ ihn straucheln und fast hinfallen, doch er fing sich und taumelte weiter.


Alison Wonderland - U Don't Know


Sein Herz klopfte wie wild und trieb seinen Körper an. Heftig atmete er weiße Wolken, die aufgrund seiner Geschwindigkeit zur Seite stoben.

Die Zweige und Steine unter seinen nackten Füßen taten ihm weh und er rannte sehr überlegt, um nicht zu stolpern und sich nichts einzutreten.

Er drehte sich nur einmal noch kurz um und sah zwei Menschen - oder vielmehr Vampire - die im Gerangel miteinander verschmolzen schienen.

Kurz gewann Susanna die Oberhand, wälzte sich rittlinks auf ihren Angreifer und erwiderte Troys Blick mit einem Ausdruck, der töten könnte.
Schon machte sie sich bereit, ebenfalls los zu stürmen, doch sie wurde wieder gepackt und zu Boden gerungen.

Das gab ihm den Anreiz, sich wieder um zu drehen und nur noch schneller zu laufen.

Kleine Laubbäume und kahle Büsche stellten sich ihm in den Weg und er musste sich einen Weg hindurch kämpfen, während seine schwarze dünne Jacke von dem nassen Geäst durchweicht wurde.

Die kalte Luft war unangenehm auf der Haut, ebenso die Zweige, die ihm ins Gesicht schlugen, während er sich seinen Weg durch das Waldstück bahnte.

Alles war trist und Nass, der Boden war uneben und immer wieder musste er einen Schrei unterdrücken, da sich etwas in seine nackten Sohlen bohrte.

Sein Herz schien sich fast zu überschlagen, pumpte stärker als je zuvor und schickte Wellen von Adrenalin durch seinen Körper, die ihn Geschwindigkeiten erreichen ließen, die sicher seinen Sprintrekord in der Schule damals brachen.

Wie konnte sein Körper, der noch vor Kurzem so ausgezehrt war, solche Leistungen vollbringen? Er hatte keine Zeit zum Nachdenken. Vermutlich war unter Todesangst vieles möglich.

Keuchend trieb er sich selbst an, erst recht, als er wieder spürte, dass seine Kräfte nachließen.

Wo rannte er eigentlich hin?

Er wagte gar nicht, sich umzudrehen.

Stetig hatte er das kribbelnde Gefühl, Susanna hätte Valentin überwältigt und würde wie eine Zornesgöttin hinter ihm her sein.

Vielleicht sollte er einen leichten Bogen schlagen und damit seine Chance erhöhen, sie abzuhängen?

Er verließ das Waldstück und kam auf eine Obstwiese, die voller kahler Apfel- oder Birnenbäume war, die in Reih und Glied standen und ihre verkrüppelten dunklen Äste nach ihm ausstrecken.

Der Boden wurde besser und noch einmal beschleunigte er.

Das hohe Gras war eiskalt und peitschte seine Fußoberflächen, während er geschickt durch die Bäume manövrierte und einen leichten Linksbogen rannte.

Noch nie war er so lange in einer solchen Geschwindigkeit gerannt. Wie lange würde er das noch durchhalten?

Was brachte ihn dazu, so ausdauernd zu sein?

Schon erreichte er ein weiteres Waldstück, das dichter zu sein schien.

Dunkel und ausladend wirkte es.

Sehr gut.

Es war auf jeden Fall die bessere Wahl als das offene Feld auf der anderen Seite und das schlossähnliche Gebäude am diesigen Horizont, das mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar sein Gefängnis in den letzten Tagen war.

Bedrohlich schien es in den Nebelschwaden zu schweben. Was war in diesem verfluchten Gebäude mit ihm alles passiert? Hatte es auch schon andere gefangen gehalten? Er hatte keine Zeit, um darüber nachzudenken.

Ganz kurz nur schaute er zurück an den Wald, aus dem er gekommen war.

Hatte er dort eine Bewegung gesehen?

Rote Haare zwischen zwei dicken Bäumen?

Ein weiterer Schlag durchzuckte seinen Körper.

Er hatte es nicht ganz sicher gesehen, doch irgendwie war er sich sicher - sie war dort hinten und kam auf ihn zu.

Mit ein paar Sprüngen war er im neuen dunkleren Waldstück verschwunden.

Was war das für ein Geräusch?

_____________________________

Wieder ein recht kurzes Kapitel, aber es geht auf einen Höhepunkt zu!

Susanna wird bald ihren Auftritt bekommen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast