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Fluch oder Segen

von Deira
OneshotAbenteuer, Mystery / P18 / Gen
Agron Pietros Spartacus Sura Varro
02.04.2020
02.04.2020
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2.598
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Zuallererst das Rechtliche. Die Spartacus-Serie gehört nicht mir, sondern Starz-Entertainmend und Steven DeKnight. Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte. Ich schreibe sie nur zur Unterhaltung und zum Spaß für mich selber und eventuelle Gleichgesinnte.
Ich habe diese Geschichte bereits bei Archive of our Own veröffentlicht. Bei der Übersetzung ins Deutsche hab ich noch ein paar kleine Änderungen und neue Ideen mit eingefügt, die das ganze meiner Meinung nach noch ein bisschen abrunden. Hier nun also die überarbeitete Version.
Warnung. Versuchter Suizid.
Es handelt sich um einen One-Shoot. Enthält Mystery-Elemente. Hoffe, es gefällt euch.


Fluch oder Segen



Sein gesamter Körper schmerzte und das Atmen fiel ihm immer schwerer. Aber dies war nicht mehr wichtig. Dennoch klammerte er sich immer noch an die Hand seines Freundes Agron, der ihn mit anderen Freunden und Weggefährten umgab.

Es tat ihm leid, diejenigen, die bislang überlebt hatten, zu verlassen. Er hoffte, dass sie von nun an ohne ihn auskommen würden. Die Aufgabe, die Überlebenden in Sicherheit zu bringen, würde bei Agron liegen.

Zum Glück war er mit dieser schweren Aufgabe nicht allein. Agrons Geliebter Nasir und auch Laeta, jene Römerin, die ihm, Spartacus, für kurze Zeit nahe gekommen war, würde eine große Hilfe sein.

Innerlich fluchte er darüber, dass so wenige neben Agron und den anderen standen. Waren alle seine Pläne gescheitert? Hatte er so sehr versagt? Die Menschen hatten ihm vertraut und an ihn geglaubt. Das Ergebnis der Schlacht war bitter. Die Chancen auf einen Sieg waren von Vornherein gering gewiesen, aber das Ergebnis war verheerender, als er befürchtet hatte.

So viele hatten ihr Leben verloren, und das nicht nur an diesem Tag auf dem Schlachtfeld.

„Spartacus?“, fragte Agron, aber er hatte nicht mehr die Kraft, zu antworten. Er spürte, dass der Augenblick gekommen war, um diese Welt für immer zu verlassen.

Würden Sura, Varro, Crixus, Naevia, Oenomaus und alle anderen, die vor ihm gegangen waren, im Jenseits auf ihn warten? Würden sie ihn verfluchen und ihn für ihren Tod verantwortlich machen? Oder würden sie ihn freundlich umarmen und willkommen heißen?

Er hoffte darauf. Er hoffte, Sura bald zu sehen. Er würde sie umarmen und sie würde leise seinen Namen flüstern. Seinen richtigen Namen, den ihm seine Mutter einst bei seiner Geburt gegeben hatte.

Seine Freunde und Feinde, sowie die Menschen, die ihm folgten, kannten ihn nur unter dem Namen Spartacus.
Seine letzten Kräfte verließen ihn.
Seine Hand rutschte aus Agrons Griff, er sah dessen traurigen Blick ein letztes Mal und die Welt um ihn herum wurde dunkel.

"Sura", war sein letzter Gedanke...



Spartacus öffnete die Augen, als er eine Hand auf seiner Wange spürte.
Sura.
Nebel wabberte um sie herum und Sura blickte ihn traurig an.
Er griff nun seinerseits nach ihrer Wange und wollte sie berühren, aber sie zog ihre eigene Hand fort und machte einen Schritt zurück.
"Sura... Wo sind wir? Ist das das Jenseits?", fragte er erstaunt und verunsichert zugleich. Er hatte sich diesen Ort anders vorgestellt.
Heller. Freundlicher. Fröhlicher.
Statt dessen standen er und Sura im Nebel und alles war in ein trübes Licht getaucht.

Aber war das nicht gleichgültig? Zählte es nicht vor allem, dass Sura bei ihm war?

"Dies ist nicht das Jenseits. Ich darf dir nichts über das endgültige Totenreich berichten. Du hast dir noch nicht das Recht verdient, endgültig in die Welt der Toten einzutreten“, sagte sie traurig.
Er wollte auf sie zugehen und sie in seine Armen schließen, aber sie hob ihre Hand und hielt ihn so zurück.
"Es tut mir so leid. Du darfst mich nicht umarmen. Ich kenne den Willen der Götter, aber ich verstehe ihre Gründe nicht. Ich weiß nicht, ob sie dich segnen oder verfluchen. Ist es ein Geschenk oder eine Strafe? Ich weiß nicht, warum sie uns das antun."

Spartacus fühlte sich mit einem Mal unendlich erschöpft. Lag es an Suras Worten und an der Traurigkeit, die dieser Ort ausstrahlte?

"Sura, was bedeutet das? Bitte sag es mir", fragte er sie leise, und wieder hätte er sie gerne umarmt und getröstet.
Sie sah so unendlich traurig aus.
"Ich bin nur ein Botin der Götter. Nur dieses eine Mal werden wir uns sehen. Du musst zurückkehren...", sagte Sura leise.

Zurückkehren? Wohin sollte er zurück kehren? In seinen toten und zerschundenen Körper, der womöglich gerade von seinen wenigen verbliebenen Freunden begraben wurde?

„Aber ich will bei dir bleiben", sagte Spartacus verzweifelt. "Und wohin soll ich gehen? Ich bin tot!"

Sie schenkte ihm ein trauriges Lächeln. "Du kannst nicht bei mir bleiben. Ich kehre in das Reich der Toten zurück, und ihr werdet mich bei eurer Rückkehr in die Welt der Lebenden nicht treffen. Für uns ist es zu spät."

Zu spät für ihn und Sura.

Das durfte nicht sein. Spartacus wusste nicht, was die Götter von ihm verlangten und in diesem Augenblick interessierte es ihn auch nicht. Er wollte sich ihrem Willen widersetzen und endlich bei seiner Frau bleiben.

Hatte ihre Trennung nicht lange genug angedauert?

Alle Flüche, die Agron gerne gegen die Götter aussprach, kamen ihm in den Sinn und er hätte sie gerne laut ausgesprochen. Aber er kam nicht mehr dazu.

Es wurde erneut dunkel um ihn herum.

"Warum? Und wohin soll ich gehen? Ich verstehe es nicht,", sagte er und hörte ein letztes Mal Suras Stimme, auch wenn er sie nicht mehr sah.

"Du wirst es sehr bald verstehen. Und bitte vergiss mich nicht...."




"Spartacus?" fragte eine Stimme, und er blinzelte, konnte aber nicht glauben, wen er vor sich sah.

Seine Hand zuckte und er schlug fast die Schale mit der übel riechenden Brühe, die vor ihm auf dem Tisch stand, zu Boden.
Der Mann, der ihm gegenüber an einem Tisch saß, grinste ihn an. "So schlecht schmeckt es heute auch nicht. Du musst es nicht auf den Boden werfen. Wir hatten schon schlechteren Fraß."

Spartacus schloss die Augen und öffnete sie wieder. Derselbe Mann saß vor ihm und andere Männer saßen um sie herum. Er kannte sie alle. Er wusste ihre Namen und er hatte sie viele Male an diesem Ort gesehen.

Aber das war lange her...

"Was hat er? Hat er während des Trainings einen Schlag auf den Kopf bekommen?", fragte einer der anderen Männer lachend, bevor er sich wieder seinem Essen zuwandte.
Ungläubig sah Spartacus erneut auf den Mann mit den blonden Locken, der ihm gegenüber saß, und dann ließ er verwirrt den Blick über den Ort, an dem er sich befand, schweifen.

Der Ludus....während der Essenszeit.

Er konnte es nicht glauben. Oder sah das Jenseits wie der Ludus aus? War er in der Unterwelt? Aber alles wirkte so lebendig. Er hörte das Lachen einiger Männer, ein weiterer, Rhaskos, beschwerte sich über das Essen.

"Varro?", wandte er sich an den anderen Mann. "Aber wie ist das möglich...? Ich bin glücklich, dich zu sehen, aber..."

"Hat Rabanus recht? Hast du dir tatsächlich den Kopf beim Training gestoßen?", fragte Varro und sah seinen Freund besorgt an. Soll ich dich zum Medicus begleiten?"

Spartacus schüttelte den Kopf. „Ist das hier das Jenseits?“

Varro schien nun sichtlich beunruhigt zu sein und er senkte die Stimme. Anscheinend wollte er nicht, dass andere das Gespräch mitbekamen. „Natürlich nicht. Du bist hier im Ludus, wie jeden Tag. Und wie jeden Tag müssen wir gleich nach dem Essen zurück zum Training.“

Wenn er nicht tot und im Jenseits war, dann war das, was er gerade erlebte, unmöglich. Varro und viele andere, die in der Zwischenzeit gestorben waren, befanden mit ihm in einem Raum.

Er sah so viele vertraute Gesichter. Rhaskos. Liscus. Rabanus. Hamilcar. Donar.

Fast schien es ihm, dass er nach seinem Tod in einer früherer Zeit in sein Leben zurückgekehrt war.

Er fror und Varros Blick wurde ängstlicher. Spartacus wollte es nicht glauben. Es konnte nicht sein…
Hatte Sura das damit gemeint, als sie sagte, dass er zurückkehren müsse? War dies der Wille der Götter?
"Sura...ich hab sie gesehen...aber...", flüsterte er leise, und Varro griff kurz nach seinem Arm. "Ich weiß, es ist schwer für dich. Du leidest seit ihrem Tod. Aber..."

Sura war also tot. Die Götter mochten ihn tatsächlich zu diesem früheren Punkt in seinem Leben zurück gesandt haben.
Aber sie waren so grausam, dass es eine Zeit nach Suras Tod war.

Er hätte gerne laut und bitter gelacht oder vor Wut geschrien.

Aber die anderen Männer schauten ihn schon mit einem seltsamen Blick an und würden wahrscheinlich an seinem Verstand zweifeln, wenn er tatsächlich schrie.
In diesem Augenblick ging Oenomaus an ihm vorbei und er rief dessen Namen fast laut.

Oenomaus war gesund und unversehrt und ähnelte nicht mehr dem verletzten Mann, den er zuletzt, vor Jahren, am Vesuv, gesehen hatte....

"Das Training geht gleich weiter", sagte Oenomaus jetzt. "Beeilt euch. Es gibt viel zu tun."

Spartacus sah Donar, wie er schlecht gelaunt auf den Eintopf schaute und Rhaskos, der mit Hamilcar sprach. Auch wenn Sura nicht mehr auf dieser Welt weilte, waren viele seiner Gladiatorenbrüder noch am Leben. Dies galt vor allem für Varro, der ihn ansah, als würde er allmählich an dem Verstand des Freundes zweifeln.
Warum war er hier? Warum war er in diese Zeit seines Lebens zurück gekehrt?

War er gezwungen, den Tod seiner Freunde noch einmal zu erleben? Musste er Varro erneut töten?
War dies seine Strafe?

Er betrachtete die anderen Männer genauer, versuchte sich seine unnatürliche Neugier aber nicht anmerken zu lassen. Er musste sich beherrschen, bis er wusste, was genau vor sich ging.

Einige Gesichter fehlten. Er konnte Agron und seinen Bruder Duro nicht sehen. Dasselbe galt für andere Männer, die erst nach ihm zum Ludus gekommen waren.

„Crixus?“, fragte er und sah Varro an.

„Der ist doch noch verletzt. Spartacus, warum fragst du nach Crixus? Du weißt doch, dass er verletzt ist“, antwortete Varro. „Ich spreche mit Oenomaus. Wir müssen dich zum Medicus bringen.“
Aber Spartacus schüttelte den Kopf. „Es geht mir gut. Ich glaube, die Sonne hat zu stark auf meinen Kopf geschienen...“

Spartacus konnte Barca nirgendwo sehen und dann hörte er Gesprächsfetzen vom Nebentisch. Er konnte nicht einmal genau sagen, worum es bei dem Gespräch ging, aber das war auch nicht wichtig.

Jedoch das Gespräch und die Situation waren, abgesehen von seiner Verwirrung, die Varro beunruhigte, vertraut….


Er erkannte nun den Zeitpunkt, zu dem er in sein Leben zurückgekehrt war.

Bald würden er und Varro die Vögel bemerken, die Pietros freigelassen hatte…

Er wusste zumindest für den Augenblick, was zu tun war. Alles andere musste bis später warten. Spartacus sprang auf und Varro folgte ihm nach einem kurzen Moment des Zögerns.

"Spartacus! Was ist los mit dir?", rief Varro, aber Spartacus achtete nicht auf ihn.

Stattdessen rannte er so schnell er konnte durch die Gänge des Ludus und öffnete die Tür zu einer Zelle, von der er hoffte, dass es die richtige war.
Schließlich ist es schon lange her, seitdem er an diesem Ort gelebt hatte…

Als er die Tür öffnete, fiel sein Blick sofort auf den jungen Mann mit dem Seil um den Hals. Er war im Begriff, den Hocker, auf dem er stand, umzustoßen....
"Pietros, mach das nicht!", rief Spartacus und eilte auf den Jungen zu, während Varro ihm folgte.
Gemeinsam befreiten sie den zitternden jungen Mann von dem Seil und halfen ihm dann, vom Hocker herunterzuklettern. Er leistete keinen Widerstand und schien sogar ein wenig erleichtert darüber zu sein, dass jemand seinen Plan vereitelt hatte.
Pietros zitterte am ganzen Körper, aber er lebte.

Während Varro leise mit dem Jungen sprach, setzte sich Spartacus auf den Hocker und schloss die Augen.
War dies der Grund, warum er zurückgekehrt war? Sollte er etwas an dem ändern, was geschehen war? Oder wären die Götter nun zornig auf ihn, weil er vom ursprünglichen Weg abgewichen war und die Vergangenheit geändert hatte?

War seine Rückkehr ein Fluch oder ein Segen?

Er stand auf und legte einen Arm um Pietros. Dieser weinte und legte seinen Kopf an die Schulter des Älteren. Spartacus strich sanft über den Rücken des Jungen.

In diesem Moment war es ihm gleichgültig, was die Götter wollten.

Es war richtig gewesen, den Jungen zu retten, und er war nicht daran interessiert, ob irgendwelche Götter, die ihm nicht gewährt hatten, auch Sura zu retten, wütend auf ihn waren oder ob sie ihn mit Wohlwollen betrachteten.
"Pietros, Varro und ich werden von nun an auf dich achten. Mach dir keine Sorgen mehr wegen Gnaeus. Er wird dir nicht mehr nahe kommen", versprach Spartacus, und Varro nickte zustimmend, wandte sich dann aber an Spartacus und schaute ihn fragend an.

"Woher wusstest du, was der Junge plante?", fragte er leise.

Spartacus schüttelte den Kopf. "Du würdest es nicht glauben. Vielleicht ist es ein Fluch. Aber zumindest für Pietros wird es ein Segen sein. Dafür werde ich sorgen, wenn ich es kann."

Er nickte Varro zu und packte kurz seinen Arm. "Es ist gut, dich zu wieder zu sehen."

Varro lächelte. "Ich weiß nicht, was mit dir los ist. Du warst so komisch, seit du den ersten Löffel dieser Brühe gegessen hast. War es wirklich zu viel Sonne beim Training heute Morgen? Oder lag es am Essen? Ich bin froh, dass du wegen Pietros die richtige Vorahnung hattest. Aber ich verstehe es nicht.“

Spartacus verstand selbst nicht alles, was gerade geschehen war. Sollte er nicht eigentlich, weit entfernt von diesem Ort, tot auf einem Berg liegen?

Die Begegnung mit Sura in dieser Welt voller Zwielicht und Nebel schien ihm mittlerweile so unwirklich, fast wie ein Traum, während er sich mit großer Klarheit an sein Leben vor seinem Tod und seine Rückkehr in die Vergangenheit und die Ereignisse der letzten Stunde seither erinnerte.

Spartacus glaubte immer noch nicht, dass seine Rebellion ein Fehler gewesen war, auch wenn es im Augenblick seines Todes so viele Zweifel gegeben hatte. Aber er hatte Fehler gemacht und wusste nicht, ob er gezwungen sein würde, sie zu wiederholen.

Er wusste, was Varro und den anderen Männer in diesem Haus bevorstand. Viele von ihnen würden im Laufe der nächsten Jahre sterben. Wäre er in der Lage, etwas daran zu ändern?
Was war mit Varro? Wenn alles so bliebe wie in seinem ersten Leben, dann blieb Varro nicht mehr viel Zeit und er, Spartacus, wäre derjenige, der ihn tötete.

Er schaute Pietros wieder an, der sich die Tränen aus den Augen wischte und anscheinend nicht auf das Gespräch der beiden Männer geachtet hatte. Statt dessen blickte er auf das Seil, mit dem er sich beinahe das Leben genommen hatte und wandte fast schon erschrocken den Blick ab. Anscheinend bereute er seinen Versuch, sich das Leben zu nehmen bereits und er hatte aus dem Augenblick heraus gehandelt.

Spartacus vermutete, dass Pietros keinen weiteren Versuch in dieser Richtung unternehmen würde, dennoch würde er in der nächsten Zeit auf ihn achten.

Mit Pietros gab es nun wenigstens einen Mann, dessen Zukunft wieder völlig ungewiss war. Er lebte, obwohl er einst, in einer anderen Vergangenheit, die nun zur Gegenwart geworden war, nicht mehr gelebt hatte.

Vielleicht waren die Schicksale der Menschen nicht in Stein gemeißelt.

Sollte man die Vergangenheit ändern, wenn man die Gelegenheit dazu hätte? Es gäbe vieles, was Spartacus verändern könnte. Wäre dies gut oder schlecht?
Pietros ist gerettet, aber was ist mit Gnaeus? Eigentlich müsste ihn Spartacus in diesem Moment die Klippe hinunter werfen. Ich überlasse es der Fantasie, ob er es dennoch tut oder was stattdessen geschehen könnte.
Ich hoffe, meine kleine Geschichte hat euch gefallen.
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