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Des Teufels treuste Seele - Feuertaufe

von Senjuusha
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Eric OC (Own Character)
02.04.2020
30.11.2020
27
118.557
11
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26 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.11.2020 5.031
 
Eine gerechte Strafe


„Mach dir nicht so ins Hemd, Smart Mouth. Die Strafe war ein riesiger Bluff, sonst hätten sie uns sofort eine Strafe aufgebrummt!“, murrte Eric mich nasal von der Seite an, als wir später einige Tage später zusammen mit den anderen beim Abendessen in der Cafeteria saßen. Der Ken hatte einen beigen Pflaster quer über der noch immer verfärbten Nase und ich betrachtete die Naht an seiner Wange. Eric sah aus, als hätte der Dicke ihn zu fassen bekommen und ich schüttelte nur den Kopf, weil es nicht der Berserker aus dem Zug gewesen war, sondern mein lieber und bester Freund Tobias. Der Tobias, der schmächtig und groß gewachsen war und keiner Fliege etwas hätte tun können. Aber immerhin hatte man Erics Zahn auf der Station wieder hergerichtet, sodass sein tolles Lächeln wieder makellos war. „Pah! Da kennst du Amar aber schlecht. Er wird sich etwas besonderes für euch zwei ausdenken, da kannst du Gift drauf nehmen!“ Shauna grinste amüsiert und biss von ihrem Burger ab. „Na, und wenn schon! Eine weitere Strafe macht mir auch nichts mehr aus...“, maulte Eric leise und stopfte sich ein Steak-Stück in den Mund. „Stimmt, du hattest ja auch mehr, als man zählen kann!“, feixte ich und wurde nur grinsend von ihm gegen die Schulter geknufft. In den letzten Tagen beäugte mich Eric auf besonders komische Weise und mich beschlich das Gefühl, als würde er etwas aushecken – etwas, das mir nicht gefallen würde. „Und geändert hat es absolut gar nichts, Smart Mouth! Eher noch mehr angestachelt...“

„Moment, also wollt ihr mir erzählen, das er in der Schule auch schon Mist gebaut hat?“, wollte Mary mit nasaler Stimme wissen und schielte neugierig um Mira herum. Sie hatte die halbe Nacht geweint, bis sie wieder zu mir ins Bett gekrochen war und ich sie tröstend umarmt hatte. „Nicht nur in der Schule.“, schnarrte Mira und nippte an ihrem Glas. „Als Mist kann man das nicht bezeichnen.“, verteidigte sich Eric mit erhobener Nase, sodass ich lachen musste. „Erinner dich mal daran, wie du eine Reißzwecke auf Herr Simmons Stuhl gelegt hast und wir alle dank dir eine Stunde nachsitzen mussten, Coulter!“ Ich schielte ihm mit breitem Lächeln entgegen, weil mir die Erinnerung mittlerweile sehr amüsant vorkam.

„Das war ja auch lustig, Smart Mouth.“, grinste er und ich schüttelte amüsiert den Kopf. „Und was war, als du mit Larry entschieden hast, Ameisen in mein Bett zu packen?“, maulte Mira ihn nun an und schob ihre Brille höher. „Das war die Idee deines Bruders und das Gekreische konnten wir sogar bis in die Einfahrt hören!“ Ich blickte zwischen den zwei Ken hin und her und fragte mich, was Eric noch so angestellt hatte in seiner Kindheit, bis sich mir eine Frage stellte, die mich verdutzt auf mein Essen starren ließ. Wie er wohl ausgesehen hat? Sicher war Eric eines dieser Kleinkinder gewesen, die richtige Pausbacken hatten und dann noch einen unzufriedenen Blick. Die Vorstellung entlockte mir glatt ein herzhaftes Lachen. „Was ist bitteschön so lustig?“ Shauna beäugte mich mit hochgezogener Braue und ich winkte lachend ab.

„Ich hab mir gerade nur vorgestellt, wie er als Kleinkind ausgesehen haben muss...“ Nun lachte Shauna auch, als ich das Gesicht nachäffte, was ich im Sinn hatte. „Sehr lustig, Jen! Ich sah süß aus!“, protestierte Eric, während er Larry schubste, der auch lachte und sich die Hand vor den Mund halten musste, um nicht lauthals zu grunzen. „Du meinst genauso wie jetzt, Coulter?“, feixte ich belustigt und grinste los als er die Ohren spitzte. Sein Kopf flog salopp in meine Richtung und er betrachtete mich mit neugierig gerunzelter Stirn. „So so, Smart Mouth...“ Ich lehnte mich einfach gegen ihn und kniff in seine unverletzte Wange – genauso, wie es meine Oma mit einem Guchi Guchi immer bei mir getan hatte. „So ein süßer Fratz!“, feixte ich belustigt und bekam dann auch schon die Hand weggeschlagen. „Lass den Mist!“, maulte er los und ich musste noch mehr lachen, bis sich jemand räusperte.

„Um eure gute Laune mal ein klein wenig zu fördern: Wir haben euch zwei noch was anzukündigen, Turteltäubchen...“, schnarrte Nero hinter mir, und als ich mich kleinlaut umdrehte, stand Amar mit ernstem Blick neben dem hibbeligen Ferox. „Nero hat mir von eurem kleinen Ausflug erzählt und nach reiflicher Überlegung, sind wir der Meinung, das ihr zwei ab morgen für die nächsten vier restlichen Wochen der Initiation täglich Abends nach dem Essen oder morgens vor dem Essen die Schlucht patrouillieren werdet.“

„Die restlichen vier Wochen, nur weil wir eine Nacht draußen waren?!“, protestierte Eric neben mir los und fiel beinahe vom Glauben ab. Wenigstens fand er noch Worte, denn ich war völlig sprachlos und gaffte den Dunkelhäutigen nur dämlich an. „Ganz genau. Und um dir mal eine Erklärung für die hohe Strafe zu geben: Ihr zwei ward zwar nur eine Nacht draußen, habt euch aber den strickten Anweisungen eurer Vorgesetzten opponiert und das sehen wir hier absolut nicht gern. Daher die vier Wochen Patrouille, damit ihr hoffentlich lernt, Befehle zu befolgen...“, erläuterte Amar mit einer ruhigen Strenge in der Stimme, die mir trotzdem geradewegs durch Mark und Bein ging. „Seht es mal so: Die kommenden vier Wochen habt ihr zwei täglich ein Date...“schnarrte Nero, schlug uns vielsagend mit verliebten Seufzen die Hände auf die Schultern und begann demonstrativ zu kneten, während Eric deutlich gezuckt hatte und Anstalten machte, sich aus dem Griff zu lösen. Vier Wochen lang täglich ein Date mit Eric... Diese Strafe war wirklich schrecklich und so schaute ich wohl auch, wenn man die Gesichter der anderen erforschte. „Und zwar nur ihr beide, romantisch in der Dunkelheit mit zwei Taschenlampen und der ein oder anderen Leiche, die noch gefunden werden will...“ Nero schlug uns noch zwei mal auf die Schultern, mir stockte der Atem und meine Wangen wurden Wärmer, als ich nur kleinlaut nickte und mich umdrehte. Wir mussten in die Schlucht.

Zu den Leichen...

„Wann wollt ihr zwei denn euer Date im Dunkeln antreten?!“, feixte Shauna plötzlich mit breitem Grinsen los und ich schielte unwohl in die Runde. Mir fiel das Mädchen ein, das damals auf dem Asphalt aufgeschlagen war und nun sollte wir noch nach anderen, leblosen Körpern suchen, die auf einem Boden aufgeschlagen waren? Der Gedanke schnürte mir die Kehle zu und ich schielte neben mich, als sich jemand gegen meine Schulter lehnte. „Sollen wir zwei morgen Abend, Smart Mouth?“ Paprika-Sauce hauchte mir um die Nase und ich nickte nur sprachlos, während die anderen am Tisch sich über uns lustig machten und die zwei Ferox hinter uns das Weite suchten – am liebsten würde ich ebenfalls verschwinden...

Ganz weit weg, damit diese Strafe mich nicht ereilen würde...

„Was ist denn nun überhaupt mit der Wette, wann zeiht ihr die Sache denn nun durch?“, meldete sich Marc nun auch zu Wort und bekam einen Arm von Zeke um den Hals geschlungen. „Na das liegt doch glasklar auf der Hand! Direkt nach dem Essen!“ Zeke grinste so breit, das sich mein Magen plötzlich umdrehte. „Wie wäre es mit jetzt sofort?“, fragte Eric kauend in die Runde und Zeke nickte nur begeistert. „Alles klar, es geht in den Bau, Turteltäubchen!“, rief Shauna jubelnd und mir entgleisten jegliche Gesichtszüge. „Sekunde mal!“ Da hatte ich doch immerhin auch noch einen Ton mitzureden und blieb wie erstarrt sitzen. „Die hattest du gerade. Komm schon, nach unserer Nacht solltest du dich nicht mehr drücken, Smart Mouth!“, schnarrte Eric provokant, packte mir einfach unter die Arme und zerrte mich dann schon wie einen nassen Sack voll Weizen von der Bank. „Ich kann alleine gehen!“

„Na dann beweg deinen runden Po!“, maulte er und schlenderte auch schon mit Larry und Zeke los – die Tabletts ließen wir einfach stehen, denn es gab immer Ferox, die nach den Mahlzeiten die Cafeteria aufräumten. Runder Po... Blödmann!, dachte ich und moserte leise vor mich hin, weil ich solche Sprüche von dem arroganten Ken nicht hören wollte. „Wart ihr wirklich so dumm und habt euch von Nero erwischen lassen?“, wollte Mira schließlich nochmals wissen, als wir in die Grube huschten, und ich nickte raunend. „Ja, er hat uns direkt vor der Fraktion erwischt... Frag bitte nicht nach Sonnenschein.“, murmelte ich leise und schlenderte den Jungs hinterher. „Ach komm schon, Jen! So schlimm war es auch nicht. Immerhin hattest du es verdammt gemütlich!“ Erics Stimme hallte schnurrend zu uns rüber und ich stierte ihm mahnend entgegen. „So gemütlich wie es eben sein konnte auf dem kalten Holzboden, Coulter!“ Der Ken drehte sich grinsend zu Larry, tuschelte mit ihm und schob sich die Hände in seine Hosentaschen. „Was heißt das denn? Wo hat er euch denn erwischt?“

„In dem alten Backsteinhaus, das vor dem Haupteingang steht... Wir haben uns nach dort verkrochen, als es wieder geregnet hat.“, erklärte ich knapp und begann mich an diesen morgen zu erinnern. Ich wusste sofort wieder, das es in dem Backsteinhaus viel gemütlicher war, als auf dem Schiff im Sumpf, denn in dem alten Backsteinhaus hatte Eric mich erneut in seine Jacke gehüllt und wir hatten solange reglos aneinander gelehnt, bis ich eingedöst war. Ich hatte so schön geschlafen in seinen Armen, dass ich mich noch immer wunderte, wie sowas überhaupt möglich war. Vielleicht hatte es ja nur an der Übermüdung und dem Neuro-Stim Training gelegen, doch Erics Oberkörper war so schön bequem gewesen, dass ich diesem Morgen ein wenig hinterher trauerte. Alleine schon, weil er mich schön gewärmt und bei sich behalten hatte – umschlungen mit seinen Armen, während ich meine kalte Nasenspitze in seine Halsbeuge gemümmelt hatte. „Jenna!“, maulte mich jemand von der Seite an, sodass ich rechts neben mich und um Mary herum zu Mira schielte. „Was ist denn jetzt schon wieder?“

„Shauna hat dich gerade was gefragt.“ Ich schielte links neben mich, blickte in das breite Grinsen der braunhaarigen Ferox und hob eine Augenbraue warnend. Sicher würde sie nun wieder irgendwas feixen, das ich von Eric träumen würde, doch das stimmte nicht. Jedenfalls nicht ganz, denn ich träumte von der Wärme, die er an diesem kalten Morgen abgegeben hatte! Ich erinnerte mich nur an unseren gemeinsamen Morgen, aber träumen tat ich ganz sicher nicht. „Nun sag schon, wie wars?“

„Es war so gemütlich, das sie gar nicht von meinem Schoß runter wollte!“, schnarrte Eric triumphierend in unsere Unterhaltung rein, als auch schon mein Blick nach vorne schoss, weil selbst Mary sich ein leises Kichern nicht verkneifen konnte. Der Ken schlenderte rückwärts den Korridor entlang, griente mir zuckersüß mit seiner gebrochenen Nase entgegen und hatte seine Hände brav hinter seinem Rücken verschränkt. Wenn man ihn nicht kannte, hätte man das Bild eines lieben Nachbarsjungen haben können, wären da nicht seine Verletzungen gewesen und das freche Funkeln in seinen Augen. „Sag mal, Jen... Stehst du wirklich auf Mädchen? So, wie du dich nämlich an mich gekuschelt hast, kann ich das irgendwie kaum glauben...“ Eric blinzelte mir neugierig mit gerunzelter Stirn entgegen und beugte sich näher zu mir – so nahe, das es beinahe wieder seltsam kribbelte wie damals in der Schulzeit und als würde er die Welt hinter meinen Augen erforschen wollen. „Na, und wenn schon! Geht dich als Letzten etwas an, Coulter!“, schnauzte ich ihn forscher an als gewollt und deute seine breite Brust zurück, während er zu grinsen begann. „Ich glaub dir das kein bisschen, Smart Mouth...“ Dieses verfluchte Grinsen strahlte mir schon wieder blendend entgegen und ich schlug spielerisch nach ihm, doch er wich salopp aus und zwinkerte provokant.

„Hast du es denn jetzt mit ihm gemacht oder nicht?!“, raunte Mira irritiert von der Seite und ich schnaubte los, weil sie anscheinend wieder nur die Hälfte mitbekommen hatte und ein Thema zum Leben erweckte, das ich gerne vor Tagen begraben hätte. Vielleicht hatte sie es aber auch einfach wieder vergessen – Mira vergaß schnell unnütze Dinge genau wie ich, aber dafür dachte ich meistens wenigstens vorher nach. „Hat Jenna nicht. Du solltest mal besser zuhören, Mira!“, mahnte Mary und schüttelte hoffnungslos den Kopf. Wahrscheinlich dachte sie gerade genau das Gleiche wie ich.

„Hätte mich auch gewundert, wenn er was mit dir angefangen hätte.“, zirpte Grace hinter uns plötzlich los, drängte sich an Mary vorbei und schloss zielstrebig zu Eric auf. „Ich kann dir aber gerne sagen, wie schön das Kuscheln mit ihm war!“, schnarrte ich ihr aus einem Impuls heraus provokant hinterher und erntete einen Blick, der mich anscheinend unter die Erde bringen sollte. „Ach wirklich, Smart Mouth!?“ Eric grinste noch breiter und bleib vor mir stehen, während ich mich geschmeidig um ihn herum schob und den Korridor entlang schlenderte. „Nimm's nicht zu persönlich, Coulter.“, schnarrte ich grinsend und quiekte dann auch schon auf, als seine Zeigefinger plötzlich in meine Seiten pikten und ich unwillkürlich zusammen zuckte.

„Sowas nehme ich gern persönlich, Jen.“, feixte er ganz nah hinter mir in mein Ohr – so leise, das sich meine Nackenhärchen aufstellten und ich dies so gut es ging ignorierte. „Flirtest du etwa schon wieder mit Lilf, Alter!? Die steht nicht auf deine 10g Blutwurst!“, rief Larry gackernd und brachte mich damit lauthals zum lachen. Eric schoss dagegen an mir vorbei, nur um sofort mit dem dürren Ken zu rangeln. Die zwei stolperten durch den Korridor und auf die Brücke, während ich vergnügt lachte und den Spruch mit der 10g Blutwurst sofort merkte. „Kann es sein, dass du dich doch verguckt hast?“, grinste Shauna mich von der Seite an und erntete ein demonstratives Augenrollen von mir. „Absolut nicht. Die Einzige, die sich hier verguckt hat, bist du. Das sehen dir so ziemlich alle ehemaligen Candor an, Shauna!“, neckte ich und beobachtete, wie Eric den dürren Ken neben das Geländer der Brücke zerrte, sich an diesem festhielt und Larry kopfüber in den Abgrund blicken ließ. „Es reicht! Es reicht, Alter!“, jaulte Larry panisch und wurde schließlich vom Dunkelblonden losgelassen. Eric grinste triumphierend und stolzierte an der Schlucht vorbei und zur Treppe, die uns zum Tattoo-Bau führte. Da Shauna neben mir allerdings mucksmäuschenstill war, schielte ich sie an und wurde mit einem monotonen Blick gestraft, der mir glatt ein weiteres Lachen entlockte. „Ich sag deinem Angebeteten schon nichts, Shauna!“ Nach circa fünf Minuten und unzähligen Treppenstufen, fand ich mich im Bau wieder und schaute mich neugierig um.

„Da ich so überaus freundlich bin, werde ich den Anfang machen.“  schnarrte eine mir wohl bekannte Stimme und ich bekam einen Arm um den Hals geschlungen. „Was soll ich mir stechen lassen, hm Smart Mouth?“  Ich überlegte einen Moment, als mir Menthol in der Nase kitzelte, und erblickte einen Mann, der einem anderen Ferox gerade die Zunge piercte. „Wieder ein Piercing, Coulter!“, grinste ich und wurde auch schon von ihm geschüttelt. „Na also! Und wohin?“

„Durch den linken Nippel!“, feixte Larry und ich kicherte, als Eric nach ihm langte – doch er bekam ihn nicht zu fassen und legte seinen Arm stattdessen wieder um mich, sodass ich mich seltsam heimisch fühlte. Seufzend überlegte ich und betrachtete den Ken, der mir entgegen griente. „Also?“ Er zog seine Augenbraue hoch und ich grinste breiter. „Die rechte Augenbraue!“ Eric zog eine zufriedene Schnute und zerrte mich auch schon mit zum Piercer. Die ganze Sache ging schneller als ich dachte und ich suchte mir ein Piercing für ihn aus. Eric saß nach einem kurzen Gespräch auf der Pritsche und ich beäugte das Piercing, das ich für ihn ausgesucht hatte. Es war eine kleine, flache Metallstange, die an beiden Enden mit je einer schwarzen Kugel verschraubt wurde, und ich stierte Mary an, die gespannt neben mir stand, bis Mira ebenfalls bei uns auftauchte. „Hättest du dir nicht ein Tattoo aussuchen können?“, maulte diese unzufrieden und ich grinste brav. „Das Piercing kann er wenigstens rausnehmen, wenn er es nicht mag...“ Manchmal war ich eben auch nett und da Eric mittlerweile ein guter Kumpel war, wollte ich ihm kein peinliches Tattoo verpassen, das mir die Freundschaft mit ihm verbauen könnte. Der Ken kniff die Augen zusammen, als der Piercer ihm die Haut über der Augenbraue durchstach und die kleine Metallstange unter den Stichkanal schob. Alleine das reichte schon und ich verzog das Gesicht, weil mich der Anblick an meine Angstlandschaften mit dem Nadelbecken erinnerte.

Lieber betrachtete ich wieder die schönen Tattoo Vorlagen, die an den Wänden hingen und fand eines schöner wie das andere. Als Eric keine fünf Minuten später seinen Arm erneut um meinen Hals schlang und ich ihn angrinste, begann ich glatt noch stärker an zu strahlen. „Siehts wenigstens gut aus?“, grinste er mit glasigen Augen und ich betrachtete sein hübsches Gesicht. Die Augenbraue war leicht gerötet und ich drehte seinen Kopf mit zwei Fingern am Kinn sachte zur Seite, damit ich die Augenbraue genau betrachten konnte. „Cool! Richtig cool!“, kommentierte ich bewundernd und nickte zufrieden – Eric grinste stolz. Er sah zwar nicht viel anders aus, aber definitiv genauso gut wie vorher, wenn nicht sogar toller! „Gut...“ Er nickte zufrieden und schielte zu den Tattoo-Vorlagen. „Dann bist du jetzt dran, Smart Mouth!“, fügte er hinzu und mein Bauch begann nervös zu kribbeln. „Wie wäre es mit einem Tattoo?“, grinste er mich an und mein Bauch kribbelte vor Nervosität. „Und an was dachtest du?“ Ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen und mir stockte der Atem – er würde Lilf nehmen! Den Schriftzug, der mich lebenslang kennzeichnen würde!

„Wie wäre es mit meinem Namen, Smart Mouth?“ Er grinste wieder so süffisant wie damals in der Schule und ich schnaubte verstört. „Das ist doch nicht dein ernst, oder?!“, maulte Mira und Mary japste vor Schreck nach Luft. Die Ken erntete jedoch nur ein knappes Nicken von ihm und ich bereute mit einem Mal, dass ich ihm nur ein simples Piercing verpasst hatte. „Du kannst dir auch aussuchen, wo er stehen soll und ich warte solange bei Larry, ok?“ Er drückte mich kurz an sich, verschwand dann aber auch schon und ließ mich perplex mit nervösem Bauchkribbeln zurück. Seinen Namen... Ich sollte mir einfach seinen Namen tätowieren lassen. „Du willst das doch nicht ernsthaft machen, oder?!“

„Gewettet ist gewettet...“, nuschelte ich Mary leise entgegen und schlenderte zu Tori. Mira und Mary folgten mir solidarisch, während die anderen sich Tattoos aussuchten und einfach nur dabei zusahen, wie sich einige Piercings stechen ließen. „Du weißt schon, das es ne verdammt dämliche Idee ist, Jenna?“ Ich nickte Mira nur stumm zu und schob mich in Toris Ecke. „Tätowierst du eigentlich auch Namen?“, fragte ich Tori aus frei heraus, als sie gerade vor lauter Langeweile zeichnete. „Ja, aber wenn du vor hast, dir den Namen deiner großen Liebe oder ein Freundschafts-Tattoo stechen zu lassen und getrunken hast, dann schlaf lieber erst mal deinen Rausch aus und komm morgen im nüchternen Zustand wieder.“

„Ich hab eine Wette verloren und bin nüchtern. An welcher Stelle würde man den Namen am wenigsten sehen?“ Wenn ich mir Erics Namen schon stechen lassen musste, dann würde er niemals sichtbar sein, das stand mehr als fest! Tori seufzte nur und blickte auf. „Entweder an der Fußseite, dem Rücken, dem Po oder natürlich in der Leiste oder hinter dem Ohr...“

„Wo sehen Fremde ihn denn am wenigsten und man selbst auch nicht?“, schaltete sich Mira ein und setzte auf einen Stuhl. „Mädels, lasst euch den Namen dahin tätowieren, wo die Sonne niemals hin scheint. Ich tätowiere nur das, was ihr an eine bestimmte Stelle haben wollt, und das wars. Wie es aussehen soll und wohin es soll, ist eure Sache...“, schnarrte Tori und beäugte mich abwartend. „Welcher Name soll es denn überhaupt sein? Während du dir die Stelle aussuchst, kann ich schon mal einen Schriftzug entwerfen.“

„Eric.“, meinte ich knapp und wurde von Tori monoton angestarrt. „Frag lieber nicht und mach einfach, das es wenigstens schön aussieht...“, murrte ich leise und setzte mich auf die Pritsche. Tori entwarf derweilen kopfschüttelnd einen Schriftzug und Mira tauchte neben mir und Mary auf. „Du willst den Namen sicher nicht sehen, oder?“

„Natürlich nicht!“

„Dann würde ich den Namen in die Leiste tätowieren lassen. In den Knick rein. So siehst du ihn nicht und andere erst recht nicht!“, erklärte sie und schob ihre Brille hoch. „Das wäre die beste Lösung, die mir gerade einfällt.“ Ich seufzte und nickte nur nervös.

„Also, habt ihr euch was überlegt?“ Ich erklärte Tori genau, wo ich den Namen haben wollte, erntete mehr als nur einen skeptischen Blick von ihr und zog mir schließlich die Hose aus. In den Knick der Leiste! Tori Stellte mir auch einen Stuhl hin, auf dem ich meinen Fuß stellen konnte, damit sie überhaupt an die Stelle heran kam. Gewettet ist gewettet!, sagte ich mir und versuchte mich zu beruhigen. Das Tattoo-Gerät surrte kurz und ich krallte mich in Marys Hand. „Das Tattoo sieht hübsch aus, Jen. Eine schöne dünne Schreibschrift und sehr unauffällig. Die wird gut dahin passen.“, lächelte Mary ermutigend und ich zwang mir ein schiefes Schmunzeln auf. Tori hatte nur kontrolliert, ob das Tatttoo-Gerät bereits mit Strom versorgt wurde und stellte die schwarze Farbe bereit, während ich schon schon wie ein Angsthase zusammengezuckt war. Gleich würde Erics Name in meine Leiste gestochen werden, und obwohl ich die Idee zum Kotzen fand, war ich trotzdem aufgeregt, weil es mein allererstes Tattoo war!

„Ich fang an. In zehn Minuten bist du fertig...“ Wieder summte das Gerät los und ich kniff die Augen fest zusammen, als es brannte. „Kann ich den i-Punkt als Herzchen stechen?“, feixte Tori und ich schnaubte auf. „Bloß nicht!“, posaunte ich los und kniff die Augen zusammen, weil es kurz ziepte und die Mädels über Toris Witz kicherten. Meine Hände wurden so schwitzig, dass ich es selbst spüren konnte. Mary drückte meine Hand jedoch eisern und Tori hielt ihr Wort. Nach den schlimmsten zehn Minuten meines Lebens, ließ sie auch schon endlich von mir ab und cremte die Stelle ein. „Die Salbe wird in ca. drei Tagen abblättern. Mach sie vorher nicht ab, denn die schützt deine Haut und beugt Infektionen vor. Willst du es mal sehen?“

„Lieber nicht...“, gestand ich und zog mir hastig die Hose wieder an. „Du bereust es also schon. Das ist ein guter Anfang...“, grinste Tori und schüttelte den Kopf belustigt. „Wenn du es irgendwann mal überstochen haben willst, dann sag bescheid...“ Ich nickte nur, kramte die kleine Chipkarte raus und hielt sie der Ferox entgegen. Sicher würde sie mir für die vier Buchstaben einen ganzen Punkt, wenn nicht sogar zwei abbuchen. „Das macht drei Punkte, weil du ich zusätzlich ein Design entwerfen musste und der Frei-Hand-Zuschlag ist auch drauf, weil die Stelle keine Pads zulässt.“ Blinzelnd und gefühlt abgezockt kramte ich meine Karte aus der Hosentasche und reichte sie Tori. Ein Piep-Geräusch später und ich war besagte drei Punkte los, aber dafür ging mir Erics nun Buchstäblich unter die Haut.

„Ich werde bestimmt in einer Woche hier antreten und es überstechen lassen wollen.“, feixte ich und versuchte die Trauer über meine Punkte zu bekämpfen, womit ich Tori glatt zum Schmunzeln brachte. „Ich geb dir zwei Tage und nun lass mich weiter arbeiten.“, feixte sie mit ernstem Nachklang in der Stimme und rollte sich mit ihrem Drehstuhl wieder an den Schreibtisch. „Du bist verrückt, weißt du das?“ Mira knuffte mich zweimal und ging dabei in Boxhaltung, doch ich zog mir nur die Hose hastig an und die Mädels grinsend raus aus Toris Ecke. So schlimm war die Nadel nicht und vielleicht hatte ich nun auch keine Angst mehr, da ich mich der Tattoo-Nadel gestellt hatte. Die Stelle brannte zwar noch etwas, doch ich hüpfte gut gelaunt neben Shauna, die sich gerade einen Stab in ihr Ohr stechen ließ. Zeke grinste sie an und Eric saß mit Larry und Grace auf einem muffigen Ledersofa und blätterte in einer Mappe herum, bis er kurz zu uns schielte und dann gespannt aufsprang. „Und? Wo ist es, Smart Mouth?“

„Da, wo die Sonne niemals hin scheinen wird, Coulter!“, grinste ich stolz, doch Eric verengte die Augen zu schmalen Schlitzen und fokussierte mich ernst. „Du hast dir keins stechen lassen, stimmt's?“

„Natürlich habe ich das!“

„Dann zeig mal her, Jen!“, schnarrte Eric misstrauisch und ich stierte ihn verdutzt an. „Ganz sicher nicht!“ Er rümpfte die Nase unzufrieden und ließ den Kopf leicht zur Seite kippen. „Wenn du es nicht zeigen willst, hast du dir keins Stechen lassen!“, behauptete er murrend und verschränkte die Arme untermauernd vor der Brust. „Natürlich hat sie sich eins stechen lassen. Ein ultra hässliches, weil es dein Name sein musste!“, balgte Mira ihn von der Seite an und wurde als Antwort nur angezischt – Worte hatte Eric für die Ken mit den naturkrausen Haaren nur noch selten übrig. „Dir ist schon klar, das Schummeln verdammt feige ist? Und sich von einer Freundin ein Alibi geben zu lassen erst recht!“, zirpte Grace provokant und blieb faul auf dem Sofa sitzen.

„Zeig es doch einfach und gut ist!“, forderte mich der Dunkelblonde nochmal eindringlich auf und stierte mir mürrisch entgegen. „Ich zeig das nicht in aller Öffentlichkeit, Coulter!“, maulte ich zurück und betrachtete die unzufriedene Fresse, die Eric mehr und mehr zog. Er glaubte mir kein einziges Wort und traute mir wahrscheinlich nicht mal einen Meter über den Weg, doch ich würde ganz sicher nicht vor allen meine Hose runter lassen! Zwar hatte ich schon vor beinahe allen geduscht, doch hier hockten auch genug andere, ältere Ferox herum und die sollten mich nur angezogen sehen. „Dann zeig es Larry, Zeke oder mir.“ Ich zeigte Eric einen Vogel und prustete los: „Klar doch! Wenn ich es jemandem zeige, dann nur Mira oder Mary. Frag doch einfach Tori. Die kann bezeugen, das ich es habe!“

„Das gilt absolut nicht! Ihr Frauen haltet doch immer solidarisch zusammen, Lilf!“, rief Larry uns vom Sofa aus zu und schlug die Mappe zu, bis er auch vor uns stehen blieb. „Zeig her! So schlimm wird’s doch wohl nicht aussehen.“, feixte er und wippte neugierig auf seinen Füßen herum. Ich wollte nicht, absolut nicht, und bevor der dunkelblonde Ken noch unzufriedener wurde, seufzte ich genervt. „Ach! Komm mit, Coulter!“, schnauzte ich leise und zog ihn einfach mit mir an Toris Ecke vorbei, in die kleinen Toilette, die mit allen möglichen Kritzeleien versehen war. Vor lauter Worten, konnte man nicht mal mehr die Wandfarbe sehen und ich schob den bulligen Ken in das stille Örtchen – wenigstens war Eric still und maulte nicht weiter vor sich hin. „Du weißt ja hoffentlich, warum ein Mädchen mit einem Jungen aufs Klo verschwindet, oder?“, feixte er dann aber spitzbübisch und schaute sich belanglos auf der Toilette um, doch eine Antwort bekam er ganz sicher nicht. Die Tür abschließend, drehte ich mich zu ihm um und öffnete den Gürtel meiner Hose. „W-Was wird das denn jetzt, Smart Mouth?!“, blaffte Eric heiser, sodass ich ihn mürrisch anstierte. „Willst du das Tattoo nun sehen, oder nicht?!“ Der Ken blinzelte einen Moment, nickte dann aber knapp und wartete ab, bis ich mein Bein aus der Hose gezogen hatte. „Da! Nochmals wirst du es nicht sehen!“

Ich hielt mein Bein ungelenk hoch und passte auf, das der Slip da blieb, wo er sein sollte, und das der Ken keine freie Sicht auf eben diesen hatte, bis Eric sich hinkniete und mir die Röte ins Gesicht stieg. „Das sieht wie ein totales Mädchen-Tattoo aus!“, motzte er unzufrieden und beäugte den Schriftzug skeptisch. „Ich bin auch eins, oder siehst vielleicht etwas, das das Gegenteil beweist!?“ Seine Augen huschten auf meinen Slip, der mit meiner Hand bedeckt war, und ich klapste warnend mit dem Finger gegen seine unverletzte Wange. „Für dich ist nur das Tattoo relevant, sonst fängst du dir heute wirklich noch eine Watsche ein, Freundchen! “, schnauzte ich gereizt und bemerkte das breiter werdende Schmunzeln auf seinen Lippen. Würde Nero uns nun hier erwischen, wäre das Bild für ihn eindeutig. Der Ken hockte vor mir, während ich nur im Slip und heruntergelassener Hose vor ihm stand und mein Bein hochhielt. Wahrscheinlich dachte Eric genau das Gleiche, wenn er so schmunzeln musste, und ich schnaufte unzufrieden.

„Wenn mein Name ab heute auf dir steht, Smart Mouth, gehörst du theoretisch betrachtet doch offiziell mir, oder?“, feixte er grinsend und hob seine gepiercte Augenbraue, während er zu mir hoch schielte und ein arrogantes Funkeln in den Augen aufblitzen ließ. „Du hast sie doch nicht mehr alle! Bild dir bloß nichts ein, nur weil ich wegen der blöden Wette deinen Namen trage!“ Ich zog mir hastig und überaus eingeschnappt die Hose hoch, stolperte dann auch schon aus dem Raum heraus und konnte kaum glauben, was der Ken da gerade von sich gegeben hatte. Ich war doch kein Gegenstand, den man einfach besitzen konnte! Eric war wirklich unberechenbar, wenn es um seine Gedanken ging und ich schlenderte wieder missmutig zu den anderen, während der Ken mir triumphierend hinterher stolzierte und einen amüsierten Laut hören ließ. „Mein kleines Smart Mouth...“ Er betonte das Ganze so unmissverständlich, das ich ihm patzig entgegen schielte und sein breites Grinsen verwünschte. „Darf ich dich behalten?“, feixte er auf den Zehenspitzen wippend und hielt die gebrochene Nase selbstgefällig in die Höhe. „Nur, wenn du dich gut um mich kümmerst, Coulter.“, raunte ich und verdrehte die Augen zaghaft, damit er nicht wirklich erkannte, wie sehr mir dieses Tattoo gegen den Strich ging. Mit einem Mal war ich mir ziemlich sicher, das Eric sich dieses Tattoo mit voller Absicht ausgesucht hatte. Ich fühlte mich wie ein Stück Fleisch, das einen Namensschild bekommen hatte und das Eric sich darüber freute, entging mir absolut nicht. Für einen Ken war das sicher ein totaler Triumph...


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Guten Morgen ihr Lieben und willkommen zum neuen Kapitel!

Diesmal bin ich wieder absolut früh dran und freue mich, Aluyse nun auch hier offiziell auf unserer kleinen Safari zu begrüßen! Ein ganz herzliches Dankeschön nochmal, dass du mich als favorisierte Autorin ernannt hast! *_* Dankeschön!

Ich würde mal sagen, da hat der Lausbub wieder zugeschlagen....

Nicht nur die Sache mit dem Wetteinsatz ist unter Dach und Fach, nein, die Turteltäubchen haben auch endlich eine gerechte Strafe bekommen! Wie das wird und ob sie überhaupt fündig werden, erfahren wir nach einigen Kapiteln. Gibt es Theorien? :)

Ob ich nächste Woche pünktlich hochladen kann, steht leider momentan noch in den Sternen, denn ich hab einige Dinge zu erledigen, werde aber versuchen, euch ein neues Krümelchen der Geschichte hinzuwerfen. Langsam nähern wir uns nämlich ein paar interessanten Kapiteln. ;)

Nun denn: Wir lesen beim nächsten Kapitel und bis dahin wünsche ich euch ein paar tolle Tage.

Liebe Grüße & bleibt weiterhin gesund!

Eure Senjuusha ;D
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