Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die zwölf Verdammten

GeschichtePoesie, Tragödie / P18 / Gen
01.04.2020
01.04.2020
1
2.538
10
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
01.04.2020 2.538
 
PERSONEN:

SATAN, Herrscher der Hölle
Drei TEUFEL niederen Ranges
Die zwölf VERDAMMTEN:
Ein BETRÜGER
Ein BISCHOF
Ein FELDHERR
Ein FOLTERKNECHT
Ein FÜRST
Eine GITFMISCHERIN
Ein HENKER
Ein INQUISITOR
Eine MÄTRESSE
Ein MARODEUR
Ein SKLAVENHÄNDLER
Eine VERLEUMDERIN
CHOR der Höllengeister

Zeit: frühe Neuzeit
Ort: der Empfangsbereich der Hölle



Eine recht dunkle, von rötlichem Licht erfüllte Halle; zu jeder der drei Wände gehört eine verschlossene Tür. Die Tür auf der linken Seite öffnet sich, und Satan, mit einem schwarzen Umhang gewandet, tritt auf, begleitet von zwei Teufeln niederen Ranges, die im Gegensatz zu ihm Hörner tragen.

SATAN: Was habt ihr mir von oben zu berichten?
ERSTER TEUFEL: Wir sahen Blutgier, Arglist und Intrigen;
Der Menschen Wunsch, einander zu vernichten,
Verleitet sie zu immer neuen Kriegen.
ZWEITER TEUFEL: Derweil die Fürsten und die Pfaffen fressen,
Krepieren arme Leute wie die Fliegen!
Nur wenn es gilt, die Steuern zu erpressen,
Entsinnen sich die Herrschenden der Bauern,
Um sie sogleich aufs Neue zu vergessen.
ERSTER TEUFEL: So feiern sie, geschützt von dicken Mauern,
In ihren Schlössern unbekümmert Feste,
Und ihren Dienern, die in Nischen kauern,
Spendieren voller Großmut sie die Reste
All dessen, was bei ihren Saufgelagen
Noch übrigbleibt, da Herrn und edle Gäste,
Gemästet, wie sie sind, nichts mehr vertragen.
SATAN: Kurzum, es läuft dort oben wie gewohnt:
Der eine schuftet und wird nie belohnt,
Der andre schwelgt und prasst und schmaust infam,
Bestiehlt sogar die Ärmsten ohne Scham
Und mehrt auf diese Weise seinen Ruhm;
Dies nennt man nämlich Gottesgnadentum!
Doch auch die Armen, die so schwer sich plagen,
Sind vielfach voller Bosheit und verschlagen;
Sie zu bedauern, hab' ich nicht im Sinn,
Und nicht allein, weil ich der Satan bin!
Welch schreckliches Gezücht voll Niedertracht
Hat da der Alte doch hervorgebracht!
Als er im Zorn uns aus dem Himmel warf,
Verspürte er vermutlich den Bedarf
Nach neuen Wesen, die servil ihn loben,
Worauf in seinem unbedachten Toben
Den Menschen er nach seinem Bild erschuf:
Der Fehlschlag brachte ihn um seinen Ruf.
So hab ich mit den Menschen leichtes Spiel
Und komme als Verführer schnell ans Ziel;
Ich mag darum noch nicht mal triumphieren,
Da leichte Siege stets mich ennuyieren.
Genug der Reden und der vielen Worte,
Es gibt für die Rhetorik bessre Orte;
Doch meine Neugier ist nun frisch entfacht:
Habt ihr mir neue Sünder mitgebracht?
ZWEITER TEUFEL: Wir bringen dir ein Dutzend Geister
Wahrhaftig schlechter Menschen, Meister.
Sie warten draußen, scharf bewacht
Bereits seit einem guten Stündchen
Von Zerberus, dem Höllenhündchen.
SATAN: Dann zeigt sie mir in ihrer Pracht!

(Die Tür in der hinteren Wand der Halle öffnet sich, und ein dritter Teufel niederen Ranges tritt auf, gefolgt von den zwölf Verdammten, in der Reihenfolge: der Fürst, der Feldherr, die Mätresse, der Bischof, der Sklavenhändler, der Henker, der Folterknecht,die Giftmischerin, der Marodeur, der Betrüger, die Verleumderin und der Inquisitor. Nachdem sie alle eingetreten sind, setzt der unsichtbare Chor der Höllengeister ein.)

CHOR DER HÖLLENGEISTER:
Verworfne Seelen, seid willkommen!
Vom Meister werdet ihr vernommen,
Ihm müßt ihr nunmehr eure Sünden
Fernab von allem Trug verkünden!
Empfangt nun den gerechten Lohn
Für eure schlechten Taten;
Der Höllenpfuhl erwartet schon
Eure dunklen Seelen,
Um euch dann zu quälen
Und gut durchzubraten!
Nun ist's an euch, zu sprechen:
Bekennt eure Verbrechen!
DRITTER TEUFEL (der sich vor Satan verneigt):
Ich grüße dich, oh Herr der Unterwelt!
Betrachte nun der Frevler freche Schar,
Die heute sich zum Höllenvolk gesellt!
Ich kenn' die Menschen schon so manches Jahr,
Doch solch Gesindel traf auf Erden
Ich selten an: dies Dutzend anzuhören,
Kann selbst gehörnte Teufel noch verstören,
Und ihre Schilderungen werden
Selbst dich, oh Meister, staunen lassen.
SATAN: So schwer ist ihre Bosheit zu erfassen?
Drum schüre ich am besten schon die Glut
Zu Ehren dieser bösen Adamsbrut!
(zum Fürsten) Sprich du zuerst, wie führtest du dein Leben?
FÜRST: Mein Blick allein ließ viele einst erbeben;
Ich war ein Fürst mit langer Ahnentafel.
Seit Urzeiten berühmt ist mein Geschlecht...
SATAN (unterbricht): Verschone mich mit solcherlei Geschwafel!
Du selbst zumindest hast recht gern gezecht,
Ich sehe es an deiner Säufernase.
Als Herrscher hast du offenbar versagt?
FÜRST: Ich scheute Arbeit, liebte sehr die Jagd,
Und meine Kugel suchte Hirsch und Hase!
Ich schätzte es, bei Festen lang zu schwofen,
Ich schlug die Diener, schwängerte die Zofen,
Die Bibel ließ ich unberührt verstauben;
Ich war ein Fürst, ich konnt' es mir erlauben!
Ich träumte stets von Schlachten und von Siegen
Und opferte mein Volk in vielen Kriegen;
Ich füllte meinen Bauch mit Braten,
Inzwischen starben die Soldaten!
SATAN: Man wird dich bald „den Großen“ nennen,
Da heute wie in allen Tagen
Stets Lumpen solche Titel tragen!
Doch vom Komfort mußt du dich trennen,
Gewöhne dich an Schwefelduft,
Mehr bleibt dir nicht, gemeiner Schuft!
(Er wendet sich dem Feldherrn zu.)
Erkläre du mir nun in aller Schnelle:
Was führte dich hinab zur Hölle?
FELDHERR: Als Junge hielt ich schon des Messers Heft,
Ich lernte früh zu kämpfen und zu raufen,
Um mit Gewalt mein Glück mir zu erkaufen:
So ward der Krieg mein tägliches Geschäft!
Als Feldherr ließ Soldaten ich marschieren,
Bisweilen ließ ich Kinder rekrutieren;
Schlachtenlärm und Trommelfeuer
Klangen süß mir in den Ohren;
Märsche selbst in tiefen Mooren
Waren stets mir lieb und teuer.
Die Schwadronen
Und Kanonen
Lenkte ich gewandt
Nur mit meiner Hand.
Hälse ließ ich rasch durchtrennen,
Dörfer ließ ich niederbrennen,
Städte ließ durch Kriegsgeschick
Ausgeplündert ich zurück.
Um derweil in all den Jahren
Die Zucht im Heer noch zu bewahren,
Ließ häufig ich bei Lurenklängen
Ertappte Deserteure hängen.
SATAN: Mir scheint, du bist darauf sehr stolz?
FELDHERR: Gewiß! Ich bin aus hartem Holz
Geschnitzt, ein Feldherr ohnegleichen!
Ich hielt oft nach der Schlacht die Zügel
Des Rosses auf dem Feldherrnhügel
Und schaute glücklich auf die Leichen.
SATAN: Ich zög' es vor, Gorgonen anzusehen,
Könnt' dadurch deinem Anblick ich entgehen!
(Er spricht die Mätresse an.)
Sag mir, was hat dich hergebracht?
MÄTRESSE: Mein Hang zum Luxus und zur Pracht!
Vom Landesherrscher ließ ich mich verwöhnen
Und freute mich an seinen Säuseltönen;
Doch da er vom Regieren nichts verstand,
Tat ich's für ihn und lenkte nun das Land.
Vom Geld indes verstand auch ich nicht mehr,
Ich liebte außer Bällen schöne Kleider,
Bezahlte freilich niemals meine Schneider,
Doch nicht allein die Schneider litten schwer;
Ich aber träumte süß in weichen Kissen
Und wollte von der Not im Reich nichts wissen.
Trotz Hungersnöten konnte ich's nicht lassen,
Die Steuergelder eifrig zu verprassen!
Allein die Wucherer erzielten noch Gewinn,
In Lumpen aber lief das Volk herum;
Die Pest brach aus und raffte viele hin,
Der Schwarze Tod ging auch im Schloß bald um.
Ich wurde krank, die Sinne schwanden mir,
Ich starb und stehe nun verdammt vor dir.
SATAN: Gefeiert hast wahrlich lang genug,
Vielleicht wirst du nun in der Hölle klug!
(Er wendet sich dem Bischof zu und mustert ihn ein wenig, bevor er ihn sichtlich erfreut anspricht.)
Wie schön, auch einen Bischof zu erblicken!
Es freut mich stets, hier einen Pfaffen
Am Hölleneingang zu begaffen!
Bekenne deine Sünden, Pater
Und beichte mir, dem Höllenvater.
BISCHOF: Zunächst muß ich dir Völlerei gestehen...
SATAN: Das konnte ich an deinem Wanst schon sehen.
BISCHOF: Auch fühlte ich oft meine Lenden brennen
Und muß aus diesem Grund dir Wollust nennen;
Durch Heuchelei gewann ich das Vertrauen
Der armen, frommen und naiven Frauen,
Die voller Kummer meine Hilfe suchten,
Wofür sie später lauthals mich verfluchten.
Mit frommen Sprüchen und mit vielen Lügen
Begann ich dann, alsbald sie zu bestricken
Und suchte doch vor allem mein Vergnügen...
SATAN: Kurzum, es ging dir letztlich nur ums Ficken.
BISCHOF (zuckt zusammen): Welch hartes Wort! Doch leider sprichst du wahr.
So trieb ich es nun Jahr für Jahr:
Ich zeugte Kinder, ohne sie zu füttern;
Statt dessen drohte ich den armen Müttern,
Wenn sie vor meine Augen traten
Und mich um milde Gaben baten.
Dann schwang ich auch schon mal den Knüttel
Und warnte lautstark sie vorm Büttel;
Nicht wenige ertränkten sich.
SATAN: Die armen Mädchen rühren mich.
Doch dich, den Wüstling auf dem Bischofsstuhl,
Erwartet nun ein Platz im Höllenpfuhl!
(Er geht weiter und spricht den Sklavenhändler an.)
SATAN: Nun ist's an dir, dich zu erklären;
Erzähl' von deinem Lebenswandel.
SKLAVENHÄNDLER: Jahrzehnte trieb ich Sklavenhandel,
Womit ich in der Jugend schon begann;
Zunächst nur, um mich zu ernähren,
Doch fand ich bald Vergnügen dran.
Frau'n und Männer legte ich in Eisen,
Machte auch nicht halt vor Greisen,
Kinder bot als junger Mann
In Ketten zum Verkauf ich an.
Überall wohl auf der Welt,
Wo der Menschenhandel blüht,
War ich um Profit bemüht,
Und so kam ich schnell zu Geld.
Zuletzt konnt' ich mir eigne Sklaven leisten,
Und diese Zeit genoß ich wohl am meisten:
Ich liebte es, die Sklaven zu kuranzen
Und ließ darum recht gern die Peitsche tanzen.
SATAN: Ein Mensch kann einen Menschen nie besitzen;
Für deine Frevel sollst du künftig schwitzen!
(Er spricht den Henker an.)
Sag mir, was hast für Greuel du begangen?
HENKER: Mein Leben war es, Leben zu beenden,
Um jeden Hauch von Aufruhr abzuwenden!
So spießte viele Köpfe ich auf Stangen,
Nachdem mein Beil gefallen war;
Ich hielt auch manches Haupt am Haar
Und reckte es dann in die Höhe;
Bisweilen hüpften dort noch Flöhe.
Ich ließ auch, ohne je zu taumeln,
So manchen Dieb am Galgen baumeln.
Ich liebte es, mit Blut mich zu beflecken,
Sobald es galt, ein Urteil zu vollstrecken,
Das einem Hochverräter galt;
Die Prozedur ist zwar schon alt,
Doch gut bewährt, weshalb sie jeder kennt:
Es wird dabei der nackte Delinquent,
Damit er auch recht gründlich leidet,
Gehängt, entmannt und lebend ausgeweidet;
Denn so verlangt in England es das Recht!
SATAN: Da wird sogar dem Teufel schlecht.
Dein Blutdurst übertrifft noch jedes Tier,
Und selbst die Hölle ekelt sich vor dir.
(Er geht angewidert zum Folterknecht weiter.)
Doch welch ein Strolch steht nun vor mir?
FOLTERKNECHT: Ich hatte Menschen peinlich zu befragen,
Und ich verstand es, tüchtig sie zu plagen!
Sie aller Hoffnung zu berauben
Bedeutete mir schon viel;
Durchs Streckbrett und die Daumenschrauben
Gelangte ich ans Ziel.
Dann nutzte ich die heißen Zangen,
Bis sie von schlimmen Taten sangen;
Ob wahr es war, was sie gestanden,
Wenn sie in ihrer Qual sich wanden,
Beschäftigte mich kaum.
SATAN: Nun halte sie im Zaum,
Die Lästerzunge, die verfluchte
Die voller Stolz derlei verruchte
Abscheulichkeiten spricht!
FOLTERKNECHT: Ich tat nur meine Pflicht.
SATAN: Das sagen böse Menschen immer
Und machen ihre Schuld nur schlimmer;
Drum halte lieber deinen Mund!
(Er spricht die Giftmischerin an.)
Was führte dich hinab zum Höllenschlund?
GIFTMISCHERIN: Als junge Frau schon blickte ich voll Neid
Auf reiche Bürger zu fast jeder Zeit;
Auf Wohlstand richtete sich all mein Streben,
Es sollte niemals mir an etwas mangeln!
Ich schaffte es, mir einen Mann zu angeln
Und reichte ihm beglückt die Hand fürs Leben;
Nicht Liebe hatte mich dazu bewogen,
Es hatte mich sein Reichtum angezogen!
Ich brachte, kaum vermählt, ihn rasch ins Grab,
Indem ich Speisen mit Arsen ihm reichte;
Sein Bruder, der zu recht die Schuld mir gab,
Als endlich unter Krämpfen er erbleichte,
Ließ Vorsicht walten, freilich nicht genug:

So trank er Schierlingssaft aus seinem Krug.
Wann immer jemand mir im Wege stand,
War schnell mit einem Gift ich bei der Hand;
Die rechten Mittel waren stets im Haus,
So löschte ich ein Dutzend Leben aus!
SATAN: Hier werden deine Gifte dir nichts nützen;
Sonst müßte meine Teufel ich beschützen!
(Er spricht den Marodeur an.)
Was hast auf deiner Lebensbahn
Du übler Lumpenhund getan?
MARODEUR: Wo immer Krieg ein Land verheerte,
Dort zog auch ich durch's Feld;
Da einzig Mammon ich verehrte,
Ging's mir allein ums Geld!
Mich zog's nicht zu den Grenadieren,
Ich zog es vor, zu marodieren;
Vom Pulverdampf hielt ich mich fern,
Von Kugeln wurde niemals ich getroffen;
Geplündert aber hab ich gern
Und unentwegt gesoffen!
Zudem hab Jungfern öfters ich geschändet
Und damit ist auch mein Bericht beendet.
SATAN: Zum Glück war dein Geschwätz recht kurz.
(Er geht weiter und wendet sich an den Betrüger.)
Wie kam's zu deinem Höllensturz?
BETRÜGER: Mit Worten konnt' ich gut jonglieren
Und war zudem recht listig;
Auch Lug verstand ich zu servieren
Dank meiner Rabulistik!
Die Menschen wollen Lügen hören,
Drum fiel's mir leicht, sie zu betören!
So habe ich mit Wortgirlanden
Zu allen Zeiten es verstanden,
Durch immer neue Maskeraden
Den Menschen, die ich traf, zu schaden.
Ich gab mich aus als Arzt und Richter,
Doch zeigte ich noch mehr Gesichter
Und schwindelte mich so in manches Haus:
Dann nahm ich die Bewohner gründlich aus.
Wie viele ich ins Elend brachte,
Vermag ich nicht zu sagen;
Ob ihrer jemals ich gedachte,
Das brauchst du nicht zu fragen.
Selbst solche, die im Hungerkrampf
Die Zähne schon zusammenbissen,
Hab ich mit meinem Lügendampf
Noch jedes Mal beschissen.
Mein Lebensquell war meine Gier,
Und darum stehe ich nun hier.
SATAN: Hier werden deine Schliche nun versagen,
Denn deiner harren wohlverdiente Plagen.
(Er spricht die Verleumderin an.)
Nun sage du mir, welche Sünden
Hast du dem Satan zu verkünden?
VERLEUMDERIN: Von klein auf schon lag alle Zeit
Mit meiner Schwester ich in Streit.
Sie wollte mich zum Fleiß ermahnen
Und hielt mir häufig unsre Ahnen
Als rühmenswertes Beispiel vor;
Doch nichts davon drang in mein Ohr.
Sie kam zu Wohlstand mit der Zeit
Und weckte dadurch meinen Neid;
Drum hab ich Hexe sie genannt:
Sie wurde dann recht bald verbrannt.
Da die Verleumdung mir so nützlich war,
Beschuldigte fortan ich jedes Jahr
Auch andere der Zauberei
Und rief die Richter so herbei.
All meine Feinde, alte oder junge,
Vernichtete ich nur mit meiner Zunge!
SATAN: Dir kommt, oh Lügnerin, im Höllenreich
An Niedertracht wohl keiner gleich!
(Er spricht den Inquisitor an.)
So komme ich zum letzten in der Runde:
Du wähntest mit dem Himmel dich im Bunde?
INQUISITOR: Daß ich hier stehe, muß ein Irrtum sein,
Denn mein Gewissen, das ist völlig rein!
Ich kämpfte gegen Ketzerei,
Doch Gnade walten ließ ich nie,
Denn Gnade ist selbst Häresie!
Vereint in einem Gott sind drei;
Um wahre Lehren durchzusetzen,
Ließ überall auf großen Plätzen
Die Scheiterhaufen ich entzünden,
Um Gottes Wort so zu verkünden!
Die Christenheit muß schnell erkennen:
Häretiker, die müssen brennen;
Wer einmal treulos handelt gegen Gott,
Der ist verworfen, der muß aufs Schafott!
Beseelt las ich den Hexenhammer,
Ich ging oft in die Folterkammer;
Mein Leben war dem Herrn geweiht!
SATAN (sarkastisch): Nur daß der Herr dir nicht verzeiht.
DRITTER TEUFEL: Wie soll'n die zwölf für ihre Taten zahlen?
So nenne, Meister, uns die rechten Qualen!
SATAN: Sperrt diese zwölf in eine Zelle
Und laßt sie einfach nur allein;
Dann sorgen sie in aller Schnelle
Schon selbst für ihre Höllenpein!
Legt alle nun an eine Kette
Und schafft sie aus der Halle raus!

(Der dritte Teufel geht durch die linke Tür ab und kehrt kurz darauf mit einer langen Kette zurück; anschließend führen die drei Teufel die Verdammten durch die rechte Tür hinaus.)

SATAN (allein, mit Anzeichen von Erschütterung):
Ich weiß nicht, was der Herr sich dachte,
Als er die ersten Menschen machte!
Wenn ich die Welt geschaffen hätte,
Dann sähe sie nicht schlimmer aus!

(Der Vorhang fällt.)
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast