Der Känguru-Kurzbesuch

KurzgeschichteHumor / P12
Das Känguru Der Pinguin OC (Own Character)
01.04.2020
01.04.2020
1
476
5
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
01.04.2020 476
 
*Klopf Klopf Klopf*

Alexandra öffnet die Tür. Vor ihr steht ein Känguru. Alexandra blinzelt, schaut den Flur hinauf, den Flur hinunter, schaut geradeaus. Das Känguru ist immer noch da. „Äh, hallo! Ich bin gerade gegenüber eingezogen und wollte mir Eierkuchen machen, aber mir ist gerade aufgefallen, dass ich keine Eier mehr habe!“ Alexandra blinzelt, nickt, geht in die Küche. Ihr Kühlschrank ist, bis auf eine angebrochene Flasche Wein, leer. Ohne Eier kehrt sie zur Tür zurück. Das Känguru ist immer noch da. „Oh, hähähä. Haben Sie etwa auch keine Eier?“ Alexandra schüttelt den Kopf. „Tut mir leid, ich war zeitlich sehr eingeschränkt, so dass ich nicht zum Einkaufen gekommen bin.“ Das Känguru macht große Augen. „Waaaaas? Viel zu tun? Wie kann das sein, es ist doch Ausgangssperre?! Haben Sie etwa kein ‚Homeoffice‘?“   Alexandra lacht trocken auf. „Nein, ich bin systemrelevant.“ – „Systemrelevant?“, wiederholt das Känguru. „Sind Sie etwa Postbote?“ Es kichert. Alexandra schüttelt den Kopf. „Nein, ich war für die Stimmauszählung der Wahl eingeteilt“ – „WAAAAAAAS? Dann sind Sie also ein Sklave der sogenannten Diktatur, die hier als ‚Demokratie‘ schöngeredet wird?!“ Alexandra legt den Kopf schief. „Sie sind also kein Fan des deutschen Rechtssystems?“ Das Känguru lacht auf. „Nein, nein, nein. Ich bin Kommunist!“ Alexandra kratzt sich am Kopf, sagt aber nichts dazu. Eine Weile schweigen das Känguru und sie sich an. „Sagen Sie“, ergreift das Känguru schließlich das Wort, „Wenn Sie doch systemrelevant sind, warum sind Sie dann mittags zu Hause, im Bademantel und mit einem Glas Wein in der Hand?“ Alexandra schaut an sich herunter, dann zu dem Glas in ihrer Hand. „Ich… hatte gerade Prüfung…“, erklärt sie. „Prüfung?“, fragt das Känguru. Es fischt eine Packung Schnapspralinen aus seinem Beutel und wirft sich eine in den Mund. „Auch eine?“, fragt es und hält Alexandra die Pralinen hin. Sie schüttelt den Kopf. „Nein danke, mag ich nicht.“ Das Känguru schüttelt ungläubig den Kopf. „Also“, sagt es und wirft sich eine zweite Praline ein, „Was für eine Prüfung erlaubt es Ihnen, mittags Wein zu trinken und einen Bademantel zu tragen?“ Alexandra antwortet zögernd: „Meine Colloquiumsprüfung für meine Masterarbeit – wegen der Ausgangssperre über Skype.“ – „WAAAAAAAS?“, ruft das Känguru schockiert, „Masterarbeit?! UND Wahlen?! Oh mein Gott! Sie sind ein Spitzel des Systems!“ Hektisch packt es seine Pralinenschachtel in seinen Beutel und stolpert in Richtung Treppe. Bei dem Versuch, rückwärts zu hüpfen, stolpert es über seinen Schwanz. Alexandra schaut ihm mit hochgezogenen Augenbrauen nach. Sie tippt sich auf die Nase, während das Känguru hysterisch ruft: „Kapitalistenschwein! Systemsklave! Sie arbeiten doch mit Sicherheit für den Pinguin!“ Fluchtartig verlässt es das Treppenhaus. Alexandra schließt langsam die Tür, schlurft in die Küche und füllt ihr Weinglas nach. Sie schlurft weiter ins Wohnzimmer, lässt sich auf die Couch fallen und schaltet den Fernseher ein. „Komisch“, sagt sie zu sich selber, „woher konnte es nur wissen, dass mein neuer Dozent ein Pinguin war?“