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Just give me one reason

GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12 / Het
Albus Dumbledore Ben Copper OC (Own Character) Patricia Rakepick Severus Snape
29.03.2020
07.05.2020
6
12.395
5
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Dieses Kapitel
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02.04.2020 1.948
 
In jedem Augenblick wird durch seine Erlebnisse, Gedanken und Taten etwas anderes aus dem Menschen.
~ Eduard Graf von Keyserling




Kapitel 2:

Diese Nacht war für Severus gar nicht mehr an Schlaf zu denken. Er blieb die ganze Zeit über bei Rakepick, für den Fall, dass sie aufwachte, doch bisher zeigte sie kaum mehr Regungen, als ein kurzes Zucken oder ein schwaches Stöhnen.
Der Slytherin hatte es sich zu seiner Hauptaufgabe gemacht, ihre Wunden zu versorgen, wobei ihm eine ganz besonders große und tiefe Wunde am rechten Oberschenkel aufgefallen war. Dann hatte er den Kopf geschüttelt und die Worte gemurmelt: „Was ist nur passiert, Patricia Rakepick?“

Er hatte sich gerade ein Glas Feuerwhiskey eingeschenkt, um wach zu bleiben, als er eine weitere Regung der Hexe vernahm. Er kniete sich langsam vor sie hin und kühlte ihr mit einem nassen Tuch die glühende Stirn.
In dem Moment öffnete die Hexe langsam ihre Augen und Severus zog rasch seine Hand zurück. Ihm war die Situation mehr als nur unangenehm.
Hätte Rakepick die Kraft dazu, würde sie ihn auf der Stelle angreifen und eigentlich wurde von Severus dasselbe verlangt, doch es wäre ihre gegenüber nicht fair gewesen, sie in diesem Zustand anzugreifen. Jedenfalls redete er das schon die ganze Zeit seinem Verstand ein.

Severus sah gespannt zu, wie Rakepick ihre Augen öffnete, als sähe er einem spektakulären Auftritt zu.
Er kam sich langsam ziemlich albern vor und blickte stattdessen aus dem Fenster, um so zu wirken, als hätte er etwas zu tun.
Es war sicher schon sechs oder sieben Uhr am Morgen, denn es dämmerte bereits und die ersten Sonnenstrahlen fielen in das Zimmer. Severus dachte schon an den kommenden Tag und was er mit der Hexe tun sollte. Konnte er sie einfach so in seinen persönlichen Räumen mit seiner Tränkekammer alleine lassen, während er völlig erschöpft und müde zum Unterricht ging?
Plötzlich spürte er wie sich ein neugieriger Blick in ihn hineinbohrte.
Er wandte sich wieder der verletzten Rakepick zu und sah ihr direkt in die trüben, blauen Augen. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch er kam ihr zuvor.

„Ich hielt es für richtig, dich erst einmal gesund zu pflegen, bevor ich dich an Dumbledore und das Ministerium übergebe“, sagte er völlig ausdruckslos.

Rakepick schien nichts darauf sagen zu wollen. Im nächsten Moment verzog sie vor Schmerzen das Gesicht während sie sich mit der Hand an ihrem Beim entlangtastete.
Severus sah, wie sich ihre Augen weiteten, als sie die große Wunde an ihrem Oberschenkel spürte.

„Ich hatte schon etwas Diptam auf die Wunde gemacht, aber sie war anscheinend so tief, dass es noch eine Weile dauern wird bis der Schmerz vorübergeht“, sagte Severus mit einem kurzen Blick auf die verbundene Wunde.

Dann sah er zurück in die Augen der Hexe und sein Blick wurde etwas weicher.

„Bei Merlin, was ist passiert?“, fragte er fast schon flehend. Er musste es einfach unbedingt wissen.

Rakepick hingegen schien noch nicht bereit, über das Thema zu reden. Sie sah sich ein wenig im Zimmer um und fragte dann mit einem spottenden Unterton: „Ist das hier dein Zimmer?“

Severus verdrehte die Augen und erwiderte: „Selbst in so einer heiklen Situation kannst du deine Kommentare nicht bei dir lassen“

Das schwache Grinsen, welches sich auf ihr Gesicht gestohlen hatte, verschwand augenblicklich.

„Diese heikle Situation kannst du ganz einfach beenden, indem du mich zu Dumbledore bringst“, sagte Rakepick vollkommen ernst, „du müsstest mir nur beim Aufstehen helfen, ich würde mich auch nicht wehren“

Der Tränkemeister war fassungslos und verwirrt zugleich über diese Bereitschaft aufzugeben. Es konnte sich nicht um einen Trick handeln, denn die Fluchbrecherin war in diesem Moment die letzte, die sich irgendeinen Trick ausdenken konnte. Sie war ihm hilflos ausgeliefert und das schien sie mehr zu stören, als er jemals vermutet hätte.

„Denkst du etwa, es ist einfach für mich, dich hierzubehalten und später in den Unterricht zu gehen, als wäre nichts gewesen? Du solltest etwas mehr Dankbarkeit an den Tag legen, anstatt mich hier so anzufahren“, knurrte Severus verärgert.

Die Gryffindor hatte ihm gar nicht mehr richtig zuhören können, da ihre Augenlider wieder schwer wurden und sie das Bewusstsein verlor. Severus seufzte, denn er bemerkte, dass er fast die Kontrolle verloren hätte.
Bei Rakepick geschah ihm das so oft. Er war manchmal so wütend und so voller Hass, wenn sie in seiner Nähe war.
Er hatte immer geglaubt, dass es daran lag, dass sie ihn an seine Schulzeit erinnerte und an die Zeit, als die Rumtreiber und sie ihn immer so schikaniert hatten.
Doch er war nie wirklich überzeugt davon gewesen, dass dies nur der einzige Grund war. Er war sich sicher, dass es da noch etwas anderes gab.

Severus spielte tatsächlich mit dem Gedanken, Rakepick einfach hierzulassen und zu seinem Unterricht zu gehen. Was blieb ihm auch anderes übrig? Er konnte Dumbledore nicht erzählen, dass er in seinen Zimmern die gesuchte Fluchbrecherin versteckte und sie heimlich gesund pflegte. Doch er hatte auch Bedenken, was die Fluchbrecherin anstellen würde, wenn sie wieder aufwachte.
Severus versuchte sich darüber keine Gedanken zu machen, denn er hatte sowieso keine andere Wahl.
Auch wenn er keinen Hunger hatte, musste er etwas essen, bevor er zum Unterricht ging.
Seine Laune würde tiefer als der Schwarze See sein, wenn ein Schüler auch nur einen kleinen Fehler machte. Doch er musste wenigstens diesen Tag überstehen und dann würde er überlegen, was er als Nächstes tun sollte.
Er nahm sich Rakepicks Zauberstab und seinen eigenen und verschloss das Zimmer mit dem Zauberspruch Colloportus.
Dann betete er zu Merlin, dass Rakepick nichts Dummes anstellen würde und verließ seine Räume und die Kerker auf dem Weg zur Großen Halle.

An diesem Morgen konnte Severus nur wenig essen und er musste ständig an Rakepick denken. Auch die anderen Lehrer bemerkten, dass der Tränkemeister übler als sonst gelaunt war und beschlossen, ihn einfach gar nicht anzusprechen.
Später im Unterricht erging es den Schülern nicht anders. Sie merkten schon, als ihr Professor zur Tür hereinkam, dass in der heutigen Stunde nicht zu scherzen war und man genau aufpassen musste, was man sagte oder tat. Für den Tränkemeister vergingen die Stunden quälend langsam und er überlegte schon, einen seiner nervigen und unfähigen Schüler zu verzaubern.
Doch eigentlich war er gar nicht genug bei der Sache, um jemanden zu verzaubern. Ständig schwirrten seine Gedanken zu Rakepick und was ihr passiert sein könnte.
Außerdem dachte er darüber nach, was er als Nächstes tun und ob er nicht einfach gleich zu Dumbledore gehen sollte. Er verwarf diesen Gedanken schnell wieder, denn er musste zuerst herausfinden, was Rakepick passiert war und was sie ihm über „R“ erzählen konnte.
Schließlich gehörte sie zu dieser Gruppe von bösen Hexen und Zauberern, die es auf den Schatz der Verwunschenen Verliese abgesehen hatten.


*******


Erst nach dem Abendessen konnte der Slytherin zurück in seine Räume gehen.
Er fühlte sich wie ein kleiner Schuljunge, der es an Heiligabend kaum noch aushielt, auf die Geschenke warten zu müssen. Die Frage war, was ihn wohl überraschen würde.
Mit wild klopfendem Herzen murmelte er die Worte „Alohomora“, um die verschlossene Tür zu öffnen.
Nur ein kurzer Blick ins Zimmer verriet dem Zauberer, dass Rakepick immer noch ganz friedlich und ruhig auf dem Sofa lag und aussah, als würde sie schlafen. Severus atmete tief ein.
Er würde diese Frau keinen weiteren Tag bei sich behalten, so viel stand fest.
Zu seinem Glück stellte er fest, dass sie schon wesentlich besser als am Morgen aussah, jedoch musste er auch daran denken, dass sie die ganze letzte Nacht und den Tag nichts gegessen hatte.

Ohne zu zögern, verließ er noch einmal die Kerker, um den Hauselfen in der Küche einen Besuch abzustatten. Er erklärte ihnen, dass er noch einen Teller vom Abendessen brauchte, da ein Schüler mit einem Zauber verflucht wurde, der ihn so lange erbrechen ließe, bis er etwas zu Essen bekam.
Für den Tränkemeister war es eigentlich gar nicht nötig, sich eine solche Lüge auszudenken, da die Hauselfen so viel Respekt vor ihm hatten, dass sie alles für ihn getan hätten.
Wie kann man nur so naiv sein?, dachte er sich, als er die Küche wieder verließ und mit einem gefüllten Teller in die Kerker zurückkehrte.

In dem Moment als er die Tür aufstieß, öffnete die Hexe wieder die Augen und sah ihn mit einem verwirrten Blick an.

„Wo bin ich?“, fragte sie verschlafen und rieb sich mit zwei Fingern über die Stirn.

„In meinem Zimmer“, antwortete der Tränkemeister trocken.

Er ging auf sie zu und reichte ihr den befüllten Teller.

„Du musst sicher hungrig sein“, sagte er, doch die Hexe warf nur einen kurzen Blick auf das Essen und schob es gleich beiseite.

„Ich habe keinen Hunger“, sagte sie leise.

Ihr Blick richtete sich zurück auf die Zimmerdecke. Severus bemerkte, dass sie in einer ganz anderen Stimmung war, als noch am Morgen, was ihn ziemlich beunruhigte.
Er war es immer nur gewohnt gewesen, der selbstsicheren und furchtlosen Gryffindor Patricia Rakepick zu begegnen, doch mit dieser zurückhaltenden und fast schon zerbrechlichen Art konnte er gar nicht umgehen. Severus wusste, dass es etwas damit zu tun hatte, was ihr passiert war.

„Geht es dir besser?“, fragte er immer noch mit dieser Kälte in dieser Stimme, als würde es ihn nicht interessieren.

Nur weil die Löwin zum Jungen wurde, hieß das nicht, dass die Schlange ihre Giftzähne verlor.
Es dauerte einige Sekunden bis eine Antwort kam und Severus hätte nie gedacht, diesen Anblick eines Tages zu erleben.
In Patricia Rakepicks Augen standen Tränen und man sah ihr an, dass sie sich mit allen Mitteln darum bemühte, sie auch dort zu behalten.

„Nein“, flüsterte sie ohne Severus anzusehen. Dieser war vollkommen überfordert mit der Situation.

Er setzte sich erst einmal in einer bequemen Position vor ihr auf den Boden und wartete darauf, dass sie weitersprach, doch sie hatte augenscheinlich nicht vor, dies zu tun.
Der Tränkemeister überlegte krampfhaft, wie er als Nächstes vorgehen sollte. Er könnte mit Legilimentik in ihren Kopf eindringen und ganz einfach herausfinden, was passiert war und sie dann an Dumbledore übergeben.
Nein, schrie eine Stimme in seinem Kopf, das kannst du nicht machen!
Severus seufzte. Er wusste genau, dass er das nicht tun konnte.
Er beschloss, sich noch einmal die Wunde an ihrem Bein anzusehen. Je schneller sie wieder gesund und auf den Beinen war, desto schneller würde er sie auch wieder los sein und seine Ruhe haben.

„Warum hast du mich gerettet?“, hörte Severus auf einmal.

Er hielt in seiner Bewegung inne und sah zu Rakepick auf. Ihre Blicke begegneten sich. Die Tränen waren verschwunden.

„Ich-“, er wusste nicht, was er darauf sagen sollte, denn er wusste selbst nicht einmal so wirklich, warum er sie gerettet hatte.

„Ich habe dich nicht gerettet“, erwiderte er, „Ich wollte dich lediglich wieder zu Kräften bringen, um dich dann an Dumbledore zu übergeben“

Rakepick schien nicht überrascht über diese Antwort. Es schien so, als hätte sie es genau so erwartet.

„Du hättest mich gar nicht finden sollen“, meinte Rakepick und ihr Blick wurde mit einem Mal ganz matt und leer, als wäre sie gar nicht richtig da.

„Und warum bist du dann zum Schwarzen See appariert?“, wollte Severus wissen.

Rakepick öffnete den Mund, schloss ihn aber sofort wieder, als wieder die Tränen aufstiegen.
Es schien, als könnte sie sich nur auf eine Sache konzentrieren: Entweder sprechen und sich die Erinnerung wieder vor Augen rufen oder die Tränen zurückhalten.

Severus wartete geduldig, bis sie wieder zu sprechen begann: „Ich vermute mal, ich hatte mich selbst aufgegeben und wollte an den Ort zurück, an dem ich mich immer zu Hause gefühlt hatte“

Severus sah die Hexe erschrocken an.
Seine Gedanken bestätigten sich: Patricia Rakepick war schon lange nicht mehr die selbstsichere und furchtlose Gryffindor wie früher. Sie war gebrochen.


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