Another End

von Anna5000
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 Slash
Jiang Cheng Jiang Yanli Jin Ling Lan Yuan Lan Zhan Wei Ying
29.03.2020
25.10.2020
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29.03.2020 1.438
 
,,A-Xian!,“ ertönte die besorgte Stimme seiner großen Schwester über das blutige Schlachtfeld hinweg, auf dem sich die mordgierigen Leichen mit den Clänen maßen.
,,Schwester.,“ hauchte Wei Ying erschrocken, ehe er seinen Blick von Lan Zhan abwandte und panisch nach der jungen Frau suchte, die nicht hier sein dürfte.
Schnell entdeckte er sie, aber auch eine der wilden Leichen, die sich in ihrem unkontrollierbaren Verlangen nach Blut und Tod an sie heranschlich.
,,Nein! Hör auf!,“ schrie der Jüngere panisch und versuchte sie noch aufzuhalten, doch der auferstandene Tote reagierte nicht.
So schnell er konnte, sprang er vom hohen Dach des ehemaligen Hauptgebäudes des Wen-clans und rannte auf seine Schwester zu.
Doch noch ehe er sie erreichen konnte, bahnte sich bereits die Schwertspitze des Feindes ihren Weg auf den ungeschützten Rücken der jungen Mutter zu, deren Augenmerk jedoch nur auf ihrem Bruder lag.
Erstickt schrie sie auf als sie das kalte Metall spürte, wie es sich unnachgiebig in ihr Fleisch bohrte und nichts als Schmerz und eine offene Wunde zurückließ.
,,A-Xian...,“ hauchte sie schwach, während ihre Beine nachgaben und ihr schmaler Körper unaufhaltsam gen Boden stürzte.
,,Schwester!,“ schrie Wei Ying stockend noch während er sich zu ihr auf die blutbefleckte Erde fallen ließ und ihren Leib gerade noch rechtzeitig vor dem Schlimmsten bewahren konnte.
,,Ich dachte, du hättest es unter Kontrolle!,“ fluchte Jiang Cheng missgelaunt hinter ihnen, der ebenfalls seine große Schwester entdeckt hatte und nun ihren Angreifer beseitigte.
Doch Wei Ying ignorierte dies.
Alles, was nun zählte, war die junge, verletzte Frau in seinen Armen, die mehr die Rolle einer fürsorglichen Mutter für ihn inne gehabt hatte, als Madam Yu oder sonst eine andere.
,,A-Xian... beende es...,“ keuchte Yanli entkräftet.
Traurig lächelnd nickte der Jüngere, ehe er die schwarze Bambusflöte an seine vollen Lippen ansetzte und eine befehlende, kurze Melodie spielte.
Augenblicklich stoppten die Leichen ihren Angriff und fielen wie das toten Fleisch aus dem sie bestanden, leblos zu Boden.
,,Ich habe es beendet, Schwester...,“ schluchzte er leicht, sobald er das Instrument von seinem lieblichen Mund nahm.
,,Ja, das hast du...,“ stimmte sie ihm leicht lächelnd zu und legte ihre zierliche Hand sanft auf seine bleiche Wange, ehe sich ihre Augen in Schock weiteten, den Blick auf etwas hinter ihm gerichtet.
,,A-Xian!,“ rief sie plötzlich in voller Panik und stieß den Jüngeren kurzerhand grob zur Seite.
Wei Ying musste sich nicht umdrehen, um die drohend nahende Gefahr zu erkennen, sowie das blutverkrustete Schwert, dessen Spitze nun deutlich auf die schmale Brust seiner großen Schwester gerichtet war, bereit diese mit dem letzten Todesstoß, der eigentlich ihm galt, zu durchstoßen.
Fast im selben Augenblick bewegte er sich wieder auf sie zu, in der Hoffnung die junge Mutter noch rechtzeitig beschützen zu können, als diese auch schon gepeinigt aufschrie.
Unnachgiebig bohrte sich der kalte Stahl in das weiche Fleisch.
,,Wei Ying!,“ schrie Jiang Cheng panisch, ließ seine große Schwester sanft zu Boden und kroch zitternd auf seinen Bruder zu, der schwer atmend vor ihnen lag.
Er hatte sich noch gerade so vor Yanli werfen können, sodass nun sein warmes Blut pulsierend aus einer tiefen Wunde floss, statt ihrem.
,,A-Xian...,“ weinte diese verzweifelt und rückte, trotz ihrer Verletzung näher an die Jüngeren heran  um dem sterbenden jungen Mann noch einmal halten zu können.
Glitzernde Tränen flossen den Geschwistern über die geröteten Wangen als sie sahen wie schwer es Wei WuXian inzwischen fiel seine dunklen Seelenspiegel offen zu halten, die mit jeder weiteren verstreichenden Minute an Glanz verloren.
,,Es tut mir leid... Ich hätte nicht... Aber ich konnte doch auch nicht zulassen, dass...,“ begann der Schwarzhaarige mit stockender Stimme an seine Liebsten gerichtet.
Sie waren zwar nicht blutsverwandt, doch glichen sie schon immer einer Familie, die dem jeweils anderen auch noch die schlimmsten Fehler verziehen hatten.
So wie auch dieses Mal.
,,Schon gut. Du hast nichts falsch gemacht.,“ tröstete ihn Yanli schluchzend, während ihre zierlichen Finger sich langsam nach dem Jüngeren ausstreckten.
Doch noch ehe sie die vom Blutverlust kühle Hand berühren konnte, entzog sich diese bereits ihrer Reichweite und griff entschlossen nach dem Stygian Tiger Amulett, dessen dunkle Macht nur so zu pulsieren schien.
,,Ich werde... es mit mir nehmen...,“ flüsterte Wei Ying schwach und umklammerte das mächtige Stück in seinen bebenden Händen noch fester.
Immer fester.
Bis es die ersten Risse bildete und schlussendlich in einem kleinen Knall in viele winzige Stücke zerbarst.
Durch den Laut alarmiert, blickte nun auch Lan Zhan zu ihnen
Als er erkannte, was dort vor sich ging, hatte er beinahe das Gefühl, sein Herz würde vor Schmerz stehenbleiben.
,,Wei Ying!,“ rief er angsterfüllt und rannte, jegliche Etikette vergessend, auf seinen verwundeten Freund zu, von dem er so viel lernen durfte und so viel Freundlichkeit und Respekt geschenkt bekommen hatte und ließ sich ungalant neben diesem und dessen trauernder Familie fallen.
,,Lan Zhan...,“ hauchte der Sterbende leise und lächelte seinen zurückhaltenden Freund schwach an, dem bei diesem Anblick zarte Perlen eine feuchte Spur auf seinem ebenmäßigen Gesicht hinterließen.
,,Verzeiht mir...,“ flüsterte der Jüngere noch mit stockendem Atem, ehe er endgültig seine sonst so lebensfrohen Seen schloss und der letzte Hauch des Lebens seine blutroten Lippen verließ.
,,Nein!,“ schrie Jiang Cheng panisch und versuchte noch seinen geliebten Bruder vor der Sense des Todes zu retten, während seine Bemühungen nur in den Schmerzensschreien seiner Schwester untergingen.
,,Nicht.,“ keuchte Lan Zhan nur und starrte ungläubig auf das Geschehen vor ihm, ehe er dem Clanführer half den leblosen Leib zusammenzuhalten.
Denn dieser begann nun langsam auseinanderzufallen und sich in feinen Staub aufzulösen, sodass sie nicht einmal mehr in der Lage wären seine Überreste dem Familiengrab beizulegen.
Verzweifelt schluchzend, robbte Yanli zu ihrem Bruder um diesen zu helfen.
Es reichte schon, dass sie ihre Eltern nicht richtig hatte begraben können und sie konnte es einfach nicht ertragen, wenn das selbe Schicksal nun auch ihren kleinen Bruder befallen würde.
Doch die dunkle Energie, die von diesem in ihre Fesseln gelegt worden war, schien ihren Wunsch nicht erfüllen zu wollen.
Stück für Stück näherte sich diese rastlose Macht am langsam erkaltenden Fleisch des Jüngeren, fraß sich durch seine Knochen und verschlang seine Organe bis nichts mehr von dem einstiegen Yiling Patriarchen zurückblieb.
Haltlos weinend starrten die Geschwister auf den Staubhaufen, der mit dem aufkommenden Wind davongetragen wurde, während Lan Zhan nur vollkommen benommen neben ihnen kniete und auf den schwarz-roten Stoff hinab blickte.
Sein einziger Freund war soeben vor seinen Augen gestorben, gedrängt zu Taten durch die unglaubliche Gier der Menschen.
,,Es tut mir leid, Wei Ying...,“ flüsterte noch einmal vor Trauer und Reue zerfressen.
Langsam beugte er sich vor seinen Überresten hinab und gab diesem somit selbst nach dessen Tod den Respekt, den er eigentlich verdient hatte, ehe er sich wieder erhob und entschlossen nach dessen Flöte, mit der er so viel Macht, aber auch Sanftmut bewiesen hatte, dem allzubekannten roten Haarband und dem kleinen Beutel griff, der ihm einst das unbekannte Mädchen schenkte, als er dieses vor dem Brandzeichen rettete.
Diesen reichte er stumm an Yanli, war er doch gefüllt mit vielen hilfreichen Kräutern, die dieser bei der Versorgung ihrer Wunde helfen konnten.
Den Rest reichte er an Jiang Cheng, welcher sich genauso verzweifelt wie seine Schwester an die letzten Habseligkeiten ihres Familienmitgliedes klammerte.
Auch Lan Zhan konnte die Geschwister vor ihm verstehen, beugte sich hinab und sammelte die kleinen Splitter des zerstörten Amuletts, sowie die aschebehangene Kleidung des Toten ein.
,,Moment! Warum bekommst du das Amulett?,“ mischte sich dabei nun einer der anderen Clanführer ein, der das Ganze skeptisch betrachtet hatte.
,,Genau! Bei mir wäre es besser aufgehoben.,“ sprach nun noch ein zweiter, der bereits seine Hände auffordernd und mit gierigem Blick nach dem geforderten Stück ausstreckte.
Doch noch ehe er mit seiner Aussage eine große Diskussion loslösen konnte, blickte Lan Zhan sie eiskalt an, konnte er es doch nicht fassen, dass selbst jetzt noch diese Habgier nach den Menschen griff.
Nachdem diese endlich unter seinen einschüchternden Blicken verstummt waren, wandte er sich fragend an das Geschwisterpaar, waren sie doch die Einzigen, die ihm dieses kleine Andenken an seinen ersten und besten Freund verwehren durften.
Aber Yanli nickte ihm nur leise schluchzend und mit tränennassen Augen zu, gab ihm somit die stumme Erlaubnis sich mit den restlichen Sachen ihres Bruders zu entfernen.
Stumm verbeugte sich der zweite Sohn des Lan-clans höflich vor den beiden Trauernden, ehe er ebenfalls mit dem Stygian Tiger Amulett und den Klamotten verschwand, welche noch leicht den unverkennbaren Duft des Yiling Patriarchen inne hatten.
Eine einzelne Träne lief ihm über die ebenmäßige Haut, während er die Treppenstufen des ehemaligen Hauptgebäudes des Wen-clans hinunter lief und zwischen den kargen Felsen der Landschaft in Richtung Burial Mounds verschwand.