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Drummergirl

von Carolin-K
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
29.03.2020
14.02.2021
27
43.268
8
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29.03.2020 931
 
Berlin, Anfang des Jahres

Erwartungsvoll riss ich an diesem frühen Abend die Wohnungstür auf, in der Hoffnung, mein bester Freund Julius stände davor. Nach einem fürchterlichen und lautstarken Streit am Morgen war er Türe knallend aus der Wohnung gestürmt.  

Auf meine Nachrichten und die zwei Anrufe zwischendurch, hatte ich bisher keine Reaktion bekommen. Nachdem ich am Morgen zum wiederholten Mal auf eine seiner One Night Stands gestoßen war, die nur mit Unterwäsche bekleidet, in der Küche an einer heißen Tasse Kaffee nippte, war mir nach einer unruhigen Nacht und mordsmäßigen Kopfschmerzen der Kragen geplatzt.

Erst habe ich sie vom Barstuhl unserer gemeinsamen Küche samt ihren in der ganzen Wohnung umher fliegenden Kleidungsstücke nach draußen geworfen und bin anschließend wütend in sein Zimmer gestürmt, um ihn zur Rede zu stellen.

Julius ist bei meinem Gefühlsausbruch erschrocken in die Höhe geschossen, hatte mich völlig verpennt angestarrt, während ich ihm Sachen wie ‘Kannst du nicht zu deinen Weibern nach Hause gehen’, ‘Das ist das dritte Mal in dieser Woche, dass ich über deine Bettgenossin gestolpert bin’ an den Kopf geworfen hatte. Normalerweise würde ich so nie mit meinem besten Freund reden. Er selber wusste das auch, aber die schlaflose Nacht und dann noch die Kopfschmerzen dazu, hatten ihr Übriges dazu getan.

Seine darauf folgende schnippisch klingende Antwort, dass ich mich mal locker machen sollte und ob ich nicht mehr wüsste, was es hieß Spaß zu haben, gab meinem Herzen einen Stich. Da wir uns schon sehr lange kannten, wusste er nur zu gut, dass ich nicht der Typ für One Night Stands und flüchtige Bekanntschaften war. Selbst bei Personen, die zu unserem Freundeskreis gehörten, hatte ich einige Zeit gebraucht, um ihnen zu vertrauen.

Zurück im Hier und Jetzt starrte ich wie vom Blitz getroffen die beiden in Blau uniformierten Polizeibeamten, einen etwa 50 Jahre alten Mann und seine jüngere schätzungsweise Ende 20 Jahre alte Kollegin, welche vor der Wohnungstüre standen, an. Beide haben ihre Schirmmütze abgezogen und halten sie gespannt in den Händen. In beiden Gesichtern war Betroffenheit zu sehen und wenn ich mich nicht irrte, sahen die Augen der Polizistin verdächtig glasig aus.

“Frau Charlotte Jackson?” Der Ältere trat einen Schritt näher.

“Ja! Kann ich Ihnen helfen?”, fragend hob ich eine Augenbraue.

“Mein Name ist Kommissar Bayer, das ist meine Kollegin Lutzen. Sind Sie in irgendeiner Weise mit Julius Wolf verwandt?” Der Polizeibeamte sah mich fragend an.

“Julius? Er ist mein bester Freund. Wir wohnen hier zusammen! Ist etwas passiert?” Mein Herz setzte für eine Sekunde aus und stolperte dann weiter. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass etwas Schreckliches geschehen ist.

“Wo ist Julius?” Ich schwankte, meine Sicht wurde unscharf und ich spürte, wie meine Knie weich wurden. Bevor ich aber Bekanntschaft mit dem hellbraunen Parkettboden machen konnte, griff die Polizistin nach meinem Oberarm und hielt mich fest.

“Wir gehen besser rein. Die Nachbarn müssen ja nicht alles mitbekommen.” Sanft wurde ich  Richtung Wohnzimmer geschoben, wo sie mir zum Sofa hilft. Währenddessen war ihr Kollege in die Küche gegangen und kam mit einem vollen Glas Wasser zurück, welches er vor mir auf den kleinen gläsernen Beistelltisch stellte.

“Was ist mit Julius?” Meine Stimme klang kläglich,

Tränen stiegen mir in die Augen und ließen meine Sicht verschwimmen. Abwartend und mit angespannter Miene hob ich meinen Blick und sah, wie die beiden Beamten Blicke austauschten.

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und fühlte mich gleichzeitig wie versteinert. Mein Herz schlug in einem unnatürlichen Tempo gegen die Brust und die quälende Angst, Angst um Julius, meinen besten Freund, durchzog jede Faser meines Körpers und ließ mich erzittern.

Letztendlich war es die Polizistin, die über ihren Schatten springt und mich vorsichtig anspricht.

“Es tut mir sehr leid, Frau Jackson. Ihr bester Freund hat heute Morgen einen schweren Autounfall. Es sah auch eigentlich alles gut aus...die OP ist gut verlaufen… Die Ärzte haben getan, was sie konnten... Aber der ganze Blutverlust und...die Schwere der Verletzungen...Julius ist vor knapp zwei Stunden an seinen Verletzungen gestorben.

Wir haben seine Eltern informiert, die uns gebeten haben, die Nachricht Ihnen zu übermitteln. Es tut mir wirklich leid.”  

Unfähig etwas zu sagen oder gar zu reagieren, blickte ich die Polizisten an. Starr schaute ich sie an, ich konnte nicht blinzeln, nicht atmen. Ich konnte sie nur stumm anschauen. Ihre Worte liefen währenddessen, wie auf Dauerschleife in meinem Kopf. Immer und immer wieder hörte ich die Stimme der Polizistin. ‘Julius ist tot. Julius ist tot.

Wie als wäre ich zu lang unter Wasser gewesen, atmete ich schließlich keuchend aus, ein überwältigender Schmerz durchschoss meinen Körper, jede Faser, jede Ader, jeden Teil meines Körpers und schließlich auch mein Herz. Ein metaphorisch lautes Knacken und es zersprang in gefühlt tausend kleine Einzelstücke.

Ich versuchte zum wiederholten Mal Luft zu holen, aber ein Gefühl von zwei Händen, die sich um meinen Hals legten, um mir die Luftzufuhr zu nehmen, hinderten mich. Im selben Moment sammelten sich die ersten Tränen in meinen Augen und ließen meine Sicht verschwimmen.

“N-Nein. N-Nein. Bitte nicht! Das ist nicht wahr! D...Das kann nicht wahr sein!” Mit flehender Stimme sah ich die Polizistin an, die jedoch betreten den Kopf senkte.

“Das kann nicht sein! Er lebt noch!!!” Laut schluchzte ich auf, als im gleichen Moment die erste Träne über meine Wange rollte. Rasch folgte die Zweite, bis sie mir in einem Meer aus Tränen, die Wangen hinunterlaufen.

Der Schmerz in meinem Herzen wurde mit jeder Sekunde heftiger, ließ mich auf japsen und fraß mich von Innen auf.

Ich hatte ihn verloren. Zurück blieb der unausgesprochene Streit von heute morgen und meine Schuldgefühle.
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