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I'm sorry that this happened to you

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
Haytham Kenway Shay Patrick Cormac
28.03.2020
28.03.2020
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28.03.2020 1.485
 
Ich mag die Beiden sehr gerne und weil ich finde, dass Shay auch mal eine Umarmung und ne bissi Trost verdient, habe ich diese kleine Geschichte geschrieben :D


I’m sorry that this happened to you


Shay war eine der Besten, dass zweifelte Haytham nicht an. Immer fokussiert, immer bereit alles zu geben, immer bereit sein Leben für den Orden zu geben. Für den Großmeister war es also nur naheliegend, dass er Shay auf die meisten seiner Missionen mitnahm, wenn dieser abkömmlich war natürlich. Ein Problem belastete ihre Zusammenarbeit jedoch. Dafür konnte der Jüngere allerdings nichts, es war eher etwas was Haytham störte, weil er wollte dass es ihn störte. Shays Ausdruck auf seinem Gesicht, wenn er glaubte dass niemand hinsah. Die tiefe Traurigkeit die sich in seinen Zügen wiederspiegelte und diese Leere in seinem Blick. Shay war depressiv, das war ziemlich offensichtlich. Bei anderen Leuten wäre es Haytham egal, die meisten Leute waren ihm egal und waren in seinen Augen oft nur Objekte die er für seine Zwecke nutzen konnte. Haytham wollte eigentlich, dass es ihm egal was in Shays geistiger Gesundheit von statten ging, aber er konnte nicht. Er wollte nicht, dass Shay sein ganzes Leben lang so traurig sein würde. Ihn störte diese immense Traurigkeit die Shay mit sich herumschleppe wie seinen Schatten.

Wenn sie zusammen unterwegs waren, teilten sie sich ein Zimmer. Es sparte Geld (auch wenn das für einen Templer zweitrangig war) und es war vor allem sicher. Zu Zweit war man in jeder Situation besser zur Verteidigung gerüstet, als man es alleine wäre. Shay schlief öfters gar nicht oder nur wenig, das erkannte Haytham an seinen Augen. Sie verloren an Glanz und ein Schleier legte sich über sie, wenn Shay nicht schlief. Falls Shay mal schlief, wurde Haytham oft davon geweckt. Der Jüngere wälzte sich unruhig im Bett herum und weinte manchmal auch. Haytham würde ja von sich selber behaupten, dass er ein abgebrühter Templer war und ein weinen darum nicht bis zu seinem Herzen vordringen konnte aber er hatte festgestellt, dass das wohl nicht wirklich stimmte auf Shay bezogen. Nur im Schlaf wurden Shays seelische Verletzungen, die er in seinem Leben davongetragen hatte, in vollem Ausmaße sichtbar. Manchmal wachte Shay selber auf von seinen Albträumen, dann saß er auf der Kannte seines Bettes und starrte stumm ins Leere. Haytham hatte ihn dabei mal einige Zeit beobachtet, nachdem der Jüngere wieder einmal von einem Albtraum aufgeweckt worden war. Es war seltsam Shay so verletzt in der Nacht zu sehen und dann am Tag von seiner aufgebauten Fassade begrüßt zu werden, durch die man kaum hindurchschauen konnte. Shay wäre zu jeder Zeit dazu bereit sein Leben für den Großmeister zu opfern oder ihm zu helfen, egal in welcher Angelegenheit. Shay wollte nur das Beste für Haytham und den Orden. Es war seine Bestimmung, es war der Fetzen in seinem Leben an den er sich klammerte, wenn es in seiner Seele zu dunkel wurde. Haytham hatte das nun verstanden. Diese Aufopferung die Shay zeigte…, es war Zeit ihm etwas zurückzugeben dafür. Shay war ein guter Mensch. Haytham war auch der Überzeugung, dass Shay im Herzen besser war als er selber. Shay verdiente es nicht so zu leiden.

Haytham wachte in dieser Nacht von einem ihm wohlbekannten Geräusch auf, von lautem Geraschel und dem unterdrückten Weinen seines Zimmerpartners. Träge schlug er die Augen auf und richtete sie auf das gegenüberliegende Bett. Man konnte nicht viel sehen, aber die andauernden und hektischen Bewegungen von Shay konnte man allerdings gut schemenhaft erkennen. Tief in Haytham zog sich etwas schmerzhaft zusammen. Ohne weiter darüber nachzudenken, setzte Haytham sich auf und stellte seine nackten Füße auf den unangenehm kalten Boden. Das was er jetzt tun würde, hätte er schon viel früher tun müssen. Zugegebenermaßen hatte er es bisher nur nicht gemacht, weil er verdammt schlecht in sowas war. Leute zu trösten war nicht eine besonders oft genutzte Fähigkeit eines Großmeisters. Vorsichtig stand er auf und ging langsam über den Dielenboden, darauf bedacht so wenig Geräusche wie möglich zu verursachen. Er wollte nicht, dass Shay aufwachte und ihn wegschicken würde (und das würde er. Shay wollte Haytham so wenig Umstände wie möglich machen). Am Bett des Anderen angekommen, lies Haytham sich vorsichtig auf der Bettkante nieder und beobachtete den Jüngeren. Seine wild umherzuckenden Augen, die Nässe darunter, die verkrampfte Körperhaltung und das mitleiderregende Wimmern, was aus seiner Kehle drang. Langsam streckte Haytham die Hand aus und wollte das verschwitze Haar des Jüngeren berühren. Er zögerte jedoch, seine Hand schwebte nur Millimeter über ihrem Ziel. Er war sich unsicher, ob er es tun sollte. Überrascht erkannte er, dass es ihm Angst machte. Angst vor seiner eigenen Unzulänglichkeit ihm zu helfen. Schnell schüttelte er den Gedanken ab, ein Großmeister musste vor nichts Angst haben, vor allem nicht vor so einer Kleinigkeit wie einen Menschen (und dazu noch Freund) zu trösten. Vorsichtig berührte er die verschwitzen Haarsträhnen, so leicht das erst keine Reaktion seitens Shay eintrat. Shays Augen zuckten immer noch wild unter seinen Liedern hin und her und eine einzelne Träne quetschte sich unter den Wimpern hervor und rollte träge die überhitze Wange des Jüngeren runter. Sanft legte Haytham seine Hand auf Shays Schulter und drückte diese ein bisschen. Die Reaktion folgte diesmal promt. Shay schnappte mit einem unglaublichen Reflex nach Haythams Hand und mit der Anderen holte er seitlich zum Schlag aus. Haytham lehnte sein Oberkörper etwas zurück und beobachtete wie die Faust des Jüngeren in die Leere schlug, bevor er diese festhielt und neben Shay auf die Matratze presste. „Shay“, sprach er den Mann auf dem Bett an, „ich bin’s nur. Haytham.“ Shay hatte die Augen zu Schlitzen zusammengekniffen und er schien noch halb im Schlaf zu sein, aber bei dem Klang von der Stimme des Älteren entspannte er sich. „Ich wollte sehen, ob es dir gut geht“, sagte Haytham und versuchte dabei so beruhigend wie möglich zu klingen. Shay schaue ihn einen Moment einfach nur an, die Augen noch träge vom Schlafen. Erst nach kurzer Zeit des Starrens sagte er, „Mir geht es gut, Sir. Danke der Nachfrage. Tut mir Leid, dass ich Sie vorhin schlagen wollte.“ Haytham ließ Shays Hand los. Shay fuhr sich fahrig über die Augen und versuchte die Spuren der Tränen zu beseitigen. „Was hast du geträumt, Shay?“, fragte der Ältere und sah Shay aufmerksam an. Dieser wandte den Blick ab und starrte auf einen unsichtbaren Punkt irgendwo über Haytham. „Ich…“, er zögerte, „Nichts von Belang, Sir. Ich möchte Sie nicht damit belästigen, Sie haben auch so schon genug Arbeit.“

„Du hast geweint“, sagte Haytham, „sag mir was du geträumt hast.“ Shay sah ihn aus müden Augen an, das fahle Licht das durch die Fenster von draußen in den Raum fiel, malte dunkle Schatten auf sein Gesicht und ließ ihn so aussehen, als würde er von der Traurigkeit förmlich erdrückt werden. „Lissabon“, würgte Shay heraus und in seinen Augen spiegelten sich wieder Tränen. „Die ganzen Toten. Die Menschen die ich getötet habe. Es waren tausende. Ich werde das nie wiedergutmachen können. Ich spüre diesen Schmerz jeden Tag. Es erdrückt mich. Ich habe so viele getötet.“ Shay schaute weg und wischte sich noch einmal über die Augen, um die aufkommenden Tränen wegzuwischen. Er wollte nicht, dass Haytham ihn so schwach sah. Er hasste sich selbst dafür. „Ich habe meine Freunde getötet und sie haben versucht mich zu töten. Ich weiß dass es das Richtige gewesen ist, aber…“, Shay brach ab und drückte sich die Handballen auf die Augen. Seine Seele lag zerbrochen auf dem Boden der Tatsachen, diese erdrückende Schuld und diese Trauer, dass er gegen diese Menschen hatte kämpfen müssen, die einst eine Art Familie für ihn gewesen waren, zerriss ihn. „Es tut mir leid“, sagte er leise, „dass ich so schwach bin.“ Haytham hatte ihm einfach nur zugehört. Er bezweifelte nicht, dass das was Shay erlebt, was er seelisch mitgemacht hatte, an irgendjemanden spurlos vorbeigehen würde. „Ich sehe in meinen Träumen immer wieder wie Lissabon einstürzt und wie die Menschen schreiend um Hilfe betteln. Wie sie mich ansehen, so voller Angst. Ich kann in meinen Träumen nie verändern was ich getan habe, ich muss es immer und immer wieder mitansehen. Es ist alles meine Schuld.“

„Du dachtest du tust das Richtige“, sagte Haytham ruhig. Shay schüttelte daraufhin nur energisch mit dem Kopf, „Das macht es nicht besser, Sir.“ Er schluchzte erstickt auf und klammerte sich plötzlich reflexartig an Haythams Arm. Sanft legte der Ältere einen Arm um Shay und zog ihn hoch. Beinah wie ein Kind was man nach einem Albtraum tröstet. Der Jüngere lehnte seinen Kopf an Haythams Brust und klammerte sich an ihn wie ein Rettungsring. Die Tränen durchnässten sein Hemd und Shay zitterte leicht. Der Großmeister strich Shay sanft über den Rücken, es tat ihm mehr weh als er erwartet hatte Shay so zu sehen. „Tut mir leid“, murmelte Haytham, so leise das Shay es vermutlich nicht verstand, „dass dir sowas widerfahren ist.“
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