Die Schöne und das Biest

GeschichteParodie, Romanze / P18 Slash
Alice Weidel Katja Kipping Sahra Wagenknecht
28.03.2020
21.09.2020
10
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28.03.2020 676
 
"Marxistin sein, heißt zu versuchen, die Gesellschaft von ihren ökonomischen Grundlagen her zu verstehen. Es heißt auch, sich nicht mit diesem Kapitalismus abzufinden und eine sozialistische Alternative für möglich zu halten"

Alice Weidel schnaubte verächtlich und betrachtete ihren Fernsehbildschirm mit hochgezogenen Augenbrauen, so als könnte er etwas für den Inhalt, den er ihr präsentierte. Sie konnte nicht leugnen, dass es sie anturnte, wenn Sahra Wagenknecht über Ökonomie sprach, auch wenn sie ihr das widerliche Wort Sozialismus gerne vorher aus dem bildungsbürgerlichen Wortschatz gestrichen hätte. Am liebsten würde sie es ihr eigenhändig restlos aus ihrem Köpfchen...

Sie stoppte mit der Fernbedienung die TV-Aufzeichnung. Die Kamera hatte wunderbar Wagenknechts Beine eingefangen. Lustvoll leckte sich Alice über die Lippen. 'Hundertprozentig ist diese stalinistische Domina ein verdammtes Luder im Bett' , schwebte es ihr durch den Kopf. Manchmal kam sie sich selbst vor wie ein alter, geiler Sack auf Viagra, dem bei jedem Stück Haut die Pfeife hochging. Belustigt sah sie an sich herunter. Keine Beule in der Hose, - also war ihr vor lauter Altherren-Gehabe zum Glück noch kein weiteres Geschlechtsorgan gewachsen. Und zum Glück wusste auch niemand, dass sie auf Sahra Wagenknecht Interviews masturbierte. Und da ihre Lebensgefährtin und sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr miteinander geschlafen hatten, würde auch ihre wunde Muschi ihr Geheimnis bleiben. 'Reiß dich zusammen', ermahnte sie sich, als sie schon wieder ihren Hosenknopf öffnen wollte. Sie würde noch süchtig werden, wenn sie sich nicht selbst maßregelte. Aber vielleicht war sie das auch schon.

Im Alltag musste sie ihre Sexualität sehr unterdrücken. Schwierig war das nicht, schließlich hatte sie es den ganzen Tag mit unattraktiven Weißwürstchen zu tun, deren faltige Hände sie zu schütteln leid war. Ungünstigerweise hatte sie sich mit der Zeit selbst diesen widerlichen Stammtisch-Habitus angewöhnt. Sie selbst würde es nie so bezeichnen - im Grunde genommen pöbelte sie sich allerdings nur noch durch die Gegend, versprühte die Arroganz, die sie an den 'Altparteien' immer so kritisierte. Es war auch der Selbsthass, der sie dazu antrieb, Sahra Wagenknecht an der einen oder anderen Stelle zu komplementieren. Und natürlich der starke Wunsch, ihr die Rosa Luxemburg-Gedächtnis-Kostüme vom Leib zu reißen. Faszinierend hatte sie es schon immer gefunden, die Hetero-Frauen ins Bett zu bekommen und die Kerle zu belächeln, die bei ihnen Schlange gestanden hatten und nie zum Zug kamen.

Sie schlenderte zum Balkon, griff im Vorbeigehen nach der Zigarettenschachtel und warf einen Blick in den Spiegel. Sie genoss, was sie sah. Unter ihrer weißen Bluse schien sich nichts weiter zu verbergen. Ihre Brüste waren für die Öffentlichkeit also quasi unsichtbar. Sie griff sich mit beiden Händen an den Blusenkragen und richtete ihn, um sich kurz darauf die Zigarette in den Mund zu stecken und den Balkon zu betreten. Das Klacken des Feuerzeugs verscheuchte einen kleinen Spatzen. "Schwächling", raunzte sie ihm zu und zog den Rauch in ihre Lunge ein.


SW

Ein paar Wochen später sahen sich Sahra Wagenknecht und Alice Weidel in einer Talkshow. Während die AfD-Politikerin so sprach und mit ihrer üblichen faschistischen Attitüde die immer gleichen populistischen Phrasen in den Raum schoss, dachte Sahra etwas länger über ihre politische Gegnerin nach. Im Grunde schien sie vieles zu einen. Wer als Erwachsener so arrogant daherkam wie Alice Weidel, hatte meist einige Mobbing-Erfahrungen aus Kinder-und Jugendtagen zu kompensieren. Sie beide waren auf ihre eigene Art Außenseiter in der eigenen Partei und vielleicht auch im privaten Umfeld. Es entging ihr nicht, dass Alice Weidel sie permanent angaffte. Sahra war das natürlich gewohnt, dass die Menschen ihre Augen nicht von ihr lassen konnten, aber dennoch irritierte sie das Starren ab dem Zeitpunkt, an dem es ihr aufgefallen war, zunehmend immer mehr. Gleichzeitig genoss sie es aber auch. Wie alt war diese Frau? 40? Wie süß, eine zehn Jahre Jüngere, die dachte, sie würde mitten im Leben stehen und den ökonomischen Durchblick haben, weil sie über die Volksrepublik China promoviert hatte. 'Süß...süß ist die nun wirklich nicht', dachte Sahra und korrigierte sich in ihren Gedankengängen.
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