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Blue Snow

von Jadra
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Elijah Kamski Gavin Reed Hank Anderson RK800-51-59 Connor
27.03.2020
26.05.2020
10
20.853
7
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
27.03.2020 1.821
 
Hallo!

Ich habe das hier schon etwas länger auf dem PC. Zwei Jahre, um genau zu sein. Die Geschichte ist noch nicht fertig geschrieben, den letzten Teil habe ich aber bereits angefangen. Das Rating setze ich auf 18, da Lemon beinhaltet ist.
Gavin und Elijah sind hier btw keine Brüder und auch nicht anderweitig miteinander verwandt. Da ich Kamski im späteren Verlauf allerdings brauche, wird er hier seinen kurzen Auftritt haben.

Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!




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Blue Snow
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»The smoke lingers after fire.«
(T & Sugah x NCT ft. Miyoki - Stardust (Dread Pitt Remix))




7. März 2039

„Gavin!“

Gavin konnte gar nicht so schnell schalten, da lag er auf dem Boden. Ein Körper drückte ihn auf den kalten, schneebedeckten Asphalt. Er sah im Augenwinkel blaues Blut, hörte ein leises, dumpfes Keuchen und Schüsse; drei, vier oder auch mehr. In seinen Ohren rauschte das Blut viel zu laut und er vernahm die Geräusche um ihn herum nur noch gedämpft wahr. Der Körper, der auf ihm lag, bewegte sich nicht einen Millimeter.

Und von einer Sekunde auf die andere wurde es ruhig. Alles wurde so ruhig. Einzig Hanks fast schon panische Stimme vernahm er dumpf.

„Oh Gott, nein! Connor!“

Das Gewicht, das ihn zu Boden gedrückt hatte, war verschwunden. Gavin setzte sich langsam auf. Seine Hände, seine Klamotten, der Schnee - alles war besudelt mit blauem Blut. Ihm wurde schwindelig, als er zur Seite sah. Connors Körper zierten zig Einschusslöcher und er bewegte sich nicht mehr. Sofort zog Gavin Connors Kopf auf seinen Schoß, schaute ihn an. Nachdem er langsam realisiert hatte, was geschehen war, schüttelte er ihn, er schrie ihn an; so sehr, dass Hank ihn mit einem lauten „Gavin! Gavin! Es ist vorbei!“ zum Aufhören brachte.

Nein.

Nein, nein, nein.

Nein!



11. Februar 2039

Ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten in der Asservatenkammer bei Ihnen entschuldigen, Detective Reed. Es war nie meine Absicht, Ihnen Schaden zuzufügen. Sie ließen mir in diesem Moment aber keine andere Wahl.

Es wollte nicht aus seinem Kopf. Wieder und wieder hallte es unerbittlich nach. Und auch das Bild vor seinen Augen wollte einfach nicht verschwinden.

Er hatte immer noch diesen bescheuerten, maßgeschneiderten Anzug an. Die Arme hatte er hinter dem Rücken verschränkt, so, als hatte er signalisieren wollen: Keine Sorge, ich werde dich nicht noch einmal spüren lassen, wie sehr du mir unterlegen bist. Und ganz nebenbei hatte er diesen dummen Blick aufgesetzt. Diesen Blick, als könnte er keiner Fliege was zu leide tun, obwohl er den Mann vor sich bewusstlos geschlagen hatte.

War das CyberLife’s Absicht gewesen? Hatten sie gewollt, dass Connor so unschuldig aussah, um dann zu zeigen, dass er nicht nur geschaffen wurde, um zu vermitteln und zu ermitteln? Dass er alles war, aber sicherlich nicht hilflos? Dass er in Wahrheit zu einer Kampfmaschine mutieren konnte, wenn er es in gewissen Situationen als nötig einstufte? Dass er somit eine Gefährdung für die Menschheit darstellte? Denn Gavin wusste, was Connor im CyberLife-Tower getan hatte. Dass er bestens ausgebildete Wachen des wohl reichsten Unternehmens der Welt abgeschlachtet hatte. Allein. Und trotzdem hatte das DPD Connor fest eingestellt, weil es Fowler scheinbar egal gewesen war. Okay, andererseits: Wann war diesem Arschloch von Captain mal etwas nicht egal?

Gavin seufzte.

Nach all dem wurde sein Hass auf dieses Stück Plastik noch größer. Wieso hatte ein Mensch sich zum Detective hocharbeiten müssen, während eine künstlich erschaffene Intelligenz, bestehend aus Antriebsflüssigkeit, Schläuchen und Kabel, so einen Titel einfach so nachgeworfen bekam?

Der größte Witz war allerdings, dass Gavin ihn vielleicht in ein paar Monaten oder Wochen, weiß der Himmel, Detective Anderson nennen durfte. Denn soweit er es mitbekommen hatte, plante Hank tatsächlich Connor zu adoptieren. Einen bescheuerten Androiden! Wie sollte das überhaupt funktionieren? Einfach ein paar, nicht vorhandene Papiere einreichen und schon war Connor Hanks Sohn? Das war so absurd, dass Gavin auflachen musste. Eventuell sollte der alte Anderson erst mal sein Alkoholproblem in den Griff bekommen, bevor er jemanden, besser gesagt Etwas, zu sich nach Hause holte.

Warum dachte er darüber überhaupt nach? Die beiden waren ihm völlig egal, und er musste sie und ihr kindisches Gelächter schließlich nur auf der Arbeit ertragen.
Gerade wollte er sich dazu durchringen, sich Essen zu bestellen, als es an seiner Tür klingelte.

Konnte man nicht mal nach Feierabend seine beschissene Ruhe haben?

Unmotiviert öffnete er die Tür und ihm blieb der Atem förmlich in der Luftröhre stecken.

„Was willst du denn hier? Musst du Daddy mal nicht babysitten?“, fuhr Gavin Connor direkt an, als er seinen Atem wiedergefunden hatte.

„Können Sie sich nicht einmal wie ein erwachsener Mann verhalten, Gavin?“ Connor verzog keine Miene, sah weder genervt, noch wütend aus - und doch war er wieder da, dieser provozierende Unterton.

„Pass mal auf-“

„Nein, Sie passen jetzt mal auf!“, unterbrach Connor ihn und drückte ihn in seine Wohnung. Der Android nutzte seinen Fuß, um die Tür hinter sich zu schließen.

Gavin war geradezu komplett unfähig, irgendetwas zu sagen oder zu tun. Zu überrumpelt war er von Connors Aktion. Fast schon automatisch glitt sein Blick über Connors Körper. Er trug seinen Anzug nicht, stattdessen einen schwarzen Kurzmantel. Die Knöpfe waren geöffnet, sodass ein bordeauxrotes Shirt mit V-Ausschnitt zum Vorschein kam. Die schwarze Jeans war so eng, dass sie wie eine zweite Haut an ihm saß. Sie betonte das, was sie wahrscheinlich betonen sollte: Seine langen, schlanken Beine.
Hätte Connor nicht noch seine LED, würde Gavin denken, es würde ein junger Mann aus Fleisch und Blut vor ihm stehen.

Moment, was hatte er da gerade gedacht? Er schüttelte kurz und kaum merklich seinen Kopf, ehe er zu Connor aufsah.
Wie er es hasste!

„Können wir uns nicht einmal wie Erwachsene unterhalten?“, fragte Connor nun wieder ruhiger. Seine LED leuchtete in einem hellen Blau.

Gavin lachte höhnisch auf. „Wie alt bist du genau? Ein halbes Jahr? Und dann willst du wie Erwachsene reden?“

„Wenn man Sie reden hört und interagieren sieht, könnte man denken, ich bin 36 und Sie wären ein halbes Jahr alt.“
Gavins Augen weiteten sich.

„Fick dich! Fick dich einfach!“ Gavin wollte ihn schubsen, doch Connor kam ihm zuvor und umfasste spielend leicht beide seiner Handgelenke und drückte sie nach unten. Ihre Gesichter waren sich dadurch so nah wie noch nie. Gavin konnte jeden noch so kleinen Leberfleck sowie Connors leichte Bartstoppeln sehen.

„So leicht zu provozieren … und das als Detective“, flüsterte Connor beinahe amüsiert und Gavin spürte, wie sich seine Atmung beschleunigte. „Aber ehrlich: Ich möchte nur ein vernünftiges Gespräch mit Ihnen suchen.“ Damit ließ Connor Gavins Handgelenke los und entfernte sich wieder ein Stück von ihm, den Kopf schief legend.

Konnte der Kerl das mal lassen?!
Und warum sprang Gavin darauf überhaupt an?

Er brauchte eine Zigarette - jetzt sofort!
Er spürte Connors Blick im Nacken, als er ins Wohnzimmer ging, kurz fluchend den dortigen Tisch durchwühlte, bis er schließlich die Packung fand.

„Rauchen schadet Ihrer Gesundheit erheblich, Detective. Sie sollten damit aufhören.“
Definitiv würde Gavin diesem Bastard noch eine reinhauen. Scheißegal, ob Connor stärker als er war oder nicht.

„Sagst du deinem Daddy auch jeden Tag, dass er aufhören soll, sich ins Koma zu saufen, weil es seiner Gesundheit schadet?“ Er konnte es sich nicht verkneifen, so sehr er sich auch auf die Zunge biss.
Er nahm die Zigarette zwischen seine Lippen und zündete sie an, drehte sich wieder zu Connor um und blies ihm provozierend den Rauch entgegen. Da Connor aber selbst als Abweichler die Ruhe selbst war, dachte er wohl nicht einmal im Traum daran, sich provozieren zu lassen.

„Geschickt, Reed. Von eigenen Problemen ablenken, um nicht auf die eigenen eingehen zu müssen. Zu schade, dass es hier nicht um Hank geht“, sagte er nach kurzer Zeit und erneut lachte Gavin auf.

„Was? Hat Daddy dir etwa verboten, anderen Leuten von seinen Sauforgien zu erzählen?“, provozierte er weiter und dieses Mal konnte er eine Regung sehen.

Connor ballte seine Hand zur Faust, sodass künstliche Knöchel zum Vorschein traten. Triumphierend sah Gavin wieder zurück in Connors Augen, welche sich kurz zu Schlitzen verzogen. Er wollte gerade wieder an seiner Zigarette ziehen, da kam ihm der Android zuvor und riss ihm die Kippe förmlich aus der Hand. Keine Sekunde später fand sie sich im Aschenbecher wieder, der ebenfalls auf dem Tisch im Wohnzimmer seinen Platz hatte. Connor zog eine Augenbraue hoch und sah fast schon arrogant auf ihn herab.

Dieser gottverdammte Wichser!

„Was glaubst du, wer du bist, du Arschloch?!“ Connor rührte sich erneut nicht, was Gavin nur noch wütender machte. Er zwang sich, einmal tief durchzuatmen. „Weißt du, ich könnte dich hier und jetzt abknallen. Nichts und niemand würde dich wieder zurückbringen und ich wäre dich endlich los“, sagte er ruhiger. Was Connor konnte, konnte er schon lange.

„Wir beide wissen doch genau, dass Sie das nicht tun werden“, zeigte sich der Android sichtlich unbeeindruckt. Und Gavin wusste, dass er dieses kleine Gefecht verloren hatte. Dass Connor recht hatte. Obwohl er nicht wusste, warum er es nicht konnte. Warum konnte er ihm nicht den Schädel wegblasen? Vielleicht, weil er wusste, dass Connor ihn so oder so in Sekundenbruchteilen entwaffnen würde?

„Über was willst du reden, Plastikarsch?“, ergab er sich nun einfach. Es hatte keinen Sinn. Und außerdem gab der Klügere nach. Ha!

Connor sah ihn überrascht an, vielleicht weil er nicht damit gerechnet hatte, dass Gavin sich so leicht ergeben würde. Dann fand er seine Stimme wieder und fragte: „Können wir das vielleicht bei einem kleinen Spaziergang tun?“

Was?
Sie hatten Mitte Februar - und auch, wenn der Klimawandel bereits voll im Gange war, hatte der Winter Detroit weiterhin fest im Griff.

„Falls es dir entgangen ist: Wir haben Februar. Es ist arschkalt. Was zur Hölle willst du überhaupt draußen?“ Der Android zuckte mit den Schultern und sah auf den Boden, wirkte auf einmal gar etwas abwesend.

„Naja, ich finde Schnee faszinierend“, erwiderte er nur und Gavin seufzte innerlich genervt.
Ein Android, der Schnee faszinierend fand … Er schaute Connor mit hochgezogener Braue an und als dieser den Blick erwiderte, fühlte Gavin sich, als würde Connors Blick ihn durchbohren.

Oh nein …

Er kannte diesen Blick. Connor schenkte ihm Hank auf der Arbeit oder an Tatorten, wenn er etwas Bestimmtes wollte und Hank dafür breitschlagen musste.

Echt jetzt?

Musste er das ernsthaft nun auch bei ihm machen? Und warum verdammte Scheiße sprang er darauf an? Warum verhielt er sich allgemein die letzten zwei Minuten wie ein absoluter Lappen? Er hasste diesen Robocop, also sollte er sich ihm gegenüber so verhalten! Nur leider legte Connor auch noch seinen Kopf schief.

Jetzt reicht’s!

„Gib mir fünf Minuten, aber hör auf, mich so anzustarren!“ Okay, das war definitiv nicht das, was er hatte sagen wollen. Er wollte sagen, dass Connor sich endlich verziehen und ihn in Ruhe lassen sollte. Er brauchte sofort die nächstbeste Wand. Für seinen Kopf.

„Ich warte draußen im Flur auf Sie.“

Gavin konnte gar nicht so schnell reagieren, da hörte er, wie seine Haustür ins Schloss fiel und er sich allein in seiner Wohnung wiederfand.
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