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Ein ungewöhnliches Geschenk (Grindeldore (x Newt))

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald Newt Scamander
27.03.2020
30.07.2021
26
140.335
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18.05.2021 7.098
 
Albus war im Allgemeinen recht zufrieden mit sich.
Er hatte, als er am nächsten Morgen in Newts Bett erwacht war, erst befürchtet, dass er nun, wegen all des Durcheinanders in seinem Kopf, nichts mit sich anzufangen wüsste. Die Nacht war länger geworden und Newt, der seine dominante Seite gezielt hervorgelockt hatte, war dabei mehrfach gekommen, während Albus ihm die Kontrolle genommen hatte. Zu einer Zeit, in dem er von allen Seiten gespürt hatte, wie ihm besagte Kontrolle entrissen worden war, hatte das mehr als gut getan. Als er leise das Bett verlassen hatte, hatte er bei sich gedacht, dass Newt die Nachwirkungen von dem, was er da provoziert hatte, noch den Tag über deutlich spüren würde. Doch Albus hatte sich keine Sorgen um ihn gemacht. Der Junge war zäh und er rührte seine eigene Heilsalbe an. Er würde zurechtkommen.
Obwohl Samstag war, gelang es Albus, kaum, dass er leise die Tür zu Newts Räumen hinter sich verschlossen hatte, recht schnell, eine Beschäftigung zu finden.
Vermutlich lag das auch an dem anstehenden Bankett im großen Saal, zu dem er die wichtigsten Politiker des britischen Zaubereiministeriums geladen hatte. Das erlaubte ihm, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Sich auf seine Stärken zu besinnen.
Den Tag über war er mit der Planung und Umsetzung beschäftigt, damit, die Hauselfen anzuweisen und den Saal vorbereiten zu lassen. Er ging zwischendurch noch einmal die Notizen durch, welche Themen er dringend mit den verschiedenen Gästen ansprechen wollte, machte sich dann einige Stunden vor Erscheinen seiner Gäste zurecht und saß in der Zeit, bis es so weit war, sich unten zu zeigen, in seinem Büro und überflog die letzten gesetzlichen Entscheidungen und Veränderungen Großbritanniens. Er war in seinem Element. Dies hier war seine Bühne, hier war er der Mittelpunkt. Er war fähig, talentiert und kompetent. Und ein Ereignis wie das heutige bestätigte den Sinn, den seine Existenz in dieser Unternehmung hatte, so sehr, dass er nur darüber lachen konnte, dass Gellert der Meinung war, er könne bessere Entscheidungen auf diesem Gebiet treffen.
Niemand konnte Albus, wenn es um das Diplomatische ging, um geschicktes Verhandeln, Beziehungen knüpfen und Menschen zu Handlungen und Entscheidungen zu überzeugen, das Wasser reichen. In dem Thema war er ungeschlagen.
An diesem Abend strahlte er im Kreise seiner Gäste, mehr als an jedem anderen. Ohne Zweifel, weil der innere Drang, es Gellert und sich selbst beweisen zu wollen, wie wichtig er war und wie sinnlos es war, ihn zu übergehen, ihn dazu trieb.
Der Abend verlief überaus erfolgreich, sehr zufriedenstellend, und die Gäste amüsierten sich großartig, soweit Albus das beurteilen konnte.
Und, was ihn den Tag über und auch am Abend deutlich entspannte, war, dass Gellert seinen Wunsch nach Abstand respektierte.
Albus wusste, dass sie früher oder später würden sprechen müssen. Aber fürs Erste brauchte er das Gefühl, auch allein bedeutend zu sein und Dinge bewegen zu können. Er brauchte die Bestätigung, dass sein Handeln Früchte trug und erfolgsbringend war. Denn dass Gellert seine Autorität dermaßen untergraben hatte, hatte heftig an seinem Ego und an seinem Selbstwertgefühl gekratzt.

Als er an diesem Abend erneut bei Newt klopfte, weil er sich die Nacht nicht mit einem weiteren Streit zerstören wollte, hakte Newt nicht nach.
Und als er am nächsten Morgen an Newt gekuschelt erwachte und sich fragte, wie er diesen Sonntag, der sonst einer seiner wenigen freien Tage gewesen wäre, nutzen sollte, kam er zu dem Entschluss, dass weitere Arbeit getan werden musste und dass er sie lieber jetzt erledigte als später.
Albus verschanzte sich in einem der Meetingräume, die er gern nutzte, um alle möglichen Informationen zu einem Thema um sich herum auszubreiten, und arbeitete an dem neuen Gesetz zur finanziellen Gleichstellung der Kobolde in Frankreich. Dort verdienten sie oft weit weniger als die Menschen, mit denen sie zusammenarbeiteten. Jahrelang hatte es Koboldaufstände in diesem Land gegeben. Ihnen die Banken zu überlassen, hatte sie nur teilweise zufriedengestellt. Albus gedachte, dieses Ungleichgewicht ein wenig in Balance zu bringen, wenn er es schon nicht ganz ausmerzen konnte.
Und sobald er sich einmal in das Thema hineingedacht hatte, war er so darin vertieft, dass er kaum bemerkte, wie die Zeit verging. Er bestellte sich von den Hauselfen kleine Snacks und Getränke, die er abwesend zu sich nahm, während er Gesetzesentwürfe durchging und die Koboldgeschichte der europäischen Länder miteinander abglich, um mit Durchsetzen des Gesetzes Aufruhr in den Nachbarländern zu vermeiden.
Irgendwie zog der Tag an ihm vorbei und als er das nächste Mal auf die Uhr sah, war es bereits sechs am Abend. Die Arbeit hatte ihm gutgetan, bemerkte er. Hatte ihm etwas Selbstvertrauen zurückgegeben, das er durch Gellerts groben Eingriff verloren hatte. Aber auch, wenn er nun nicht länger so außer sich war, dass er Gellert gern jeden Moment an die Gurgel springen wollte, war er doch nicht weniger verletzt. Das, was Gellert getan hatte und auch das, was er danach gesagt hatte, tat immer noch weh. Es brannte nicht mehr so heftig in Albus, aber der dumpfe, kalte und erdrückende Schmerz war nicht unbedingt besser.
Als es klopfte und besagter Feldherr eintrat, war er darüber deshalb nicht sonderlich erfreut. Sicher, ein Aufeinandertreffen ließ sich auf lange Sicht nicht verhindern, wenn man sich einen gemeinsamen Wohnort teilte. Seine Ausgeglichenheit und Konzentration verschwanden dennoch, kaum, dass Gellert den Raum betrat.

*


Gellerts Wochenende war alles andere als genehm gewesen. Frustriert, mit Albus‘ emotionaler Reaktion heillos überfordert und ein irritierendes Gedankenkarussell im Kopf, das sich nicht abschalten ließ, war er am ersten Abend, direkt nach ihrem Streit, in die Privaträume zurückgekehrt und hatte versucht, dort zur Ruhe zu kommen.
Ohne Erfolg. Er hatte kein Auge zugetan, hatte sich gefragt, ob er anders hätte handeln können, um diesen Streit zu verhindern, doch hatte keine Lösung gefunden, die ihn zufriedengestellt hätte. Dann hatte er es aufgegeben, über die Vergangenheit zu grübeln. Sie kam nicht zurück.
Aber auch wenn er über seine gegenwärtige Lage nachdachte, sah es nicht sonderlich rosig aus. Albus war schon lange nicht mehr so wütend auf ihn gewesen. So verletzt, seinetwegen.
Dass er sich bei Newt verschanzte, spürte Gellert, wenn er die Fühler ins Schloss ausstreckte. Es störte ihn kaum. Im Gegenteil, er war froh, dass der Junge ihm einen Grund gab, zu Hause zu bleiben. Wäre Albus‘ Fluchtinstinkt so groß gewesen, dass er das Schloss verlassen hätte, wäre die Suche nach ihm aufwendiger geworden – und Gellert hätte, nachdem einige Zeit verstrichen worden wäre, wie besessen nach ihm gesucht. Das blieb ihm jetzt erspart.
Auch, dass Newt ihn hoffentlich davon abhalten würde, sich selbst in seine eigenen chaotischen Denkmuster hinein zu spinnen, die in Selbstzweifeln enden würden, hoffte Gellert. Am Ende tendierte Albus dazu, die Fehler bei sich zu suchen. Für gewöhnlich war es Gellert, der ihn in solchen Momenten auffing und erdete. Nun wünschte er sich, sie könnten die Sache endlich klären, damit Albus nicht in seinen Selbstzweifeln versank. Damit Gellert nicht länger mit diesem aufwühlenden Gefühlsgemisch in seiner Brust kämpfen musste. Und nicht zuletzt, damit er zu Schlaf fand.
Ohne Albus schlief Gellert sowieso schlechter als mit ihm an seiner Seite. Er fand dann keine Ruhe. Diese Nacht war es schlimmer. Und nach einigen fruchtlosen Versuchen gab er es schließlich auf, schenkte sich einen Drink ein und setzte sich an seinen Schreibtisch. Die Arbeit lenkte ihn ab. Wenigstens ein wenig.
Als der Morgen graute, war er froh, dass er bald den ersten Termin hatte – und betete zugleich, dass seine schlaflose Nacht keine Vision triggern würde. Sie kamen schneller, wenn er seine Grundbedürfnisse nicht stillte. Eine schlaflose Nacht würde er ertragen, sagte er sich. Er hatte schon Schlimmeres ausgehalten.
Und so verging der Tag zwar eher schlecht als recht, aber er verging.
Am Abend des Banketts achtete Gellert darauf, sich nicht zu sehr in der Nähe des Saales aufzuhalten. Er wusste von der Veranstaltung, aber es würde das falsche Signal senden, wenn er sich jetzt bei etwas blicken ließ, das so eindeutig Albus‘ Gebiet war.
Als er gegen Mitternacht die Hoffnung aufgab, dass Albus nach diesem Abend zu ihm zurückkehren würde – und stattdessen abermals die magische Energie seines Partners in den Räumen des kleinen Rotschopfs spürte – beließ Gellert es nicht bei Alkohol allein. Er würde die Nacht kein Auge zu tun. Dann konnte er genauso gut seine Wasserpfeife bemühen.
Unter den wachsamen Augen von Fawkes, der ihm sonderbarerweise, anders als sein Besitzer, nicht von der Seite wich, als ahnte er, dass Gellerts Kraftreserven allmählich zuneige gingen, bereitete er die Pfeife vor und setzte sich dann damit in den Salon. Am Rande bemerkte er, wie der Phönix den Raum verließ. Nachts flog er meist seine übliche Runde durch den angrenzenden Wald.
Je mehr von dem süßen Rauch ihm den Kopf vernebelte, desto langsamer drehte sich Gellerts Gedankenkarussell. Er wusste, dass es keine langfristige Lösung war. Aber der Rausch würde ihm wenigstens durch eine weitere frustrierende Nacht helfen.
Als er am Morgen wieder zu sich kam, erkannte Gellert, dass er immerhin für ein paar wenige Stunden geschlafen haben musste. Das war mehr, als er erwartet hatte. Er ließ die Überreste seines nächtlichen Exzesses verschwinden, streckte sich, bestellte sich bei den Hauselfen einen starken Kaffee und horchte dann ins Schloss hinein.
Albus saß bereits in einem Meetingraum. An einem Tag, von dem Gellert wusste, dass er ihn sich eigentlich hatte frei nehmen wollen. Sie beide hatten das. Sie hatten sich angenehmer beschäftigen wollen als mit Arbeit. Zähneknirschend nahm sich Gellert vor, ihm noch ein paar Stunden Zeit zu geben. Doch dann hätte er endgültig genug.

Als es schließlich sechs Uhr am Abend war, war Gellerts Geduld am Ende angelangt. Er apparierte direkt vor die Tür des Meetingraumes, klopfte kurz und trat ein, ohne auf eine Antwort zu warten.
„Guten Abend", grüßte er, während er langsam am Tisch entlang schritt, an dessen anderer Seite Albus saß. Die große Fläche war übersäht mit offenen Büchern, Dokumenten und leeren Tellern, auf denen letzte Krümel von den Sandwiches zeugten, die Albus während der Arbeit gegessen haben musste.
„Guten Abend“, grüßte Albus reserviert zurück. Mit ein paar Fingerzeigen sorgte er dafür, dass sich die Unterlagen, die überall verteilt waren, auf einigen sauberen Stapeln anordneten.
Mit dem Blick noch bei den Akten fragte er abwesend: „Wie war dein Tag?“
Auch, wenn Albus hörbar distanziert klang, war sein Ton doch weitaus freundlicher als noch vor zwei Tagen. Gellert war in friedlicher Absicht gekommen. Also setzte er sich betont entspannt auf die Tischkante und zuckte mit den Schultern.
„Unspektakulär. Deiner war offenbar sehr produktiv?"
Albus nickte hochgeschlossen. „In der Tat.“
Gellert betrachtete ihn. „Kommst du heute Abend nachhause?", fragte er. Bei Albus war es noch nie seine Art gewesen, um den heißen Brei herum zu reden.
Albus straffte die Schultern. „Ich bin zu Hause“, erinnerte er Gellert spitzfindig.
Geduldig präzisierte Gellert seine Frage: „Kommst du heute Abend zu mir?“ Er wollte eine klare Antwort. Die letzten Tage hatte er Albus den Abstand gegeben, den dieser sich gewünscht hatte. Doch er würde nicht zulassen, dass das ein Dauerzustand werden würde. Das, was da zwischen ihnen stand, wollte Gellert lieber früher als später beseitigen.
Albus presste die Lippen zusammen und schwieg.
„Das kann ich nicht“, sagte er schließlich leise und schüttelte, um seine Worte zu unterstreichen, den Kopf. „Ich kann nicht wieder zurück kommen und so tun, als sei nichts geschehen, Gellert.“
Gellerts Mundwinkel zuckte einem bitteren, gequälten Schmunzeln. „Es war nicht die Rede davon, dass du alles vergessen sollst“, erwiderte er und ließ den Blick durch den Raum schweifen. „Lass uns darüber sprechen.“
Albus hob eine Augenbraue. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, überschlug die Beine und verschränkte die Arme vor der Brust. Eine, für ihn recht untypische Geste. Eine, die er sonst nie nutzte, um sich abzuschotten. Seine Masken reichten für gewöhnlich aus.
„Sicher“, sagte er in falscher Sanftheit. „Sobald du bereit bist, mir ehrliche Antworten zu geben, statt mich mit Phrasen und neuen Beleidigungen abzuspeisen.“
„Ich speise dich nicht ab, Albus“, erwiderte Gellert betont ruhig. Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich Albus gegenüber. „Stell deine Fragen und ich werde dir antworten.“
Albus verlor keine Zeit. „Wieso hast du nicht mit mir darüber gesprochen, bevor du mein Gesetz außer Kraft gesetzt hast?“, stellte er die pikanteste Frage zuerst. „Wir haben es immer so gehandhabt. Wieso nicht dieses Mal?“
Gellert schwieg einen Moment und fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht, ehe er sich zurücklehnte und sie flach an der Tischkante ablegte.
„Weil es einfacher war."

*


Albus nickte grimmig. Diese Antwort erschien ihm wahrer als die letzte, die Gellert auf diese Frage gegeben hatte.
„Wie viele andere Fälle gibt es noch, von denen ich nichts weiß?“, fragte er, und weil er etwas zur Stärkung brauchte, wies er zur Minibar in die Ecke und ihm schwebte ein Glas Sherry entgegen. Er würde Gellert ja etwas anbieten, aber er hatte auch so schon das Gefühl, dass Gellert Freundlichkeit mit Schwäche verwechselte, also unterließ er es und fragte stattdessen kühl, während er an dem Wein nippte: „Wie oft hast du dich schon in meine Themen eingemischt, ohne mir davon zu berichten?“
Es wurmte Albus seit Tagen schon, dass er den Verdacht hatte, dass Gellert ihm weniger Kompetenz in seinem Verantwortungsbereich unterstellte als sich selbst, obwohl er kaum in der Politik unterwegs war. Gellert war nur ein Beobachter am Seitenrand, der im Affekt der Meinung gewesen war, sich etwas herausnehmen zu dürfen. Wenn er insgeheim die Ansicht vertrat, dass seine Meinung in politischen Entscheidungen mehr wog als Albus‘, dann war dies nicht der einzige Vorfall gewesen, befürchtete Albus.
Doch Gellert runzelte die Stirn. Er schien über die Frage fast beleidigt, als könnte er nicht fassen, was ihm Albus da unterstellte.
„Nur dieses eine Mal.“
„So?“, fragte Albus, dessen Blick sich in Gellerts bohrte, während er das Glas abstellte, sich zurücklehnte und die Fingerspitzen seiner Hände vor der Brust gegeneinander legte. Er bemerkte Gellerts Irritation und setzte mit einem bitteren Lächeln hinzu: „Ist es nicht nachzuvollziehen, dass mir der Gedanke kommt, dass du mir noch mehr verschweigen könntest?“
„Nein“, sagte Gellert leise aber eindringlich. „Dass ich das nur ein einziges Mal riskiere, war bereits sehr unwahrscheinlich."
Albus‘ Lächeln wurde traurig. Er glaubte ihm, aber er konnte es nicht ohne weiteres so stehen lassen. „Gellert, du hast mir bei unserem letzten Gespräch gesagt, dass ich keine Ahnung habe, was in deinem Kopf vorgeht“, erinnerte er ihn leise, „und ich gebe dir recht. Seit einigen Tagen habe ich in der Tat das Gefühl, ich weiß es nicht. Das besorgt mich, um es milde auszudrücken.“ Er schluckte und wich dann Gellerts Blick aus, weil er bemerkte, wie emotional er wurde. „Ich habe es dir vorher nicht zugetraut. Ich habe es nicht kommen sehen. Es ist nicht verwunderlich, dass ich nun hinter jeder anderer deiner Gesten etwas vermute, das ich nicht erahnte.“
Es war ein schwacher Trost, zu bemerken, dass Gellert diese Unterhaltung ebenso wenig behagte wie ihm. Es grenzte für seine Verhältnisse beinahe an Herumzappeln, als er sich nun vorbeugte und sich mit den Unterarmen auf dem Tisch abstützte.
„Albus“, beschwor er ihn eindringlich. „Ich habe mich nicht verändert. Und ich will dich niemals hinter- oder übergehen.“ Hörbar reumütig fügte er hinzu: „Es war ein einmaliger Fehler."
Albus schwieg und warf Gellert einen scheuen Blick zu. Es war unfair, wie schnell er sich in Gellerts Nähe verletzlich fühlte. „Wie kann ich dir jetzt noch vertrauen?“, hauchte er und schüttelte den Kopf. „Welchen Grund hätte ich?“
Gellerts Blick wurde wachsamer bei diesen Worten, fast als wolle er sich wappnen. „Albus, es war EIN einziger Fehler", erwiderte er noch einmal eindringlicher, „lass das nicht ein Kluft zwischen uns schlagen. Bitte."
„Es war nicht nur ein Fehler, es war eine Entscheidung“, erinnerte ihn Albus bitter. „Du hast deine eigene Meinung als höher eingestuft als meine, in MEINEM Verantwortungsbereich. Das war nicht nur respektlos, Gellert. Und am Ende warst du es, der damit diese Kluft zwischen uns aufgebrochen hat.“ Er trank einen großen Schluck Sherry, um sich zu beruhigen, weil seine Stimme bereits wieder lauter geworden war. So sachlich wie er konnte, fuhr er fort: „Du hast mein Vertrauen missbraucht. Das schadet nicht meinem Job. Das schadet unserer Beziehung. Beruflich ist es eine Kleinigkeit. Wenn ich das Gesetz wirklich hätte durchdrücken wollen, dann könnte ich das noch immer.“ Er schüttelte den Kopf. „Den größten Schaden hast du zwischen uns angerichtet. Du hast so viel kaputt gemacht, hast meine Einstellung zu den Dingen, die ich entscheide, und unser Vertrauen mit Füßen getreten und, was am schlimmsten daran ist …“, setzte er mit einem bitteren Lächeln hinzu, „… ist, dass dir das nicht einmal klar ist. Du glaubst, es geht einzig und allein um das eine Gesetz. Dabei ist daraus allein durch dein Einschreiten so viel mehr geworden.“
Gellert biss die Zähne zusammen und ballte eine Hand auf dem Tisch zur Faust.
„Ich habe entschieden, ein Gesetz aufzuhalten, das definitiv gescheitert wäre und uns dann noch mehr Probleme gemacht hätte, Albus!", verteidigte er sich.
„Und du hättest mit mir darüber sprechen sollen!“, erwiderte Albus, nicht minder zornig. „Du weißt, dass ich mir deine Meinung anhöre. Du weißt, dass ich sie berücksichtige, wenn ich dir zustimme. Wenn es dir so wichtig war, hättest du mich überzeugen können!“ Er holte tief Luft, um sich zu beruhigen und sagte dann kopfschüttelnd: „Wir sind nie so gewesen. Wir haben uns vertraut, mussten uns nicht gegenseitig anzweifeln oder überprüfen. Ich kann noch immer der Präsident sein, der ich davor war. Aber mit mangelndem Vertrauen zerstörst du nicht die geschäftliche Beziehung, Darling. Du zerstörst den Rest.“

*


Gellert spürte, wie all der Zorn und der Frust erneut in ihm hochbrodeln wollten. Er war nicht wütend auf Albus, vielmehr auf diese Situation. Die Tatsache, dass sie sich wegen einer Sache stritten, die an allem zu rütteln drohte, was sie ausmachte.
Doch er erkannte auch, dass ihn Albus nicht mit einer simplen Entschuldigung oder einem Eingestehen seiner Fehler davonkommen lassen würde. Er wollte eine offene Erklärung. Und Offenheit war etwas, womit Gellert bis heute nicht glänzen konnte. Natürlich kannten sie einander ebenso gut wie sich selbst und ihre Verbundenheit sorgte dafür, dass Albus meist wusste, was in Gellert vorging, ohne dass dieser es ihm gegenüber hätte offen zeigen oder aussprechen müssen.
Doch diese Verbundenheit war getrübt und Albus ließ ihn derzeit nicht auch nur ansatzweise in die Nähe seines Geistes. Sein Feld war in wachsamer Verteidigungshaltung und Gellert wagte sich nicht zu nah heran. Dabei hätte eine mentale Verbindung es so viel leichter gemacht.
Gellert wollte Albus nicht verlieren. Nicht damals, nicht heute, nicht in Zukunft. Aber das wurde gerade eine immer realistischere Befürchtung. Also atmete Gellert tief durch und drückte mit Daumen und Zeigefinger auf seinen Nasenrücken, während er sich sammelte.
„Ja, ich hätte dich überzeugt", antwortete er ruhig, „und ich wollte mir das sparen. Aber nicht, weil ich keine Lust auf Diskussionen gehabt hätte." Gellert sah zu Albus auf. „Ich weiß, dass dir dieses Gesetz wichtig war, Albus. Ebenso, wie viele andere Gesetze bezüglich der Muggel zuvor, die du allesamt nicht hattest umsetzen können, weil sie uns nicht genutzt hätten und die Zeit nicht reif gewesen war." Sein Kiefer verspannte sich. Die nächsten Worte herauszubringen, kostete ihm einiges an Überwindung. „Ich wollte nicht mit ansehen, wie enttäuscht du wärst, sobald du erkennst, dass es nicht umzusetzen ist."
Albus runzelte die Stirn. „Wie kannst du dir dabei so sicher sein?“, hauchte er fassungslos. „Wieso glaubst du, dass deine Entscheidung die richtige war? Du hast nicht zugelassen, dass ich es versuche, OBWOHL wir so viel anderes nicht umsetzen konnten.“ Neue Wut mischte sich in seine Stimme. „Was erlaubst du dir, einfach anzunehmen, dass meine Arbeit scheitern würde? Glaubst du etwa, dass du auf diesem Gebiet mehr Ahnung hast als ich? Möchtest du die Rollen gern tauschen?“ Seine letzten Worte waren provozierend geworden.
Energisch schüttelte Gellert den Kopf. „Das ist Schwachsinn. Ich halte dich für kompetenter auf deinem Gebiet als jeden anderen, einschließlich mir selbst! Aber es ging nicht um deine Kompetenz, Albus. Es ging darum, dass mir Berichte über Pläne vorlagen, das Gesetz auszunutzen und gegen uns zu verwenden. Es hätte genau das Gegenteil von dem bewirkt, was du erreichen wolltest. Vermutlich hätte es zu noch größeren Problemen auf ganz anderen Ebenen geführt!"
Albus starrte ihn an. Er wirkte sprachlos. Zum ersten Mal seit dem Anfang ihres Streits.
Dann blinzelte er und hauchte „Was?“, während er das Sherryglas fester griff.
Gellerts Miene verfinsterte sich. „Delacroix und ein paar seiner Verbündeten haben bereits konkrete Pläne verfasst, um das Ermächtigungsgesetz für ihre und gegen unsere Ziele auszunutzen. Meine Spitzel in seinen Reihen haben mir die Berichte zukommen lassen. Sie haben entgegen ihren ideologischen Überzeugungen Verbindungen nach Kanada zu dem dortigen Muggelminister und ein paar weiteren Abgeordneten unterhalten. Hätten wir weitere Muggel ins kanadische Ministerium gelassen, hätte Delacroix bei der Auswahl seine Finger im Spiel gehabt. Er hätte Strohmänner einschleusen können und uns von innen heraus boykottiert.“
Als er mit seiner Erklärung am Ende angelangt war, schwieg Gellert zerknirscht. Er ahnte, was ihm Albus als nächstes vorwerfen würde: Dass er ihm die Berichte zu Delacroix‘ Putschversuch nicht vorgelegt hatte. Dass er ihn eigenmächtig gestoppt hatte, anstatt Informationen mit Albus zu teilen, die ihm zugestanden hätten. Gellert hatte darauf gehofft, dass sie sich vielleicht versöhnen könnten ohne, dass es ans Licht käme. Nicht, weil er die Wut fürchtete. Vielmehr, weil seine Ehrlichkeit ihn in eine unangenehme Lage brachte. Aber um Albus nicht zu verlieren und um zu beweisen, dass sie nicht gegeneinander arbeiteten, hatte er es nun doch zugeben müssen.
Albus runzelte konzentriert die Stirn. „Also würde das Gesetz seine Position stärken“, sagte er mit einem langsamen Nicken. Dann schüttelte er den Kopf. „Wieso hast du mir das nicht gesagt, bevor das Gesetz zur Abstimmung stand? Wieso hast du mir die Berichte nicht vorgelegt?“
„Das sagte ich bereits“, gab Gellert gereizt zurück. Er wich Albus‘ Blick aus, weil ihn der wahre Grund, weshalb sie hier saßen und sich über ‚mangelndes Vertrauen‘ stritten, beschämte und irritierte.
Albus hob verwundert eine Augenbraue. „Weil es einfacher war?“, wiederholte er. Sein Stirnrunzeln wurde tiefer. „Wirklich, Gellert? Nur, weil er meinen politischen Zielen gefährlich werden kann, gibt es dir nicht das Recht, dich einzumischen. Ich wäre auch selbst mit ihm fertiggeworden.“
Mit einem leisen Seufzen legte Gellert den Kopf in den Nacken und lehnte sich zurück, sodass er an die Decke sehen konnte.
„Weißt du", sagte er, müde von ihrem Streit, „wenn du ein Gesetz durchbringen kannst, das dir tatsächlich etwas bedeutet und die Welt nach deinen Vorstellungen etwas besser macht, dann hast du ein ganz besonderes Funkeln in den Augen. Du strahlst tagelang. Manchmal Wochen."
Er musste schmunzeln, weil er sich daran erinnerte, wie glücklich Albus in solchen Momenten war.
Doch dann verdüsterte sich das Bild in seiner Vorstellung.
„Wenn diese Gesetze scheitern, dann sehe ich, wie die Enttäuschung und Zweifel an dir nagen. Darüber ob sich deine Ideale jemals umsetzen lassen, ob die Welt überhaupt bereit dafür ist oder jemals sein wird."
Er schloss einen Moment die Augen, ehe er wieder Albus anblickte.
„In letzter Zeit ist es schwieriger für mich, das mit anzusehen. Nicht, weil es mir zu anstrengend oder lästig wäre. Sondern weil es schmerzt. Hättest du davon erfahren, hätte es dich am Boden zerstört. Davor wollte ich dich bewahren.“
„Du hast es mir nicht gesagt, weil du nicht wolltest, dass ich den Glauben an die Menschheit verliere und mir Vorwürfe mache?“, fragte Albus leise. „Und wieso rückst du dann nicht mit der Sprache heraus, wenn ich schon dahintergekommen bin? Du hättest uns so viel Streit ersparen können.“
Gellert nickte knapp. „Mir ist klar, dass das unprofessionell und töricht war, aber …“ Er seufzte schwer. „Nun, ich kam nicht dagegen an. Der einzige Grund, aus dem ich es verschwiegen habe, war, weil ich dich nicht leiden sehen wollte. Ich habe meine Gefühle über die Vernunft gestellt. Das ist nicht zu entschuldigen.“ Bitte lachte er auf. „Zumal ich mir nicht einmal einen Plan B überlegt habe, solltest du dahinterkommen.“
Allein das war schon untypisch für ihn. Schließlich überlegte er sich immer einen Plan B bis D, egal um was oder wen es ging. Selbst wenn er Albus also unterschätzt hätte und davon ausgegangen wäre, dass dieser es niemals rausfinden würde, wäre es typisch für ihn gewesen, mindestens einen Notfallplan parat zu haben. Doch er hatte einfach nicht weiter darüber nachdenken wollen. Hatte sich nicht mit dem emotionalen Schmerz beschäftigen wollen, der ihnen beiden gedroht hatte. Genau genommen war er sich nicht mal sicher, ob er in dem Moment überhaupt wirklich nachgedacht oder nur seinen Gefühlen zugehört hatte. Und das machte es für ihn nur umso beschämender. Er kannte sich nicht so peinlich sentimental, so schwach, so angreifbar. So hatte er nie sein wollen und so wollte er sich Albus nicht zeigen.

*


Albus schwieg berührt. Das Bild, das Gellert von ihm zeichnete, gefiel ihm so gut, dass er fühlte, wie jegliche restlichen Zweifel in ihm restlos fortgewaschen wurden. Wann hatte er Gellert eigentlich das letzte Mal gesagt, dass er ihn liebte? Das würde er bald nachholen müssen.
Und nun, da Gellert sich einmal geöffnet hatte, schien er das nicht so schnell rückgängig machen zu können. Er rührte Albus mit seinen Worten zutiefst. Sie waren so ungewohnt offen und emotional, dass er erst gar nicht begreifen konnte, dass sie Gellert wirklich über die Lippen gekommen waren. Eigentlich war Albus der emotionale in ihrer Beziehung.
Ungeachtet all der Dinge, die zwischen ihnen standen (unter anderem dieser Tisch) erhob er sich langsam, schob dann mit einer Handbewegung Gellerts Stuhl so weit zurück, dass genug Platz wäre, und ließ sich rittlings auf seinem Schoß sinken. Er ignorierte den verdutzten Ausdruck in Gellerts Gesicht, nahm es in beide Hände, schaute ihm in die Augen und beugt sich vor, bis ihre Lippen sich trafen.
„Bitte“, murmelte er, nachdem er den kleinen Kuss wieder gelöst hatte. „Sprich das nächste Mal mit mir. Sag mir, was vor sich geht. Diese Geheimniskrämerei bringt mich um.“
Gellert nickte. „Versprochen.“ Fast schon zögernd legte er die Hände auf Albus‘ Taille, als wagte er nicht, dem plötzlichen Frieden zu trauen.
Albus gedachte, ihm mehr Zuversicht einzuflößen. Er küsste ihn leidenschaftlicher und spürte erleichtert, dass Gellert die Küsse ebenso intensiv erwiderte.
„Verzeih, dass ich an dir gezweifelt habe“, sagte Albus leise, als sie sich wieder voneinander lösten. Er schmiegte sich an ihn. „Ich hätte es besser wissen müssen.“
„Es war dennoch ein Fehler“, murrte Gellert.
Albus schmunzelte. „Es ist wahr und er ist durch nichts zu entschuldigen“, bestätigte er ernst. Dann setzte er sanfter hinzu: „Aber du hast einen verhältnismäßig kleinen Fehler gemacht, indem du mich nicht eingeweiht hast… im Vergleich zu dem, was ich dir unterstellt habe. Und ich bereue es, dir diese Unterstellungen gemacht zu haben, dass du gegen mich agierst. Dabei wolltest du nur das Beste.“
Nach allem, was zwischen ihnen vorgefallen war, schien Gellert dem Frieden nicht zu trauen.
Er runzelte die Stirn. „Ich möchte mich nicht beklagen, aber meinst du das ernst oder muss ich mit einem Dolch im Rücken rechnen, sobald ich mich umdrehe?“
„Darling“, sagte Albus entrüstet und hob eine Augenbraue. „Findest du nicht, wir haben uns genug gestritten? Oder gibt es noch etwas, das du mir sagen willst und das meine Meinung noch einmal ändern würde?“ Er lehnte sich zurück und taxierte Gellert mit einem prüfenden Blick.
„Nein." Gellert zog ihn in einen weiteren Kuss.
Seine Antwort beruhigte Albus und löste auch noch die letzte Anspannung in Wohlgefallen auf.
Er erwiderte den Kuss sehnsüchtig und genießend und war froh, dass sie einen kurzen Moment mal nicht sprachen. Es war schon viel gesprochen worden in der letzten Stunde. Albus war jetzt weniger danach, zu reden, und vielmehr danach, sich Gellert wieder nah zu fühlen. Auf jede erdenkliche Weise.
„Ich habe dich vermisst", flüsterte Gellert, dem es ähnlich zu gehen schien. Er schlang die Arme fester um Albus‘ Mitte.
„Ich dich auch“, hauchte Albus. Er wusste, was er jetzt am liebsten tun wollte, um sich selbst von dem Nachgeschmack seines Vermissens zu befreien. Aber dafür wollte er nicht hier bleiben – so erregend er die kleinen Abenteuer in den Meetingräumen auch immer gefunden hatte, die Gellert und er schon hinter sich hatten. „Lass uns im Wohnzimmer weitermachen“, wisperte er an Gellerts Lippen, ehe er den Kuss erneut vertiefte. Es würde eine Weile dauern, bis sein Entzug soweit befriedigt war, dass er von Gellerts Mund ablassen konnte.
Gellert schmunzelte fühlbar in den Kuss. Er fuhr mit den Händen unter Albus‘ Hintern, packte ihn und hob ihn hoch, während er aufstand.
Reflexartig schlang ihm Albus die Beine um die Taille und keuchte dann auf, als sie apparierten.
Wenn er es nicht selbst war, der es auslöste, überraschte es ihn jedes Mal ein wenig.
Im Wohnzimmer dehnte sich die Welt um sie herum wieder aus.
„Wohn- oder Schlafzimmer?", hakte Gellert mit einem vielsagenden Schmunzeln nach, das Albus ansteckte.
„Wo auch immer du mich lieber nackt auf dir sitzen hättest, Darling“, schnurrte er.
Gellert lachte leise. „Überall, Liebling, überall."
Er trug ihn ins Schlafzimmer, entzündete mit einer Handbewegung ein paar Kerzen und beugte sich am Bett nach vorn, um Albus sanft abzulegen und ihn mit seinem Gewicht auf die Matratze zu drängen.
Albus liebte es, wenn Gellert das tat: Die Entscheidungen übernahm und damit doch genau das machte, was Albus am schönsten fand. Kerzen und ein gemütliches Bett, Gellert nah bei sich… Albus genoss es jetzt noch mehr, all das zu haben.
Er behielt die Beine weiterhin um seine Hüfte geschlungen und zog ihn erneut zu einem Kuss herunter, der verlangender war als die vorsichtigen, mit denen sie begonnen hatten.
Gellert unterbrach die Küsse für weitere, die auf Albus‘ Kinn und seinen Hals setzte, während er ihm magisch die Kleidung öffnete.
„Es gibt nichts, was ich nicht für dich aufgeben würde, Liebling. Du bist so wundervoll“, raunte er ihm zu, mit solcher Ehrfurcht in der Stimme, dass Albus eine Gänsehaut bekam.
Er wusste, dass er der Einzige war, dem gegenüber Gellert jemals so etwas sagen würde.
Und Albus wusste nicht, was er Angemessenes auf diese Ergebenheit Gellerts antworten sollte, außer ein ehrlich gehauchtes: „Ich liebe dich mehr als alles andere, Gellert.“
Gellert drückte sich stärker an ihn. Seine Hände strichen über Albus‘ nackte Seiten.
„Und ich dich, Liebling."
Seine Zärtlichkeiten schwemmten all den Schmerz hinweg, der Albus über die letzten beiden Tage hatte hart und eisig werden lassen. Plötzlich war da Raum für so viele Emotionen, dass er ganz gefühlsduselig wurde. Er schmiegte sich stärker gegen Gellert, hielt mühsam die Tränen zurück, die sich nun plötzlich in ihm anstauten, und versuchte, langsam und regelmäßig zu atmen. Es war vollkommen lächerlich, jetzt zu weinen. Es bestand gar kein Grund dafür, immerhin war alles geklärt. Und Albus sollte sich eigentlich wirklich besser unter Kontrolle haben… so, wie er es von sich gewohnt war. Aber andererseits, wenn ihn etwas aus dem Gleichgewicht bringen konnte, dann war es Gellert. Also war es wohl nicht verwunderlich.
Trotzdem… Albus hielt eisern den Atem an, um das aufkommende Schluchzen nicht entweichen zu lassen und drängte es mit entschiedener Macht zurück, bis es so tief in ihm vergraben war, dass es ihnen jetzt nicht die Stimmung zerstören würde.
Um sich nicht anmerken zu lassen, wie empfindlich er im Augenblick war, drängte sich Albus Gellert stärker entgegen, schob ihn zurück und drehte sie beide herum, bis Gellert unter ihm lag und Albus, der auf ihm thronte, ein Stückweit die Kontrolle hatte.
Er schmunzelte und warf Gellert einen verführerischen Blick zu, während er sich das geöffnete Hemd von den Schultern streifte.
Dann beugte er sich vor, küsste Gellert und ließ die Hand ungeduldig über die Knopfleiste von dessen Hemd gleiten. Die Knöpfe sprangen auf und seine Hand strich über Gellerts warme Haut, während er den Kuss vertiefte.
„Kommt nun der Part, bei dem du nackt auf mir sitzen wirst?", raunte Gellert ihm zu und strich fragend über Albus Hosenbund.
Albus lachte leise. „Ganz genau“, schnurrte er und mit einem Fingerschnipsen verschwand seine Hose. Sein Mund wanderte von Gellerts Lippen über die Wange hin zu dessen Ohr, biss sanft hinein und küsste sich dann tiefer, während er die Hände über Gellerts nackte Brust streichen ließ und sich sehnsüchtig an ihm rieb. Er saugte sich an Gellerts Hals fest, fordernd und besitzergreifend, während sich mit einem weiteren Fingerschnippen auch Gellerts Hose in Luft auflöste.
Als sich ihre nackte Haut berührte, stöhnte Albus zufrieden auf und das Reiben seines Beckens wurde gleich noch intensiver. Nun, da er sich ganz auf das Gefühl konzentrieren konnte, wie sich Gellerts Körper gegen seinen schmiegte, heizte es ihn so schnell auf, dass er ungeduldig wurde. Als Gellert ein zufriedenes Schnurren erklingen ließ, erregte ihn das noch zusätzlich. Albus beugte sich weiter vor, bis er fast auf Gellert lag, befeuchtete seine Finger und führte sie zu seinem Eingang. Während er langsam begann, sich zu weiten, konnte er nicht anders, als sein Becken weiter auf Gellert kreisen zu lassen, sodass sein Glied, das mittlerweile halb erhärtet war, sich gegen das von Gellert rieb. Die Reizung ließ ihn leise aufkeuchen. Er vergrub das Gesicht in Gellerts Halsbeuge, bedeckte die Haut mit Küssen und sorgte dafür, dass Gellert auch jedes seiner kleinen gehauchten Seufzer und ersten zaghaften Stöhnen deutlich hören konnte.  
Die Art, wie Gellerts Hüfte verlangend nach oben zuckte und wie sich seine Hände in Albus‘ Hüften gruben, bestätigten ihm, dass er nicht der Einzige war, der immer erregter wurde. Albus erlaubte sich ein kleines Schmunzeln, während er keuchte. Gellert war nicht der Einzige, der wusste, wie er seinen Liebhaber in Fahrt bringen konnte.
Und weil er selbst nicht länger warten wollte und seine Vorbereitung schnell hinter sich gebracht hatte, zog Albus die Hand aus sich heraus, setzte sich auf und hob dann das Becken an, ehe er ohne Umschweife Gellerts Glied umfasste. Er nahm sich einen Augenblick, es fordernd zu massieren und die Lusttropfen, die den breiten Schaft hinuntergelaufen waren, zu verteilen, ehe er es ein wenig feuchter zauberte und sich positionierte.
Langsam sank er darauf hinab, spürte, wie sich die Spitze gegen seinen Muskelring presste und dann, wie er nachgab. Albus stöhnte auf, sank tiefer, während er sich mit den Händen auf Gellerts Brust abstützte und den Kopf in den Nacken legte, und schloss die Augen. Er konnte jeden Zentimeter, den Gellert tiefer in ihn drang, überdeutlich fühlen. Und obwohl nicht viel Zeit vergangen war, seit ihrem letzten Mal, bemerkte er nun doch noch deutlicher, wie sehr er es vermisst hatte. Wie sehr er IHN vermisst hatte.
Albus biss sich auf die Unterlippe, in einem halbherzigen Versuch, ein Stöhnen zu unterdrücken, das ihm dann doch entwich. Er sank tiefer, bis Gellert bis zum Anschlag in ihm war, und verharrte einen Moment auf ihm, während er das Gefühl genoss, vollkommen von ihm ausgefüllt zu sein.
Dass sich Gellerts Hände stärker in seine Hüfte krallten, genoss Albus jetzt umso mehr.
Doch als er dann überraschend und fordernd zustieß, entwich Albus ein atemloses Stöhnen und für den Bruchteil einer Sekunde flammten Sterne vor seinen Augen auf.
Er schnappte nach Luft und schaute zu Gellert hinunter, der überaus zufrieden mit sich wirkte.
Albus schmunzelte.
Er griff Gellerts Handgelenke, beugte sich vor und pinnte sie neben Gellerts Kopf, während seine Hüfte begann, einen langsamen Rhythmus anzuschlagen und er sich auslotete, um den perfekten Winkel zu finden.
Als er das nächste Mal das Becken herabdrückte und Gellerts Glied gezielt über seine Prostata rieb, stöhnte er auf. Er biss Gellert fordernd in die Unterlippe, leckte dann darüber und verwickelte ihn in einen Kuss, während er die Bewegung wiederholte – dieses Mal gieriger.  
Bei seinem nächsten hungrigen Absenken stöhnten sie beide gemeinsam auf. Gellert war ihm mit dem Becken entgegengekommen und die erregenden, lustvollen Blitze, die das ausgelöst hatte, feuerten Albus nur weiter an. Er beschleunigte seine Bewegung, weil es ihn immer rastloser machte, zu fühlen, wie sich Gellert in ihn hineintrieb. Albus ließ die Handgelenke los, um die Hände frei zu haben, stützte sich mit einem Unterarm ab und legte die andere Hand auf Gellerts Wange, während er den Kuss aufrechterhielt, einzig unterbrochen von seinem atemlosen Keuchen und Stöhnen.
Gellerts Schwanz machte ihn wahnsinnig, wie er sich immer wieder über diesen süßen Punkt in Albus‘ Innerem rieb. Es ließ sein eigenes Glied sehnsüchtig zucken, das zwischen ihren Bäuchen eingeklemmt war.
Albus stieß sein Becken fordernder hinunter und trieb Gellerts Glied damit so heftig gegen seine Prostata, dass er Sterne sah und lauter stöhnte.
„Merlin, du fühlst dich so gut in mir an, Darling“, keuchte Albus an Gellerts Lippen. Die Ekstase begann, seine Sinne zu berauschen.  
Gellerts Hand packte ihn im Nacken. Hungrig zog er ihn tiefer, um ihn gieriger zu küssen.
„Ich könnte dir die ganze Nacht dabei zusehen, wie du dich selbst auf mir fickst, Liebling", raunte er ihm atemlos zu, während er Albus nächster Bewegung zur Untermalung mit einem festen Stoß entgegen kam.
Albus stieß einen leisen Schrei aus, als der feste Stoß gegen seine Prostata tausende Blitze durch seinen Unterleib zucken ließ. So sehr ihm auch das Bild gefiel, das Gellert zeichnete, kam er langsam an seine Grenzen. Die Hüftbewegung war eine andere, als wenn er sich selbst versenkte, und er war es nicht gewohnt, dabei so lang den Ton anzugeben. Er war von seinen Anstrengungen schon ein wenig verschwitzt und deutlich außer Atem.
Gellert übernahm oft sehr früh die Führung und Albus mochte es meist auch so. Zwar hatte er den Sex dominant begonnen, aber etwas in ihm lockte ihn dennoch, sich Gellert zu ergeben. Es war das gleiche Sehnen wie jedes Mal, das darum bat, auf dem Schlachtfeld ernstgenommen aber im Bett unterworfen zu werden.
Weil Albus weder den Atem noch die geistige Kapazität dafür hatte, sein Verlangen in Worte zu fassen, nahm er die Hand, die Gellert in seinen Nacken gelegt hatte, und führte sie an seine Kehle. Der Rausch war nicht der gleiche, wenn er nicht durch Gellerts Hand verstärkt wurde.

*


Gellerts Mundwinkel zuckte und ein Schauer durchlief ihn, als Albus derart von seinem Stoß überwältigt aufschrie. Umso mehr, als dieser seine Hand zu seinem Hals führte – in einer stummen Bitte, von Gellert dominiert zu werden.
Gellert kam der Aufforderung nur zu gern nach, schloss seine Hand besitzergreifend um Albus‘ Kehle und nahm ihm so die Luft, während er ihn in Position hielt und erneut ein paarmal fest in Albus stieß, was dieser mit lauterem Stöhnen quittierte.
Dann hielt Gellert seine Hüften jedoch still und sah amüsiert zu Albus auf. „War es das etwa schon, Liebling? Das kannst du besser. Beweg deinen hübschen Hintern für mich", forderte er ihn auf und verstärkte den Druck an Albus‘ Hals.
Von dem Sauerstoffentzug und seiner Lust sichtlich benebelt, brauchte Albus offensichtlich einen Moment, um die Aufforderung zu begreifen. Doch dann, den Kopf ein wenig in den Nacken gelegt, als wollte er Gellerts Hand deutlicher an seinem Hals fühlen, kam Albus der Aufforderung nach. Mit geschlossenen Augen drückte er sein Becken hinunter. Ein weiteres Stöhnen kam ihm über die Lippen, aber es war halb flehend, weil Gellert ihm nun nicht länger entgegenkam.
Gellert betrachtete Albus‘ halb ekstatischen, halb angestrengten Gesichtsausdruck, während dieser sich bemühte, seinen Aufforderung nachzukommen. Seine Muskeln zitterten. Vielleicht vor Lust, vielleicht vor Erschöpfung. Doch sein Inneres verkrampfte sich unverändert gierig um Gellerts hartes Glied und dass er so sehnsüchtig danach war, von Gellert genommen zu werden, schmeichelte ihm.
„So ist gut, Liebling", lobte er mit samtiger Stimme und kam Albus‘ Bewegungen zur Belohnung entgegen, allerdings nicht so gezielt und kräftig wie während der Stöße zuvor.
Er legte seine freie Hand um Albus‘ zuckendes Glied, strich mit dem Daumen neckend über die Spitze, an der bereits dicke Lusttropfen hinabliefen. Albus erschauderte heftig und stöhnte hilflos auf, während sein Körper stärker bebte. Er ballte die Hände, die er neben Gellerts Kopf abgestützt hatte, zu Fäusten.
Tapfer kam er Gellerts Beckenbewegung entgegen, doch seine Kraft ging spürbar zuneige.
An der Kehle zog Gellert ihn zu sich hinunter. „Sag mir, was du dir wünschst." raunte er ihm zu und lockerte den Griff um seinen Hals etwas, um ihm die Antwort zu erleichtern.
Albus holte tief und zitternd Luft. Er schien einen Moment zu brauchen, bis der Sauerstoff den Rausch weit genug zurückgedrängt hatte, damit er antworten konnte.
Dann sagte er mit heiserer Stimme: „Ich will, dass du mich fickst. So hart, dass ich es nicht so schnell vergessen kann.“ Er biss Gellert auffordernd in die Unterlippe. „Besitze mich“, hauchte er.
Seine Worte weckten das Raubtier in Gellert. Einen Moment sah er Albus in die vor Lust verhangenen Augen, dann packte er ihn fest am Hals und drehte sie beide herum, bis Albus unter ihm auf dem Rücken zum Liegen kam.
Gellert positionierte sich neu, hob mit einer Hand Albus‘ Becken ein wenig an und behielt die andere an der Kehle seines Liebhabers. Dann stieß er sich heftig und tief in die zuckende Enge hinein, in einem langsamen, intensiven Rhythmus, bei dem er darauf achtete, jedes Mal gezielt und hart gegen Albus‘ Prostata zu stoßen.
Albus legte die Hand an Gellerts Unterarm, während dieser ihm erneut ein wenig die Luft abdrückte, und bäumte sich dann überwältigt auf. Vor Überreizung verleierte er die Augen, den Mund für sein atemloses Stöhnen halb geöffnet und die Hand an Gellerts Unterarm mehr und mehr hineingekrallt.
"F-fuck", keuchte er, als Gellert ihn das nächste Mal überdeutlich traf.
Gellert genoss alles an Albus‘ Reaktion. Die Fingernägel, die sich in seinen Unterarm gruben, der weggetretene Ausdruck in seinem Gesicht, das abgehackte, atemlose Stöhnen, das wie Musik in seinen Ohren klang. Er gab sein Bestes, damit diese süße Symphonie nicht verstummen würde.
Auf Albus‘ Bauch sammelten sich bereits die Lusttropfen, während Gellert sich immer wieder hart gegen seine überreizte Prostata trieb.
Für gewöhnlich würde der Blonde das ganze ausreizen, es in die Länge ziehen und voll auskosten. Doch heute hatte Gellert keine Geduld dafür. Nicht nach allem, was geschehen war. Er nahm ihn hart und ohne Rücksicht, damit sie beide den berauschendsten, heftigsten Orgasmus erlebten.
Die freie Hand um Albus‘ Glied gelegt, massierte er ihn fordernd und drückte ihm zugleich heftiger die Luft ab. Albus quittierte es mit einem fühlbaren Schaudern, versuchtem Stöhnen, das halb abgewürgt wurde und einem heiseren Aufschrei, als es ihn schließlich über die Klippe warf. So eng, wie er sich um Gellert verkrampfte, dauerte es nur wenige Sekunden, bis er ihm schließlich folgte.
Mit einem Grollen sackte Gellert über ihm zusammen und ließ seinen Hals los.
Er schloss die Augen, sank auf Albus‘ nackte, verschwitzte Brust und spürte, wie ihm sein Partner die Arme und Beine um den Körper schlang. Nach all der Distanz genoss er diese Umarmung über alle Maßen. Ihre Felder tanzten miteinander, umschlangen sich, verbanden sich miteinander.
In seinem Kopf hörte er Albus leise wispern: 'Ich liebe dich.'
Es war mehr Gefühl als Worte.
Und es ließ Gellert schmunzeln.
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