Voller schöner Erinnerungen

OneshotAllgemein / P12
Castiel Jessica Moore Sam Winchester
26.03.2020
26.03.2020
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Voller schöner Erinnerungen

„Damit erkläre ich Sie zu Mann und Frau!“
Die restlichen Worte des Pfarrers gehen in dem tosenden Applaus der Hochzeitsgäste unter, die begeistert dem Paar zujubeln, das sich soeben das Ja-Wort gegeben hat. Es ist ein milder Sonntag im Mai, die Sonne wirft ihre warmen Strahlen auf die Wiese, die das Brautpaar sich für die Zeremonie ausgesucht hat. Ich betrachte amüsiert, wie die Stimmung eskaliert, als Braut und Bräutigam sich küssen. Gestern hatte alles noch ganz anders ausgesehen. Michelles Überlebenschancen standen gleich Null und nur das rechtzeitige Eintreffen von Dean und Cas rettete dem spitzbübischen Mädchen das Leben. Das ganze Blut ist verschwunden, und auch wenn Michelle noch etwas blass um die Nase ist und auf ihrem Gipsbein mehr wankt als steht, ist sie nicht nur am Leben, sondern auch mehr als glücklich in den Armen ihres Mannes. Gary selbst hat auch einige Schrammen abbekommen, doch auch er sieht zufrieden aus. Gerade hebt er seine frische Ehefrau hoch und trägt sie unter dem Gejohle der Gäste lachend über eine symbolische Türschwelle.
Ich stehe mit etwas Abstand zur Festgesellschaft hinter den Stuhlreihen. Dean steht bei den anderen Gästen und macht sich an die Schwägerin ran… Ich habe etwas Mitleid mit ihr, denn es ist zu offensichtlich, dass sie Wachs in seinen Händen ist. Mit gebanntem Blick hängt sie an seinen Lippen. Wahrscheinlich lügt er gerade das Blaue vom Himmel herunter und erzählt, er und ich seien Filmproduzenten oder sonst etwas. Ich seufze.
Ich sehe den Gästen weiter zu, während Michelle und Gary das Buffet und dann das Tanzparkett eröffnen.
Eine junge Frau kommt in meine Richtung. Ich straffe meine Schultern. Showtime.
„Hi! Ich bin Jolene, Michelles beste Freundin. Ich hab Sie noch nie hier gesehen“, kommt sie direkt zur Sache. Ich lächele vielleicht etwas zu steif, bevor ich zu einer gelogenen Erklärung ansetze. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich wieder daran gewöhnt.
„Ich bin Sam. Michelle und ich haben uns vor einigen Jahren mal im Urlaub getroffen.“
Ich schenke ihr ein entschuldigendes Lächeln und fahre mir durch die Haare. Eigentlich würde ich jetzt wirklich lieber nicht in Gespräche entwickelt werden. Doch Jolene scheint das nicht zu stören, sie plappert einfach drauf los. Ich bin ziemlich froh, dass sie nicht auch noch tanzen will. Etwas wehmütig betrachte ich Michelle in dem weißen Kleid.
Jolene hat anscheinend jemanden entdeckt, den sie in Beschlag nehmen muss, denn sie entschuldigt sich und wuselt in die Richtung einer Frau, die von ihrem Unglück noch nichts ahnt. Michelle lehnt sich gegen Gary. Die Geste erinnert mich an Jess. Immer wieder kommt sie, trotz der Zeit, die seit dem… seit des Vorfalls vergangen ist, in meine Gedanken. Ihr Lächeln, die leichte Art, durch die sie mich immer zum Lachen brachte. Wie schnell sie mich um den Finger gewickelt hatte, als ich als Ersti am College anfing. Sie war auch neu und wir hatten uns in der ersten Woche getroffen. Also, eigentlich war ich gegen sie gerannt. Ich lächelte als ich mich daran erinnerte, wie sie beinahe gestürzt war und ich im letzten Moment ihren Pullover erwischt hatte. Dass sie dann von dem Ruck gegen meine Brust stolperte und ich mich auf dem Rücken auf dem Boden des Ganges wiederfand, war Zufall. Zumindest redete ich mir das zuerst ein.
„Sorry“, hatte ich zerknirscht gemurmelt und sie sofort losgelassen. Doch die junge Frau mit den goldenen Locken und dem strahlenden Blick hatte nur gelacht, war aufgesprungen und hatte mir ihre Hand hingehalten. Mehr aus Höflichkeit als aus Nutzen hatte ich sie angenommen. Mir ist noch immer schleierhaft, wie ein so kleiner Mensch jemanden wie mich vom Boden heben will, aber das spielte zu dem Zeitpunkt keine Rolle.
Jess war alles, was mir fehlte und noch etwas mehr. Sie anzulügen über meine Vergangenheit hatte mehr wehgetan als alles andere, was ich bisher angestellt hatte.
Und wie so oft frage ich mich auch jetzt wieder, ob ich sie hätte retten können, wenn ich verdammt noch mal nicht so ignorant gewesen wäre.
Gary lächelt und drückt seiner Ehefrau einen Kuss auf den Scheitel. Eine Geste, die ich ebenfalls erinnere...
„Was ist los, Sam?“, reißt mich eine tiefe Stimme aus den Gedanken. Ich zucke zusammen und entdecke Castiel neben mir. Seine Schulter streift meine. Ich frage mich kurz, ob Dean ihm schon beigebracht hat, was persönlicher Abstand heißt. Seit wir – also ich – die Apokalypse ausgelöst haben, ist er ein Teil unserer kleinen, verfluchten Gruppe. Quasi schon ein Familienmitglied. Er guckt mich neugierig an. Ich lächele traurig.
„Ach nichts“, winke ich ab. „Jessica hat mich auch immer so angesehen, wie Michelle Gary.“
Meine Stimme bricht. Castiel legt den Kopf schief. „Wer ist Jessica?“
Ich starre in die Ferne. Erinnere mich daran, wie Jess und ich, einen Monat, nachdem wir uns kennengelernt haben, uns lachend aufs Sofa eines Freundes fallen ließen. Wir redeten über alles Mögliche und plötzlich kam irgendwer auf die Idee Wahrheit oder Pflicht zu spielen.
„Also, Sam: Wahrheit oder Pflicht?“, fragte mich Ken breit grinsend. Ich hätte da schon etwas merken müssen. Das breite Grinsen… naja, hinterher ist man immer schlauer. Gebannt sahen mich die anderen an. Wahrheit kam nicht in Frage. Nicht, wenn ich meine Freunde behalten wollte. Die hielten mich so schon für seltsam. Da würden mir lateinische Beschwörungsformeln, Schusswaffen und Geschichten über Geister und Hexen kaum helfen.
„Pflicht“, murmelte ich also mit einem Seufzen. Das aufgeregte Auflachen Kens hätte das nächste Indiz sein müssen. Strahlend verkündete er mir: „Küss Jessica.“
Gespannt sahen die anderen zwischen Ken, Jess und mir hin und her. Ich biss mir auf die Lippe und die Röte schoss mir ins Gesicht. Ken wusste, dass ich schüchtern bin, wenn es um Mädchen geht. Lily kicherte. Ich sah zur Seite, und plötzlich war es viel zu warm im Raum. Ich wich Jessicas Blick aus. Ich konnte sie genau neben mir spüren, ihr Oberschenkel berührte meinen, ihr leichtes Parfum kitzelte in meiner Nase.
„Na los, Sam, alternativ kannst du auch mit mir rummachen!“, schlug Ken vor und schürzte lachend die Lippen. Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu und wandte mich dann Jess zu. Nach gefühlter Ewigkeit riss ich den Blick von meinen Händen los und begegnete dem ihren. Ihre blauen Augen hielten mich gefangen. Ich blendete meine Umgebung aus.
Amüsiert betrachtete sie mich, ihre Mundwinkel zuckten verführerisch. Ich schwor Ken innerlich Rache, dann beugte ich mich vor und zog Jess zu mir heran. Ihr Atem streifte meine Nase. Ich schloss die Augen und überbrückte das letzte bisschen Distanz. Unsere Lippen berührten sich. Ich vergrub eine Hand in ihrem Haar, während sie mich noch näher zu sich nach unten zog. Ich fürchtete die Balance zu verlieren, und stützte mich, ohne von ihr abzulassen, an der Lehne des Sofas ab. Jessica lachte leise gegen meine Lippen. Viel zu schnell lösten wir uns voneinander. Vielleicht war es der Wein, oder aber Jess stieg eine angenehme Röte ins Gesicht. Ich betrachtete sie. Das Lächeln, der liebevolle Blick, das Licht, welches von ihren Haaren reflektiert wurde. Um uns herum war es still. Selbst Ken blieb der Mund offen stehen. Niemand sagte ein Wort. Ich lächelte, beugte mich vor und küsste Jess noch einmal. Danach waren wir zusammen. Bis…
Ich bemerke, dass Cas noch neben mir steht und auf eine Antwort wartet.
„Jessica Moore war das Mädchen, das ich heiraten wollte“, erkläre ich ihm also mit einem wehmütigen Lächeln. Castiel sieht mich mit diesem fremden Gesichtsausdruck an, den er oft aufsetzt. Sein Blick geht durch mich durch und scheint auf einen Punkt irgendwo in weiter Ferne fixiert zu sein. Eine Weile sagt keiner von uns etwas.
„Jessica Moore“, wiederholt Castiel schließlich abwesend.
„Sie hat einen schönen Himmel, Sam.“ Ich sehe auf. Cas sieht mich an. Ich meine so etwas wie Zuneigung in seinen sonst emotionslosen Zügen zu sehen.
„Er ist voller schöner Erinnerungen mit dir.“

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Hallo! Das ist meine erste Geschichte in Richtung Supernatural. Ich hoffe, es hat gefallen. ;)
Ich freue mich riesig über Reviews, Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge, usw.
LG, GNU
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