Bittersüße Träume

von qhanqibe2
GeschichteRomanze, Fantasy / P12 Slash
26.03.2020
26.03.2020
2
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Es war einmal, in einem weit entfernten Land, ein reicher und schöner Prinz, der von allen geliebt und umsorgt wurde, als wäre er ein kostbarer Schatz.

Doch das Herz dieses Prinzen war schwarz, schwarz von der Einsamkeit, die er tief in sich empfand und die sein innerstes einfärbte mit den Tränen der Verzweiflung.

Kein Mensch oder Tier in diesem Königreich vermochte ihn zu heilen und sein Herz wieder in Farbe zu tauchen, so dass er leben und lieben konnte.

Alle, bis auf einen.

Denn eines Tages betrat ein Bettler unbemerkt den Hof des Prinzen, sah sich satt an wunderschönen, roten Rosen und begann, auf seiner Geige ein Lied zu spielen.

Es klang weder fröhlich, noch traurig und spiegelte genau die Empfindungen des jungen Mannes wieder.

Denn tief in ihm war nichts, was sich hätte erfreuen, noch etwas, das hätte zerbrechen können.

In ihm da war nur eine Leere, fern von Einsamkeit oder Dunkelheit, mit der es sich gut lebte, so allein und arm, wie er auch war.

Aber wie es das Schicksal spann, betrat genau in diesem Moment der Prinz den Garten und hörte diese wundersame Melodie des Bettlers, die sein Leben wiederspiegelte, wie klares Wasser.

Er verliebte sich sofort und in seinem innersten, wo die Dunkelheit gewütet hatte, fing an, eine Blume zu blühen.

Die starke, rote Rose der Liebe - zerbrechlich, aber stark und wunderschön.

Der arme Prinz ließ sich verführen, von diesem Sog neuer, besserer Gefühle und ließ sich hinreißen, auf den Bettler zuzugehen und ihm umgehend alles zu berichten, was in ihm von statten ging.

»In mir«, so sprach er, »gab es nichts, wofür es sich zu leben lohnte und ich war schwarz vor Hass und Eifersucht auf die anderen Menschen, die all diese Farben der Zuneigung und des Lebens besaßen. Doch nun traf ich dich und mir erscheint es, als hätte mein dasein und meine fleischliche Hülle auf dieser Welt endlich einen Sinn.«

»Wenn dir mein Spiel so gefällt«, erwiderte der Bettler steif, »so werde ich diese Geige verbrennen und nie wieder nach den Noten des Lebens greifen.

Wenn nicht, sei versichert, dein Leben und dein Herz zu verlieren, an jemanden, der es nicht wert ist, jenes zu besitzen.

In mir ist nur Leere und ich kann dir nicht geben, was du willst.

Selbst wenn ich den Schein ware, mich deinen Wünschen füge und dir Zuneigung entgegen bringe, wird all dies zerbrechen, wie ein Spiegel, der hinunter geworfen wird, wenn du mein wahres Wesen begreifst - und ich meine, wirklich verstehst.«

»So lange du mich liebst, ist mir alles egal«, unterbrach der Prinz, mit all seiner würde niederkniend.

In seinen Augen lag ein Funkeln, als wären es die Sterne selbst, die da strahlten, erfüllt von einem neuen Sinn, zu leben und zu atmen.

Es war dem Bettler wohl bekannt, doch er vermochte, weder, es zu verstehen, noch es zu unterbinden.

Ebenso wenig wie die zärtliche Berührung, die der Prinz ihm entgegenbrachte, weder der Kuss, noch das Halten seiner Hand.

Warum regt sich in mir nichts?, fragte der arme Bettler nur stumm und verbot sich das Sprechen.

Warum konnte er sich nicht verlieben und glücklich werden, wie andere Menschen auch?

Warum tat es nicht weh oder zeriss ihn, es nicht zu können?

Er vermochte diese Fragen weder zu beantworten, noch sie dem Prinzen zu stellen, der verloren und wahnsinnig wurde, von dieser Liebe und dieser Lust, die ihn überkamen.

Es machte ihn unvorsichtig, stürmisch, er wollte diesen Menschen besitzen, der dies mit ihm machte.

»Füge dich mir«, bat er um ein weiteres Mal und bedachte den Bettler mit einem zärtlichen Blick.

Doch jener erwiderte nicht, sondern schaute schweigend weg, in seiner eigenen Welt versunken.

»Ich gebe dir alles was du willst«, versprach der junge Prinz also leichtsinnig, wie er geworden war.

»Eine Unterkunft, Reichtümer, Leckerein und Lustbarkeiten, so viel du willst.«

Seine Augen füllten sich mit Tränen, schwarz wie das, was einst in ihm gewesen war.

»Nur bitte verlass mich nie mehr!«

Nun sah der Bettler langsam keinen Grund mehr, sich zu verweigern und willigte aus reiner Empfindlosigkeit ein.

Augenblicklich versiegten die Tränen des Prinzen und die Rose in ihm ließ neue Knospen sprießen.

Bereit für den Kampf gegen die Dunkelheit.

So vergingen Jahre, in denen der Prinz jegliche Reize und Gefühle spielen ließ, um den Bettler für sich zu gewinnen.

Er gab alles Geld des Landes aus, um ihm alle Wünsche zu erfüllen, obwohl er sie nie geäußert hatte.

Aber alle Bemühungen waren umsonst.

Denn da, wo nichts war, nicht mal tiefe Dunkelheit, konnte keine Blume sprießen und wachsen, so wie bei dem Jüngling selbst.

Und so begann die Rose in ihm zu vertrocknen, bis jegliche Kraft in ihm erlosch.

Bald darauf starb der Prinz, ungeliebt und unglücklich.

Was zurückblieb, war einzig allein ein armes Königreich und ein Bettler, der nicht verstand, wie der einst so stattliche Prinz so töricht hatte werden können.