Prohibited Games

von qhanqibe2
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
26.03.2020
26.03.2020
12
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Schweiß rinnt mir den Nacken herunter, heftet sich an mein Hemd und die rote Uniformjacke. Die Karten in meiner Hand sind zerknittert und feucht. Ich zittere. Kein Wunder, schließlich steht mein Leben, so wie ich es kenne, auf dem Spiel. Alles, für das ich existiere, kann unbedeutend werden - meine Familie, meine Träume, meine Entscheidungen bisher. Ich spiele … Um mein Leben. Und auch wenn ich dies schon lange vorher gewusst habe, trifft es mich wie ein Schlag und ich presse in einem Anflug von Schwindel und Übelkeit meine Kiefer auf einander.  Mein Blick fällt auf meine Karten und ich versuche, mich wieder zu beruhigen; dieses Blatt ist meine Lebensversicherung und alles andere als schlecht. Zwar auch nicht zu gut, aber bestens um mir den Arsch zu retten.
Ich kann die neugierigen Gesichter um mich herum nicht mehr sehen, so konzentriert bin ich plötzlich. Aber ich weiß auch so, dass sie nun endlich den finalen Showdown sehen wollen; sie wollen sehen, wer die Oberhand hat und wer alles verliert. Wollen sich an der Hoffnungslosigkeit und dem Blick ergötzen, den ich auch schon oft bei anderen gesehen habe. Schrecklich, aber Alltag.
»Zeigt jetzt bitte eure Karten.«
Die Stimme des Dealers klingt rau und neutral. Für ihn ist all das hier bestimmt langweilig, nur ein weiteres Spiel unter Schülern. Was er jetzt wohl denken mag? Ich würde es ihm nicht übel nehmen, überläge er gerade, was er heute Abend essen will oder ob er das süße Schulmädchen mit den blonden Haaren da drüben vielleicht mal ansprechen soll. Er ist schließlich auch ein Mensch und solange es hier nicht um mein Leben gehen würde, wäre ich ebenso entspannt. Mein Gegenüber scheint - zumindest von Außen hin - die Ruhe selbst, immer noch. Ich kenne ihn kaum, aber er ist es, der mir im Schulflur Beleidigungen zu ruft, mir mein Mittagessen klaut und meine Tasche aus dem Fenster wirft. Es ist höchste Zeit, dass sich das Blatt wendet. Mit einem Anflug von Selbstsicherheit lege ich meine Karten auf den Tisch, der sich glatt und überraschend kühl unter meinen Händen anfühlt.
»Full House«, verkünde ich trocken und mit starker Stimme, die schon im nächsten Moment der Verunsicherung weicht. Denn mein Gegenüber grinst, überlegen und feierlich.
»Royal Straight Flush.«
Mir wird schlecht, als ich sein ausgebreitetes Blatt vor mir sehe. Der Pik-König schaut mich verachtend an, spottet über mich dummen Narren. Denn genau das bin ich auch: ein dummer Narr, der gerade sein Leben verspielt hat.