Newport

von Lynie
GeschichteRomanze, Familie / P12
26.03.2020
26.03.2020
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Die Sonne erwachte langsam und erhellte mit ihren warmen Strahlen das traumhafte Newport. Newport war eine Großstadt, die circa 750.000 Einwohner hatte. Sie teilte sich in drei Bezirke auf. Der nördliche Bezirk hieß Verdancy Territory. Er machte seinen Name alle Ehre, denn der große, dichte Wald und die vielen Stadtparks sowie der Zoo von Newport waren die Highlights für Natur- und Tierliebhaber. Die Bewohner dieses Bezirks lebten hauptsächlich in Cottages mit großen Gärten und die Nachbarn wetteiferten über die Frühling- und Sommermonate darum, wer wohl der schönste Garten hatte. Im Süden lag der Bezirk Coral Beach. Für Surfer, Schwimmer und Taucher wie auch für Fisch- und Korallenliebhaber war dies der Traum eines jeden Strandliebhabers. Hier lebten die Menschen in Einfamilienhäuser wie in Strandhäuser und genossen auf ihren Terrassen den Sonnenuntergang über das endlose Meer. Genau zwischen den zwei Bezirken lag das Herzstück der Stadt Newport und zwar Newport City. Hier fand das Leben statt. Nebeneinander türmten sich die Hochhäuser an. Theater wie Kino oder doch lieber ein Spiel von den Newporter Lions im Eishockeystadion wurden gerne von jedem Bewohner, egal in welchem Bezirk er wohnte, besucht. Zudem gab es eine Shoppingmeile mit unzähligen Boutiquen, Cafés und Restaurants. Im nördlichen Teil von Newport City befand sich das Saint Marie Hospital wie die Newport City University, die dieses Semester zum ersten Mal die Türe für die Studenten öffneten. Somit können jetzt die jungen Erwachsenen Karrieren in den Bereichen Jura, Wirtschaft, Buchhaltung, Management und Informatik sowie Architektur und Ingenieur anstreben. Im südlichen Teil des Zentrums schaffte das Newporter Police Departement für Recht und Ordnung und konnten auf die direktanliegende Feuerwehr bei Großeinsätzen auf Unterstützung rechnen, während im westlicheren Teil die Industriezone ihr Zuhause fand. Tief im Osten von Newport, wo an einer kleinen Ecke das Verdancy Territory und der Coral Beach sich trafen und eins wurden, kamen nur die wenigsten Bewohner und schon gar keine Touristen. Die Romantiker nannten es das verwunschene Land.

Lily, bürgerlich Liliane Jane Rollins, hatte, als sie nach ihrer Bachelorarbeit in Buchhaltung ein Praktikum bei dem renommierten Steuer- und Buchhaltungsberater James Tanner absolvierte, sich in Newport verliebt und wünschte sich, nach dem Studium dort hinzuziehen. Sie selber kam aus einem kleinen Dorf namens Corbilly, welches 50 km von Newport entfernt lag und in dem nur einige hunderte Einwohner lebten. Nachdem sie erfolgreich die Highschool beendet hatte, ging sie 2 Jahre ehrenamtlich ins Ausland, bevor sie zurückkehrte, um ihren Traumberuf in Leighton zu studieren. Sie schnitt mit einer 1,4 mehr als erfolgreich ab. Ihr drei Jahre älterer Bruder Gary, bürgerlich Gareth Charles Rollins, war zwar nicht unklug, hatte es aber schwerer als seine kleine Schwester. Mehrmals musste er ein Semester doppeln, aber mit viel Ehrgeiz und Fleiß absolvierte er zeitgleich mit Lilys Bachelorarbeit seinen Master in Architektur. Leider war vorab schon klar, dass Mister Tanner sie nicht übernehmen konnte. Somit hoffte Gary, dass er eine Arbeitsstelle in Newport finden würde, um den Traum seiner Schwester erfüllen zu können. Nachdem ihre Eltern vor 15 Jahren bei einem tragischen Unfall um Lebens kamen, war Lily die wichtigste Person in seinem Leben. Obwohl sie von ihren Großeltern väterlicherseits fürsorglich und behutsam aufgenommen wurden und Betty und Paul sich rührend um die Geschwister gekümmert hatten, sah sich Gary gegenüber Lily verpflichtet, immer für sie da zu sein und ihr jeden Wunsch, wenn es möglich war, zu erfüllen. Was Lily nicht wusste, war, dass er am Sterbebett seines Vaters versprechen musste, dass er auf sie aufpassen musste und ihr niemals etwas zustoßen durfte. Seit heute hatte er sein Versprechen nicht gebrochen, auch wenn seine Sorge um Lily, die diese als für übertrieben hielt, oft zu Streitereien führte. Nur die zwei Jahre, als sie im Ausland war, waren für Gary unerträglich und nur auf Drängen seiner Grandma Betty ließ er sie widerwillig ziehen. Mittlerweile war sie zwar 23 Jahre alt und sie wusste ganz genau, was sie wollte, nichtsdestotrotz würde er sich ein Leben lang für sie verantwortlich fühlen, auch wenn Lily es hasste, dass er manchmal wie ein Dackel hinter ihr herlaufen musste, genauso wie jetzt: „Liliane Jane, beeil dich bitte“
„Ich komme ja schon“, ertönte die Stimme seiner Schwester sichtlich genervt. Wenn er ihren vollen Namen aussprach, dann war es 5 vor 12 und sie musste sich nun wirklich beeilen und ihn nicht noch unnötig reizen. Er hörte die eiligen Schritte auf den alten Holzleisten, als sie geschwind die Treppe hinunter polterte. Ihre hellbraunen Locken lagen wirr bis zur Mitte ihres Rückens und in ihren tiefdunkelgrünen Augen konnte er ihre Hektik sehen. Sie war 1,66 m groß und somit 20 cm kleiner als er. Sie war zwar nicht dick, aber hatte eine weibliche Figur. Im Gegensatz zu anderen Frauen, die übermäßig schlank und zierlich waren, hatte sie ein kleines bisschen mehr Hüfte und mehr Oberweite. Sie hatte in seinen Augen eine wohlige und gesunde, weibliche Figur. Er hingegen war mit seine ebenso hellbraunen, mittellange Haaren und den meeresblauen Augen eher durchschnittlich gebaut. Nicht besonders muskulös, aber auch nicht all zu dünn.
„Erde an Gary“, ertönte Lilys Stimme dumpf in seinen Ohren und er sah sie mit ihren Händen wild herumfuchteln, „Ich dachte, wir müssten uns beeilen“
„Das müssen wir auch“, erwiderte er, „Los, steig ins Auto ein“ Er sah, wie seine Schwester aus der Haustür eilte, als er sich den Auto- wie den Wohnungsschlüssel von der Kommode schnappte und ihr hinterher lief. Geschwind setzte er sich hinter das Steuer seines schwarzen VW Jetta, während Lily es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich machte, bevor er den Motor anschaltete und losfuhr.
„Wo fahren wir eigentlich hin?“, fragte Lily, als sie schon eine gewisse Zeit unterwegs waren.
„Lass dich überraschen“, erwiderte er und zwinkerte ihr aus dem Augenwinkel zu.
„Ich hasse Überraschungen“, entgegnete sie und Gary ignorierte bewusst den grimmigen Unterton in ihrer Stimme und fuhr unbeirrt den Highway entlang. Als sie das letzte Viertel der Strecke erreichten, warf Gary einen flüchtigen Blick zu seiner Schwester und sah, wie sich ihre Augen vor Freude weiteten, als sie die Skyline von Newport sah. Sie öffnete das Fenster und atmete den angenehmen Geruch von Meereswasser ein. Als sie bemerkte, dass er die Spur wechselte, um nach Verdancy Territory zu gelangen, flippte sie innerlich vor Freude aus. Sowohl Verdancy Territory mit der immergrünen Ader sowie Coral Beach mit seinen endlosen Stränden, hatten es ihr am meisten angetan. Sie konnte gar nicht wirklich sagen, was sie lieber mochte. Lily bemerkte, wie Gary das Tempo drosselte und in einer kleinen Straße abbog. Obwohl sie in ihrer Praktikumszeit sich öfters ein Auto gemietet hatte und durch ganz Newport damit gefahren ist, kannte sie diese Ecke nicht. Sie kamen an einige Cottages vorbei, bevor er am Ende der Sackgasse gelang und das Auto zum Stillstand brachte.
„Wir sind da“, erwiderte er und strahlte sie an, bevor er sich abschnallte und aus dem Auto stieg. Lily machte es ihm gleich und stand unverzüglich und dicht neben ihn.
„Wo sind wir hier?“, fragte sie ihren großen Bruder und schaute ihn mit einem Blick der Verwunderung, aber auch der Freude an.
„Wir sind hier in der Coralblossom Street“, antwortete er und legte ihr brüderlich den Arm um die Schulter. Sie erwiderte nichts darauf und schaute sich beeindruckt um. Sie sah einen kleinen Weg, der an einem Cottage vorbeiführte. Ein innerer Impuls durchströmte mit ein wenig Aufregung ihren Körper, als sie den Pfad entlang schritt. Als sie nach wenigen Metern ans Ziel gelang, stockte es ihr den Atem. Sie befand sich am äußersten Strand von Coral Beach, während sie vor wenigen Sekunden noch im Verdancy Territory war. Es konnte nicht anders sein, sie befand sich im verwunschenen Land. Der Sand war weiß und das Meer so tiefblau, wie sie es noch nie gesehen hatte. Beeindruckt von der Schönheit dieses magischen Ortes, wandte sie schweren Herzens den Blick ab und lief dort zurück, wo sie ihren Bruder alleine gelassen hat.
„Gary, sag mir bitte, was wir hier an diesem traumhaften Ort machen“
„Siehst du hier dieses schöne, graue Cottage?“, fragte Gary und deutete auf das letzte Haus, welches vor ihnen stand.
„Natürlich sehe ich das“, erwiderte sie und schaute ihn verdutzt an.
„Ich habe es für uns gekauft“, erklärte er nüchtern und schaute sie neugierig an.
„Du hast was? Bist du völlig übergeschnappt?“, rief sie ihn vorwurfsvoll und ungläubig entgegen.
„Es war nicht einfach, den Preis noch herunterzuhandeln, aber ich habe es geschafft, es für 150.000 anstatt für 180.000 Dollar zu kaufen“
„Und mit welchem Geld willst du das finanzieren?“, fragte Lily und schaute ihn entsetzt an. Als gelernte Buchhalterin hatte sie ständig die Zahlen vor Augen und so ein Cottage zu finanzieren, war nicht einfach, vor allem, wenn man gerade erst nach dem Studium richtig in die Berufswelt einstieg.
„Unsere Eltern haben uns ein bisschen Geld vermacht. Ich habe meinen Teil für das Cottage aufgelöst. Zudem haben unsere Großeltern ein bisschen Geld beigesteuert. Der Rest wird über einen Kredit finanziert“
„Und wie willst du das bitteschön finanzieren?“, fragte sie erneut und schaute ihn vorwurfsvoll an, „Wir haben beide bis jetzt noch keinen Job gefunden“ Zerknirscht und traurig wandte sie sich von ihm ab. Sie betrachtete verträumt das Cottage und sie wusste, dass sie es jetzt schon liebte, nichtsdestotrotz erklärte sie ihren Bruder für verrückt.
„Ich habe einen Job bei einem Architekten in Newport City bekommen. In zwei Wochen fange ich an“, flüsterte Gary ihr ins Ohr. Sie drehte sich schlagartig um und umarmte ihn stürmisch.
„Ich freue mich so für dich“, erwiderte sie und war so überwältigt von den Neuigkeiten, dass ihr klammheimlich eine Träne entwischte.
„Und ich freue mich, dich so glücklich zu sehen“, entgegnete er mit weicher Stimme, als er sich sanft aus der Umarmung löste und ihr die Träne abwischte, „Lass uns reingehen. Ich zeige dir alles“ Lily nickte und hackte sich bei Gary unter, als sie voller Aufregung ihr neues Zuhause betraten.
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