Versprechen für die Ewigkeit

von tikato
KurzgeschichteRomanze / P12
26.03.2020
26.03.2020
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2034
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So richtig konnten sie es alle nicht glauben. Noch gestern herrschte hier ein Schneesturm seltenen Ausmaßes. Und heute? Die Sonne strahlte vom blauen Himmel auf sie hinab und wärmte die etwas spärlich bekleidete Gesellschaft, die sich auf dem Gletscher versammelt hatte. Katharina vergrub ihre Hände im warmen Mantel, den sie über ihrem Kleid trug. Es war ganz schön kalt. Sie warf einen Blick zu Markus, der in ihrer unmittelbaren Nähe stand. Ein leichtes Grinsen umspielte ihre Lippen, denn sogar der sonst so taffe Leiter der Bergrettung schien ein wenig zu frösteln. Auch die restlichen Gäste hielten die Gesichter in die wärmende Sonne. Zum Glück ging auch nur eine leichte Brise. Kaum auszudenken, wenn das gestrige Wetter heute herrschen würde. Die Feier hätte sonst im Tal stattfinden müssen. Noch vor einem Jahr hatte Verena Michis romantischen Antrag abgelehnt. Alles war im Hangar liebevoll von ihm vorbereitet gewesen. Für Verena war es damals wahrlich eine Überraschung. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, jemals zu heiraten. Allein schon den Gedanken an eine Hochzeit empfand sie als völlig spießig und unnötig. Sie konnte ihren Michael doch auch ohne das alles lieben!

Jetzt, nach über einem Jahr war sie aber nun doch bereit diesen gemeinsamen Schritt mit ihrem Traumpiloten zu wagen. Ihre Zweifel waren schnell verschwunden und sie fand es keineswegs mehr spießig. In ihr plagten damals große Gewissensbisse Michi so verletzt zu haben und sie konnte sich sehr wohl vorstellen seine Frau zu werden. Aber dazu benötigte sie die Hilfe der Anderen. Katharinas Grinsen wurde noch größer, als sie daran dachte, wie Verena den erneuten Antrag plante. Unter einem Vorwand hatten sie Michi, samt den Helikopter, auf den Dachstein gelotst. Alle wussten Bescheid, nur er nicht. Er war ganz schön überrascht gewesen, als Verena vor ihm auf die Knie ging und ihm die Fragen aller Fragen stellte. Katharina konnte sich noch zu gut an sein perplexes Gesicht erinnern und wie er laut JA in die Berge brüllte. Heute war es soweit, sie waren endlich bereit diesen Schritt zu gehen. Vor kurzem konnte Katharina eine Stelle in der Klinik antreten. In den gemeinsamen Pausen saßen Verena und sie oft beisammen und malten sich den heutigen Tag aus. Egal wo sie sich auch trafen, es war das Thema über Wochen hinweg. An ihren regelmäßigen Mädelsabenden beteiligten sich auch Emilie und Jessi mit daran und voller Eifer machten sie sich ans Werk. Und nun war es soweit. Die Gäste standen vollzählig vor der kleinen Hütte, die wunderschön hergerichtet war. Selbst ihr Vater, Peter Herbrechter und sogleich der Bürgermeister der Gemeinde, war bereit, um die Trauung durchzuführen. Es fehlten nur noch die Hauptpersonen.

Plötzlich legte jemand seine starken Arme um Katharina, dabei schreckte sie leicht zusammen. „Na? Hast du auch die Ringe mit dabei? Nicht das es daran scheitert!“, hauchte ihr der Mann hinter ihr ins Ohr.
Sie schmunzelte und begann zu kichern. Sein Atem kitzelte. „Ich heiße ja nicht Markus Kofler und auf einem Einsatz sind wir auch nicht.“ Sie musste daran denken, wie er damals die Ringe von Emilie und Tobias vergessen hatte. Alle saßen letztendlich in Einsatzkleidung in der kleinen Kirche, sonst hätten sie es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Die Ringe steckten dabei in seinem Anzug, weshalb er Improvisieren musste. Fast die gesamte Gesellschaft hatte begonnen zu kichern, als Markus zwei kleine Metallringe vom Klettergurt löste und sie dem Brautpaar überreichte.
Katharina drehte sich um und gab dem Mann, den sie liebte, einen langen Kuss. In diesem Moment hörte sie schon das unverkennbare Geräusch der Hochzeitskutsche. Nie hätte sie gedacht, dass Michi seine Verena auf einem Gletscher heiraten würde. Und schon gar nicht, dass er sie in seiner zweiten großen Liebe, dem gelben Helikopter der Bergrettung, hier herbringen würde. Verena teilte Michis Begeisterung zur Fliegerei eher nicht. Die Ärztin litt unter großer Flugangst, eigentlich unvorstellbar bei so einem Mann. Doch heute schien ihr das nichts auszumachen. Viele erstaunte Aufrufe waren zu hören, als die gelbe Hummel auf sie zuflog. Sie gab mit dem blauen Himmel ein phänomenales Bild ab. Katharina schmiegte sich an ihren Freund und gemeinsam beobachteten sie Michis spektakulären Anflug.
Nach einem kleinen Schneesturm für die Wartenden landete der Pilot souverän sein Baby ein wenig abseits der Gesellschaft. Schützend hatte Markus sich vor Katharina gestellt, damit der Wind der Rotoren nicht ihre mühsam gerichteten Haare wieder durcheinander wirbelte. Für einen kurzen Moment sahen sie sich tief in die Augen. Sie liebte ihn über alles und auch Markus verlor sich in ihren braunen Augen. Er hätte sie noch ewig anschauen können. Doch ein Raunen ging durch die Menge, denn das Brautpaar näherte sich. Michi hatte Verena selbstverständlich selber hochgeflogen und ihr aus dem Heli geholfen. Er trug einen dunkelblauen Anzug, ein weißes Hemd und die passende Krawatte dazu. Verena hatte sich für ein hellgraues Kleid mit knielangem, etwas ausgestelltem Rock entschieden. Das hatten die Frauen bei einer sehr amüsanten Shoppingtour ausgesucht.

Hand in Hand schritten die Zwei durch die wartenden Freunde und Familienmitglieder in Richtung Peter. Man konnte beiden die Nervosität ansehen. Aber ihr Vater war geübt und nahm ihnen ganz schnell die Aufregung. Mit den üblichen Worten begann er die Trauzeremonie.
Katharina fiel es schwer, sich auf ihren Vater zu konzentrieren. Immer wieder blieb sie mit ihrem Blick bei dem Mann neben ihr hängen. Markus! Jedes Mal, wenn sie ihn ansah, wurde ihr richtig warm ums Herz. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Er war nicht nur sehr attraktiv, sondern auch unglaublich warmherzig und liebevoll. Bei ihm fand sie in jeder Situation Halt. In all den vergangenen Jahren, war Markus für sie da. Egal, ob es ihm dabei gut ging, oder nicht. Er stand ihr zu jeder Uhrzeit zur Verfügung, was sie sehr an ihm schätzte. Er hatte sie aufgefangen, als es ihr schlecht ging. Der Verlust ihres Babys und Thomas' schrecklichen Unfalls schmerzten noch heute und es kam dennoch vor, auch wenn es inzwischen selten geworden war, dass sie aus einem Albtraum aufschreckte. Immer waren seine starken Arme und beruhigenden Worte für sie da. Lange konnten sie sich ihre wahren Gefühle nicht eingestehen, obwohl sie es innerlich beide wussten. Sie waren füreinander bestimmt, doch aus irgendeinem Grund stellte das Leben die Beiden auf ständige Mutproben, bevor sie endlich zueinander finden konnten. Soviel gemeinsame Zeit, ließen sie damals links liegen.

Katharina musste fast lachen, als sie Markus so betrachtete. Er sah unwiderstehlich aus in seiner schwarzen Anzughose, dem anthrazitfarbenem Hemd und der schwarzen Krawatte. Sie musste erneut an Emilies und Tobias Hochzeit denken. Noch heute schüttelte es sie bei dem Gedanken an diesen fürchterlichen tannengrünen Samtanzug, mit braunem Kragen, kräftig durch. Zum Glück passte der nicht mehr und er hatte sich neu eingekleidet. Markus hatte es wirklich in Erwägung gezogen diesen schrecklichen Anzug anzuziehen. Er war richtig enttäuscht gewesen, als er bemerkte, dass er nicht mehr passte. Markus versuchte sogar ihn im Internet zu finden, aber zu Katharinas Glück blieb die Suche ohne Erfolg.

Verträumt beobachtete die Bergretterin, wie er sie ansah. Da waren wieder seine strahlenden blauen Augen und sein warmes herzliches Lächeln. „Katharina?“ Er flüsterte ihren Namen auf so wundervolle Weise. Markus blickte sie teils auffordernd, teils amüsiert an. Doch in ihrem Bauch waren nur Schmetterlinge unterwegs. Sie fühlte sich wie ein frisch verliebter Teenager. Alles kribbelte und die Situation um sie herum war vollkommen ausgeblendet. Sie hatte nur noch Augen für ihn. „Hey, Katharina!“ Jetzt klang seine Stimme schon etwas komisch. Verdutzt schaute sie ihn an. „Ja, was ist denn?“ Etwas belustigt deutete er mit dem Finger in Richtung ihres Vaters. Auch der sah sie auffordernd an. Was hatten sie denn nur alle? Einige Gäste begannen etwas zu tuscheln. Markus flüsterte ihr zu: „Die Ringe.“ „Ja, die hab ich dabei. Das weißt du doch“, antwortete sie irritiert. Nun lächelte er deutlich amüsiert. „Dann solltest du sie mal nach vorne bringen. Die warten auf dich.“ Oh Mann. Das war jetzt nicht wirklich passiert! Vor lauter Träumerei hatte sie ihren Einsatz verpasst. Mit hochrotem Kopf lief sie zu Michi und Verena und gab ihnen das kleine dunkelblaue Kästchen. Leise raunte sie ihnen ein „Entschuldigung“ zu und ging zurück zu Markus. Am liebsten wäre sie im Boden versunken. Das war ihr unendlich peinlich. „Engel, wo warst du denn mit deinen Gedanken?“, fragte er leise. Den Blick nach vorne gerichtet antwortete sie geheimnisvoll: „Das verrate ich dir zu Hause.“ Dabei lächelte sie verschwörerisch.
Nach der Trauung feierten alle Freunde und Familienmitglieder oben auf der Hütte. Es war eine wunderschöne Feier und die Stimmung fantastisch. Es wurde viel getanzt, gelacht, geredet, gegessen und getrunken. Michi konnte sich einen Seitenhieb in Richtung Katharina wegen ihres verpassten Einsatzes natürlich nicht verkneifen. „Und ich dachte, wenn ich dir die Ringe anvertraue, kommen sie rechtzeitig bei uns an und dann das. Ihr seid wirklich füreinander geschaffen. Warum haben wir eigentlich keine Doppelhochzeit gefeiert?“, scherzte er mit Markus und Katharina, die wieder leicht rot um die Wangen wurde.
Einer der Höhepunkte war selbstverständlich der Wurf des Brautstraußes. Eigentlich wollte sich Katharina bei dieser Aktion geschickt drücken, doch alle nicht verheirateten Frauen zogen sie mit in ihre Reihen. So stand sie nun und wartete darauf, dass Verena den Strauß warf. Irgendwie fühlte sie sich, zwischen all den jubelnden Frauen, etwas fehl am Platz. Zum Glück standen Jessi und Emilie neben ihr und ließ sie dann doch nicht ganz so verloren wirken. „Drei, zwei,
eins!“, rief Verena und warf den Blumenstrauß schwungvoll nach hinten. Als würde er kein anderes Ziel kennen, flog das florale Prachtstück, unter dem Jubel der Anwesenden, direkt in Katharinas Arme. Überrascht starrte sie auf den Blumenstrauß und dann etwas verlegen zu Markus.

Der stand etwas entfernt von dem Geschehen im Kreise seiner Freunde. Niemals hätte er damit gerechnet, dass Katharina den Strauß fangen würde. Er wusste nicht, ob er darüber lachen oder weinen sollte. Es passte einfach perfekt! Seine Freunde klopften ihm eifrig auf die Schultern. Markus konnte sehen, wie Katharina mit einem leicht gerötetem Gesicht auf ihn zu ging. Sie zuckte mit den Schultern und er antwortete mit einem etwas seltsamen Lächeln. Was später noch geschehen würde, ahnte sie natürlich nicht.
Der Abend neigte sich dem Ende, als Michi und Verena, noch vor Einbruch der Dunkelheit, mit ihrer Hochzeitskutsche wieder zurück ins Tal schwebten. Markus stand mit seiner Liebsten auf der Terrasse. Die Autos, die die Hochzeitsgesellschaft wieder nach unten bringen sollten, würden in einer dreiviertel Stunde losfahren. Er wollte diese Zeit nutzen, um die Ruhe und die Aussicht auf einen atemberaubenden Sonnenuntergang zu genießen. Katharina stand vor ihm, dabei hatte er die Arme um sie gelegt. Sie lehnte ihren Kopf an seine Brust. „Es ist wunderschön hier“, sagte sie leise. „Du bist wunderschön“, hauchte ihr Markus ins Ohr. Obwohl der Ausblick einfach fantastisch war, drehte er Katharina langsam zu sich. Er nahm ihre Hände in seine. Katharina konnte eine leichte Unsicherheit in seinen Augen erkennen. Zitterten seine Hände? Leicht verwirrt sah sie ihn an und wollte schon fragen, ob es ihm gut ginge.
Markus atmete einmal tief durch und blickte in ihre Augen. „Katharina, ich liebe dich. Du bist das Wichtigste und Wertvollste in meinem Leben. Bei dir kann ich zur Ruhe kommen und Kraft tanken. Ich will immer für dich da sein. Ein Leben ohne dich kann und will ich mir nicht mehr vorstellen. Wenn du es auch willst, so möchte ich den Rest meiner Tage mit dir an meiner Seite verbringen.“ Katharina sah ihn mit großen Augen an. Ihr Herz schlug heftig und sie bekam weiche Knie. Sollte das wirklich der Moment sein, den sie sich erhofft hatte? Plötzlich ging Markus vor ihr auf die Knie und hielt ein kleines rotes Kästchen hoch. Er öffnete es und ein wunderschöner, zarter Ring kam zum Vorschein. „Katharina, willst du meine Frau werden?“ Sie hielt sich eine Hand vor den Mund, Tränen standen in ihren Augen. Langsam ging sie zu ihm in die Knie, nahm sein Gesicht in ihre Hände und sagte: „Ja Markus, das will ich!“ Und beide versanken, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang im Hintergrund, in einem nicht enden wollenden Kuss.

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Liebe Grüße

Tikato
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