Herz über Kopf

von Erzsebet
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Benjamin "Ben" Ahlbeck Elias Bähr OC (Own Character)
26.03.2020
27.03.2020
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Guten Morgen!
Ich melde mich in diesem Fandom mal wieder zu Wort. Dank der Selbstisolation habe ich mal wieder ein wenig Zeit zum Schreiben und freue mich, euch ein wenig unterhalten und entführen zu können. Ich möchte keine großen Worte verlieren und euch lieber gleich mit der Geschichte beginnen lassen, aber zuerst muss ich euch noch darauf hinweisen, dass ich mir die Figuren aus der Serie natürlich nur geborgt habe, meine Geschichte frei erfunden ist und alle nicht in der Serie existierenden Figuren mein Eigentum sind.

Nun aber viel Vergnügen und bleibt gesund!
Liebe Grüße
Erzsebet

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"Jule, hast du meine Unterlagen gesehen?"
Hektisch wirbelte die junge Frau durch das Arbeitszimmer, sah in jeder Schublade nach und wälzte die Papierstapel durch, die auf dem Schreibtisch standen.
"Jule?", fragte sie in die Stille, als sie keine Antwort erhalten hatte.
In ein Handtuch gewickelt und mit triefenden Haaren kam die Blondine in das Zimmer geeilt. "Wo brennt es?"
Auf der nackten Haut an ihren Armen und Schultern zeichnete sich eine Gänsehaut ab. Ihre dunkelblonden Haare wirkten in nassem Zustand einen ganzen Ton dunkler, aber auch die unterschiedlichen Blondtöne, die Jule so hasste, kamen jetzt deutlicher zum Vorschein.
"Ich habe dich gefragt, ob du meine Unterlagen gesehen hast, aber ich habe nicht gewusst, dass du gerade unter der Dusche gestanden hast", antwortete ihre Mitbewohnerin und beste Freundin mit einem Kopfnicken zu der bereits entstandenen kleinen Pfütze am Boden, die die nassen Haare der jungen Frau verursacht hatte.
"Upps!" Ungeschickt wischte sie mit dem Handtuch, auf dem sie stand, über die feuchte Stelle. Als Jule wieder aufblickte, musterte ihre Freundin sie erwartungsvoll. "Ah ja, deine Unterlagen…" Sie ließ ihren Blick über das Chaos im Zimmer schweifen. Tatsächlich hatte es in dem Arbeitszimmer schon chaotisch ausgesehen, bevor Sophie sich auf die Suche begeben hatte und leider musste sich Jule eingestehen, dass der Löwenanteil des Zustandes in dem Raum ihr Verdienst war. Sie lebte schon seit jeher nach der Devise - ordentliche Menschen sind nur zu faul zum Suchen! Im Gegensatz zu ihr war Sophie ein Ordnungsfanatiker, weshalb ihre gemeinsame Wohnung meist doch sehr annehmbar aussah.
"Da ist eine blaue Mappe dabei. Ich brauche die wirklich ganz dringend für die Arbeit, mein Chef reißt mir sonst den Kopf ab!", beklagte sich Sophie. Die Schwarzhaarige arbeitete erst seit Kurzem in der kleinen Firma als Grafikdesignerin. Jule wusste, wie viel ihrer Mitbewohnerin der Job bedeutete, weshalb sie alles daran setzte, einen möglichst guten Eindruck bei ihrem Vorgesetzten zu hinterlassen. Doch Jule erinnerte sich auch an die Zweifel und Ängste der jungen Frau, denn der Chef ihres letzten Jobs war ein richtiger Arsch gewesen, der ihr immer wieder eingeredet hatte, dass sie es nie zu etwas bringen würde. Ihre neuen Mitarbeiter hatten Sophie allerdings freundlich aufgenommen und die Atmosphäre im Büro war fast schon familiär. Sogar ihr neuer Chef machte den Erzählungen ihrer Mitbewohnerin zufolge einen tollen, liebenswerten Eindruck. Trotzdem konnte Sophie ihre Selbstzweifel nicht gänzlich ablegen und war noch immer sehr angespannt, was ihre Arbeit betraf.
"Ich glaube, ich habe eine blaue Mappe im Wohnzimmer gesehen", verkündete Jule und kehrte ins Badezimmer zurück.

Die Blondine hatte sich kaum angezogen, da ertönte der schrille Ausruf ihrer Mitbewohnerin. "JULE!"
"Ja?", erwiderte sie kleinlaut, als sie das Wohnzimmer betrat und hatte bereits eine böse Vorahnung.
"Guck dir das an", rief Sophie schrill und hielt eine leicht zerfetzte Mappe empor. Wütend funkelte sie abwechselnd Jule und den schuldbewusst dreinblickenden Border Collie an. "Oh nein, er wollte sie dir sicherlich nur bringen", versuchte Jule ihren Hund in Schutz zu nehmen.
"Toll, das hilft mir jetzt auch weiter!" Fluchend schleuderte Sophie die Mappe auf den Tisch. "Wie hat der nur den Eignungstest zum Schulhund geschafft?"
Eine berechtigte Frage, die ich mir in Anbetracht des Temperaments des liebevollen Vierbeiners selbst hin und wieder stellte. Aber tatsächlich hatte Charlie den Wesenstest bestanden und befand sich daher nun in einer teuren Ausbildung zum Schulhund, die auch Jule vor viele neue Herausforderungen stellte. Doch sie hatte bereits während ihres ersten Praktikums den vielversprechenden Ansatz der tiergestützten Pädagogik kennenlernen dürfen und damals den Entschluss gefasst, wenn sie später eine feste Anstellung an einer Grundschule erhalten würde, wollte sie ebenfalls selbst einen Schulhund einsetzen. Ganz zu ihrem Glücke hatte der Direktor ihrer Schule dieses Vorhaben unterstützt. Generell konnte sich Jule nicht beklagen, immerhin gehörte sie zu den wenigen glücklichen, die nach dem Referendariat an der gleichen Schule bleiben konnten, sodass sie seit vergangenem Jahr fest dort arbeitete. Vor wenigen Monaten war dann Charlie zu ihrer Wohngemeinschaft gestoßen und hatte scheinbar den Direktor der Grundschule augenblicklich um den Finger gewickelt, denn der schwarz-weiße Hund durfte schon vor dem Beginn seiner Ausbildung mehrmals die Schule und Jules Klasse besuchen. Die Kinder liebten ihn und verbrachten so viel Zeit wie nur möglich mit dem aufgeweckten, zutraulichen Kerlchen. Seitdem Charlie allerdings das gezielte Apportieren lernte, hatten schon so einige Gegenstände unter dem Hund leiden müssen, der die Kraft seiner Zähne nicht richtig einzuschätzen wusste.
"Es tut mir wirklich leid", gab Jule niedergeschlagen zu.
Langsam schien die Wut der Dunkelhaarigen abzuklingen und stattdessen blankem Entsetzen zu weichen. Panisch öffnete Sophie die Mappe, als wäre ihr erst jetzt bewusst geworden, dass damit auch all ihre Unterlagen zerfetzt worden waren. Doch zu dem Erstaunen der beiden jungen Frauen war die Mappe vollkommen leer.
Verwundert blickten sie einander an, dann begann Jule plötzlich zu lachen. "Hi hi, das ist meine Klassenarbeitenmappe", stellte sie fest, da ihr Blick auf den Aufkleber gefallen war, der zum Vorschein gekommen war.

Eine Tasse Beruhigungstee und mehrere Stunden später brütete Sophie über ihren Unterlagen, die sich unter einem Prospekt versteckt hatten, während Jule mit Charlie eine Runde an der frischen Luft drehte.
In den letzten Wochen hatten sie verschiedene Strecken ausgemacht und Charlie liebte es auf großen Flächen zu toben. Seine Neugierde hatte ihn zwar schon so manches Mal in die Bredouille gebracht, aber er schien dahingehend unbelehrbar zu sein. Auch jetzt stürmte er dem Stock hinterher, den Jule durch die Luft geschleudert hatte. Kurz darauf kehrte er Schwanzwedelnd zurück und legte den Stock zu Jules Füßen.
Ein paar Mal wiederholten sie diese Prozedur, dann leinte Jule Charlie wieder an und joggte weiter wieder in die Richtung ihrer Wohnung zurück.
Unterwegs traf sie trotz des schönen Wetters auf nur wenige Menschen. Die meisten Leute saßen jetzt vermutlich im Café und tranken Kaffee oder aßen Eis. Nur zwei Männern mit einem Kinderwagen bahnten sich ihren Weg, jedoch schenkte Jule den beiden Männern nicht länger ihre Aufmerksamkeit und joggte geradewegs an ihnen vorbei.
Sie war daraufhin nur wenige Meter weiter gelaufen, als sie das kleine Schlagloch übersah und ins Straucheln geriet.  Ehe sie das Gleichgewicht wieder zurückgewinnen konnte, stolperte Jule und landete unsanft auf dem Boden.

Schmerz schoss durch ihr linkes Handgelenk und ihren Arm. Instinktiv hatte sie versucht, sich mit der freien Hand und den Knien abzufangen. Wahrscheinlich würde sie nun leichte Schürfwunden an den Knien davontragen, aber aus irgendeinem Grund hatte sie die Befürchtung, dass ihr Arm keine ganz so leichte Blessur darstellte. Mühsam versuchte sich Jule aufzurichten, wobei Charlie mit seiner Nase gegen sie stupste, als wolle er ihr beistehen.
"Geht es Ihnen gut?", fragte eine warme, freundliche Männerstimme.
Jule sah sich nach dem Sprecher um, der neben ihr zum Stehen gekommen war. Die junge Frau blickte in braune Augen, die sich hinter einer Brille verbargen. "Danke, alles in Ordnung", erwiderte Jule, obwohl ihr vielmehr nach einem spitzen  Schrei zumute war. Das war doch der Kerl aus der Bar, oder hatte sie schon Halluzinationen?
Der Mann schien Jule auf den ersten Blick glücklicherweise nicht wiederzuerkennen, denn seine Aufmerksamkeit war ganz auf das Handgelenk der Frau gerichtet. "Darf ich mir das ansehen? Ich bin Arzt."
Jule verbannte all ihre Gedanken und nickte mit zusammengebissenen Zähnen. Kurz darauf reichte ihr der Mann seine Hand und halfen ihr auf die Beine. Erst da wurde Jule bewusst, dass der Arzt nicht alleine war. Einen Schritt hinter ihm stand ein zweiter Mann mit Kinderwagen und Jule wurde ganz mulmig. Auch den Herren kannte sie aus der Bar und die Röte schoss ihr ins Gesicht.
"Das sollten wir uns in der Klinik ansehen", sprach der Arzt, nachdem er die Hand der Frau in Augenschein genommen hatte.
"Es geht schon", gab Jule tapfer zurück und sich auf die Lippe beißend.
"Aber das sieht nach einer Fraktur aus…"
Fieberhaft suchte Jule nach einer Ausrede, war jedoch nicht schnell genug, denn schon verkündete der zweite Mann: "Keine Widerrede, Elias, also Dr. Bähr nimmt Sie jetzt mit ins Johannes-Thal-Klinikum! Und wenn Sie möchten, dann betreue ich Ihren Hund, bis Sie jemanden verständigt haben!"
Daraufhin gab sich Jule geschlagen und ließ sich von Dr. Bähr stützend zum Krankenhaus führen, das zum Glück in der Nähe lag.

Schmunzelnd blickte Ben Ahlbeck seinem Freund und der jungen Frau hinterher. Sie war ihm auf Anhieb bekannt vorgekommen und wieder einmal musste er sich fragen, ob an dem Spruch - man sieht sich im Leben immer zweimal - doch mehr dran war. Diesmal bereute er es jedenfalls nicht, denn immerhin hatte die Frau schon bei ihrer ersten Begegnung einen bleibenden Eindruck auf Elias hinterlassen, wenn auch eher etwas ungewollt...
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